LE CHEMISEUR® entwickelt Hemden mit perfekter Passform durch datenbasierte Maßanfertigung
Wie ist LE CHEMISEUR® entstanden und wer sind die Menschen hinter dem Unternehmen?
Ich bin Jan Schütte, Deutscher, Ingenieur, Absolvent der École Centrale Paris. Nach sechs Jahren bei Toyota Europe in der Supply Chain — wo ich gelernt habe, Verschwendung systematisch zu eliminieren — habe ich 2014 in Paris LE CHEMISEUR® gegründet. Die Frage, die mich angetrieben hat: Warum passen die meisten Hemden nicht richtig, obwohl man das Problem mit Daten lösen könnte? Heute sind wir ein kleines Team in Paris — Entwickler, Passform-Experten, Kundenberater. Unsere Hemden werden in einem Partneratelier in Tunesien genäht, mit dem wir seit 2015 zusammenarbeiten. Über 70 Festangestellte, überwiegend Frauen.
Was hat euch dazu bewogen, den klassischen Maßhemdenmarkt mit einer digitalen Lösung neu zu denken?
Wer regelmäßig Hemden trägt, kennt das Problem: Die Ärmel sind zu lang oder zu kurz, der Kragen drückt, zwischen den Größen fällt man durch. Hemden von der Stange passen den wenigsten Männern wirklich gut. Klassische Maßschneidereien lösen das zwar, sind aber teuer und umständlich. Online-Anbieter verlangen oft ein Maßband und viele Körpermaße — fehleranfällig und abschreckend. Wir wollten einen dritten Weg: Hemden, die wirklich passen, online bestellt, ohne Maßband, zu einem fairen Preis.
Welche Vision verfolgt LE CHEMISEUR® und wie wollt ihr den Bestellprozess für Kleidung langfristig verändern?
Unsere Vision: Jeder Mann soll in wenigen Klicks ein Hemd bekommen, das perfekt sitzt. Schluss mit Zwischengrößen und Kompromissen. Langfristig wollen wir das Modell auf weitere Kleidungsstücke ausweiten. Maßhosen ab 180 Euro sind bereits verfügbar. Das Prinzip bleibt: KI-gestützte Passformberechnung, Fertigung auf Bestellung, null Überproduktion.
Welche Zielgruppen sprecht ihr gezielt an und welche Probleme löst ihr für diese im Alltag?
Unsere Kunden sind Männer, die im Beruf regelmäßig Hemden tragen. Viele kommen zu uns, weil sie ein konkretes Passformproblem haben: zu lange Ärmel, enger Kragen, breite Schultern, Bauchansatz — oder sie fallen einfach zwischen zwei Konfektionsgrößen. Für diese Männer ist Konfektionsware ein täglicher Kompromiss. Aber etwa zwei Drittel unserer Kunden hätten theoretisch auch Hemden von der Stange kaufen können. Sie wollen einfach etwas Besseres: ein Hemd, das wirklich sitzt, aus hochwertigen europäischen Stoffen, zu einem Preis ab 99 Euro.
Wie schafft ihr es, mit wenigen Angaben eine passende Hemdgröße zu berechnen und Vertrauen bei den Kunden aufzubauen?
Der Kunde beantwortet sechs kurze Fragen — darunter Gewicht, Größe und Alter. Es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen diesen Werten und der Körperform: Die Größe liefert Hinweise auf Ärmel- und Rückenlänge, das Gewicht beeinflusst Schulterbreite und Brustumfang, das Alter hilft, typische Veränderungen in der Gewichtsverteilung zu berücksichtigen. Unser datenbasiertes, KI-gestütztes Modell, entwickelt in Frankreich auf Basis von über 50.000 realen Kundenprofilen, berechnet daraus die individuelle Passform. Die KI berücksichtigt auch die Elastizität und das Einlaufverhalten jedes einzelnen Stoffs. Vertrauen schaffen wir durch unsere 100-Tage-Passform-Garantie: Wenn etwas nicht sitzt, korrigiert unser Expertenteam in Paris die Maße. In der Regel muss der Kunde das Hemd nicht einmal zurückschicken. Und dann gibt es den Passform-Schlüssel — einen patentierten, fünfstelligen Code, der in jedes Hemd eingedruckt wird. Er speichert die Maße und ermöglicht Nachbestellungen in einem Klick.
Was unterscheidet euer Konzept von traditionellen Schneidereien oder anderen Online-Anbietern für Maßhemden?
Drei Dinge. Erstens: Unser KI-gestütztes Modell. Kein Maßband, keine komplizierten Eingaben — sechs kurze Fragen reichen. Das senkt die Einstiegshürde massiv. Unsere Retourenquote liegt bei 5 Prozent, während der Mode-E-Commerce im Schnitt bei 20 bis 30 Prozent liegt. Zweitens: Der Passform-Schlüssel. Ein patentiertes System, das Nachbestellungen trivial macht. Unsere Wiederkaufrate liegt bei 63 Prozent innerhalb von sechs Monaten — ohne Rabatte oder Promotions. Drittens: Das Preismodell. Hemden ab 99 Euro, Bestseller aus französischer Popeline für 129 Euro. Vergleichbar mit hochwertigem Prêt-à-porter, aber eben mit individueller Passform.
Welche Herausforderungen begegnen euch bei der Verbindung von Mode und Technologie?
