Mittwoch, März 25, 2026
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Warum verschwinden Schmerzen oft nicht obwohl man alles ausprobiert hat?

Eversion Technologies analysiert Schmerzen durch Ganganalyse und entwickelt individuelle Lösungen für nachhaltige Beschwerdefreiheit

Wie ist Eversion Technologies entstanden und wer sind die Menschen hinter dem Unternehmen?

EVERSION ist aus einem echten Problem heraus entstanden. Wolfgang Triebstein ist Orthopädieschuhtechnikmeister mit über 40 Jahren Erfahrung. In seinem Ganganalyselabor hat er über Jahrzehnte beobachtet, dass klassische Einlagen kurzfristig helfen, die Beschwerden aber wiederkommen. Seine Erkenntnis: Nicht der Fuß allein ist das Problem. Der Schuh verändert die Fußposition so, dass der gesamte Bewegungsapparat belastet wird. Ich selbst kam als Patientin zu Wolfgang. Monatelang hatte ich Hüftschmerzen, kein Arzt fand eine Ursache. Sein Ansatz brachte mir eine Erklärung und Linderung. Das hat mich überzeugt, mit ihm gemeinsam seine Idee weiterzuverfolgen und in ein digitales Produkt zu übersetzen.
Ende 2023 haben wir EVERSION gegründet, zu fünft: Wolfgang als Erfinder der Technologie, Timon Sutter als Product Owner, Lucas Heitele als Mathematiker und Max Starkmann als Sportwissenschaftler und ich. Heute sind wir zwölf Mitarbeitende.

Was hat euch dazu bewegt, euch auf Bewegungsanalyse und Schmerzursachen zu fokussieren?

85 Prozent aller Rückenschmerzen gelten als unspezifisch, d.h. es kann keine Ursache gefunden werden. Für Betroffene heißt das: jahrelange Arztbesuche und Therapieversuche. Gegen diese sehr große Versorgungslücke wollten wir etwas unternehmen.

Welche Vision verfolgt Eversion Technologies im Bereich Prävention und Gesundheit?

So vielen Menschen wie möglich helfen! Genauer: Ursachen für Funktionelle Beschwerden per Analyse erkennen und mit den 0°-Sohlen nachhaltig lösen. Unser Ziel: ein neues Konzept der funktionellen Schmerztherapie zu etablieren.

Welche Zielgruppen sprecht ihr mit eurer Lösung konkret an und welche Probleme löst ihr für sie?

Menschen mit Schmerzen in Knie, Hüfte, Rücken oder Nacken, für die keine klare Ursache gefunden wird. Büroangestellte, Sportler, ältere Menschen. Daneben Therapeuten und Orthopäden, die das System in ihrer Praxis einsetzen. Großes Potenzial sehen wir in der betrieblichen Gesundheitsförderung. Über einen zertifizierten Präventionskurs können gesetzlich Versicherte die Ganganalyse kostenlos über ihre Krankenkasse erhalten.

Wie funktioniert euer Ansatz mit Sensorsohlen und Datenanalyse im Alltag der Nutzer?

Man bestellt das 2-in-1-Paket über unseren Webshop und lädt die Eversion-App herunter. Dort macht man einen Fußscan und füllt einen kurzen Fragebogen zu seinen Beschwerden aus. Dann kommen die Sensorsohlen per Post. Man legt sie in seine Alltagsschuhe und verbindet sie per Bluetooth mit der App. Dann trägt man sie bis zu 14 Tage ganz normal. Die Sensoren messen in dieser Zeit das Gangbild: wie man auftritt, wie lang die Schritte sind und wie stark der Schuh den Fuß zur Seite kippen lässt.

Nach dem Messzeitraum sendet man die Sensorsohlen an uns zurück. In der App sieht man anschließend seine persönlichen Gangparameter und ein Körpermodell. Darauf wird sichtbar, welche Muskelketten durch die Fehlstellung verkürzt oder verlängert sind und wie das mit den eigenen Beschwerden zusammenhängt. Auf Basis dieser Daten fertigen wir die individuellen 0°-Sohlen. Die Korrektur passiert über die Unterseite. Die Oberseite bleibt flach. Der Fuß wird nicht passiv gestützt, sondern arbeitet frei und kräftigt sich.

