{"id":108515,"date":"2024-08-07T10:54:55","date_gmt":"2024-08-07T08:54:55","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=108515"},"modified":"2024-08-07T11:56:35","modified_gmt":"2024-08-07T09:56:35","slug":"heidi-stopper-hercareer-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/heidi-stopper-hercareer-2024\/","title":{"rendered":"Warum deine Verletzlichkeit dein gr\u00f6\u00dfter Vorteil ist!"},"content":{"rendered":"\n
Prof. Heidi Stopper<\/a>\u00a0coacht Topmanager:innen f\u00fcr die Herausforderungen ihres Berufsalltags. Eine wichtige Frage, die dabei oft auftaucht: Wie kann ich resilienter werden? Im Gespr\u00e4ch erz\u00e4hlt die Unternehmerin, warum eine gesunde Distanz zur Arbeit von essenzieller Bedeutung f\u00fcr Resilienz ist, warum es langfristig unklug ist, seine Gef\u00fchle zu ignorieren, und wie schon kleine Rituale helfen, belastbarer zu werden.<\/p>\n\n\n\n Prof. Heidi Stopper:<\/strong> Ein Immunsystem ist ein Abwehrsystem. Resilienz ist allerdings kein Abwehrsystem, deswegen finde ich den Begriff etwas irref\u00fchrend.<\/p>\n\n\n\n Prof. Heidi Stopper:<\/strong> Menschen, die sehr resilient sind, haben die F\u00e4higkeit, sich unter sehr schwierigen Umst\u00e4nden nicht zu verlieren und Wege zu finden, aus einer Krise gest\u00e4rkt hervorzugehen. Im Coaching w\u00fcnschen sich manche meiner Kund:innen, dass sie nichts mehr trifft, dass alles von ihnen abperlt wie von Teflon \u2013 das ist nicht Resilienz. Resilienz bedeutet nicht, Krisen und Einschl\u00e4ge zu verhindern, sondern konstruktiv mit ihnen umgehen. Der Begriff kommt aus der Materialkunde und beschreibt die F\u00e4higkeit eines Materials, nach einer Verformung wieder in seine urspr\u00fcngliche Form zur\u00fcckzufinden \u2013 oder dar\u00fcber hinauszuwachsen.<\/p>\n\n\n\n Prof. Heidi Stopper: <\/strong>Wer belastbar ist, kann vieles aushalten. Wer resilient ist, h\u00e4lt vieles aus, nimmt keinen Schaden, lernt und w\u00e4chst daran.<\/p>\n\n\n\n Prof. Heidi Stopper:<\/strong> Topf\u00fchrungskr\u00e4fte unterscheiden sich von anderen Mitarbeitenden an dieser Stelle nicht. Die Einschl\u00e4ge sind von au\u00dfen betrachtet gr\u00f6\u00dferer Natur, weil es oft um Machtfragen geht und gelegentlich harte und unfaire K\u00e4mpfe stattfinden. Die Leute, die diese Funktionen aus\u00fcben, haben meistens vorher schon Resilienz gelernt, weil sie viel \u00fcben mussten. Und das ist die gute Nachricht: Resilienz l\u00e4sst sich erlernen.<\/p>\n\n\n\n Prof. Heidi Stopper: <\/strong>Jede:r, der schon einmal Neujahrsvors\u00e4tze hatte, wei\u00df, dass ein Verstehen und ein Plan nicht ausreichen. Zur Umsetzung geh\u00f6rt das Reflektieren unseres Zustands, das Zulassen und Anschauen unserer eigenen Gef\u00fchle.<\/p>\n\n\n\n Prof. Heidi Stopper:<\/strong> F\u00fchrungskr\u00e4fte haben genauso Emotionen wie alle Menschen, auch die negativen wie Eifersucht und Scham, auch sie sind verletzlich. Wenn es um Resilienz geht, geht es auch immer um den Umgang mit der eigenen Verletzlichkeit. Was trifft uns? Warum trifft uns das? Das Jonglieren unterschiedlicher Interessenlagen kann emotional anstrengend sein, vor allem wenn unsere eigenen Erfolgsmuster, Werte und Pr\u00e4gungen dazukommen.<\/p>\n\n\n\n Prof. Heidi Stopper: <\/strong>Weibliche F\u00fchrungskr\u00e4fte haben alle Herausforderungen, die m\u00e4nnliche F\u00fchrungskr\u00e4fte auch haben, und dar\u00fcber hinaus zus\u00e4tzliche, die mit Geschlechterstereotypen zu tun haben. Wir leben in einem patriarchalen System, das Frauen anders bewertet als M\u00e4nner. Typische Erfolgsattribute sind m\u00e4nnlich \u2013 Durchsetzungsst\u00e4rke zum Beispiel. Ist eine Frau durchsetzungsstark, wirkt sie jedoch schnell \u201czickig\u201d oder \u201cmanipulativ\u201d.