TZAMPAS entwickelt natürliche Snacks auf Basis von Gerste und Tsampa und bringt mit gerösteter Gerste als funktionaler Zutat neue Impulse in das Snackregal
Wie ist TZAMPAS entstanden und wer sind die Gründerinnen und Gründer hinter dem Startup?
TZAMPAS ist aus dem Mangel an gesunden Snacks, die nachhaltig satt machen, entstanden. Bestes Beispiel ist die Tankstelle. Hier hat man meist nur die Wahl zwischen Zuckerbomben und Bockwurst. Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß und so haben wir einen Energieriegel entwickelt, der natürlich satt macht, lange Energie liefert und ohne künstliche Zusätze auskommt. Clean Eating statt Zucker-Crash.
Was hat Sie dazu bewegt, mit TZAMPAS auf Tsampa als zentrale Zutat zu setzen, und welche persönliche Motivation steckt dahinter?
Uns war es wichtig, ein natürliches Produkt ohne Zusatzstoffe zu entwickeln. Die Sherpas im Himalaya setzten seit Jahrhunderten auf geröstet Gerste, tibetisch Tsampa, als Energielieferant bei Ihren Aufstiegen zu den höchsten Gipfeln der Welt. Gerste ist dabei ein echtes Kraftpaket: nährstoffreich, ballaststoffreich, nicht überzüchtet und robust genug, um mit Extremwetter klarzukommen. Ein Zukunftsgetreide in einer Zeit, in der genau das zählt.
Welche Vision verfolgen Sie mit TZAMPAS im Bereich bewusste und nachhaltige Ernährung?
Wir möchten das Snackregal im Handel neu denken. Heute dominieren dort Produkte mit Süßstoffen, E-Nummern, Feuchthaltemitteln und künstlichen Aromen – Zutatenlisten, die länger sind als die eigentliche Pause, in der man den Snack isst. Wenn wir es schaffen, dass Menschen im Alltag intuitiv zu natürlichen Alternativen greifen, statt zu Zuckerbomben, dann haben wir unser Ziel erreicht.
Wie möchten Sie erreichen, dass Tsampa und Ihre Produkte langfristig fester Bestandteil moderner Ernährungsgewohnheiten werden?
Gerste ist eines der ältesten Kulturgetreide und gleichzeitig fast vergessen! Viele Konsumentinnen und Konsumenten wissen gar nicht mehr, wie vielseitig und nährstoffreich sie ist. Deshalb beginnt unser Weg mit Aufklärung: Wir erzählen die Geschichte hinter Tsampa, erklären die Vorteile und machen die Herkunft greifbar. Am Ende überzeugt kein Argument so sehr wie der erste Biss. Wir setzen daher auf Erlebnisse, bei Events, Outdoor-Aktivitäten und durch unsere Ambassadors. Denn wer TZAMPAS probiert und die natürliche Sättigung spürt, macht aus Neugier Gewohnheit.
An wen richten sich die Produkte von TZAMPAS konkret, und welche Bedürfnisse dieser Zielgruppe stehen für Sie im Mittelpunkt?
Unsere Zielgruppe ist aktiv und legt hohen Wert auf geistiges und körperliches Wohlbefinden. Wir positionieren uns als Outdoor Snack Marke. Unser Anspruch ist es, das Patagonia des Outdoor-Snackings zu werden, also eine Marke mit Haltung, Qualität und einem klaren Wertekompass. Nicht nur ein Riegel für die Bergtour, sondern ein Stück Outdoor-Lifestyle für jeden Tag.
Viele Snacks werben mit Natürlichkeit. Was unterscheidet TZAMPAS hier tatsächlich vom Wettbewerb?
”Natürlich” ist inzwischen ein dehnbarer Begriff geworden. TZAMPAS Riegel sind 100% frei von Zusatzstoffen, das schließt auch „natürliche Aromen“ ein und anders als die meisten „natürlichen“ Riegel ist unsere Grundzutat nicht Fruchtmasse, sondern eben geröstete Gerste.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen als Food Startup im Bio und Snack Segment, und wie gehen Sie damit um?
