Sonntag, März 30, 2025
StartGründerTalkWie vereint man Identität, ohne sich selbst zu verlieren?

Wie vereint man Identität, ohne sich selbst zu verlieren?

Mondrian Labs vereint mit SHYNE und Pomélo+Co. zwei erfolgreiche Beauty-Marken unter einem Dach und setzt dabei auf Performance, Clean Beauty und digitale Kundenerlebnisse.

Was hat Sie persönlich dazu bewegt, Mondrian Labs zu gründen und die Marken SHYNE und Pomélo + Co. unter einem Dach zu vereinen?

Ich habe die Marke SHYNE gegründet, weil ich mich schon immer für die Beauty-Industrie interessiert habe und dort besonders den D2C-Bereich spannend fand. Im Bereich Premium-Haarcoloration gab es kaum Anbieter und daher eine spannende Marktlücke. Der Zusammenschluss mit Pomélo+Co. kam erst später, im Jahr 2023. Pomélo+Co. hatte sich auf Haircare spezialisiert – SHYNE auf Coloration. Wir hatten eine ähnliche Zielgruppe und wollten mit beiden Marken breiter aufgestellt sein. Das hat einfach gut gepasst. So konnten wir das Wissen aus beiden Firmen vereinen und wertvolle Synergien schaffen.

Wie hat sich Ihr Blick auf Unternehmertum im Laufe Ihrer Karriere verändert? Gab es Schlüsselmomente, die Ihren Weg geprägt haben?

Zu Beginn war Unternehmertum für mich vor allem Innovation – die Idee, ein einzigartiges Produkt zu schaffen, das eine echte Lücke im Markt schließt. Heute sehe ich es viel ganzheitlicher: Es geht nicht nur um das Produkt, sondern auch um die richtigen Strukturen, das Team und die Skalierung. Ein Schlüsselmoment war unsere Fokussierung auf den Einstieg in den Retail und dann die erste Absage – das Feedback, dass unser Produkt zu kompliziert sei, hat mich gezwungen, alles neu zu denken. 

Die Fusion mit Pomélo+Co. war ein weiterer Wendepunkt, weil sie gezeigt hat, dass Wachstum auch durch kluge Partnerschaften entstehen kann. Auf einmal zwei Marken zu verantworten hat natürlich auch neue Herausforderungen mit sich gebracht. Ich muss nun schneller von der einen Marke auf die andere Marke mehrmals am Tag umschalten können. Auch sind wir im Team dadurch deutlich größer geworden – es war wichtig, dafür die passende Struktur innerhalb des Unternehmens zu bauen.

Fusionen sind oft mit Herausforderungen verbunden. Welche Hürden mussten Sie beim Zusammenschluss der Marken überwinden?

Es gab einige Herausforderungen:

Kulturelle Unterschiede: Pomélo+Co. war sehr remote-fokussiert, SHYNE hatte eine klassische Office-Struktur. Beides mussten wir zusammenführen.

Technische Integration: Zwei Shopify-Stores, zwei Zahlungssysteme, zwei Buchhaltungen – all das musste vereinheitlicht werden.

Team-Zusammenführung: Jeder hatte seine eigenen Routinen und Prozesse. Es brauchte Zeit, bis sich eine gemeinsame Dynamik entwickelt hat.

Neue Marke: Die Frage, wie wir SHYNE und Pomélo+Co. vereinen, ohne die Identitäten zu verwässern, führte zur Gründung von Mondrian Labs als übergreifendes Dach.

Was war Ihr größtes Learning aus diesem Merge – sowohl auf strategischer als auch auf persönlicher Ebene?

Strategisch: Eine Fusion ist mehr als Zahlen und Synergien – es geht um Menschen. Ohne eine gemeinsame Vision funktioniert es nicht.

Persönlich: Man kann nicht alles planen. Manche Dinge muss man laufen lassen, ausprobieren und aus Fehlern lernen.

Wie hat sich Ihre Rolle als Unternehmer durch die Fusion verändert? Gibt es Aspekte, die Sie heute anders sehen?

Vor der Fusion war ich extrem stark operativ involviert – durch die Fusion habe ich gelernt, dass Wachstum bedeutet, Kontrolle abgeben zu müssen, was mir durch unsere Teamlead-Struktur gelungen ist. Es gibt aber auch noch Themen, wie Produkt und Marketing, bei denen ich noch immer stark involviert bin.

Welche Werte und Prinzipien leiten Sie in Ihrer Arbeit? Gibt es eine persönliche Philosophie, die Sie verfolgen?