<\/p>\n\n\n\n Prof. Heidi Stopper:<\/strong> Die kennen wir alle: Wir nehmen die Arbeit mit nach Hause. Wir schlafen entweder gar nicht ein oder wachen um 2, 3 Uhr auf und das Gedankenkarussell beginnt sich zu drehen. Aus der Burnout-Prophylaxe wei\u00df man, dass wir dann Energiegeber abschneiden: Wir haben keine Lust mehr auf Sex, wir schlafen schlecht, wir ern\u00e4hren uns ungesund. Entweder wir essen zu viel oder zu wenig oder zu ungesund oder trinken zu viel Alkohol. Oder wir verzichten gar a uf soziale Interaktion, Hobbies oder Sport.<\/p>\n\n\n\n Prof. Heidi Stopper:<\/strong> Heute ist es generell schwer, in einer guten Distanz zu bleiben, weil sich das Rad so schnell dreht. Die letzten Jahre waren durch sehr viel Unsicherheit und Unvorhergesehenes gekennzeichnet. Dementsprechend viel Aktionismus und Chaos in der Antwort sieht man an allen Arbeitspl\u00e4tzen, es ist alles unglaublich schnelllebig geworden.<\/p>\n\n\n\n Pof. Heidi Stopper:<\/strong> Eine gesunde Distanz zur Arbeit ist wichtig. Das funktioniert etwa gut mit kleinen Abstandsritualen. Nach einem Acht-Stunden-Tag im Hamsterrad eine Runde joggen zu gehen, reicht da nicht aus.<\/p>\n\n\n\n Prof. Heidi Stopper:<\/strong> Fr\u00fcher war ich einer der Menschen, die so lange den Snooze-Button am Wecker gedr\u00fcckt haben, bis es nicht mehr ging, manchmal den Kaffee unter der Dusche getrunken, damit ich in 20 Minuten aus dem Haus war. Als Vorst\u00e4ndin in einem Medienkonzern habe ich mich dann gefragt, wie ich meinen Tag strukturieren muss, damit ich gesund und leistungsf\u00e4hig bleibe. Und da kamen die Abstandsrituale ins Spiel.<\/p>\n\n\n\n Prof. Heidi Stopper: <\/strong>Ich habe meinen Morgen radikal anders gestaltet, ich stehe 1,5 Stunden fr\u00fcher auf als ich muss. Ich lese eine Stunde Zeitung im Bett mit Kaffee, schaue nicht aufs Handy. Die erste halbe Stunde in der Arbeit habe ich zun\u00e4chst darauf verwendet, mich zu fragen, was heute wirklich wichtig ist \u2013 was in f\u00fcnf Jahren r\u00fcckblickend auch noch wichtig gewesen sein wird. Die zweite halbe Stunde habe ich mir f\u00fcr Austausch bei offener T\u00fcr mit meinen Mitarbeiter:innen reserviert zum pers\u00f6nlichen Austausch. Und dann ging erst der Meetingalltag los.<\/p>\n\n\n\n Dann hatte ich drei feste Rituale: Never lunch alone, ich habe jeden Mittag Mittagessen mit Netzwerkpflege gemacht. Nachmittags um vier habe ich immer einen Spaziergang gemacht, bei jedem Wetter. Wer ein Meeting mit mir wollte, musste mitkommen. Bevor ich nach Hause gegangen bin, habe ich \u00fcberlegt: Was ist heute gut gelaufen? Was hat heute Spa\u00df gemacht? Was wird morgen noch wichtig sein? Das habe ich mir aufgeschrieben, und dann bin ich raus.<\/p>\n\n\n\n Prof. Heidi Stopper:<\/strong> Wichtig ist nicht, zu tun, was ich getan habe. Entscheidend ist nicht das, was wir tun, sondern dass wir es regelm\u00e4\u00dfig tun. Es ist wichtig, regelm\u00e4\u00dfig aus dem Hamsterrad herauszutreten, so k\u00f6nnen wir gesunden Abstand zur Arbeit gewinnen.<\/p>\n\n\n\n Prof. Heidi Stopper:<\/strong> Den Unterschied macht, wie wir die Krisen empfinden. F\u00fcr manche Menschen ist der Beruf so wichtig, dass sie berufliche Krisen als genauso immens wie Krisen im Privaten erleben.