Freitag, März 13, 2026
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Kann aus einem Nebenprodukt der nächste große Foodtrend entstehen?

REVOJA entwickelt pflanzliche Lebensmittel aus Sojatrester und Okara und nutzt Food Upcycling, um aus Nebenströmen der Sojaverarbeitung neue proteinreiche Produkte für Gastronomie und Foodservice zu schaffen

Wie ist die Idee zu REVOJA entstanden und wer sind die Menschen hinter dem Startup?

Die Idee zu REVOJA entstand im Rahmen der Drink Innovation Challenge der Hochschule Geisenheim. Für den Wettbewerb entwickelten wir einen veganen Ayran und wurden dabei auf die Reststoffproblematik in der Sojaverarbeitung aufmerksam. Schnell wurde uns klar, dass im Sojatrester, auch Okara genannt, viel ungenutztes Potenzial steckt. Okara ist der faserreiche Pressrückstand, der bei der Verarbeitung von Sojabohnen entsteht und wertvolle Proteine, Ballaststoffe und Mineralstoffe enthält. Heute arbeiten wir zu dritt daran, daraus neue Lebensmittel zu entwickeln: Phillip ist Getränketechnologe und treibt unsere Produktions- und Upcycling-Technologie voran, Nino ist Ernährungswissenschaftler und kümmert sich um die Produktentwicklung und Sonja bringt ihre wirtschaftliche Perspektive in Marketing und Markenaufbau ein.

Welche Vision verfolgt REVOJA im Bereich nachhaltiger und pflanzlicher Lebensmittel?

Unsere Vision ist es, pflanzliche Lebensmittel zu entwickeln, die umweltfreundlich, hochwertig und gleichzeitig geschmacklich überzeugend sind. Mit unserer Zero-Waste-Strategie zeigen wir, dass Lebensmittel-Upcycling sowohl skalierbar als auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Gleichzeitig setzen wir auf wenige natürliche Zutaten, viel Protein, wenig Fett und Zucker und verzichten auf unnötige Zusatzstoffe, um den Verbrauchern neben dem ökologischen auch einen klaren ernährungsphysiologischen Mehrwert zu bieten.

Wie möchten Sie mit REVOJA dazu beitragen, pflanzliche Alternativen stärker in der Gastronomie zu etablieren?

Wir arbeiten sehr eng mit Gastronomiebetrieben zusammen, um genau zu verstehen, welche Anforderungen im Küchenalltag zählen. Dabei stehen eine einfache Verarbeitung, verlässliche Qualität und vielseitige Einsatzmöglichkeiten im Mittelpunkt. Unsere Produkte entwickeln und testen wir selbst in verschiedenen Rezeptanwendungen und unterstützen unsere Partner aktiv bei der Integration in ihre Speisekarten. Besonders wichtig ist uns, dass unsere pflanzlichen Alternativen den tierischen Pendants in Geschmack, Textur und Funktionalität in nichts nachstehen.

An welche Zielgruppen richten sich Ihre Produkte und welche Bedürfnisse dieser Kunden stehen für Sie im Mittelpunkt?

Unsere Produkte richten sich vor allem an Gastronomiebetriebe, Weiterverarbeiter sowie an Hotels, Mensen und Kantinen. Viele dieser Betriebe erweitern ihr pflanzliches Angebot und legen dabei besonderen Wert auf hohe Qualität, gute Verarbeitungseigenschaften und zuverlässige Lieferketten. Hintergrund ist die wachsende Zahl an Flexitariern, Vegetariern und Veganern und die damit steigende Nachfrage nach vielseitigen pflanzlichen Gerichten. Für uns steht daher im Mittelpunkt, Produkte zu entwickeln, die geschmacklich überzeugen und sich gleichzeitig zuverlässig in professionellen Küchen verarbeiten lassen.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in der Entwicklung und Herstellung Ihrer Produkte?

Nachhaltigkeit ist ein elementarer Bestandteil unseres Geschäftsmodells. Bei der Verarbeitung von Sojabohnen fällt Sojatrester (Okara) an, ein fester Nebenstrom voller Ballaststoffe, Proteine und Mineralstoffe. Statt ihn wie üblich zu entsorgen oder in Biogasanlagen zu verwerten, verarbeiten wir ihn gezielt weiter und verwandeln ihn in ein hochwertiges Fleischersatzprodukt. So entsteht aus einem bislang ungenutzten Rohstoff eine hochwertige Proteinquelle für die menschliche Ernährung, während gleichzeitig Lebensmittelverluste deutlich reduziert werden.

Viele Unternehmen arbeiten inzwischen an pflanzlichen Lebensmitteln. Was macht den Ansatz von REVOJA besonders?

Unser Ansatz kombiniert Nachhaltigkeit, Nährwert und Regionalität. Wir nutzen Upcycling, um Nebenströme wie Sojatrester in hochwertige Proteinquellen zu verwandeln, verzichten auf unnötige Zusatzstoffe und achten auf ein ausgewogenes Nährstoffprofil mit viel Protein, (sowie) wenig Fett und Zucker. Gleichzeitig setzen wir auf regionale Rohstoffe und kurze Lieferketten. Mit unserem breiten Sortiment, von pflanzlichen Milchalternativen bis zu Fleischersatzprodukten, können wir gezielt auf die unterschiedlichen Anforderungen unserer Kunden eingehen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau eines Food Startups und wie gehen Sie damit um?

Eine der größten Herausforderungen ist, dass viele Themen erst im laufenden Prozess sichtbar werden. Produktionsprozesse müssen aufgebaut, Logistik und Abläufe koordiniert, rechtliche Vorgaben umgesetzt und Investoren von der Idee überzeugt werden. Gleichzeitig gilt es, Kunden zu gewinnen und Vertrauen für uns und unsere Produkte aufzubauen. Um diese vielen Themen zu bewältigen, setzen wir klare Prioritäten, arbeiten uns schnell in neue Aufgaben ein und treffen Entscheidungen, die unmittelbar umsetzbar sind.

Wie reagieren Gastronomiebetriebe und professionelle Küchen auf Ihre Produkte?

Die Rückmeldungen aus der Gastronomie sind bisher ausgesprochen positiv. Besonders oft hören wir, wie sehr die Qualität unserer Produkte überzeugt und wie vielseitig sie sich in der Küche einsetzen lassen. Viele Betriebe vergleichen sie direkt mit den pflanzlichen Alternativen, die sie bisher genutzt haben, und heben dabei vor allem Geschmack, Textur und Verarbeitungsfähigkeit hervor. Der direkte Austausch mit unseren Kunden liefert uns zudem wertvolle Hinweise, mit denen wir die Produkte gezielt weiterentwickeln.

Welche Meilensteine möchten Sie mit REVOJA in den kommenden Jahren erreichen?

In den kommenden Jahren möchten wir uns zunächst fest im Foodservice-Bereich etablieren. Parallel bereiten wir den Einstieg in den Lebensmitteleinzelhandel vor, denn langfristig wollen wir unsere Produkte auch im Supermarktregal sehen. Darüber hinaus planen wir, unsere Technologie künftig auch anderen Produzenten zugänglich zu machen, da Nebenströme in vielen Bereichen der pflanzlichen Lebensmittelverarbeitung anfallen. Sobald wir in Deutschland einen stabilen Product-Market-Fit erreicht haben, wollen wir darauf aufbauend Schritt für Schritt in weitere europäische Märkte expandieren.

Welche neuen Entwicklungen oder Produktideen planen Sie für die Zukunft?

Neben unserem Fleischersatzprodukt arbeiten wir bereits an weiteren Produkten auf Basis des upgecycelten Sojatresters. Darüber hinaus planen wir eine Erweiterung unseres Sortiments rund um das REVOJA Dressing und die REVOJA Creme. Denkbar ist, künftig verschiedene Sorten anzubieten und die Linie Schritt für Schritt auszubauen

Wie wichtig sind regionale Rohstoffe für die Strategie Ihres Unternehmens?

Regionale Rohstoffe sind ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie. Nachhaltigkeit bedeutet für uns nicht nur Upcycling, sondern auch kurze Transportwege und damit geringere CO₂-Emissionen. Unsere Sojabohnen beziehen wir zum Beispiel aus dem Raum Kassel. Langfristig möchten wir dazu beitragen, den Sojaanbau in Deutschland attraktiver zu machen und regionale Wertschöpfungsketten zu stärken.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein nachhaltiges Food Startup aufbauen möchten?

Erstens: Den Nachhaltigkeitsgedanken mit einem funktionierenden Produktkonzept verbinden. Eine gute Idee trägt nur dann, wenn Geschmack, Textur und Anwendung überzeugen.

Zweitens: Früh und regelmäßig mit potenziellen Kunden sprechen. In der Gastronomie zählt die Praxis. Echtes Feedback ist der schnellste Weg zu einem besseren Produkt.

Drittens: Geduld und Ausdauer mitbringen. Der Aufbau eines Lebensmittelunternehmens ist anspruchsvoll und bringt immer wieder Überraschungen mit sich. Was hilft, ist ein Team, das zusammenhält und eine Vision, die auch an langen Tagen Orientierung gibt.

Bildcredits: @Revoja

Wir bedanken uns bei Nino Griebel für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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