Der Wettbewerb im Riegelsegment ist sehr groß. Unsere Aufgabe ist es, den Einkäufer:innen und Category Manager:innen immer wieder klar zu machen, dass TZAMPAS das Sortiment sinnvoll erweitert, statt es nur zu ergänzen. Unser Riegel ist eben kein weiterer Dattelriegel oder Proteinriegel mit endloser Zutatenliste, wir bringen eine neue Grundzutat ins Spiel und damit auch eine neue Geschmackswelt.
Wie gelingt es Ihnen, traditionelle Zutaten wie geröstete Gerste in zeitgemäße Produkte wie Riegel oder Bowls zu übersetzen?
Wir holen eine fast vergessene Zutat ins Heute – in einer Form, die in einen aktiven Alltag passt. Es gibt eine große Nachfrage nach wenig verarbeiteten, natürlichen Produkten. Gleichzeit sollen Lebensmittel verstärkt funktional sein. In der Produktentwicklung verfolgen wir ein klares Prinzip. Jede Zutat muss mehr können als gut zu schmecken. Sie soll einen ernährungs-physiologischen Mehrwert bieten.
Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Transparenz in Ihrer täglichen Arbeit und in der Kommunikation mit Ihren Kundinnen und Kunden?
Wir sind Bio-zertifiziert, lassen in Deutschland produzieren und beziehen unsere rein pflanzlichen Rohstoffe bevorzugt aus Deutschland und Europa. Transparenz ist uns ebenso wichtig und gleichzeitig eine Herausforderung: Schön wäre es, die Herkunft jeder Zutat auf der Website zu kommunizieren. In der Praxis sind die Lieferketten jedoch zu komplex geworden, um diese Information für jede Charge vollständig zu pflegen.
Wo sehen Sie TZAMPAS in den kommenden Jahren, und welche Entwicklungen oder Produktideen treiben Sie aktuell besonders um?
In den kommenden Jahren wird das Thema Darmgesundheit für uns noch stärker in den Fokus rücken. Wir haben schon seit vielen Jahren eine zuckerarme, ballaststoffreiche Frühstücksbowl und jetzt ist das Thema auch in der breiten Masse angekommen, Stichworte wie “prebiotic Sodas” zeigen, wie groß das Bedürfnis nach funktionalem Mehrwert geworden ist. Auch da hat die geröstete Gerste wieder ein Ass im Ärmel. Gerste enthält von den Getreiden am meisten Beta-Glucane. Die gehören zu den Superstars der Ballaststoffe, denn sie helfen den LDL-Cholesterinspiegel zu senken und dienen den guten Darmbakterien als Nahrung. Das ist auch wiedermal ein Beweis, dass es die ganzen hochverarbeiteten Innovationen nicht braucht, wenn man nur ein bisschen auf seine Ernährung achtet.
Welche unternehmerischen Entscheidungen waren für Sie bislang besonders prägend?
Eine der prägendsten Entscheidungen war, unser D2C auszubauen. Im vergangenen Jahr haben wir stark in E-Commerce investiert und heute erzielen wir rund 50% unseres Umsatzes über D2C. Diese Entscheidung war strategisch enorm wichtig: Sie reduziert unsere Abhängigkeit von Großkunden und verschafft uns unternehmerische Stabilität. Gleichzeitig – und das ist fast noch wichtiger, bringt uns das D2C-Geschäft näher an unsere Kundinnen und Kunden.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die im Food Bereich ein nachhaltiges Produkt aufbauen möchten?
- Margen realistisch und handelsfähig kalkulieren. Ich erlebe häufig, dass die Margen-Kalkulation von Startups nicht mehr funktioniert, sobald der Handel oder Großhandel auch ein Stückchen vom Kuchen haben möchte – das sollte man unbedingt von Anfang an mitdenken.
- Wachstum braucht Cash. Ebenso wichtig ist ein gutes Cashmanagement. Gerade wenn es super läuft und viel Ware umgesetzt wird, ist oft viel Kapital im Bestand gebunden, um jederzeit die Lieferfähigkeit sicherzustellen.
- Lieferketten absichern. Rohstoffe sind nicht immer verfügbar – Ernten schwanken, Märkte verändern sich. Mein klarer Rat: Für jeden zentralen Rohstoff mindestens zwei bis drei verlässliche Lieferanten aufbauen.
Bildcredits: @privat
Wir bedanken uns bei Nicolas Limbrock für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

























