{"id":118604,"date":"2025-11-26T07:47:59","date_gmt":"2025-11-26T06:47:59","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=118604"},"modified":"2026-07-05T11:42:21","modified_gmt":"2026-07-05T09:42:21","slug":"traudo-fuer-unternehmen-und-trauer-im-arbeitsalltag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/traudo-fuer-unternehmen-und-trauer-im-arbeitsalltag\/","title":{"rendered":"Wie gehen wir mit Trauer um, wenn sie pl\u00f6tzlich im Arbeitsalltag steht?"},"content":{"rendered":"\n
Ich habe selbst in meinem Leben sehr dunkle Momente erlebt. So hatte ich beispielsqweise zwischen der Geburt meiner beiden S\u00f6hne zwei Fehlgeburten und eine nicht entdeckte Eileiterschwangerschaft, die mich fast das Leben gekostet h\u00e4tte. In der Zeit habe ich gelernt, wie schnell man beruflich isoliert werden kann. Und wie schnell ein Unternehmen verstummt.
Ich bin damit nicht allein. Sch\u00e4tzungsweise 4,7 Millionen Besch\u00e4ftigte sind von akuter Trauer betroffen. Dies bedeutet, dass sich etwa jede*r 10. Erwerbst\u00e4tige in einem akuten Trauerprozess befindet. Und dann geht das gro\u00dfe Schweigen los. Niemand traut sich mehr aufs Klo, weil die trauernde Kollegin am Wasserspender steht.
Der deutschen Wirtschaft gehen dadurch j\u00e4hrlich etwa 15 Milliarden Euro verloren. Aus dieser Erkenntnis ist TRAUDO entstanden. Eine Anstecknadel als nonverbales Kommunikationsmittel, das Unternehmen und Mitarbeitenden den ersten Schritt heraus aus der Hilf- und Sprachlosigkeit erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n
Ich m\u00f6chte das Bild von Trauer in der Gesellschaft und auch in der Berufswelt dahingehend ver\u00e4ndern, dass sie ein selbstverst\u00e4ndlicher Bestandteil im zwischenmenschlichen Miteinander wird. Au\u00dferdem m\u00f6chte ich zeigen, dass man selbst in \u00e4u\u00dferst schwierigen Lebenssituationen nicht g\u00e4nzlich machtlos ist, sondern immer noch etwas selbstbestimmt gestalten kann. Ich m\u00f6chte aus TRAUDO die \u201eAIDS-Schleife f\u00fcr Trauer\u201d machen – und noch mehr als das. TRAUDO zeigt nicht nur an, dass jemand trauert, sondern gleichzeitig auch, welchen Umgang er*sie sich w\u00fcnscht. In Unternehmen ist TRAUDO eine unkomplizierte Hilfestellung f\u00fcr alle Beteiligten, den Begriff Trauerkultur mit Leben, Menschlichkeit und Haltung zu f\u00fcllen. Mit TRAUDO gelingt die Integration von Trauer in Arbeitsabl\u00e4ufe.<\/p>\n\n\n\n
TRAUDO wurde speziell f\u00fcr Unternehmen und \u00f6ffentliche Einrichtungen entwickelt, kann aber auch im privaten Umfeld genutzt werden. Prim\u00e4re Zielgruppen sind HR-Abteilungen, Betriebs\u00e4rzte und F\u00fchrungskr\u00e4fte.
Die farblichen Signale unterst\u00fctzen trauernde Menschen, indem sie als emotionales Barometer dienen:
Grau: Signalisiert R\u00fcckzug. Die Botschaft an das Umfeld lautet: \u201eIch brauche noch meine Ruhe und m\u00f6chte nicht dar\u00fcber sprechen\u201c. Die Form des Schneckenhauses erinnert daran, dass man noch im Schneckenhaus verharrt.
Gr\u00fcn: Signalisiert Offenheit. Die Botschaft lautet: \u201eIhr d\u00fcrft mich ansprechen \u2013 ich bin bereit f\u00fcr Austausch und Mitgef\u00fchl\u201c.
