{"id":120512,"date":"2026-02-11T09:28:38","date_gmt":"2026-02-11T08:28:38","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=120512"},"modified":"2026-06-09T11:18:08","modified_gmt":"2026-06-09T09:18:08","slug":"aiomics-medizinische-daten-kliniken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/aiomics-medizinische-daten-kliniken\/","title":{"rendered":"Wie konnte B\u00fcrokratie zum gr\u00f6\u00dften Zeitfresser in Kliniken werden?"},"content":{"rendered":"\n
Die Idee entstand eigentlich aus purer Frustration. Ich habe selbst als Arzt in der Klinik gearbeitet und irgendwann gemerkt, dass ich mehr Zeit mit ineffizienten Prozessen verbringe als mit meinen Patienten. Als ich mich damals bei einem erfahrenen Kollegen beschwerte, gab er mir den Rat: \u201eBleib einfach lange genug dabei, dann gew\u00f6hnst du dich schon dran.\u201c<\/p>\n\n\n\n
Das war f\u00fcr mich der Wendepunkt. Ich wollte mich nicht an schlechte Zust\u00e4nde gew\u00f6hnen, ich wollte sie \u00e4ndern. Ich habe mich jahrelang mit digitalen L\u00f6sungen besch\u00e4ftigt, aber erst die j\u00fcngsten Spr\u00fcnge in der k\u00fcnstlichen Intelligenz haben uns das Werkzeug in die Hand gegeben, um administrative Klinikprozesse wirklich fundamental neu zu denken.<\/p>\n\n\n\n
Aber: Medizinische Daten verzeihen keine Fehler. Ein schneller Prototyp reicht hier nicht; man braucht extreme Robustheit und Datensicherheit. Deshalb habe ich nicht einfach damit angefangen, GPT-Wrapper zu Vibecoden, sondern gezielt mit einem Physiker als Datenexperten und einem Juristen f\u00fcr die regulatorische Tiefe. Wir haben im Oktober 2024 angefangen, monatelang ohne Gehalt gearbeitet und Ideen getestet, bis wir den Kern von aiomics gefunden hatten. Im April 2025 haben wir gegr\u00fcndet und konnten kurz darauf Top-Investoren (Norrsken Evolve, Vorwerk, Calm\/Storm und renommierte Angels) \u00fcberzeugen, die verstanden haben, dass wir hier dicke Bretter bohren.<\/p>\n\n\n\n
Es gibt derzeit einen gro\u00dfen Hype um Transkriptions-Software, die Arzt-Patienten-Gespr\u00e4che aufzeichnet. Das ist technisch beeindruckend (es sei denn, es ist einfach Whispr oder ElevenLabs in neuer Verpackung), greift aber zu kurz. Kliniken k\u00f6nnen und wollen nicht \u00fcberall Mikrofone installieren.<\/p>\n\n\n\n
Zudem glauben viele Laien, dass das, was in alten Arztbriefen steht, immer korrekt ist. Die Realit\u00e4t ist: Dort schleichen sich Fehler ein, oder wichtige Informationen fehlen schlichtweg. Wenn ein Patient in die Klinik kommt, liegen oft Dutzende Vorbefunde vor. Es ist f\u00fcr einen Menschen fast unm\u00f6glich, diese Datenmengen in wenigen Minuten komplett zu durchdringen.<\/p>\n\n\n\n
Genau hier setzen wir an. obwohl wir nat\u00fcrlich auch Spracheingaben und Transkriptionen demn\u00e4chst erm\u00f6glichen werden, sind wir keine weitere Transkriptions-App, sondern eine Plattform, die Daten organisiert und zug\u00e4nglich macht. Wir beginnen am fr\u00fchesten Kontaktpunkt \u2013 oft noch bevor der Patient die Klinik betritt. Wir strukturieren die Informationen so vor, dass die \u00c4rztin sofort den \u00dcberblick hat. Wie im echten Leben gilt auch bei medizinischen Daten: Ein gut strukturierter Anfang f\u00fchrt zu einem effizienteren Ablauf am Ende.<\/p>\n\n\n\n
Fast alle \u00c4rztinnen und \u00c4rzte haben Medizin studiert, weil sie Menschen helfen wollen. In der Klinikrealit\u00e4t werden sie dann zu hochbezahlten Datenerfassern degradiert. Viele junge Mediziner:innen haben darauf schlicht keine Lust mehr und verlassen den Beruf.<\/p>\n\n\n\n
