Donnerstag, Februar 5, 2026
StartFinanzierung20 Millionen Euro für den nächsten Skalierungsschritt

20 Millionen Euro für den nächsten Skalierungsschritt

R3 Robotics erhält 20 Mio. € zur Skalierung der automatisierten Demontage von Elektrofahrzeugsystemen

Das deutsch-luxemburgische Robotikunternehmen schließt eine Series-A-Finanzierung über 14 Mio. € ab und erhält weitere 6 Mio. € an öffentlichen Fördermitteln, um die KI-gestützte Demontage von elektrischen Fahrzeugen angesichts steigender End-of-Life-Volumina zu industrialisieren.

R3 Robotics (ehemals Circu Li-ion) gibt eine neue Finanzierung von insgesamt 20 Mio. € bekannt, um die automatisierte Demontage von Elektrofahrzeugsystemen im industriellen Maßstab voranzutreiben. Das Unternehmen hat im Rahmen der Finanzierung 14 Mio. € mittels eines Series-A-Investments eingeworben, das gemeinsam von HG Ventures und Suma Capital angeführt wird. Zu den weiteren Investoren zählen Oetker Collection KG, der European Innovation Council Fund (EIC Fund) sowie die bestehenden Gesellschafter BONVENTURE, FlixFounders und EIT Urban Mobility. Ergänzt wird die Investmentrunde durch 6 Mio. € an europäischen Fördermitteln.

Die Finanzierung fällt mit der Umbenennung des Unternehmens von Circu Li-ion zu R3 Robotics zusammen und markiert eine klare Erweiterung des bisherigen Geschäftsbereichs: von der Demontage und dem Recycling von Batterien hin zur automatisierten Zerlegung kompletter Elektrofahrzeugsysteme, einschließlich E-Antriebe, Leistungselektronik und weiterer hochwertiger Komponenten. Das langfristige Ziel ist die vollautomatisierte Demontage ganzer Fahrzeugsysteme. Der neue Name spiegelt dabei den industriellen Fokus des Unternehmens wider – Repair, Reuse, Recycle – angetrieben durch Robotik.

Skalierbare Demontage für den industriellen Einsatz

Mit der zunehmenden Elektrifizierung von Mobilitäts- und Energiesystemen wird im Recyclingmarkt ein deutlicher Anstieg der End-of-Life-Volumina komplexer elektrifizierter Komponenten erwartet. Die manuelle Zerlegung solcher Systeme bleibt arbeitsintensiv, kostspielig und lässt sich nur schwer mit einem hohen Maß an Sicherheit für das eingesetzte Personal skalieren. R3 Robotics begegnet dieser Herausforderung mit einer KI-gestützten Demontageplattform, die für den Einsatz in industriellen Umgebungen mit einem hohen Durchsatz konzipiert ist.

Die europäische Politik verstärkt diesen Wandel zusätzlich. Der 2024 in Kraft getretene Critical Raw Materials Act unterstreicht die Notwendigkeit, sichere und widerstandsfähige inländische Lieferketten für kritische Rohstoffe aufzubauen. Parallel dazu führt die EU-Batterieverordnung schrittweise strengere Effizienzziele für das Recycling ein, darunter ein 70%-Ziel für Lithium-Batterien bis 2030, sowie Anforderungen an die Materialrückgewinnung und den Anteil von recycelten Komponenten. Zusammen mit der Altfahrzeug-Richtlinie gestalten diese politischen Rahmen die industrielle Recyclinginfrastruktur neu.

„Der Engpass im aktuellen Wirtschaftskreislauf liegt nicht in der Recyclingtechnologie, sondern in der Beschaffung sortenreiner Rohstoffe, und somit in der sicheren und kostengünstigen Demontage komplexer elektrifizierter Systeme im industriellen Maßstab“, so Antoine Welter, CEO und Mitbegründer von R3 Robotics. „Wir bauen eine Demontageplattform, die End-of-Life-Systeme in eine strategische Quelle für kritische Materialien und wiederverwendbare Komponenten für fortschrittliche Industriegesellschaften verwandelt.“

Die Technologie von R3 Robotics

Die Demontageplattform von R3 Robotics kombiniert Computer Vision, künstliche Intelligenz (KI) und spezialisierte Roboterwerkzeuge zur automatisierten Zerlegung von Lithium-Ionen-Batteriepacks, E-Motoren, Leistungselektronik und weiteren hochwertigen elektrifizierten Komponenten. Das System minimiert die Gefährdung von Personal durch Hochspannung und bietet die Kosteneffizienz und Zuverlässigkeit für den industriellen Einsatz.

