Mittwoch, Februar 18, 2026
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Warum ist Menstruation noch immer ein Tabuthema?

Rouge entwickelt einen funktionalen Drink rund um Menstruation und Zyklus und setzt sich für mehr Sichtbarkeit und Enttabuisierung im Alltag ein

Wie ist Rouge entstanden und wie ist das Team heute aufgestellt?

Rouge wurde 2022 von mir und mit Unterstützung meines Partners in der Schweiz gegründet. Wir waren neugierig, ob sich meine Idee verwirklichen lässt. Mittlerweile haben wir 300’000 Rouge-Drinks verkauft, zahlreiche Projekte umgesetzt und sind seit Ende 2025 auch offiziell in Deutschland vertreten.

Ich bin als Gründerin und Geschäftsführerin zwar verantwortlich, aber im Alltag bin ich vor allem eines: Mädchen für alles. Zwei wunderbare Frauen unterstützen mich operativ, mein Partner hilft, wo immer es nötig ist und für den Markteintritt in Deutschland haben wir eine starke Partnerin im Schwarzwald gefunden.

Was war der persönliche Auslöser, sich mit Rouge so klar dem Thema Menstruation und Enttabuisierung zu widmen?

Ich habe in meinem Freundinnenkreis gemerkt, wie stark die Periode unseren Alltag beeinflusst. Gleichzeitig wird nur selten oder wenn, dann negativ darüber gesprochen. Dabei ist die Menstruation ein biologisches Wunder und hat diese Negativität und Tabuisierung sicher nicht verdient! Zumal die Hälfte der Menschheit einen Zyklus hat! Ich fragte mich also: Wie könnte man das ändern?

Ich habe Kommunikation studiert und weiss, dass Symbole mächtige Werkzeuge sind, um eine Botschaft auch emotional zu transportieren. Also sucht ich nach einem passenden Symbol und so kam ich auf Getränke. Denn heute gibt es für jede Lebenslage ein Getränk: Muskelaufbau, Energie, Konzentration, Erkältung, Fussball-WM usw. Aber für die Periode nicht. Dieser Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen.

Welche Vision verfolgt Rouge langfristig und welche konkreten Schritte sind notwendig, um diese Realität werden zu lassen?

Meine Vision ist, dass Menstruation kein Tabuthema mehr ist, sondern ein normaler Teil unserer Gesprächskultur. Dass eine Rouge-Flasche auf dem Schreibtisch keine Verwunderung auslöst, sondern vielleicht ein positives Gespräch. Und dass Frauen ihren Zyklus nicht als Schwäche, sondern als Teil ihrer Kraft sehen.

Um das zu erreichen, braucht es mehrere Ebenen: Sichtbarkeit im Alltag, nicht nur in Kampagnen. Kooperationen mit Marken und Organisationen, die ähnliche Werte vertreten. Eine starke Community, die mitträgt. Und wirtschaftliche Stabilität, denn nur ein gesundes Unternehmen kann langfristig Wirkung entfalten.

An wen richtet sich Rouge in erster Linie und welche Bedürfnisse rund um Menstruation möchtet ihr gezielt adressieren?

Rouge richtet sich in erster Linie an Frauen, die ihren Zyklus bewusster wahrnehmen möchten. Frauen, die sagen: Ich möchte in dieser Phase nicht immer leiden oder nur funktionieren, sondern gut für mich sorgen.

Wir adressieren drei zentrale Bedürfnisse: Erstens das Bedürfnis nach einem bewussten Ritual, das dich dabei unterstützt, deinen Zyklus als etwas Positives wahrzunehmen. Zweitens die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen wie Vitaminen und Mineralien. Und drittens das Bedürfnis nach Normalität. Die Periode darf sichtbar sein, ohne dass man sich dafür erklären muss.

Welche Rolle spielt der Rouge Drink im Gesamtkonzept des Unternehmens und wie fügt er sich in eure Mission ein?

Der Drink ist Herzstück und Symbol zugleich. Er ist das erste coole Periodengetränk der Welt. Ein Nahrungsergänzungsmittel, das in Wasser gelöst wird und in unserer Rouge-Flasche seine charakteristische Farbe annimmt. So wird er zu einem Statement.

Wenn die Flasche auf dem Tisch steht, wird die Periode sichtbar. Und genau das ist Teil unserer Mission. Aus einem Blick wird eine Frage, aus einer Frage entsteht oft ein Gespräch. Gleichzeitig fließt ein Teil des Erlöses direkt in soziale Projekte. Der Drink verbindet also Selbstfürsorge und gesellschaftliches Engagement ganz konkret.

