Key Takeaways
- Tabularis.AI präsentiert das KI-Sprachmodell Faust-I, das lokal auf PC und Smartphone betrieben werden kann.
- Faust-I ist ein Open-Source-Modell, welches ohne Cloud-Anbindung auskommt und gängige Anwendungen wie Kundenservice unterstützt.
- Das Start-up fokussiert sich auf kompakte, spezialisierte Modelle für den Unternehmensgebrauch, um Unabhängigkeit von externen Infrastrukturen zu gewährleisten.
- Faust-I führt in Benchmarks besser als größere Modelle und hat das Potenzial, lokal betriebene KI-Anwendungen zu revolutionieren.
- Die Präsentation von Faust-I beim Digital Leaders Deep Dive weckt das Interesse der Industrie und zeigt den Trend hin zu lokaler, souveräner KI.
Inhaltsverzeichnis
- Was Tabularis.AI mit Faust-I ankündigt
- Der technische Ansatz von Tabularis.AI: klein, lokal, spezialisiert
- Einsatzfelder: Wo Faust-I im Unternehmen ansetzen soll
- Marktcheck: Tabularis.AI zwischen Plattform-Logik und Souveränitätsanspruch
- Leistungsdaten im Kontext: Vergleich mit deutlich größeren Modellen
- Cyber Valley als Bühne: Aufmerksamkeit aus der Industrie
- Stimmen aus dem Unternehmen
- Ausblick: Lokale KI als Prüfstein für den Praxiseinsatz
Das Tübinger Deep-Tech-Startup Tabularis.AI stellt mit Faust-I ein KI-Sprachmodell vor, das vollständig lokal auf PC und Smartphone betrieben werden kann. Die Präsentation erfolgt beim Digital Leaders Deep Dive im Cyber Valley Stuttgart. Der Ansatz richtet sich an Unternehmen, die KI nutzen wollen, ohne sich an Cloud-Plattformen internationaler Anbieter zu binden.
Was Tabularis.AI mit Faust-I ankündigt
Faust-I ist als KI-Sprachmodell konzipiert, das ohne Cloud-Anbindung, Abonnement oder externe Rechenzentren auskommt. Die Vorstellung ist für den 22. Januar 2026 beim Digital Leaders Deep Dive „Practice meets Future“ im Cyber Valley Stuttgart vorgesehen. Dort treffen Führungskräfte aus Industrie, Forschung und Startups zusammen, um über konkrete KI-Anwendungen im Unternehmensumfeld zu diskutieren.
Nach der Präsentation soll Faust-I vollständig als Open-Source-Modell veröffentlicht werden. Vorgesehen ist eine Bereitstellung über die Plattform Hugging Face. Zusätzlich plant Tabularis.AI eine kostenlose iOS-App, mit der das Modell erstmals auch offline auf dem iPhone getestet werden kann.
Der technische Ansatz von Tabularis.AI: klein, lokal, spezialisiert
Tabularis.AI setzt mit Faust-I auf gezielt trainierte, vergleichsweise kompakte KI-Modelle. Diese sollen auf Standard-Hardware lauffähig sein und direkt im Unternehmen betrieben werden können. Der Verzicht auf externe Rechenzentren ist dabei kein Nebeneffekt, sondern Teil der Grundidee.
CEO Richard Hans Schreiber sagt, leistungsfähige KI müsse nicht zwangsläufig aus immer größeren Modellen bestehen. Für viele industrielle Aufgaben seien spezialisierte Systeme ausreichend – und in der Praxis oft robuster. Tabularis.AI entwickelt dafür eigene Trainingsverfahren, die den Rechenaufwand senken und Anpassungen an konkrete Anwendungsfälle erleichtern sollen.
Einsatzfelder: Wo Faust-I im Unternehmen ansetzen soll
Vorgesehen ist, dass Unternehmen Faust-I als Grundlage für eigene KI-Anwendungen nutzen. Genannt werden unter anderem Kundenservice, Dokumentenverarbeitung und technische Analyse. Der Fokus liegt klar auf geschäftlichen und industriellen Szenarien, nicht auf allgemeiner Konversation oder kreativen Experimenten.