Die größte Herausforderung ist das Vertrauen. Der Kunde muss glauben, dass ein datenbasiertes Modell seine Passform besser berechnen kann als er selbst mit einem Maßband. Dieses Vertrauen baut man nur durch Ergebnisse auf — und durch eine kompromisslose Garantie. Die zweite Herausforderung: Stoffe verhalten sich unterschiedlich. Unser Modell muss die spezifische Elastizität und das Einlaufverhalten jedes Stoffs berücksichtigen. Das erfordert kontinuierliche Datenarbeit. Jede Retouche — selbst eine Korrektur von 1 bis 2 Zentimetern — verbessert das Modell.
Wie geht ihr mit dem Thema Retouren oder Passformoptimierung um?
Unsere Retourenquote liegt bei 5 Prozent — ein Bruchteil des Branchendurchschnitts. Trotzdem machen wir Retouren so einfach wie möglich und ermutigen unsere Kunden sogar dazu, wenn etwas nicht perfekt sitzt. Warum? Weil wir langfristig denken. Ein Kunde, dessen Passform beim zweiten Hemd perfekt sitzt, bleibt ein Leben lang. Unsere Wiederkaufrate von 63 Prozent in sechs Monaten zeigt, dass das funktioniert. Und jede Retoure macht unser KI-Modell besser — jede Korrektur von 1 bis 2 Zentimetern fließt direkt in die Optimierung der Algorithmen ein. Die 100-Tage-Passform-Garantie gilt ab der ersten Bestellung, und wir senden bei Bedarf ein vorfrankiertes Retourenlabel.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei eurem On-Demand-Produktionsmodell?
Nachhaltigkeit ist kein Marketing-Add-on — sie ist im Geschäftsmodell verankert. Wir produzieren ausschließlich auf Bestellung. Null Lagerbestand, null Überproduktion, keine Schlussverkäufe. Unsere CO₂-Bilanz liegt 43 Prozent unter dem Durchschnitt im Mode-E-Commerce. Seit 2024 sind wir B-Corp-zertifiziert mit einem Score von 95,3 (Schwelle: 80). Unsere Stoffe kommen aus Europa — von italienischen und französischen Webereien, darunter Verne & Clet bei Lyon, gegründet 1955. Wir liefern per LKW und Schiff, nie per Flugzeug. Die Verpackung ist plastikfrei: Seidenpapier und Kraftkarton.
Wie entwickelt ihr LE CHEMISEUR® weiter und welche neuen Funktionen oder Produkte sind geplant?
2026 ist für uns ein Expansionsjahr. Wir starten den DACH-Markt — die Website ist bereits auf Deutsch verfügbar, inklusive der KI-gestützten Passformberechnung. Die Finanzierung haben wir über mehrere Runden mit Business Angels gestemmt (1,8 Mio. Euro insgesamt), und die Marke ist inzwischen profitabel und autofinanziert. Parallel erweitern wir das Produktangebot: Maßhosen ab 180 Euro sind verfügbar. Und wir entwickeln unser KI-Modell kontinuierlich weiter — mit jedem neuen Kunden wird die Vorhersage präziser.
Wie verändert sich aus eurer Sicht das Kaufverhalten im Modebereich durch digitale Lösungen?
Die Kunden werden anspruchsvoller. Viele Männer akzeptieren es nicht mehr, dass ein Hemd „schon irgendwie passt“. Sie erwarten Personalisierung, Transparenz und Qualität — gleichzeitig. Digitale Lösungen ermöglichen das erstmals: ein Hemd, das wirklich zur eigenen Körperform passt, online bestellt, zu einem fairen Preis, nachhaltig produziert. Wer regelmäßig Hemden trägt und einmal erlebt hat, wie ein perfekt sitzendes Hemd den Unterschied macht, geht selten zurück zur Konfektionsware.
Welche drei Ratschläge würdet ihr Gründerinnen und Gründern geben, die ein technologiegetriebenes Produkt aufbauen wollen?
Erstens: Löse ein echtes Problem. Nicht ein technisches — ein menschliches. Bei uns ist es die Frustration von Millionen Männern mit schlecht sitzenden Hemden. Zu kurze Ärmel, enger Kragen, zu viel Stoff am Bauch. Die Technologie ist das Mittel, nicht der Zweck.
Zweitens: Bau einen Mechanismus, der Kunden bindet — ohne Rabatte. Bei uns ist das der Passform-Schlüssel: ein patentierter, fünfstelliger Code, der in jedes Hemd eingedruckt wird und alle Maße des Kunden speichert. Damit bestellt er sein nächstes Hemd in einem Klick, ohne irgendetwas neu einzugeben. Das Ergebnis: 63 Prozent Wiederkaufrate in sechs Monaten — ohne eine einzige Promotion. Wenn dein Produkt mit jeder Bestellung besser und einfacher wird, entsteht ein Schwungrad, das schwer zu kopieren ist.
Drittens: Sei kompromisslos bei der Qualität, aber pragmatisch bei allem anderen. Wir verwenden europäische Premium-Stoffe und deutsche Knopfgarne — daran sparen wir nie. Aber wir haben nicht versucht, alles gleichzeitig zu machen. Erst Hemden perfektionieren, dann Hosen, dann neue Märkte.
Bild: Teambild Bildcredits : LE CHEMISEUR®
Wir bedanken uns bei Jan Schütte für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder
Premium Start-up: LE CHEMISEUR®

Kontakt:
LE CHEMISEUR
22 Rue Notre-Dame de Nazareth
75003 Paris
France
https://lechemiseur.fr/de/masshemden
lecontact@lechemiseur.fr
Ansprechpartner: Jan Schütte, Gründer & CEO
jan.schutte@lechemiseur.fr

























