Pre-Seed<\/a> und Seed investieren wir im Wesentlichen in zwei Dinge: die Gr\u00fcnderteams und den Markt. Beim Team schauen wir stark auf Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale \u2013 Ambition, Resilienz, Anpassungsf\u00e4higkeit, Kommunikationsst\u00e4rke und die F\u00e4higkeit, andere f\u00fcr die eigene Vision zu begeistern. Viele dieser Skills erkennt man nicht in einem Pitchdeck, sondern erst im direkten Sparring. Beim Markt gehen wir sehr tief rein: Wir machen intensive Deep-Dives und bauen uns Hypothesen auf. Ich verbringe zum Beispiel aktuell viel Zeit mit Technologien, die globale Lieferketten resilienter machen. Wenn Gr\u00fcnder dort mit einer echten Edge auftauchen, sehen wir das schnell und k\u00f6nnen direkt andocken.<\/p>\n\n\n\nIn der Mitteilung zum Project A Ventures Fonds V sprecht ihr von \u201eeurop\u00e4ischer Resilienz\u201c. Was bedeutet das f\u00fcr Dich \u2013 ist das mehr als ein Buzzword?<\/h3>\n\n\n\n Philipp Werner: <\/em><\/strong>Europa steht geopolitisch unter Druck \u2013 wirtschaftlich, sicherheitstechnisch, technologisch. \u201eEuropean Resilience\u201c hei\u00dft f\u00fcr uns: in F\u00e4higkeiten investieren, die Europa unabh\u00e4ngiger und wettbewerbsf\u00e4higer machen. Das reicht von Defense- und Dual-Use-Tech wie bei Quantum Systems oder ARX Robotics bis hin zu grundlegender Infrastruktur wie Halbleiterentwicklung bei Black Semiconductor. Es geht nicht um romantischen Tech-Souver\u00e4nit\u00e4ts-Patriotismus, sondern um knallharte Wettbewerbsf\u00e4higkeit.<\/p>\n\n\n\nWie ver\u00e4ndert der geopolitische Kontext \u2013 Stichwort: USA, China, Ukraine \u2013 Deine Investmentperspektive auf Europa? Wird lokales Denken wieder wichtiger?<\/h3>\n\n\n\n Philipp Werner: <\/em><\/strong>Absolut. Die letzten Jahre, besonders seit Corona, haben deutlich gemacht: Auch wenn wir in einer Welt leben, die st\u00e4rker vernetzt ist als je zuvor, entscheiden lokale technologische F\u00e4higkeiten dar\u00fcber, wer geopolitisch vorne liegt. In diesem Kontext sehen wir, wie wichtig es f\u00fcr Europa ist, als strategisch geeinter Block aufzutreten. Initiativen wie \u201eEU Inc.\u201c zeigen, dass wir nur so mit gr\u00f6\u00dferen, weniger fragmentierten M\u00e4rkten wie den USA oder China mithalten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\nGleichzeitig glauben wir nicht an Abschottung. Unser Deep-Dive in das Thema globale Lieferketten zeigt klar: Europa braucht eigene technologische Souver\u00e4nit\u00e4t, aber auch die F\u00e4higkeit, in globalen Systemen zu agieren. Das hei\u00dft: resilient sein, ohne sich zu isolieren. Lokale St\u00e4rke und globale Anschlussf\u00e4higkeit schlie\u00dfen sich nicht aus \u2013 im Gegenteil, sie bedingen sich.<\/p>\n\n\n\n
F\u00fcr uns als VC hei\u00dft das: Wir investieren in Technologien, die Europas Wettbewerbsf\u00e4higkeit st\u00e4rken \u2013 von strategischer Infrastruktur bis hin zu Dual-Use-Innovationen. Und wir setzen uns politisch daf\u00fcr ein, dass Europa als Gesamtmarkt gedacht und gestaltet wird. Nur so k\u00f6nnen unsere lokalen Champions auch zu globalen Marktf\u00fchrern werden.<\/p>\n\n\n\n
