{"id":115734,"date":"2025-07-16T12:39:25","date_gmt":"2025-07-16T10:39:25","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=115734"},"modified":"2025-10-23T09:33:14","modified_gmt":"2025-10-23T07:33:14","slug":"lunia-hara-mitgefuehl-empathische-fuehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/lunia-hara-mitgefuehl-empathische-fuehrung\/","title":{"rendered":"Mit empathischer F\u00fchrung zu einer besseren (Arbeits-)Welt"},"content":{"rendered":"\n
Was passiert, wenn Mitgef\u00fchl zum wichtigsten F\u00fchrungsinstrument wird? Lunia Hara stellt mit ihrem Konzept der Empathischen F\u00fchrung die Regeln der hierarchischen Arbeitswelt auf den Kopf. Die Autorin von \u201eEmpathische F\u00fchrung. Wie wir die Arbeitswelt mit Mitgef\u00fchl revolutionieren\u201c, erl\u00e4utert im Gespr\u00e4ch mit Kristina Appel, warum empathische F\u00fchrung nicht nur Teams, sondern ganze Unternehmen und die Gesellschaft ver\u00e4ndern kann. Wie gelingt es, Menschlichkeit und Feedback in den Alltag zu integrieren, ohne auszubrennen? Und: Kann wirklich jede*r empathisch f\u00fchren? Ein Interview \u00fcber Mut, Menschlichkeit und die Kraft, Arbeitskulturen nachhaltig zu revolutionieren.<\/p>\n\n\n\n
\u201eF\u00fchrungskr\u00e4fte, die empathisch f\u00fchren, binden Mitarbeitende an das Unternehmen, die es sonst verlassen w\u00fcrden.\u201c<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Das ist ein tolles Beispiel, denn die Frage ist nicht etwa, was eine bessere Formulierung w\u00e4re. Die Frage ist: Warum macht diese Formulierung Angst? Wenn ein:e Mitarbeiter:in der F\u00fchrungskraft vertraut und das Team ein sicheres Umfeld bietet, w\u00fcrde diese Nachricht keine Angst ausl\u00f6sen, sondern vielleicht nur den Gedanken: \u201eOh, keine Zeit f\u00fcr freundliche Floskeln, da geht es um etwas Dringendes.\u201c Angst in dieser Situation signalisiert, dass das Umfeld unberechenbar ist.<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Ich empfehle, transparent zu kommunizieren, worum es geht: \u201eIch m\u00f6chte mit dir \u00fcber ein neues Projekt sprechen\u201c, \u201eIch w\u00fcrde gerne deinen Input zu dem Konflikt im Meeting h\u00f6ren\u201c oder \u201eIch brauche deine Meinung zu den neuen Entw\u00fcrfen\u201c. Offenheit ist wichtig! Sie ist eine der vier zentralen S\u00e4ulen empathischer F\u00fchrung.<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Menschlichkeit, Feedback und Selbstreflexion.<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Ich war tats\u00e4chlich oft sehr hin- und hergerissen, denn nat\u00fcrlich gab es manche Kolleg:innen, die mir direkt gesagt haben: \u201eNimm dir nicht so viel Zeit f\u00fcr deine Mitarbeitenden.\u201c Oder: \u201eDu bist viel zu nett. Geh mehr auf Distanz.\u201c F\u00fcr mich gab es aber gar keinen anderen Weg, als auf meine eigene Art zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Mitarbeitende suchen sich ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte aus \u2013 und am Ende ist es nicht immer die eigene. Es gab eine Zeit, da habe ich ein Team mit 15 Mitarbeitenden gef\u00fchrt, aber 30 Menschen kamen f\u00fcr einen Austausch zu mir. F\u00fchrungskr\u00e4fte, die diese zus\u00e4tzliche Arbeit leisten, m\u00fcssten eigentlich f\u00fcr diese Leistung kompensiert werden \u2013 schlie\u00dflich binden sie Mitarbeitende an das Unternehmen, die es sonst verlassen w\u00fcrden. Aber die Arbeit wird nicht einmal gesehen, geschweige denn honoriert.<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Als Mitarbeitende oder Team-Lead kann ich meine aktuellen F\u00fchrungskr\u00e4fte oder die Kultur vielleicht nicht ver\u00e4ndern \u2013 aber ich kann die F\u00fchrungskr\u00e4fte von morgen beeinflussen. Alle, die bei mir gearbeitet haben und selbst F\u00fchrungskraft geworden sind, haben es mir nachgemacht. Das hei\u00dft, wir haben das System schon an einigen Stellen durchbrochen. Mir ist wichtig zu zeigen: Was du vorlebst, multipliziert sich. Du kannst viel ver\u00e4ndern!<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Es macht mich w\u00fctend, dass immer direkt Forderungen gestellt werden, ohne dass jemand versucht, die Mitarbeitenden zu verstehen. Wenn jemand demotiviert ist oder die Leistung nachl\u00e4sst, sollte ich mich als F\u00fchrungskraft zuerst fragen, warum, anstatt einfach zu sagen: \u201eDu musst mehr arbeiten!\u201d Ich finde: Erst einmal eine Ursachenanalyse machen \u2013 dann erst mehr fordern. Das hat mich auch an den Aussagen von Bundeskanzler Merz so ge\u00e4rgert.<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Er ist der Kanzler. Es ist sein gutes Recht, zu sagen, dass wir mehr arbeiten m\u00fcssen, solange er belastbare Begr\u00fcndungen daf\u00fcr liefert. Erkl\u00e4r doch mal, warum! Wof\u00fcr? Zu wessen Gunsten? Was ist die Vision? Was wurde schon ausprobiert und warum hat es nicht funktioniert? Warum kann das Geld nicht woanders herkommen? Mir fehlt diese Transparenz. Ich bin sehr sicher, dass viele Menschen gerne zwei Stunden mehr arbeiten w\u00fcrden, wenn sie w\u00fcssten, dass dadurch kein Kind mehr hungrig bleibt und niemand mehr auf der Stra\u00dfe schlafen muss. Aber die Aussage \u201eIhr m\u00fcsst mehr arbeiten\u201d reicht mir nicht.<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Du solltest dir selbst die gleiche Empathie entgegenbringen, die du anderen entgegenbringst \u2013 und zwar als Allererstes! Niemandem ist geholfen, wenn du als F\u00fchrungskraft und Bezugsperson wegbrichst. Darum ist diese Offenheit wichtig. Du darfst und musst sagen: \u201eIch hatte heute einen vollen Tag. Ich m\u00f6chte mich aber ganz auf dich konzentrieren, darum m\u00fcssen wir unseren Termin bitte verschieben.\u201c So bist du ein Vorbild f\u00fcr dein Team \u2013 denn empathische F\u00fchrung hat auch viel mit Enablement zu tun.<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Nur weil Empathie erlernbar ist, bedeutet das nicht, dass man automatisch eine empathische F\u00fchrungskraft ist, denn daf\u00fcr muss man Interesse an Menschen und am Helfen haben. Es gibt nat\u00fcrlich auch Leute, die sehr empathisch sind, aber gar kein Bed\u00fcrfnis haben, ihr Wissen zu teilen. Sie arbeiten lieber allein. Eine Gallup-Studie hat herausgefunden, dass nur zehn Prozent der Menschen von Natur aus das Potenzial zur F\u00fchrungskraft mitbringen. Wir sollten F\u00fchrungskr\u00e4fte also eigentlich viel genauer ausw\u00e4hlen. Im Gegensatz dazu verf\u00fcgen alle Menschen von Natur aus \u00fcber Empathie. Das Problem ist, dass sie uns sukzessive abtrainiert wird, zum Beispiel, indem uns erz\u00e4hlt wird, dass wir Privates von Beruflichem trennen und uns emotional abkoppeln m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Ja, es sollte genau umgekehrt sein. Meine These ist, dass die Zeiten, f\u00fcr die diese Trennung geschaffen wurde, l\u00e4ngst vorbei sind. Niemand muss mehr in die Fabrik gehen, nur weil sie der einzige Arbeitgeber in der Kleinstadt ist. Heute suchen sich Menschen Jobs, f\u00fcr die sie eine Leidenschaft haben. Wenn Firmen es schaffen, sogar diese Leute zu vergraulen, dann machen sie etwas falsch.<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Ja, kontinuierlicher Austausch, der nicht auf der fachlichen, sondern der zwischenmenschlichen Ebene stattfindet, ist wichtig. Und zwar auch dann, wenn gerade keine Probleme bestehen! Dann f\u00e4llt der Termin eben k\u00fcrzer aus, aber man vermittelt trotzdem: \u201eIch m\u00f6chte dich sehen und h\u00f6ren, wie es dir geht.\u201c Mein Anspruch ist es, die Bindung aufrechtzuerhalten.<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Als F\u00fchrungskraft muss ich anerkennen, dass Menschen unterschiedlich sind. Bei einer Open-Door-Policy gibt es immer Menschen, die sich trauen, hereinzukommen und dieses Angebot wahrzunehmen. Aber es wird auch Menschen geben, die das nicht tun. Ich muss also in Vorleistung gehen und immer wieder demonstrieren, dass ich jederzeit da bin. Es ist meine Aufgabe als F\u00fchrungskraft, Vertrauen aufzubauen und kontinuierlich Interesse zu zeigen.<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Dann musst du dich auf deine Rolle besinnen. Du bist F\u00fchrungskraft und wirst daf\u00fcr bezahlt, Mitarbeiter:innen zu f\u00fchren, egal, ob du sie nett findest oder nicht. Hier kommt die Selbstreflexion ins Spiel. Ich besinne mich immer wieder auf meinen Anspruch, Menschen fachlich und pers\u00f6nlich weiterzuentwickeln. Wenn ich eine:r Mitarbeiter:in ausweiche, muss ich hinterfragen, warum ich ihr Feedback vorenthalte. Ich muss mir klarmachen, dass ich meinen eigenen Anspr\u00fcchen nicht gerecht werde, wenn ich diese Person nicht weiterentwickle.<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: F\u00fcr mich ist Selbstreflexion zu einem Lebensstil geworden. Mein Ziel ist es, allen Menschen so bewusst zu begegnen und diese Prinzipien von Menschlichkeit, Offenheit, Feedback und Selbstreflexion \u00fcberall zu leben, denn sie sind immer legitim. Wichtig ist die gesunde(!) Selbstreflexion. Gedankenspiralen oder Selbstvorw\u00fcrfe bringen dich nicht weiter.<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Alles ist m\u00f6glich. Manchmal reflektiere ich mit Freundinnen. Wer mutig ist, kann auch fremde Personen ansprechen und fragen: Wie hat das auf dich gewirkt? Ein frischer, ungetr\u00fcbter Blick kann besonders hilfreich sein. Ich wei\u00df mittlerweile, dass ich wirklich von jeder Person, der ich begegne, etwas lernen kann \u2013 \u00fcber sie, \u00fcber die Welt oder auch \u00fcber mich. Wenn ich immer wieder kurz innehalte und mir das vor Augen f\u00fchre, lerne ich st\u00e4ndig dazu.<\/p>\n\n\n\n
Lunia Hara: Zun\u00e4chst die Meta-Ebene: Mit empathischer F\u00fchrung tr\u00e4gst du zu einer besseren Arbeitswelt und somit peu \u00e0 peu zu einer besseren Gesellschaft bei. Innerhalb eines Unternehmens schaffe ich ein vertrauensvolles Arbeitsumfeld und das macht Arbeit und Leben f\u00fcr alle leichter \u2013 auch f\u00fcr mich! Und auf pers\u00f6nlicher Ebene macht es mich zufrieden, weil ich andere Menschen unterst\u00fctze. Meine Arbeit gewinnt dadurch an Sinn und macht so viel Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n
Auf der diesj\u00e4hrigen herCAREER Expo<\/a> wird Lunia Hara am Donnerstag, den 09. Oktober, beim Authors-MeetUp<\/a> mit Moderatorin Silvia Feist ein Gespr\u00e4ch dar\u00fcber f\u00fchren, wie wir die (Arbeits-)Welt mit Mitgef\u00fchl revolutionieren.<\/em><\/p>\n\n\n\n Bild Lunia Hara<\/strong> Autorin und Kolumnistin f\u00fcr DER SPIEGELAutorin und Journalistin \u00a9 J.C. Blaum<\/p>\n\n\n\n Quelle messe.rocks GmbH<\/p>\n\n\n\n