{"id":117163,"date":"2025-09-22T09:01:15","date_gmt":"2025-09-22T07:01:15","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=117163"},"modified":"2026-10-21T17:11:36","modified_gmt":"2026-10-21T15:11:36","slug":"techifab-memristor-chip-energieeffizienz-fuer-die-ki-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/techifab-memristor-chip-energieeffizienz-fuer-die-ki-zukunft\/","title":{"rendered":"Steht die Zukunft der Computerchips kurz vor einem Wandel?"},"content":{"rendered":"\n
Zufall. Wie bei vielen gro\u00dfen Erfindungen wie Penicillin, R\u00f6ntgenstrahlen oder Insulin spielte auch bei TECHiFAB der Zufall anfangs eine entscheidende Rolle. Bei Materialexperimenten in meinem Labor am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf entdeckte ich bei einer \u201efalsch\u201c prozessierten Probe ein charakteristisches Leitf\u00e4higkeitsverhalten und erinnerte mich dadurch an ein Postulat aus der Elektrotechnik aus den 1970er Jahren: Theoretisch muss es m\u00f6glich sein, dass ein passives Bauelement einen elektrischen Widerstand aufweist, dessen Wert von seiner Vorgeschichte, also den elektrischen Signalen der Vergangenheit, abh\u00e4ngt \u2013 ein sogenannter Memristor.<\/p>\n\n\n\n
Wenn sich dieser Widerstand analog beeinflussen l\u00e4sst, also jeden beliebigen Wert zwischen einem Minimal- und einem Maximalwert annehmen kann, dann ist eine grunds\u00e4tzliche M\u00f6glichkeit gegeben, dass ein derartiger Memristor Zahlenwerte speichern und diese direkt f\u00fcr Rechenoperationen nutzen kann.<\/p>\n\n\n\n
Anschlie\u00dfend forschten mein Team und ich rund zehn Jahre weiter an dieser Materialkombination, bis der bei Helmholtz f\u00fcr Technologietransfer verantwortliche Innovationsmanager Stephan Kr\u00fcger die potenzielle wirtschaftliche Tragweite dieser Entdeckung identifizierte. Zusammen gr\u00fcndeten wir im Jahr 2021 die TECHiFAB GmbH, um unsere Memristor-Technologie in Richtung Marktreife und Massenfertigung zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n
Die Materialklasse der TECHiFAB \u2013 Bismut-Eisen-Oxid (BFO) \u2013 bildet heute die Basis der TiF-Plattformtechnologie, aus der rekonfigurierbare, analoge Halbleiterbauelemente f\u00fcr neuromorphe Computer und f\u00fcr Edge-KI-Beschleuniger-Hardware entwickelt werden.<\/p>\n\n\n\n
Der erste Impuls war die Erkenntnis, dass herk\u00f6mmliche digitale Chip-Architekturen technologisch und physikalisch an ihre Grenzen sto\u00dfen. Die Rechengeschwindigkeit l\u00e4sst sich bei diesen Chips schlicht nicht beliebig skalieren, w\u00e4hrend der Energieverbrauch bei hohen Geschwindigkeiten extrem zunimmt.<\/p>\n\n\n\n
Gerade bei dem rapiden Wachstum von KI-Anwendungen steigt jedoch der Bedarf an Rechenleistung exponentiell, und ein Ende ist noch gar nicht abzusehen. Gro\u00dfe Techkonzerne siedeln sich mittlerweile gezielt nahe an Kraftwerken an oder errichten eine eigene Energieinfrastruktur, teilweise inklusive der Wiederinbetriebnahme alter Atommeiler, um den enormen Strombedarf zu decken.<\/p>\n\n\n\n
Kleine Optimierungen innerhalb bestehender Chip-Technologie k\u00f6nnen die KI-Revolution nicht bew\u00e4ltigen \u2013 es braucht jetzt gro\u00dfe Ideen! Die TiF-Memristoren er\u00f6ffnen v\u00f6llig neue M\u00f6glichkeiten: Sie verarbeiten Informationen direkt dort, wo sie entstehen, und umgehen so energie- und zeitintensive Zwischenschritte. Unsere Chip-Prototypen konnten belegen, dass wir Informationen am selben Ort gleichzeitig verarbeiten und speichern k\u00f6nnen \u2013 ganz so wie im menschlichen Gehirn. Wir sprechen von einer Energieeinsparung von rund 90 Prozent bei hundertfacher Rechenleistung. Jetzt kommt der Sprung von der erfolgreichen Entwicklung in die industrielle Fertigung.<\/p>\n\n\n\n
Der zweite Impuls war die Erkenntnis, dass staatliche Forschungsinstitute neue Technologien eine Zeit lang umfassend begleiten und unterst\u00fctzen k\u00f6nnen, die weitere wirtschaftliche Entwicklung jedoch au\u00dferhalb dieser Institute, die ihre Regeln haben, geschehen muss.<\/p>\n\n\n\n
Und der dritte Impuls schlie\u00dflich war die sich abzeichnende Unterst\u00fctzung durch die \u201edeutsche\u201c DARPA, durch die SPRIND, die uns ermutigte, selbst Verantwortung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n
Wir wollen in absehbarer Zeit basierend auf der TiF-Plattform-Technologie neuartige analoge Bauelemente als wesentliche Bausteine f\u00fcr neuromorphe Computer und f\u00fcr Edge-KI-Beschleuniger-Hardware entwickeln. Daf\u00fcr peilen wir Zwischenschritte an, die uns St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck in diese Richtung bringen: Bereits heute k\u00f6nnen wir TiF-Memristoren in sogenannten Crossbar-Strukturen realisieren. Bis 2026 wird ein erster monolithisch eingebetteter Chip mit TiF-Memristor-Crossbar-Strukturen f\u00fcr Industriekunden zum Testen zur Verf\u00fcgung stehen, 2027 wird er marktreif sein. Parallel dazu arbeiten wir an TiF-Bauelementen f\u00fcr die Edge-KI-Beschleuniger-Hardware in komplexen neuronalen Netzen.<\/p>\n\n\n\n
Unsere Vision besteht ganz klar darin, die Zukunft der Computertechnologien mit einem extrem sparsamen Energieeinsatz ma\u00dfgeblich mitzugestalten und in naher Zukunft komplexe Memristor-Crossbar-Strukturen f\u00fcr Inferenz und Training zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n\n\n\n