Ihr beschreibt eure Investmentstrategie als \u201egeneralistisch mit fokussierter Tiefe\u201c. Wie filterst Du bei all den Tech-Hypes \u2013 aktuell zum Beispiel AI oder ClimateTech \u2013 echte Substanz von kurzfristigem L\u00e4rm?<\/h3>\n\n\n\n Philipp Werner: <\/em><\/strong>Wir halten unseren Dealflow bewusst breit, weil wir als Fr\u00fchphasen-VC fr\u00fch erkennen m\u00fcssen, wo sich etwas bewegt. Gleichzeitig bauen wir in Themen, die wir besonders spannend finden, gezielt Tiefe auf \u2013 durch Deep-Dives, in denen wir konkrete Thesen entwickeln und ein relevantes Netzwerk aufbauen. Wenn man ein Feld wie Global Supply Chains oder Fintech \u00fcber mehrere Zyklen begleitet hat, sieht man schneller, was Hype ist und was echten Impact haben kann. Das hilft uns nicht nur bei Investmententscheidungen, sondern auch im Sparring mit Gr\u00fcndern \u2013 weil wir nicht bei null anfangen.<\/p>\n\n\n\nMit dem Team in London und dem neuen Partner Jack Wang bekommt Project A Ventures mehr Pr\u00e4senz im UK-Markt. Welche Rolle spielt London f\u00fcr Dich strategisch \u2013 trotz oder gerade wegen des Brexits?<\/h3>\n\n\n\n Philipp Werner: <\/em><\/strong>London ist einer der dynamischsten Tech-Hubs Europas \u2013 trotz Brexit. Die Stadt zieht unglaublich viele internationale Top-Talente an, hat ein dichtes Netzwerk an Unis, VCs, Corporates und Gr\u00fcndern. Diese Dichte sorgt f\u00fcr eine kreative Dynamik, die man so nur selten findet. Plus: Englisch als Sprache und die kulturelle N\u00e4he zu den USA machen es f\u00fcr viele Companies einfacher, international zu skalieren. 11x aus unserem Portfolio ist ein gutes Beispiel \u2013 das Unternehmen ist in London gewachsen und hat seinen Hauptsitz schlie\u00dflich nach San Francisco verlegt. F\u00fcr uns ist UK strategisch wichtig, und Jack ist genau der richtige, um dort tiefer reinzugehen.<\/p>\n\n\n\nDu arbeitest mit einem starken Team an Partner:innen \u2013 darunter Malin Posern und Jack Wang. Was ist Dir bei der Entwicklung von internen F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten wichtig? Und wie unterscheidet sich das von der Gr\u00fcnder-Begleitung?<\/h3>\n\n\n\n Philipp Werner: <\/em><\/strong>Am Ende geht es in beiden F\u00e4llen um Vertrauen, Ownership und Zusammenarbeit. Wir arbeiten bei Project A Ventures sehr bewusst im Team \u2013 jeder bringt unterschiedliche Perspektiven und St\u00e4rken ein. Wenn ein Startup zum Beispiel sowohl Fintech- als auch Supply-Chain-Fokus hat, arbeiten Malin und ich ganz selbstverst\u00e4ndlich ab dem ersten Call gemeinsam mit dem Gr\u00fcnderteam. Das erwarte ich auch bei der Entwicklung von F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten intern: echtes Team-Play, Klarheit, Verantwortungsbewusstsein und der Wille, sich immer in den Dienst der Gr\u00fcnder zu stellen.<\/p>\n\n\n\nWelches Thema oder Startup im aktuellen Portfolio von Project A Ventures begeistert Dich pers\u00f6nlich gerade besonders \u2013 vielleicht auch eins, das noch unter dem Radar fliegt?<\/h3>\n\n\n\n Philipp Werner: <\/em><\/strong>Ein Unternehmen hier in Berlin ist zum Beispiel Enapi, das sich auf die Verbesserung der Interoperabilit\u00e4t im Bereich der Elektromobilit\u00e4t konzentriert. Das Team entwickelt eine Plattform, die als Transaktionsvermittler und Clearingstelle zwischen Ladepunktbetreibern und E-Mobility-Service-Providern fungiert. Ziel ist es, die Komplexit\u00e4t in der EV-Ladeinfrastruktur zu reduzieren und eine nahtlose Konnektivit\u00e4t zu erm\u00f6glichen \u2013 analog zum Roaming Layer im Telekommunikationsbereich.<\/p>\n\n\n\nSehr gerne arbeite ich au\u00dferdem mit Relay aus London, einer technologiegest\u00fctzten Lieferplattform, die speziell f\u00fcr den E-Commerce entwickelt wurde. Ziel ist es, Paketlieferungen schneller, effizienter und nachhaltiger zu gestalten, indem traditionelle Logistikmodelle durch ein hyperlokales, digitales Netzwerk ersetzt werden. Vor einiger Zeit gab es eine regelrechte Welle an Lieferdiensten, aber nur ganz wenige konnten sich langfristig durchsetzen \u2013 Relay ist einer davon.<\/p>\n\n\n\n