Durch den lokalen Betrieb behalten Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten und vermeiden laufende Nutzungsgebühren. Tabularis.AI verweist darauf, dass frühere Modelle des Startups bereits eine breite Nutzung gefunden hätten. Nach Angaben des Unternehmens erreichen diese Veröffentlichungen zusammen über 500.000 Downloads pro Monat.
Marktcheck: Tabularis.AI zwischen Plattform-Logik und Souveränitätsanspruch
Der Markt für KI-Sprachmodelle wird derzeit von cloudbasierten Plattformen großer Technologiekonzerne geprägt. Modelle wie Metas Llama dienen vielen Unternehmen als technologische Basis, sind jedoch in der Regel in größere Cloud-Ökosysteme eingebettet.
Tabularis.AI positioniert Faust-I bewusst als Gegenmodell zu dieser Plattform-Logik. Der Vorteil liegt in der Unabhängigkeit von externen Infrastrukturen und in der Möglichkeit, KI vollständig im eigenen Haus zu betreiben. Gleichzeitig verzichtet der Ansatz auf die universelle Breite großer Foundation-Modelle und setzt stattdessen auf Spezialisierung.
Das Unternehmen verweist in diesem Zusammenhang auf eine Lünendonk-Studie zu IT-Sourcing-Trends, nach der viele Unternehmen ihre Cloud-Strategien überdenken, um technologische Abhängigkeiten zu reduzieren. Faust-I adressiert diesen Trend, ohne den Anspruch zu erheben, cloudbasierte Systeme grundsätzlich zu ersetzen.
Leistungsdaten im Kontext: Vergleich mit deutlich größeren Modellen
Nach Angaben von Tabularis.AI erreicht Faust-I im deutschsprachigen Benchmark MMLU-de einen Wert von 53 Prozent. Damit liege das Modell vor Metas deutlich größerem Sprachmodell Llama-3.1-8B-Instruct, das in diesem Test mit 47 Prozent angegeben wird. Faust-I komme dabei mit rund einem Fünftel der Modellgröße aus.
Die Leistungsdaten stammen vom Unternehmen selbst. Unabhängige Benchmarks oder breit angelegte Praxistests liegen zum Zeitpunkt der Vorstellung noch nicht vor. Für die Bewertung im Unternehmensalltag wird entscheidend sein, wie stabil und zuverlässig sich das Modell in realen Anwendungen verhält.
Cyber Valley als Bühne: Aufmerksamkeit aus der Industrie
Dass Tabularis.AI Faust-I im Rahmen des Digital Leaders Deep Dive im Cyber Valley Stuttgart präsentiert, ist mehr als eine reine Produktvorstellung. Auf der Bühne stehen unter anderem Vertreter aus der Industrie wie der CTO von ebm-papst sowie der CTO von MAHLE Thermal. Unter den Gästen werden Führungskräfte von Unternehmen wie Bosch, Mercedes-Benz, SAP und ZF erwartet.
Die Präsenz dieser Akteure unterstreicht, dass das Thema lokaler, souveräner KI in der Industrie angekommen ist – unabhängig davon, wie sich einzelne technische Ansätze langfristig durchsetzen werden.
Stimmen aus dem Unternehmen
Schreiber betont, nicht jede KI-Anwendung müsse universell einsetzbar sein oder mit immer größeren Modellen arbeiten. Für viele Geschäftsprozesse seien fokussierte Systeme präziser und weniger anfällig für Fehlinterpretationen. Ziel sei es, Unternehmen in die Lage zu versetzen, KI selbst zu betreiben und an ihre Anforderungen anzupassen.
Ausblick: Lokale KI als Prüfstein für den Praxiseinsatz
Mit Faust-I verfolgt Tabularis.AI einen Ansatz, der sich bewusst gegen die Dominanz cloudbasierter KI-Plattformen stellt. Ob sich dieses Modell im Unternehmensalltag bewährt, wird davon abhängen, wie einfach sich die Technologie integrieren lässt und welchen messbaren Nutzen sie liefert. Der Markt dürfte genau beobachten, ob spezialisierte, lokal betriebene KI-Modelle mehr sind als ein Gegenentwurf – nämlich eine tragfähige Option für produktive Anwendungen.
Foto/Quelle: Campus Founders
