Wir steuern in Europa auf eine L\u00fccke von \u00fcber vier Millionen Fachkr\u00e4ften im Gesundheitswesen zu. Gleichzeitig lassen wir zu, dass das vorhandene Personal 40 Prozent seiner Arbeitszeit mit Aufgaben verschwendet, die keinen direkten Mehrwert f\u00fcr den Patienten bzw. die Patientin haben. Unsere Vision ist simpel: Wir halten \u00c4rzt:innen, Pflegekr\u00e4ften und Therapeut:innen den Kopf frei. Wenn die Software die Flei\u00dfarbeit \u00fcbernimmt, k\u00f6nnen sich die Menschen wieder auf ihre eigentliche Berufung konzentrieren: die Arbeit am Patienten.<\/p>\n\n\n\n
Gestartet sind wir mit Rehabilitationskliniken, aber das Interesse aus Akutkliniken war schnell so gro\u00df, dass wir dort jetzt ebenso aktiv sind. Inzwischen nutzen uns das Medizincontrolling, das Patientenmanagement und sogar \u00e4rztliche Fachgutachter. Auch in der funktionellen und pr\u00e4ventiven Medizin, wo man sehr komplexe Datenpunkte \u00fcbersichtlich zusammenf\u00fchren muss, rennen wir offene T\u00fcren ein.<\/p>\n\n\n\n
Im Grunde ist aiomics f\u00fcr jeden relevant, der Patient:innen behandelt und dabei gro\u00dfe Datenmengen bew\u00e4ltigen muss. Wir helfen all jenen, die nicht mehr im Dokumentationssumpf steckenbleiben wollen und bereit sind, ihre Abl\u00e4ufe neu zu denken.<\/p>\n\n\n\n
Medizinische Daten sind oft chaotisch \u2013 ein Mix aus PDFs, handschriftliche Notizen, Frageb\u00f6gen, Laborwerten und Flie\u00dftexten. Unsere Technologie fungiert hier als eine Art \u00dcbersetzer und Sortiermaschine. Sie liest diese unterschiedlichen Formate nicht nur, sondern bringt sie in eine einheitliche, nutzbare Struktur.<\/p>\n\n\n\n
Das Entscheidende ist dabei die formale Qualit\u00e4tspr\u00fcfung. Das System erkennt Datendiskrepanzen und weist darauf hin. So wird aus einem losen Haufen an Informationen eine vollst\u00e4ndige Informationsgrundlage f\u00fcr die \u00e4rztliche Beurteilung. Wir machen die Daten „sprechf\u00e4hig“, damit \u00c4rzte nicht suchen m\u00fcssen, sondern finden.<\/p>\n\n\n\n
Weil Vertrauen im Gesundheitswesen keine Option, sondern die Basis ist. Wir k\u00f6nnen nicht einfach Daten auf amerikanische Server schieben und hoffen, dass es gut geht. Datenschutz muss das Fundament sein, nicht der Anstrich.<\/p>\n\n\n\n
Indem wir auf eine streng europ\u00e4ische Infrastruktur setzen, geben wir Kliniken die Sicherheit, modernste KI nutzen zu k\u00f6nnen, ohne rechtliche Risiken einzugehen. Viele Kliniken wollen Innovation, trauen sich aber aus Sorge vor Datenschutzverletzungen nicht. Wir nehmen ihnen diese Sorge ab, indem wir die Compliance von Anfang an mitliefern.<\/p>\n\n\n\n
Eine zentrale. KI darf in der Medizin keine „Black Box“ sein, die Entscheidungen trifft, die niemand nachvollziehen kann. Bei uns bereitet das System Informationen vor, aber die Kontrolle und die finale Entscheidung liegen immer beim medizinischen Fachpersonal.<\/p>\n\n\n\n
Das schafft Vertrauen. Die Nutzer merken schnell, dass die KI sie nicht ersetzt, sondern ihnen zuarbeitet wie ein extrem aufmerksamer Assistent. Diese Kombination aus maschineller Datenaufbereitung und menschlicher Urteilskraft ist weit m\u00e4chtiger als jedes der beiden Elemente allein.<\/p>\n\n\n\n
Normalerweise dauern Verkaufszyklen im Krankenhaus 18 bis 24 Monate. Wir schaffen das derzeit in etwa sieben Monaten. Warum? Weil wir nicht versuchen, der Klinik eine starre Software aufzudr\u00fccken, an die sie sich anpassen muss. Wir kommen vom Prozess her und passen uns der Realit\u00e4t der Klinik an.
