{"id":105478,"date":"2024-06-12T11:48:28","date_gmt":"2024-06-12T09:48:28","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=105478"},"modified":"2024-06-12T11:48:31","modified_gmt":"2024-06-12T09:48:31","slug":"clara-meyer-zu-altenschildesche-auf-der-hercareer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/clara-meyer-zu-altenschildesche-auf-der-hercareer\/","title":{"rendered":"Wir brauchen mehr sichtbare weibliche Vorbilder"},"content":{"rendered":"
Clara Meyer zu Altenschildesche: Innovatorinnen sind Frauen, aus deren Arbeit sich k\u00fcnftig oder aktuell Fortschritte ergeben \u2013 egal ob im unternehmerischen, technologischen, wissenschaftlichen, gesellschaftlichen oder sozialen Bereich. In unserer Forschung ist der Innovationsbegriff sehr breit. Oftmals werden Innovationen mit technischen Neuerungen assoziiert. Wir ber\u00fccksichtigen aber etwa auch Innovationen in Dienstleistungs- und sozialen Bereichen, in denen Frauen verst\u00e4rkt vertreten sind.<\/p>\n
Clara Meyer zu Altenschildesche: Frauen sind in den als innovativ betrachteten Bereichen deutlich unterrepr\u00e4sentiert \u2013 etwa Gr\u00fcnderinnen, Professorinnen an Hochschulen oder Patentanmelderinnen. Ein Beispiel: Zwischen 1978 und 2019 lag der Frauenanteil bei Patentanmelderinnen bei 10 Prozent. 2021 lag der Anteil von Frauen bei Start-up-Gr\u00fcndungen bei 17,7 Prozent, 2022 bei 20,3 Prozent. Das hei\u00dft, wir machen Fortschritte, es ist aber noch deutlich Luft nach oben.<\/p>\n
Clara Meyer zu Altenschildesche: Genau, sie und ihre Leistungen sind weniger sichtbar, etwa in den Medien, bei Preisverleihungen oder auch innerhalb der Unternehmen. Auf deutschen Veranstaltungen liegt der Sprecherinnen-Anteil bei unter 25 Prozent. Schaut man sich den Nobel-Preis an, sind 6,4 Prozent aller Preistr\u00e4ger:innen weiblich. In TV-Informationsformaten befragte Expert:innen sind zu 26 Prozent weiblich.<\/p>\n
Clara Meyer zu Altenschildesche: Hierzu habe ich in einem interdisziplin\u00e4ren Team drei Jahre lang geforscht. Es ist leider nicht so, dass wir nur einen Grund benennen k\u00f6nnten. Die Gr\u00fcnde sind vielschichtig und komplex. Nur ein Beispiel: Unsere Untersuchungen haben best\u00e4tigt, dass die Vorstellungen, die von Innovation vorherrschen, auf bestimmten Aspekten des Konstrukts von M\u00e4nnlichkeit beruhen und sehr technisch gepr\u00e4gt sind.<\/p>\n
Clara Meyer zu Altenschildesche: Dadurch haben es Frauen, die im Dienstleistungssektor oder im sozialen Bereich innovativ vertreten sind, es schon von Anfang an schwieriger, als innovativ wahrgenommen zu werden. So werden sie oft auch nicht von Medien als Innovatorinnen erkannt und etwa als Expertin angefragt. In der Wirtschaftsf\u00f6rderung etwa beeinflussen solche Stereotype auch, wohin F\u00f6rdergelder flie\u00dfen und wer mit Preisen ausgezeichnet wird.<\/p>\n
Clara Meyer zu Altenschildesche: Eine Innovatorin in unserer Forschungsregion hat den Verein \u201cTausche Bildung f\u00fcr Wohnen\u201d mit dem Ziel gegr\u00fcndet, Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit zu st\u00e4rken. Junge Menschen, die eine Ausbildung machen oder studieren und sich eigentlich keine Wohnung finanzieren k\u00f6nnten, helfen als Bildungspat:innen Kindern in strukturell benachteiligten Stadtteilen, geben zum Beispiel Nachhilfe. Daf\u00fcr k\u00f6nnen sie mietfrei wohnen. Das Projekt expandiert mittlerweile in weitere Regionen.<\/p>\n
Clara Meyer zu Altenschildesche: Mai Thi Nguyen-Kim ist mit ihrem maiLab ein gutes Beispiel, genauso Tijen Onaran. Sie sind sichtbar mit dem, was sie tun, also Wissenschaft und Business.<\/p>\n
Clara Meyer zu Altenschildesche: Wir h\u00f6ren und lesen jeden Tag von Herausforderungen, die unsere gesamte Gesellschaft betreffen. Wenn wir so viele Innovationen brauchen, um etwa dem Klimawandel oder dem demografischen Wandel zu begegnen, dann macht es keinen Sinn, dass wir nur das Potential der H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung nutzen. Wir k\u00f6nnen es uns schlicht nicht leisten, auf das Potential von Frauen zu verzichten. Die Sichtbarkeit ist hier ein wichtiger Hebel. Wir brauchen mehr sichtbare weibliche Vorbilder. M\u00e4dchen und junge Frauen werden vor allem durch sie ermutigt: You can\u00b4t be, what you can\u00b4t see.<\/p>\n
Clara Meyer zu Altenschildesche: Der erste Schritt ist, sich seiner eigenen Expertise bewusst zu werden. Viele Frauen, die wir f\u00fcr unsere Forschung angefragt haben, sagten: Innovatorin oder Expertin? Das bin doch nicht ich! Das Selbstverst\u00e4ndnis hat direkten Einfluss auf den eigenen Auftritt \u2013 und nur, wenn man selbst etwas verstanden hat, kann man es anderen gegen\u00fcber auch sichtbar machen. Selbstreflexion ist der erste Schritt, danach kann man sich auch Themen wie Personal Branding widmen.<\/p>\n
Clara Meyer zu Altenschildesche: Es ist wichtig, dass sich nicht nur einzelne Personen f\u00fcr mehr Sichtbarkeit einsetzen, sondern auch Institutionen wie Hochschulen und Ministerien. Wir haben mit unserem Projekt \u201cWestf\u00e4lischen Erfinderinnen\u201d in einer F\u00f6rderrichtlinie des BMBF 71 Innovatorinnen aus dem Ruhrgebiet und dem M\u00fcnsterland ausfindig gemacht und ihre Geschichte erz\u00e4hlt. Das ist ein Anfang.<\/p>\n