Dieses nonverbale Zeichen gibt dem Betroffenen in einer Phase des Kontrollverlusts enorme Selbstbestimmung zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n
TRAUDO erleichtert den Umgang, indem es die Last des Erkl\u00e4rens von den Betroffenen nimmt und dem Umfeld eine sichere Orientierung bietet. Kolleginnen und Vorgesetzte m\u00fcssen nicht mehr raten, ob sie die Person ansprechen sollen oder lieber nicht. Das Zeichen kl\u00e4rt die Situation, so dass die trauernde Person weder im unpassenden Moment angesprochen wird noch das Thema dauerhaft totgeschwiegen wird.<\/p>\n\n\n\n
Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung liegt darin, dass Tod und Trauer in unserer leistungsorientierten Gesellschaft konsequent ausgeklammert und als St\u00f6rfaktor angesehen werden. Die Erwartungshaltung ist, dass die Arbeit schnellstm\u00f6glich \u201ebusiness as usual\u201c weitergehen muss. Hier sto\u00dfen wir oft auf fehlendes Wissen: F\u00fchrungskr\u00e4fte sind zwar gut in Krisenmanagement und Konfliktl\u00f6sung geschult, aber nicht im Umgang mit Trauer. Mit TRAUDO geben wir ihnen ein Tool an die Hand, das F\u00fchrung in Ausnahmesituationen erleichtert.<\/p>\n\n\n\n
TRAUDO ist einzigartig, weil es die Sprachlosigkeit an der Quelle bek\u00e4mpft \u2013 n\u00e4mlich im direkten, allt\u00e4glichen Kontakt zwischen Kolleg*innen. Bestehende Angebote konzentrieren sich oft auf formale Prozesse wie das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) oder die Definition von Trauer-Guidelines. TRAUDO hingegen ist ein nonverbales, physisches Zeichen, das sofort und ohne Worte wirkt. Mittels einfachster Mechanik gelingt es TRAUDO, eines der gr\u00f6\u00dften menschlichen Gef\u00fchle zu managen.<\/p>\n\n\n\n
Die Idee eines emotionalen Barometers trifft auf gro\u00dfen Zuspruch, weil sie ein dringend ben\u00f6tigtes Konzept f\u00fcr eine Trauerkultur bietet. Unternehmen erkennen schnell, dass das Problem nicht nur menschlich, sondern auch wirtschaftlich ist. Wir sprechen von knapp 15 Milliarden Euro an Produktivit\u00e4tsverlusten j\u00e4hrlich durch psychische Belastungen, zu denen Trauer ma\u00dfgeblich beitr\u00e4gt. Zus\u00e4tzlich profitieren Unternehmen von der wachsenden Bindung. Mitarbeiter honorieren es, wenn Unternehmen in Krisensituationen f\u00fcr sie da sind. Dieses Verhalten wird nie vergessen.<\/p>\n\n\n\n
Trauer ist kein linearer Prozess. Deshalb entscheiden Betroffene immer selbst und t\u00e4glich neu, welches Signal gerade passt. Heute braucht jemand vielleicht R\u00fcckzug, morgen m\u00f6chte er reden. Die Nadel gibt ihnen die Freiheit, das Ob und Wann der Kommunikation selbstbestimmt zu w\u00e4hlen, ohne sich erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n
Wir sehen TRAUDO als Fundament f\u00fcr den Aufbau eines umfassenden betrieblichen Trauer-Managementsystems. Dazu geh\u00f6ren zertifizierte Trainings und Workshops, um F\u00fchrungskr\u00e4fte und Teams f\u00fcr Trauerarbeit zu qualifizieren. Dar\u00fcber hinaus bieten wir bereits mobile Begleitformate wie das Trauermobil TRAUTE an, um den Dreiklang aus Raum, N\u00e4he und Aktion zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n
Ein professioneller Umgang mit Trauer ist nicht nur Teil der betrieblichen F\u00fcrsorgepflicht, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor. Unternehmen, die in Krisensituationen authentisch und unterst\u00fctzend agieren, profitieren von deutlich h\u00f6herer Mitarbeitendenbindung und gesteigerter Arbeitgebendenattraktivit\u00e4t. Die Loyalit\u00e4t der Mitarbeitenden w\u00e4chst enorm, wenn ein Unternehmen sich in einer echten Lebenskrise unterst\u00fctzend zeigt. Wer vorausschauend plant und Strukturen schafft, sch\u00fctzt nicht nur die Belegschaft, sondern sichert auch langfristig den Erfolg und h\u00e4lt wertvolles Personal im Unternehmen.<\/p>\n\n\n\n
F\u00fcr Privatpersonen ist TRAUDO bereits \u00fcber unsere Website erh\u00e4ltlich.
F\u00fcr Unternehmen m\u00f6chten wir den Zugang durch diverse Ma\u00dfnahmen vereinfachen und skalieren. So bieten wir Leitf\u00e4den und Onboarding-Kits f\u00fcr Unternehmen an, um die Einf\u00fchrung in die Belegschaft zu standardisieren. Zus\u00e4tzlich wollen wir Partnerschaften (mit Krankenkassen usw.) schlie\u00dfen, um TRAUDO als skalierbares Tool leichter in HR-Prozesse zu integrieren.<\/p>\n\n\n\n
Definiere deinen inneren Kompass klar: Dein unternehmerisches Handeln sollte sich nach Sinnhaftigkeit, \u00dcberzeugung, Verl\u00e4sslichkeit und Menschenliebe ausrichten.
H\u00f6r auf, zu theoretisieren, und fang an, zu machen. Konzentrieren Sie sich auf die Kraft der praktischen Erfahrung. Suchen Sie nach dem einfachen Schritt mit gro\u00dfer Wirkung.
Finde eine, finde deine eigene Sprache f\u00fcr das Unsagbare: Sei mutig und nenne Dinge beim Namen, egal wie un\u00fcblich das vielleicht bisher war. Nur wenn es klar benannt wird, erst recht, wenn es ein Tabu war, kann man eine Ver\u00e4nderung initiieren.<\/p>\n\n\n\n
Bild Petra Seidler Fotocredit Mit Traute<\/p>\n\n\n\n
Wir bedanken uns bei Petra Seidler f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n