Transparenz & Geschwindigkeit. Ich glaube daran, Entscheidungen schnell zu treffen, auch wenn sie nicht immer perfekt sind. Lieber iterieren, als zu lange zu zögern. Und ich bin überzeugt, dass Marken nur erfolgreich sind, wenn sie eine echte Verbindung zu ihren Kund*innen haben. 

Wie reagieren Kund:innen auf die Zusammenführung von SHYNE und Pomelo+Co.? Gab es Überraschungen?

Die Marken treten ja immer noch getrennt auf. Ich glaube ehrlich gesagt, dass viele das gar nicht mitbekommen haben. Für Kund*innen sind es immer noch zwei verschiedene Unternehmen.

Wie gehen Sie mit dem Druck und den Herausforderungen um, die mit der Leitung mehrerer Marken einhergehen?

Klar, es gibt Tage, an denen es sich anfühlt, als würde alles gleichzeitig brennen. Aber ich habe gelernt, Prioritäten zu setzen und nicht jede Herausforderung als Krise zu sehen. Sport und Zeit mit Freund*innen helfen mir, den Kopf freizubekommen.

Was treibt Sie als Unternehmer und kreativen Kopf an? Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Ich liebe es, etwas Neues zu schaffen – sei es ein Produkt, eine Marke oder eine Marketingstrategie, die anders funktioniert als der Standard. Inspiration kommt oft aus Gesprächen mit Kund*innen oder durch das Beobachten von Trends außerhalb der Haircare-Kategorie, z.B. in der Hautpflege. Am Ende geht es darum, Sachen neu zu kombinieren.

Welche langfristigen Potenziale sehen Sie für Mondrian Labs? Wie soll das Unternehmen in fünf oder zehn Jahren aussehen?

Mondrian Labs soll das Zuhause für Beauty-Marken sein, die Performance und Clean Beauty vereinen. In fünf Jahren sehe ich uns ggf. auch noch mit  weiteren Marken, nicht nur in Europa, sondern auch international. Aktuell wollen wir uns allerdings auf diese beiden Marken fokussieren.

Ein klarer Trend im E-Commerce und in der Beauty-Kategorie ist der verstärkte Einsatz von KI-gestützten Beratungstools. Virtuelle Technologien helfen Kund*innen, die passende Haarfarbe oder Pflegeprodukte auszuwählen und verbessern so das Einkaufserlebnis. Zudem gewinnen Community-getriebene Marken noch mehr an Bedeutung – die direkte Kundenbindung wird zunehmend wichtiger als klassische Werbung. Ein weiterer zentraler Trend ist die Omnichannel-Strategie: Marken setzen verstärkt auf eine nahtlose Verzahnung von Online- und Offline-Kanälen, sodass Kund*innen flexibel zwischen digitalen und physischen Einkaufserlebnissen wechseln können. Diese Integration wird in Zukunft entscheidend für den Erfolg im Markt sein.

Was würden Sie anderen Gründer:innen raten, die vor der Entscheidung stehen, ihre Unternehmen zusammenzuführen?

Bei einer Unternehmensfusion sollte der Fokus nicht nur auf den finanziellen Zahlen liegen, sondern insbesondere auf der Unternehmenskultur. Passen die Teams und Arbeitsweisen zusammen? Falls nicht, gibt es klare Strategien zur erfolgreichen Harmonisierung? Eine transparente und kontinuierliche Kommunikation ist dabei essenziell – alle Mitarbeitenden müssen die gemeinsamen Ziele sowie die Richtung der Fusion verstehen. Zudem darf der technische Aspekt nicht unterschätzt werden: Die frühzeitige Integration von IT-Systemen und Prozessen ist entscheidend, um operative Effizienz sicherzustellen und unnötige Reibungsverluste zu vermeiden.

Bild: Mondrian Labs Gründer Richard Fähnle Fotograf/ Copyright Victor Strasse

Wir bedanken uns bei Richard Fähnle für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

StartupValley
StartupValley
Das StartupValley Magazin ist Europas großes Magazin für Start-ups, Gründer und Entrepreneure. Ihr findet bei uns Tagesaktuelle News zu den neuesten Trends, Technologien und Geschäftsmodellen der internationalen Startup-Szene sowie Interviews mit erfolgreichen Gründern und Investoren.
- Advertisement -

WhatsApp Newsletter

NEU: Die wichtigsten News des Tages, im StartupValley WhatsApp Newsletter!

StartupValley Newsletter

Erhalte regelmäßig die wichtigsten internationalen Startup-News in dein Postfach!

Neueste Beiträge

Premium Events

spot_img
spot_img
spot_img
spot_img
spot_img

Das könnte dir auch gefallen!

StartupValley Newsletter

Erhalte regelmäßig die wichtigsten internationalen Startup-News in dein Postfach!