Was unterscheidet Rouge aus eurer Sicht von anderen Marken im Bereich Periodengesundheit und Selbstfürsorge?

Viele Marken setzen auf Diskretion. Möglichst unauffällig, möglichst funktional. Wir gehen bewusst einen anderen Weg. Rouge ist sichtbar, ästhetisch und selbstbewusst. Wir wollen nicht verstecken, sondern zeigen.

Außerdem verstehen wir uns nicht nur als Supplement Marke, sondern als Bewegung. Wir verbinden Produkt, Community und Social Impact. Diese Kombination aus Ritual, Haltung und Engagement macht Rouge für mich einzigartig.

Mit welchen gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Herausforderungen ist Rouge konfrontiert und wie geht ihr damit um?

Gesellschaftlich stoßen wir immer noch auf Unsicherheiten. Manche sind begeistert, andere irritiert. Das gehört dazu, wenn man ein Tabu berührt. Für mich ist genau das ein Zeichen, dass wir etwas bewegen.

Wirtschaftlich ist es herausfordernd, ein physisches Produkt aufzubauen. Mindestbestellmengen, regulatorische Anforderungen, unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen in Deutschland und der Schweiz. Wir sind bewusst langsam gewachsen, haben viel gebootstrappt und immer wieder priorisiert. Nicht alles gleichzeitig, sondern Schritt für Schritt.

Wie wichtig ist der Social Impact für Rouge und wie wählt ihr die Projekte aus, die ihr unterstützt?

Social Impact ist kein Marketinginstrument für uns, sondern Teil unseres Selbstverständnisses. Ein Teil jedes verkauften Produkts fließt in Projekte, die Frauen in weniger privilegierten Situationen unterstützen.

Mir ist wichtig, dass wir Projekte sorgfältig auswählen und persönlich prüfen. Es geht nicht um große Worte, sondern um konkrete Wirkung. Hilfe zur Selbsthilfe, langfristige Perspektiven und Transparenz stehen für uns im Mittelpunkt.

Welche Entwicklungen oder neuen Angebote plant Rouge für die kommenden Jahre?

Wir möchten unsere Präsenz in Deutschland weiter ausbauen und noch stärker mit Partnern vor Ort arbeiten. Außerdem beschäftigen wir uns kontinuierlich mit Produktweiterentwicklungen, neuen Geschmacksrichtungen und zusätzlichen Mehrwerten rund um den Zyklus.

Gleichzeitig wollen wir unsere Community Formate ausbauen, mehr Events, mehr Austausch, mehr Kooperationen. Rouge soll wachsen, aber auf eine Art, die zu uns passt.

Wie reagiert eure Community auf den offenen Umgang mit Menstruation und die Sichtbarkeit, die ihr schafft?

Meistens sehr positiv und oft sehr emotional. Viele Frauen schreiben uns, dass sie sich durch Rouge bestärkt fühlen. Dass sie zum ersten Mal offen über ihre Periode sprechen oder die Flasche bewusst im Büro stehen lassen. Auf der anderen Seite wurden wir im Vorfeld einer Bestellung auch schon gefragt, ob die Verpackung neutral sei, weil man nicht will, dass Briefträger oder Nachbarn davon wissen.

Ich glaube, Sichtbarkeit verändert Verhalten. Wenn etwas ästhetisch und selbstverständlich präsentiert wird, verändert sich auch die Wahrnehmung. Es braucht Zeit, aber wir erleben es «live» mit in unserer Community.

Welche drei Ratschläge würdet ihr Gründerinnen und Gründern mitgeben, die ein wertegetriebenes Startup aufbauen möchten?

Erstens: Bleib offen, aber deiner inneren Überzeugung treu. Du wirst auf Widerstand stossen, gerade wenn du in der Gesellschaft etwas verändern möchtest.

Zweitens: Wähle deine Partner sehr bewusst. Insbesondere am Anfang ist es wichtig, dass alle den persönlichen «Drive» mitbringen.

Drittens: Wachse in deinem Tempo. Es ist verlockend, schnell zu skalieren. Aber nachhaltiges Wachstum schafft Stabilität und Glaubwürdigkeit.

Bildcredits Selfspring GmbH

Wir bedanken uns bei Tina Frey für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer
Sabine Elsaesser is an experienced entrepreneur and media/startup expert. Since 2016, she has served as the Chief Editor and CEO of StartupValley Media & Publishing. In this role, she is responsible for managing the company and providing strategic direction for its media and publishing activities. Sabine Elsaesser takes great pleasure in assisting individuals and businesses in reaching their full potential. Her expertise in establishing sales organizations and her passion for innovation make her a valuable advocate for startups and entrepreneurs.
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