Die M\u00e4rkte sind rauer geworden, Exits seltener, Bewertungen kritischer. Wie hat sich dadurch Deine Kommunikation mit Gr\u00fcnder ver\u00e4ndert \u2013 auch beim Thema Absagen?<\/h3>\n\n\n\n Philipp Werner: <\/em><\/strong>Marktzyklen geh\u00f6ren ganz selbstverst\u00e4ndlich zu unserem Gesch\u00e4ft. In \u00fcber zehn Jahren bei Project A Ventures haben wir sowohl Boom- als auch B\u00e4renm\u00e4rkte erlebt \u2013 aber unsere Haltung gegen\u00fcber Gr\u00fcndern ist immer gleich geblieben. Unabh\u00e4ngig vom Umfeld erfordert es enorme Entschlossenheit, ein Unternehmen in der Fr\u00fchphase zu gr\u00fcnden. Ob wir am Ende investieren oder nicht: Allein die Entscheidung, diesen Weg zu gehen, verdient unseren vollen Respekt.<\/p>\n\n\n\nF\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist das genau der Teil der Arbeit, den ich am meisten liebe. Ich spreche jedes Jahr mit hunderten Gr\u00fcndern, und nat\u00fcrlich geh\u00f6rt es auch dazu, Nein zu sagen. Aber ich nehme mir immer die Zeit, meine Gedanken offen zu erkl\u00e4ren. Aus meiner Erfahrung wissen Gr\u00fcnder das zu sch\u00e4tzen, selbst wenn sie unsere Perspektive nicht immer teilen. Es zeigt, dass wir ihre Idee ernst genommen haben und bereit waren, uns wirklich mit etwas auseinanderzusetzen, in das sie ihr Herzblut stecken.<\/p>\n\n\n\n
Wenn Du heute selbst wieder gr\u00fcnden w\u00fcrdest \u2013 mit all der Erfahrung, die Du inzwischen hast \u2013 worauf w\u00fcrdest Du Dich fokussieren? Und warum?<\/h3>\n\n\n\n Philipp Werner: <\/em><\/strong>Ich habe tats\u00e4chlich nie selbst gegr\u00fcndet, sondern bin als Operator gestartet \u2013 und sp\u00e4ter VC geworden. Mit dem Wissen von heute w\u00fcrde ich extrem genau auf die Zusammensetzung des Captables achten und viel Zeit darauf verwenden, die richtigen Investoren f\u00fcr die jeweilige Phase zu finden. Ich sehe immer noch Gr\u00fcnder, die das Fundraising m\u00f6glichst schnell hinter sich bringen wollen, um sich wieder auf das Business konzentrieren zu k\u00f6nnen. Dabei ist die Auswahl der Investoren eine Entscheidung mit zehnj\u00e4hriger Halbwertszeit \u2013 das sollte man nicht untersch\u00e4tzen. Besonders in der Pre-Seed- oder Seed-Phase rate ich dazu, auf einen VC zu setzen, der genau in dieser Stage einen Track Record hat, echte Unterst\u00fctzung bietet und sich committet \u2013 und nicht auf einen gro\u00dfen US-Multistage-Fonds, f\u00fcr den man eben kaum Relevanz hat, wenn es nicht sofort durch die Decke geht.<\/p>\n\n\n\nFoto\/Quelle: <\/strong>Project A Ventures Management GmbH<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Philipp Werner von Project A Ventures verr\u00e4t, wie Gr\u00fcnder Fehler vermeiden und welche Strategien Startups zum Unicorn machen \u2013 jetzt lesen!<\/p>\n","protected":false},"author":139,"featured_media":115256,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26473],"tags":[2064,8197,587,1081],"class_list":["post-115243","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-interviews","tag-berlin","tag-interview","tag-investor","tag-project-a"],"acf":[],"yoast_head":"\n
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