Livom entwickelt modulare Sofas mit Fokus auf langlebige Sofa Konzepte und erlebbare Showrooms in ganz Europa
Bitte stellen Sie Livom vor: Wie ist die Idee zu modularen, nachhaltigen Sofas entstanden und wer sind die Köpfe hinter dem Unternehmen?
Wir haben Livom 2021 in der Schweiz gegründet. Die Initialzündung kam während der Pandemie, als wir parallel noch unsere Digital-Marketing-Agentur betrieben. In dieser Zeit wurde vielen bewusst, wie wichtig das eigene Zuhause ist. Uns fiel auf, dass gerade beim Sofa – diesem zentralen Möbelstück, auf dem man so viel Zeit verbringt – kaum jemand wirklich alltagstaugliche und gleichzeitig nachhaltige Lösungen anbot. Der Markt war voll von Produkten, die entweder wenig flexibel oder ökologisch fragwürdig waren. Mit unserer Erfahrung im E-Commerce und dem Wunsch, ein eigenes Produkt zu schaffen, entwickelten wir ein Konzept für modulare Sofas, die Design, Komfort und Nachhaltigkeit zusammenbringen. Damit war Livom geboren.
Welche persönlichen Erfahrungen oder Marktbeobachtungen haben Sie zur Gründung von Livom motiviert?
In der Zeit, als plötzlich alle mehr zuhause waren, haben auch wir unseren Wohnraum mit anderen Augen gesehen. Es wurde uns bewusst, wie sehr Möbel unser Wohlbefinden beeinflussen – besonders das Sofa als Rückzugsort und Treffpunkt. Parallel dazu stellten wir fest, dass der Möbelmarkt hier echte Lücken hatte: wenig Flexibilität, kaum Nachhaltigkeit. Wir wollten schon länger ein eigenes Produkt entwickeln und sahen hier die perfekte Gelegenheit. Unser Anspruch war klar: Wenn wir etwas auf den Markt bringen, dann nur ein Produkt, das den Alltag wirklich einfacher macht und dabei nachhaltig produziert ist.
Livom setzt auf modulare Sofas mit austauschbaren und waschbaren Bezügen. Welche Vision verfolgen Sie damit für die Möbelbranche?
Wir möchten zeigen, dass Möbel nicht nach wenigen Jahren auf dem Sperrmüll landen müssen. Das Sofa ist das Herzstück des Zuhauses – und genau hier setzen wir an, um die Branche aufzurütteln. Unsere Vision ist ein System, das sich dem Leben anpasst, nicht umgekehrt. Wenn sich Wohnsituationen ändern, können unsere Sofas mitwachsen indem Elemente sich ergänzen oder umstellen lassen. Ein neuer Look? Einfach den Bezug wechseln. Flecken? Ab in die Waschmaschine. Wir wollen beweisen, dass modernes Wohnen und ökologische Verantwortung sich nicht ausschließen, sondern perfekt ergänzen.
Wie genau soll diese Vision Realität werden. Welche strategischen Schritte stehen dabei im Mittelpunkt?
Unser strategischer Ansatz ist bewusst konzentriert: Wir fokussieren uns komplett auf Sofas. Statt das Sortiment schnell auszuweiten, wollen wir in dieser Kategorie die Nummer eins werden. Das Sofa ist komplex genug – in Herstellung, Logistik und Kundenbedürfnissen. Wir sind überzeugt, dass echte Innovation nur durch absoluten Fokus entsteht. Deshalb arbeiten wir kontinuierlich daran, unsere modularen Systeme zu verfeinern, neue Modelle anzubieten und noch nachhaltigere Materialien zu entwickeln. Unser Ziel: Wenn Menschen an modulare, nachhaltige Sofas denken, soll Livom die erste Assoziation sein. Diese Strategie hat uns bereits in vier Jahren ermöglicht, komplett eigenfinanziert über die Schweiz hinaus zu expandieren.