<\/p>\n\n\n\n Prof. Heidi Stopper:<\/strong> Ich hatte in meiner Arbeit viele Momente, in denen ich Resilienz \u00fcben musste, aber keine gro\u00dfe Krise. Im Privaten dagegen hatte ich eine gro\u00dfe Krise, als meine Schwester gestorben ist. Ich hatte meine Trauer vermieden, weil ich dachte, nie im Leben halte ich dieses Gef\u00fchl aus. Ich habe gelernt, dass man mit Unterst\u00fctzung auch existentielle Krisen besser durchleben kann. Mein Coach hat mir geholfen, meine Trauer zuzulassen und greifbar zu machen. Ich hatte dann Trauer, aber die Trauer hatte nicht mich. Und das gilt meiner Meinung nach grunds\u00e4tzlich: Wir d\u00fcrfen Emotionen haben, aber die Emotionen d\u00fcrfen uns nicht haben \u2013 nicht dauerhaft.<\/p>\n\n\n\n Das Interview f\u00fchrte\u00a0herCAREER-Chefredakteurin Julia H\u00e4gele<\/a>.<\/em><\/p>\n\n\n\n \u00dcber die Person<\/strong><\/p>\n\n\n\n Prof. Heidi Stopper hat viele Jahre als F\u00fchrungskraft und Vorstand im Personalbereich gearbeitet, zuletzt als Vorstand im MDAX. Coaching und Beratung von F\u00fchrungskr\u00e4ften aller Ebenen, insbesondere des Topmanagements, waren immer ein wesentlicher Bestandteil ihrer T\u00e4tigkeit. Heute ist sie Unternehmerin, eine der gefragtesten Topmanagement-Coaches und Beraterin zum Thema Karriere und berufliche Positionierung. Sie sitzt in etlichen Beir\u00e4ten, ist Kuratoriumsvorsitzende der Macromedia und leidenschaftliche F\u00f6rderin von Frauen im Berufsleben. Mitte Oktober 2019 wurde Heidi Stopper die Honorarprofessur f\u00fcr Leadership & Organizational Behaviour an der Hochschule Macromedia verliehen.<\/p>\n\n\n\n Bild: Prof. Heidi Stopper Topmanagement-Coach & Beraterin ehem. Vorstand im MDAX, Autorin und mehrfache Beir\u00e4tin Fotograf Karin Volz<\/p>\n\n\n\n Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Prof. Heidi Stopper\u00a0coacht Topmanager:innen f\u00fcr die Herausforderungen ihres Berufsalltags. 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herCAREER<\/a>: Heidi, Resilienz wird manchmal als \u201cImmunsystem der Psyche\u201d bezeichnet \u2013 stimmt dieses Bild deiner Meinung nach?<\/h3>\n\n\n\n
herCAREER: Was ist Resilienz dann?<\/h3>\n\n\n\n
herCAREER: Kann man resilient mit \u201cbelastbar\u201d \u00fcbersetzen?<\/h3>\n\n\n\n
herCAREER: Du ber\u00e4tst vornehmlich Topmanager:innen \u2013 haben diese irgendetwas gemeinsam, wenn es um Resilienz geht?<\/h3>\n\n\n\n
herCAREER: Wieso reicht es nicht, zu verstehen, dass Resilienz wichtig ist?<\/h3>\n\n\n\n
herCAREER: Sprechen F\u00fchrungskr\u00e4fte gerne \u00fcber ihre Gef\u00fchle?<\/h3>\n\n\n\n
herCAREER: Gibt es aus deiner Erfahrung Spezifika, wenn es um weibliche F\u00fchrungskr\u00e4fte geht?<\/h3>\n\n\n\n
herCAREER: Welche Alarmsignale sind dir bekannt, die darauf hindeuten, dass eine Ersch\u00f6pfung zu gro\u00df ist und es Sinn machen w\u00fcrde, sich in Resilienz zu \u00fcben?<\/h3>\n\n\n\n
herCAREER: Wie kann man gleichzeitig Distanz zu seiner Arbeit wahren und leidenschaftlich bleiben?<\/h3>\n\n\n\n
herCAREER: Und wie kann man mehr Ruhe hineinbringen?<\/h3>\n\n\n\n
herCAREER: Hast du ein Beispiel?<\/h3>\n\n\n\n
herCAREER: Wie sahen die aus?<\/h3>\n\n\n\n
herCAREER: Und das k\u00f6nnte jedem helfen?<\/h3>\n\n\n\n
herCAREER: Macht es eigentlich einen Unterschied, ob die Krisen aus dem privaten oder beruflichen Bereich herr\u00fchren?<\/h3>\n\n\n\n
herCAREER: Wie ist das bei dir?<\/h3>\n\n\n\n
Am 17. Oktober h\u00e4lt \u00a0Prof. Heidi Stopper auf der herCAREER<\/a> einen Vortrag zum Thema \u201cWie man Resilienz trainieren kann und warum sie f\u00fcr (zuk\u00fcnftige) F\u00fchrungskr\u00e4fte unverzichtbar ist\u201d. Ort und Zeitpunkt finden Sie im\u00a0Programm.<\/h3>\n\n\n\n