Was unterscheidet Eversion Technologies von klassischen Einlagen oder herkömmlichen Therapieansätzen?

Klassische Einlagen basieren auf dem Barfuß-Abdruck, ohne die getragenen Schuhe und die Bewegung zu analysieren. Der Schuh selbst wird nicht berücksichtigt, obwohl er die Fußposition massiv verändert. Wir messen erstmals die Fußposition im Schuh unter Alltagsbedingungen. Statt passiv zu stützen, bringen unsere 0°-Sohlen den Fuß in eine neutrale Position bei natürlicher Muskelaktivierung. Das Ergebnis unserer randomisierten, kontrollierten Studie: im Mittel eine 27 Prozent höhere Schmerzreduktion gegenüber klassischen Einlagen.

Welche Herausforderungen begegnen euch an der Schnittstelle von Medizin, Technologie und Alltagstauglichkeit?

Technisch gab es einige Herausforderungen, da die Hardware einerseits sehr klein aber enorm leistungsfähig sein muss.
Außerdem war die CE-Zertifizierung als Medizinprodukt ein großer Meilenstein im September 2025.
Und der wichtigste Teil: wissenschaftliche Präzision bei maximaler Einfachheit für den Nutzer. Das hat viele Iterationen und Testungen gebraucht.

Wie schafft ihr es, komplexe biomechanische Daten verständlich und nutzbar für eure Kunden aufzubereiten?

Nach der Auswertung sieht der Nutzer in der App ein 3D-Körpermodell. Darauf wird sichtbar, welche Muskelketten durch die Fehlstellung überlastet werden.
Schmerzpunkte können in Zusammenhang damit gebracht werden und es gibt eine Erklärung wie und ob die Fehlstellung optimiert werden kann. Das Feedback unserer Kunden zeigt: Genau dieses Sichtbarmachen ist der Aha-Moment.

Welche Rolle spielt Individualisierung bei euren Lösungen und Produkten?

Individualisierung ist der Kern von allem, was wir tun. Jede Sohle entsteht aus den individuell gemessenen Daten des Nutzers, erfasst in den eigenen Schuhen unter realen Alltagsbedingungen. Da der Eversionswinkel je nach Schuhtyp unterschiedlich ausfallen kann, fertigen wir bei Bedarf verschiedene Sohlen für verschiedene Schuhe.

Wie entwickelt ihr Eversion Technologies weiter und welche nächsten Schritte plant ihr?

Aktuell erweitern wir unsere laufende Studie an der Universität Konstanz auf 100 Probanden. Weitere Studien mit klinischen Partnern sind bereits in Planung. Gleichzeitig bauen wir unsere Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten, Orthopäden und Unternehmen im Bereich betriebliche Gesundheitsförderung aus. Und wir entwickeln unsere Analyseplattform weiter, zum Beispiel für den Einsatz in der Rehabilitation.

Wie verändert sich aus eurer Sicht der Umgang mit Prävention und körperlicher Gesundheit?

Bisher ist Prävention aus meiner Sicht noch nicht im Alltag der Menschen angekommen. Hier gibt es viel Nachholbedarf von allen Seiten. Dennoch steigt das Bewusstsein und der Weg von Symptombehandlung, hin zur Ursachensuche wird immer relevanter.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern im HealthTech-Bereich geben?

Baut auf einem echten Problem auf, nicht auf einer Technologie-Idee. EVERSION wäre ohne Wolfgangs 40 Jahre Praxis nie entstanden. Die Technologie ist das Werkzeug, nicht die Lösung.
Unterschätzt die Regulatorik nicht, aber lasst euch nicht lähmen und holt euch Unterstützung, wenn ihr es nicht alleine schafft.
Baut ein Team mit den wichtigsten Kompetenzen auf und unterschiedlichen Perspektiven. Ein gutes Team ist das A und O.

Bild: Eversion Gruenderteam v.l.n.r. Lucas Heitele Timon Sutter Wolfgang Triebstein Julia Zimmermann Maximilian Starkmann Bildcredits : EVERSION Technologies GmbH

Wir bedanken uns bei Julia Zimmermann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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