An welche Zielgruppe richten sich Ihre modularen Wohnlösungen und welche Bedürfnisse stehen bei der Produktentwicklung im Fokus?
Unsere Zielgruppe sind alle Menschen, die Wert auf ein schönes, durchdachtes Zuhause legen – unabhängig von ihrer aktuellen Lebenssituation. Ob Singles in der ersten eigenen Wohnung, Paare, die zusammenziehen, oder Familien mit Kindern: Unser modulares System passt sich jeder Lebensphase an. Das ist genau der Kern unserer Produktentwicklung – wir wollen ein Sofa schaffen, das mit dem Leben mitwächst. Das bedeutet konkret: Das Sofa, das heute in einer Einzimmerwohnung steht, kann Jahre später mit zusätzlichen Modulen und neuen Bezügen zum Herzstück einer geräumigen Familienwohnung werden.
Im Fokus unserer Entwicklung stehen Menschen, die bewusst leben möchten – die Qualität über Quantität stellen und Gemütlichkeit zuhause schätzen. Menschen, die nicht alle paar Jahre neu kaufen wollen, sondern in etwas investieren möchten, das bleibt. Die Flexibilität unseres Systems bedeutet, dass sich unsere Kund:innen nie wieder von ihrem Sofa trennen müssen, nur weil sich ihre Lebensumstände ändern. Das ist Nachhaltigkeit, die im Alltag funktioniert – ohne Kompromisse bei Design oder Komfort.
Viele Menschen ersetzen Möbel nach wenigen Jahren. Wie gelingt es Livom, Kundinnen und Kunden für Langlebigkeit und Reparierbarkeit zu sensibilisieren?
Wir lösen ein Problem, das jeder kennt: Das Leben ist im Fluss – Umzüge, Familienzuwachs, neue Wohnsituationen. Normalerweise bedeutet das jedes Mal ein neues Sofa kaufen zu müssen. Bei uns nicht. Unsere Sofas passen sich an, weil man Module beliebig kombinieren kann. Das ist gelebte Nachhaltigkeit statt Theorie. Auch bei alltäglichen Missgeschicken wie verschüttetem Rotwein oder Spuren von Schokoladenfingern bleibt man entspannt: Bezug ab, in die Maschine, fertig. Und wer nach Jahren einfach Lust auf Veränderung hat, kauft einen neuen Bezug statt eines neuen Sofas. Wir setzen bewusst auf Materialien, die Jahrzehnte halten – nicht nur ein paar Saisons. Livom soll das letzte Sofa sein, das man kauft.
Was unterscheidet Livom klar von klassischen Möbelherstellern oder großen Einrichtungsketten?
Der entscheidende Unterschied beginnt schon bei der Produktion: Wir fertigen ausschließlich in Europa, während die meisten Mitbewerber auf Massenware aus Asien setzen. Für uns war das keine Option, denn echte Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch kurze Transportwege und hohe Qualitätsstandards. Außerdem sind wir konsequent digital aufgestellt. Unser Ansatz ist grundsätzlich anders: Statt geplanter Obsoleszenz bauen wir auf Langlebigkeit durch Modularität. Wir verwenden zertifizierte Materialien – OEKO-TEX® bei den Bezügen, FSC-zertifiziertes Holz für den Rahmen. Unser Steck- und Klicksystem ermöglicht stabile Verbindungen, die trotzdem flexibel bleiben. Das ist das Gegenteil von Fast Furniture.
Der Möbelmarkt ist stark umkämpft. Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich aktuell konfrontiert und wie gehen Sie damit um?
In einem Markt voller Fast Furniture besteht die Kunst darin, Qualität sichtbar zu machen. Wir lassen uns nicht auf einen Preiskampf nach unten ein, der am Ende zu Lasten der Haltbarkeit geht. Stattdessen setzen wir auf Haptik vor Optik: Durch unsere kostenlosen Stoffmuster und persönlichen Beratungen in den SHowrooms machen wir den Qualitätsunterschied von Livom physisch spürbar, noch bevor das Sofa im Wohnzimmer steht.