R3 Robotics arbeitet mit Fortum Battery Recycling zusammen, einem führenden integrierten Recyclingunternehmen, das in verschiedenen Bereichen der europäischen Wertschöpfungskette für Batterierecycling – von der Sammlung und Vorbehandlung bis zur Materialveredelung – aktiv ist, um seine automatisierte Demontagetechnologie im industriellen Maßstab einzusetzen. Über die Zusammenarbeit mit Recyclingpartnern hinaus arbeitet R3 Robotics direkt mit Automobil-OEM-Kunden zusammen und verarbeitet End-of-Life-Batteriesysteme über seine zentrale Demontageinfrastruktur, um kritische Rohstoffe zurückzugewinnen und deren sichere Beschaffung zu unterstützen.

„R3 Robotics adressiert einen kritischen industriellen Engpass in der Versorgung mit strategischen Rohstoffen“, betont John Glushik von HG Ventures. „Skalierbare Demontage-Infrastruktur ist unerlässlich, um die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten zu stärken und den Zugang zu kritischen Input-Materialien zu sichern.“

“Lighthouse Facility” & strategische Märkte

Die Ankündigung der neuen Finanzierungsrunde markiert zudem die Erweiterung der Recyclinganlage von R3 Robotics in Karlsruhe, Deutschland, die konzipiert wurde, um industrielle Leistungsfähigkeit zu demonstrieren und als Referenzstandort (“Lighthouse Facility”) zu dienen. Für das weitere Wachstum betrachtet R3 Robotics Deutschland und Frankreich als zentrale europäische Märkte angesichts ihrer starken Automobil- und Industrieökosysteme, der zunehmenden Elektrifizierung der Wirtschaft und der lokalen Konzentration von Recycling- und Remanufacturing-Partnern.

„R3 Robotics verbindet starke industrielle Umsetzungskompetenz mit einem skalierbaren Ansatz zur Demontage komplexer elektrifizierter Systeme“, sagt Natalia Ruiz, Partnerin bei Suma Capital. „Diese Fähigkeit ist entscheidend, um Materialien und Komponenten im großen Maßstab zu erschließen.“

Mittelverwendung und Wachstumsstrategie

R3 Robotics plant, die Series-A-Finanzierung und neuen europäischen Fördermittel für die folgenden Ziele einzusetzen:

Ausbau der Technologie und des Teams: Recruiting in den Bereichen Engineering, KI, Software und Operations
Skalierung im europäischen Markt: Einsatz der eigenen Demontageplattform bei industriellen Recyclern und Partnern der Automobilindustrie
Erweiterung der eigenen Recyclinganlagen: Erhöhung der Kapazitäten an den Standorten des Unternehmens in Karlsruhe und Luxemburg
US-Markteintritt: Kommerzielle Vorbereitungen und Aufbau strategischer Partnerschaften für einen Rollout in den USA in 2026

Zur weiteren Stärkung seiner strategischen Entwicklung hat R3 Robotics zudem Peter Mohnen, ehemaliger CEO von KUKA, in den Beirat berufen.

„Die automatisierte Demontage auf hohem Komplexitätsniveau stellt eine der schwierigsten Herausforderungen in der Industrie-Robotik dar“, sagt Peter Mohnen, ehemaliger CEO von KUKA und Beiratsmitglied von R3 Robotics. „Der Ansatz von R3 demonstriert die Tiefe der Automatisierungsexpertise, die erforderlich ist, um Variabilität, Sicherheit und Durchsatz im großen Maßstab gleichzeitig zu managen.“

Bildcredits R3 Robotics

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