Donnerstag, Januar 8, 2026
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Wann hat Bewegung aufgehört, sich richtig anzufühlen?

ROSY ist ein inhabergeführter Longevity-Club in München, der Bewegung als langfristiges Ritual für Gesundheit, Lebensqualität und innere Stabilität neu denkt

Roy Dowery, Sie gehören zu den Pionieren der Boutique-Fitness-Bewegung in Deutschland. Was hat Sie persönlich dazu bewogen, nach dieser erfolgreichen Phase noch einmal bewusst neu anzufangen und ein neues Konzept aufzubauen?

Ich habe mit SYPC eines der ersten Boutique-Fitness-Studios in Deutschland aufgebaut und die Entwicklung dieser Branche über viele Jahre sehr intensiv begleitet. In den letzten 24 Monaten habe ich jedoch gemerkt, dass wir an einem Wendepunkt angekommen sind – inhaltlich wie strukturell. Es sind unzählige Boutique-Gyms entstanden: Reformer, Pilates, Barre. Auf den ersten Blick unterschiedlich, im Kern aber oft austauschbar. Sehr Instagram-getrieben, sehr laut, sehr trainerzentriert. Trainer vermarkten sich als Role Models, zeigen auf Social Media, wie gut sie sich selbst bewegen – aber Teaching ist kein Performance-Format. Ein wirklich guter Trainer muss nicht jede Übung vormachen. Er bewegt Menschen mit Wissen, Sprache und Präzision.

Was mich besonders irritiert hat: In München eröffnet an jeder Ecke ein neues Studio, mit identischem Versprechen von „exzellenten Classes“ und „starker Community“. Die Preise steigen – aber die Trainer bleiben die gleichen. Kundinnen zahlen unterschiedliche Preise, erhalten aber immer denselben Inhalt. Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Wofür bezahlen wir eigentlich?

Hinzu kommt der massive Einfluss von Aggregatoren wie Wellpass, Wellhub, Urban Sports Club oder ClassPass. Sie haben die Fitnesslandschaft grundlegend verändert. Klassische Mitgliedsverträge verschwinden, Flexibilität wird erwartet – was absolut legitim ist, aber Bindung enorm erschwert.

Für mich war klar: Wenn man heute ein Studio gründet, braucht es mehr als gutes Design und Social Media. Es braucht Haltung. Klarheit. Substanz. ROSY ist meine bewusste Antwort darauf.

Mit dem ROSY Longevity Club entfernen Sie sich klar vom klassischen Fitnessverständnis. Gab es einen konkreten Moment oder eine Erfahrung, in der Ihnen bewusst wurde, dass herkömmliche Trainingsmodelle Ihrer eigenen Haltung zu Gesundheit und Bewegung nicht mehr gerecht werden?

Ja, einen sehr klaren. Nachdem ich gefühlt das zwanzigste identische Konzept auf Instagram gesehen habe, dachte ich: Man könnte inzwischen eine Copy-Paste-Anleitung veröffentlichen. Was brauche ich für ein Boutique-Studio? Eine „Community“, eine abgestimmte Farbwelt, täglichen Content und ein Interior, das häufiger gezeigt wird als die eigentlichen Kursprogramme.

Inhaltlich hat sich dabei erstaunlich wenig weiterentwickelt. Pilates ist heute oft kein Pilates mehr, sondern Bodenturnen mit Gewichten. Studios bilden ihre Trainer selbst aus, Ausbildungszertifikate verlieren an Wert – während Preise immer weiter steigen.

Da wurde mir klar: Wir brauchen ein Konzept, das sich bewusst davon abhebt. Bei ROSY steht nicht der Trainer im Mittelpunkt, sondern das Mitglied. Qualität vor Quantität. Klar definierte Kurskonzepte. Ausschließlich fundiert ausgebildete Trainer. Und kein zusätzlicher Ballast – denn der eigene Körper hat bereits alles, was er braucht.

Longevity bedeutet für mich nicht, möglichst lange zu funktionieren, sondern möglichst lange gut zu leben. Im Kontext von Bewegung heißt das: Training so zu gestalten, dass es den Körper stärkt, ohne ihn zu verschleißen – und ihn auf das vorbereitet, was kommt.

Der menschliche Körper hat sich in den letzten 10.000 Jahren nicht verändert. Er kann sich nur auf eine begrenzte Anzahl sinnvoller Arten bewegen. Die Idee, jede Woche eine neue Methode zu erfinden, ist meist Marketing – keine Wissenschaft.

Was mich aktuell kritisch stimmt: Longevity wird häufig genutzt, um noch mehr Add-ons zu verkaufen – Nahrungsergänzungsmittel, Infrarot, Cold Plunges. Nichts davon ist notwendig. Der Mensch trägt alles, was er braucht, bereits in sich. Was wirklich fehlt, sind Rituale. Es geht nicht um tägliche Motivation – die ist flüchtig. Es geht um Disziplin. Und vor allem darum, Bewegung so sehr zu lieben, dass sie selbstverständlich Teil des Lebens wird. Nicht als To-do, sondern als Ritual.

Welche Beobachtungen aus Ihrer langjährigen Arbeit mit Kundinnen und Kunden haben maßgeblich dazu beigetragen, das Konzept des ROSY Longevity Club zu formen?

Ganz klar: der Moment nach dem Training. Dieses Strahlen. Die rosigen Wangen. Die aufrechte Haltung. Die Ruhe im Blick. Diese „ROSY Cheeks“ waren nicht nur ein schönes Bild – sie sind der Namensgeber unseres Studios.

Sie stehen für Durchblutung, für Lebendigkeit, für dieses unverwechselbare Gefühl, im eigenen Körper angekommen zu sein. Ich habe über Jahre gesehen, dass nachhaltige Ergebnisse nicht aus Härte entstehen, sondern aus Präzision und Kontinuität. Nicht aus Druck, sondern aus Verständnis für den eigenen Körper – besonders bei Frauen.

Der Schritt von etablierten Fitnessformaten hin zu einem ganzheitlichen Longevity-Ansatz bedeutet auch, bestehende Denkweisen zu hinterfragen. Welche Routinen oder Glaubenssätze der Branche mussten Sie selbst zuerst loslassen?

Vor allem den Glauben, dass es ständig etwas Neues braucht. Die nächste Methode. Das nächste Tool. Die nächste „Revolution“. Wir müssen aufhören so zu tun, als hätte jemand Fitness neu erfunden – nur mit besserem Marketing.

Der Körper braucht kein Spektakel. Er braucht kluge Bewegung. Ein weiterer Glaubenssatz war die Idee, dass Menschen ständig motiviert werden müssen. Motivation ist kein Fundament – sie kommt und geht. Was trägt, ist ein Training, das man liebt. So sehr, dass man es nicht mehr hinterfragt – wie Schlaf oder Atmen.

Der Fitnessmarkt gilt als stark gesättigt und wettbewerbsintensiv. Welche Herausforderungen bringt es mit sich, ein Studio mit einer so klaren Vision in diesem Umfeld zu launchen?

ROSY ist eines der letzten inhabergeführten Studios. Wir stehen im Wettbewerb mit Marken, die über deutlich mehr Kapital verfügen und enorme Budgets in Marketing investieren. Gleichzeitig ist Longevity ein Thema, das erklärt werden muss – weil es leiser ist als klassische Fitnessversprechen.

Es geht nicht um schneller, höher, härter, sondern um morgen. Und übermorgen. Unsere größte Herausforderung ist gleichzeitig unsere größte Stärke: Wir wachsen nicht über Lautstärke, sondern über Vertrauen.

Wie reagieren Kundinnen und Kunden auf die Idee, Bewegung nicht als kurzfristiges Ziel, sondern als langfristige Investition in Gesundheit, Performance und Lebensqualität zu verstehen?

Viele sind zunächst überrascht – und dann sehr erleichtert. Weil sie merken, dass sie hier nichts beweisen müssen. Gerade in einer Zeit maximaler Flexibilität sehnen sich viele nach Struktur. Nicht nach Zwang, sondern nach Verlässlichkeit.

Wenn Bewegung zum Ritual wird, entsteht Bindung ganz von selbst – nicht an ein Preismodell, sondern an ein Gefühl.

ROSY versteht sich nicht nur als Trainingsort, sondern als Club. Welche Rolle spielen Community, Haltung und Umfeld für nachhaltige Gesundheit aus Ihrer Sicht?

Eine zentrale. Gesundheit entsteht nicht isoliert, sondern im Kontext. ROSY ist ein Raum mit Haltung. Ein Umfeld, das Ruhe ausstrahlt, statt Druck. Eine Community, die sich nicht über Leistung definiert, sondern über Bewusstsein. Wir bewegen uns gemeinsam – aber jede in ihrem eigenen Rhythmus.

Inwiefern fließen Ihre persönlichen Werte und Ihr eigenes Verhältnis zu Gesundheit, Alter und Leistungsfähigkeit konkret in den Alltag des ROSY Longevity Club ein?

ROSY bin ich – eins zu eins. Die meisten Menschen würden mein tatsächliches Alter nicht erraten. Nicht wegen eines Geheimnisses, sondern wegen Bewegung. Ich bin fest davon überzeugt, dass Movement das stärkste Longevity-Tool ist, das wir haben.

Es hält uns nicht nur körperlich stark, sondern mental beweglich und emotional stabil. Diese Haltung lebt ROSY jeden Tag.

Sie beschreiben ROSY als einen Blueprint für die Zukunft von Bewegung. Was müsste sich Ihrer Meinung nach strukturell ändern, damit Longevity-getriebene Konzepte langfristig zur neuen Normalität werden?

Wir brauchen wieder mehr Verantwortung für Inhalte. Mehr Respekt vor Ausbildung. Mehr Klarheit in Kurskonzepten – und weniger Beliebigkeit.

Longevity darf kein Marketingbegriff sein, sondern muss sich im täglichen Training zeigen. In der Art, wie wir lehren, begleiten und langfristig denken.

Wenn Sie auf Ihre bisherige unternehmerische Reise zurückblicken: Welche Erkenntnisse als Founder sind heute entscheidend dafür, ein Konzept wie ROSY nachhaltig und zukunftsfähig aufzubauen?

Jedes neue Studio hat am Anfang Wartelisten. Das ist kein Qualitätsmerkmal – das ist Neugier. Was bleibt, ist Substanz. Qualität. Klarheit. Konsequenz.

Nachhaltigkeit entsteht nicht durch Trends, sondern durch Vertrauen. Und genau darauf ist ROSY aufgebaut.

Bildcredits @ ROSY

Wir bedanken uns bei Roy Dowery für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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