Wie wichtig sind Nachhaltigkeit und Serviceleistungen wie Lieferung, Montage oder Probesitzen für Ihr Geschäftsmodell?
Nachhaltigkeit ist bei uns gelebte Überzeugung – privat wie geschäftlich. Von Beginn an haben wir Livom komplett digital aufgebaut. Papier sucht man bei uns vergeblich. Wir hinterfragen permanent unsere Prozesse, vom Verpackungsmaterial bis zur Versandlogistik, um unseren ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten. Unser Produkt selbst ist bereits ein Statement gegen Wegwerfmentalität – diese Einstelung zieht sich durch alles, was wir tun.
Beim Service setzen wir auf Einfachheit: Dank unseres Steck- und Klicksystems lassen sich die Sofas werkzeugfrei aufbauen – das gibt Kund:innen Autonomie und Flexibilität. Gleichzeitig sind unsere 15 Showrooms extrem wichtig. Ein Sofa ist eine Investition, die man vor Kauf erleben muss. Deshalb bieten wir die Möglichkeit, vor Ort Probe zu sitzen, Materialien anzufassen und sich in Ruhe zu entscheiden. Dieser Mix aus digitalem Komfort und haptischem Erlebnis ist zentral für unser Geschäftsmodell.

Welche Rolle spielen Ihre Showrooms im Zusammenspiel mit dem Onlinegeschäft?
Mittlerweile haben wir 15 Showrooms in vier Ländern – Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien – alle in zentralen Lagen. Die Showrooms sind für uns weit mehr als reine Verkaufsflächen – sie sind ein essentieller Teil unserer Customer Journey. Ein Sofa kauft man nicht wie ein T-Shirt online. Menschen wollen spüren, wie sich die Polsterung anfühlt, wie tief die Sitzfläche ist, ob der Stoff zu ihrem Alltag passt.
Gleichzeitig sind wir digital aufgestellt. Viele Kund:innen informieren sich zunächst online, konfigurieren ihr Wunsch-Sofa auf unserer Website und besuchen dann den Showroom zur Bestätigung. Andere entdecken uns erst vor Ort und kaufen dann bequem von zuhause aus. Diese nahtlose Verzahnung von online und offline gibt unseren Kund:innen die Freiheit, so zu kaufen, wie es für sie am besten passt – die Showrooms schaffen Vertrauen und machen Qualität greifbar, während die digitale Plattform Flexibilität bietet.
Wo soll Livom in fünf Jahren stehen. Welche Entwicklungen oder Erweiterungen planen Sie?
Unser Ziel ist klar: Wir wollen die Kategorie modulare Sofas in ganz Europa prägen. Erst wenn wir das erreicht haben und jeder bei diesem Thema automatisch an Livom denkt, würden wir über andere Möbelbereiche nachdenken. Aktuell investieren wir unsere gesamte Energie ins Wohnzimmer – hier wollen wir nicht nur mitspielen, sondern führen.
Welche drei konkreten Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?
Einfach machen & KI nutzen: Wartet nicht auf Perfektion. Dank moderner Tools und KI lassen sich Geschäftsmodelle heute mit minimalem Investment in Rekordzeit testen und validieren.
Wachsen aus eigener Kraft: Setzt auf Bootstrapping. Die finanzielle Unabhängigkeit schärft den Fokus auf echte Profitabilität und hilft dabei, die volle Kontrolle über die eigene Vision zu bewahren.
Social Media als Motor begreifen: Unterschätzt niemals die Macht der sozialen Kanäle. Für uns ist Social Media kein „Nice-to-have“, sondern einer der Haupttreiber unserer gesamten Erfolgsgeschichte.
Bildcredits: @Livom
Wir bedanken uns bei Tamara und Sandro Haag für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder























