Freitag, Januar 30, 2026
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Wie viel Intelligenz braucht Automatisierung, um wirklich zu funktionieren?

Wandelbots entwickelt eine herstellerunabhängige Softwareplattform für Robotik, die mithilfe von KI den Einsatz intelligenter Automatisierung für Unternehmen jeder Größe zugänglich macht

Wie würden Sie Wandelbots und das Team dahinter vorstellen?

Wandelbots ist eines der weltweit führenden Scale-ups im Bereich Softwareplattformen für Robotik. Wir entwickeln eine herstellerunabhängige Softwareplattform – im Grunde ein Betriebssystem für Roboter –, die mit allen gängigen Robotertypen kompatibel ist. Unser Team verbindet tiefes Software-Engineering-Know-how mit dem Anspruch, eine sehr traditionelle, hardwaregetriebene Industrie technologisch ins 21. Jahrhundert zu führen. Unser Fokus liegt darauf, Roboter intelligent, flexibel und zukunftsfähig zu machen – etwa durch die Fähigkeit, ihre Umgebung zu verstehen, Entscheidungen zu treffen und mit KI zusammenzuarbeiten.

Welche Motivation führte zur Gründung von Wandelbots und wie hat sich Ihr Ansatz seit den frühen Forschungen an der TU Dresden entwickelt?

Das Gründerteam kommt ursprünglich aus dem Software-Engineering und hatte zu Beginn nur wenig Berührungspunkte mit klassischer Robotik. Gerade dieser Blick von außen war entscheidend: Während unserer Forschungsarbeit an der TU Dresden wurde schnell klar, wie veraltet viele robotische Technologien noch immer sind – in weiten Teilen stammen sie aus den 1980er-Jahren. Diese technologische Stagnation ist einer der Hauptgründe, warum Robotik bis heute nur begrenzt eingesetzt wird. Unsere Motivation war und ist es, Robotik zu demokratisieren und den Zugang zu dieser Schlüsseltechnologie für Unternehmen und Menschen zu öffnen, die bisher davon ausgeschlossen waren.

Welche Vision verfolgen Sie für die Demokratisierung der Robotik und wie möchte Wandelbots diese Vision erreichen?

Unsere Vision ist es, allen Unternehmen – unabhängig von Größe, Branche oder technischer Expertise – den Einsatz von Robotik zu ermöglichen. Robotik soll kein exklusives Werkzeug für Großkonzerne mehr sein. Gleichzeitig glauben wir, dass Roboter einen ähnlichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Impact haben werden wie Computer und Smartphones in den letzten Jahrzehnten. Mit unserer Softwareplattform schaffen wir die technologische Grundlage dafür, dass Roboter einfach, flexibel und intelligent eingesetzt werden können – mit einem positiven Effekt auf Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und letztlich auch auf unseren Planeten.

Für welche Unternehmen oder Branchen ist Ihre herstellerunabhängige Robotikplattform besonders relevant und wie erfüllen Sie dort konkrete Bedürfnisse?

Traditionell arbeiten wir viel mit Fertigungsunternehmen wie Automobilherstellern, Zulieferern oder Elektronikproduzenten, die Robotik bereits seit Jahren einsetzen. Gleichzeitig sehen wir zunehmend Nachfrage aus völlig neuen Bereichen, etwa dem Handwerk oder dienstleistungsnahen Branchen. Der Treiber dafür ist vor allem der massive Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel. Unternehmen müssen heute mehr Output mit weniger Menschen erzeugen. Automatisierung wird damit für nahezu alle Branchen relevant. Unsere Plattform senkt die Einstiegshürden erheblich und ermöglicht auch Unternehmen ohne tiefe Robotikexpertise den Einsatz von Automatisierung.

Ihr Ansatz ermöglicht Roboterprogrammierung ohne tiefe technische Kenntnisse. Wo liegt darin der größte Vorteil für Ihre Kunden?

Der größte Vorteil liegt darin, dem Mitarbeitermangel aktiv zu begegnen. Unternehmen können mit weniger Personal mehr leisten, ohne auf hochspezialisierte Robotikprogrammierer angewiesen zu sein. Mitarbeitende vor Ort werden befähigt, Roboter selbst anzulernen und anzupassen. Das steigert die Flexibilität, reduziert Abhängigkeiten und erhöht die Produktivität nachhaltig.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Integration Ihrer Software in sehr unterschiedliche industrielle Umgebungen und wie gehen Sie damit um?

Eine zentrale Herausforderung ist der Brückenschlag zwischen einer sehr alten, hardwarezentrierten Industrie und einer modernen, softwaregetriebenen Welt. Technisch ist vieles lösbar, aber die größere Aufgabe liegt im Change Management. Viele Industrieunternehmen arbeiten stark wasserfallorientiert, mit langen Planungszyklen. Unsere Lösungen sind deutlich agiler angelegt. Deshalb begleiten wir unsere Kunden intensiv dabei, neue Arbeitsweisen zu etablieren und schrittweise Vertrauen in diese neue Form der Automatisierung aufzubauen.

Was macht Wandelbots einzigartig im Vergleich zu klassischen Robotik- oder Automatisierungslösungen?

