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Aus meiner Arbeit weiß ich: Je tragischer ein Verlust ist, desto unsicherer reagiert oft das Umfeld. Das gilt besonders im beruflichen Kontext.
Der Tod eines Partners, eines Kindes oder eines nahen Angehörigen bringt nicht nur das Leben der betroffenen Person aus dem Gleichgewicht, sondern verunsichert auch Kolleginnen und Kollegen sowie Führungskräfte. Viele wissen nicht, was sie sagen oder tun sollen und entscheiden sich deshalb fürs Schweigen.
Trauer lässt sich jedoch nicht an der Bürotür abgeben. Sie ist da, ob wir sie ansprechen oder nicht. Wird sie ignoriert, verstärkt das häufig das Gefühl von Einsamkeit, Fremdsein und innerem Rückzug.
Wenn Mitgefühl auf Sprachlosigkeit trifft
Gerade im Arbeitsalltag prallen unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander. Leistungsanforderungen, Teamdynamik und der Wunsch, nichts falsch zu machen. Aus dieser Unsicherheit entstehen oft gut gemeinte, aber hilflose Reaktionen oder eben gar keine.
Dabei braucht es keine perfekten Worte. Ein schlichtes, ehrliches „Es tut mir leid“ reicht oft aus. Zuhören ist wichtiger als Trösten. Und ebenso wichtig ist es, auszuhalten, wenn jemand gerade nicht sprechen möchte.
Führung bedeutet auch, Unsicherheit zuzulassen
Viele Führungskräfte haben Angst, Trauer anzusprechen. Diese Angst ist menschlich. Doch Nicht Handeln sendet ebenfalls eine Botschaft und die lautet häufig: Dein Verlust hat hier keinen Platz.
Hilfreich sind klare, respektvolle Gespräche. Was ist im Moment möglich? Welche Aufgaben können vorübergehend abgegeben werden? Welche Form von Flexibilität hilft jetzt? Solche Absprachen geben Orientierung, ohne zu überfordern.
Warum Strukturen entlasten
Besonders in dynamischen Unternehmen ist es hilfreich, Trauer nicht jedes Mal neu improvisieren zu müssen. Ein einfacher Rahmen, etwa klare Ansprechpartner, transparente Absprachen und sensible Kommunikation im Team, nimmt Druck aus akuten Situationen.
Strukturen bedeuten nicht Kälte. Sie schaffen Sicherheit. Für Betroffene ebenso wie für Kolleginnen und Kollegen, die unterstützen wollen, aber unsicher sind, wie.
Wenn ein Team gemeinsam trauert
Manchmal betrifft ein Verlust nicht nur Einzelne, sondern das ganze Team, etwa beim Tod eines Kollegen. Kurze, bewusste Rituale können helfen. Eine Schweigeminute, ein gemeinsamer Gedanke oder ein Ort für Erinnerungen. Nicht groß, nicht öffentlich, aber ehrlich.
Rituale geben Halt, weil sie dem Unfassbaren einen Rahmen geben, ohne den Arbeitsalltag dauerhaft zu blockieren.
Trauer als Teil moderner Unternehmenskultur
Trauer ist kein Sonderfall, sondern Teil des Lebens. Unternehmen, die das anerkennen, stärken Vertrauen, Loyalität und menschliche Verbundenheit. Nicht trotz, sondern gerade in schwierigen Zeiten.
Am Ende zeigt sich Unternehmenskultur nicht in Leitbildern, sondern darin, wie Menschen begleitet werden, wenn Worte fehlen.
Fotografin/Bildcredits: Lotta Laabs
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.