Unser klarer Fokus liegt auf dem Menschen. Das ist in der Robotikbranche nach wie vor ungewöhnlich. Für uns ist Robotik ein Werkzeug, um Menschen zu befähigen – sei es bei der Programmierung, der Wartung oder der Zusammenarbeit mit Robotern. Wir denken Robotik konsequent aus der Perspektive der Nutzerinnen und Nutzer und nicht primär aus Sicht der Maschine. Sicherheit, Entlastung und Zugänglichkeit stehen dabei immer im Vordergrund.

Wie verändert der No-Code/Low-Code-Ansatz den Umgang mit Robotik in Unternehmen, die bisher wenig Automatisierungserfahrung hatten?

In vielen Unternehmen sind zentrale Prozesse bis heute vollständig manuell, obwohl sie theoretisch automatisierbar wären. Gründe dafür sind fehlende Fachkräfte und hohe Einstiegshürden. Durch No-Code- und Low-Code-Ansätze können diese Unternehmen erstmals Roboter sinnvoll einsetzen. Gleichzeitig beobachten wir eine stark gestiegene Offenheit, neue Wege zu gehen – nicht zuletzt, weil der Fachkräftemangel für viele existenzbedrohend geworden ist. Krisen schaffen hier auch Chancen für Veränderung.

Wandelbots Robotik KI intelligente Automatisierung  Wandelbots Leadership Christian Piechnick  (C) Pavel Becker
Wandelbots Leadership Christian Piechnick Fotograf Pavel Becker

Welche Weiterentwicklungen oder neuen Funktionen planen Sie für Ihre Plattform in den kommenden Monaten?

Künstliche Intelligenz ist aktuell der zentrale Treiber unserer Weiterentwicklung und ermöglicht echte Quantensprünge in der Robotik. Darüber hinaus verändern sich auch die Robotertypen und Einsatzszenarien stark. Zu konkreten neuen Funktionen möchten wir noch nicht zu viel verraten, aber es wird in diesem Jahr in mehreren Bereichen spannende Neuerungen geben.

Wie beobachten Sie die künftige Rolle von KI-gestützten Automatisierungslösungen und welche Position möchte Wandelbots darin einnehmen?

In der Vergangenheit wurden Roboter klassisch programmiert. In Zukunft werden sie Aufgaben zunehmend durch KI-Modelle erlernen. Das Schreiben von Code wird durch das Trainieren von Modellen ersetzt, oft zunächst in Simulationen. Wandelbots sieht sich dabei nicht als Entwickler eigener KI-Modelle, sondern als Enabler. Unsere Plattform bildet die Brücke zwischen modernster KI – etwa von Partnern wie Microsoft, NVIDIA oder OpenAI – und industrietauglicher Robotik. Unser Anspruch ist es, diese Technologien zuverlässig und skalierbar in die industrielle Praxis zu bringen.

Welche Bedeutung hat es für euch, dass Wandelbots Teil des de:hub Netzwerks ist und welche Vorteile ergeben sich daraus?

Für uns hat die Mitgliedschaft im de:hub Netzwerk eine große strategische Bedeutung. Wir befinden uns aktuell in einer Phase, in der technologische Souveränität für Europa immer wichtiger wird – gerade in Schlüsseltechnologien wie Robotik, KI und industrieller Software. Kein einzelnes Unternehmen kann diese Herausforderungen alleine lösen. Es braucht starke Netzwerke, in denen Start-ups, etablierte Unternehmen, Forschungseinrichtungen und politische Akteure gemeinsam an Lösungen arbeiten.
Der de:hub schafft genau diesen Rahmen: Er ermöglicht den Austausch auf Augenhöhe, fördert Kooperationen und hilft dabei, Themen schneller voranzubringen. Besonders wertvoll ist dabei die Vernetzung über Branchen- und Ländergrenzen hinweg. Für uns ist der de:hub ein wichtiger Katalysator, um gemeinsam mit anderen Akteuren Europas Rolle als Innovationsstandort zu stärken und langfristig unabhängiger von außereuropäischen Technologieanbietern zu werden.

Würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen, ihr Startup ebenfalls im Umfeld des de:hub aufzubauen, und welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?

Ja, absolut. Der de:hub bietet unkomplizierten Zugang zu relevanten Kontakten, Wissen und Möglichkeiten. Er wirkt als echter Boost und Beschleuniger für Themen, an denen man ohnehin arbeitet, und hilft dabei, schneller voranzukommen.

Welche drei Ratschläge möchten Sie Gründerinnen und Gründern geben, die im Bereich Robotik, Automatisierung oder industrieller Software starten möchten?

Erstens: Finde so früh wie möglich progressive Kundinnen und Kunden, die bereit sind, gemeinsam mit dir zu lernen und neue Technologien zu erproben. Ohne diese frühen Partner ist es extrem schwer, Produkte zur notwendigen Reife zu bringen.
Zweitens: Entwickle ein dickes Fell und gib nicht auf. Die Branche ist sehr konservativ, Entscheidungsprozesse dauern lange und Rückschläge gehören zum Alltag. Durchhaltevermögen ist ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Drittens: Sei von Tag eins an extrem nah am Kunden. Technologische Exzellenz allein reicht nicht aus. Wirklicher Erfolg entsteht erst dann, wenn du die realen Probleme, Arbeitsweisen und Entscheidungsstrukturen deiner Kundinnen und Kunden wirklich verstehst und deine Lösung genau darauf ausrichtest.

Titelbild Teambild Wandelbots

Wir bedanken uns bei Christian Piechnick für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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