Wenn wir Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern zeigen k\u00f6nnen, dass sich der Einsatz unserer Plattform finanziell mehr als f\u00fcnffach rentiert (ROI > 5x), ist die Begeisterung gro\u00df. Die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde ist oft gar nicht technischer Natur, sondern das alte Denken. Viele Kliniken versuchen, neue Technologie in alte Prozesse zu pressen. Das ist, als w\u00fcrde man einen Porsche nur im ersten Gang fahren, weil einem niemand die Gangschaltung erkl\u00e4rt hat. Deshalb investieren wir viel in Bildung. Zusammen mit STREAMED UP haben wir Fortbildungen zu KI entwickelt, um genau dieses Verst\u00e4ndnis zu schaffen \u2014 und daf\u00fcr breite Unterst\u00fctzung u.a. vom Marburger Bund und der Deutschen Adipositas Gesellschaft erhalten.<\/p>\n\n\n\n
Es ist die Kombination unserer DNA. Da unser CTO Physiker mit Medizintechnik- und Remote Patient Monitoring Hintergrund ist, haben wir ein extrem robustes System gebaut, das typische KI-Probleme wie „Halluzinationen“ \u2013 also das Erfinden von Fakten \u2013 auf ein absolutes Minimum reduziert.<\/p>\n\n\n\n
Gleichzeitig sind wir \u00e4rztlich gef\u00fchrt. Ich verbringe einen Gro\u00dfteil meiner Zeit direkt in den Kliniken. Wir kommen nicht „von oben herab“ mit einer fertigen L\u00f6sung, sondern arbeiten eng mit Institutionen wie der Charit\u00e9 zusammen, die eine riesige Expertise in der Implementierung haben. Wir verstehen, dass gute Software sich den individuellen Bed\u00fcrfnissen der Klinik anpassen muss, nicht umgekehrt.<\/p>\n\n\n\n
Ein oft untersch\u00e4tzter Aspekt ist dabei die Rechtssicherheit unserer Anwender. Im Gesundheitswesen wird kaum jemand darin ausgebildet, juristisch unanfechtbar zu dokumentieren \u2013 obwohl die Anforderungen hier enorm gestiegen sind. Und hier kommt unser Volljurist im Team ins Spiel: Wir sehen uns hier auch als Anwalt der \u00c4rzte: Unsere Plattform achtet darauf, dass alle Inhalte nicht nur medizinisch korrekt, sondern auch formell und rechtlich belastbar sind. Das gibt den Behandelnden die Sicherheit, auch administrativ auf der sicheren Seite zu sein.<\/p>\n\n\n\n
Unsere Kunden entdecken st\u00e4ndig neue Anwendungsf\u00e4lle f\u00fcr uns, das treibt die Entwicklung stark voran. Auf unserer unmittelbaren Roadmap stehen Funktionen wie ein Patientenmanagement-Tool im \u00fcbersichtlichen Kanban-Stil und bessere Visualisierungen f\u00fcr Laborwerte, damit man Verl\u00e4ufe auf einen Blick erkennen kann.<\/p>\n\n\n\n
Strategisch geht es jetzt in die Breite. Wir sind in Deutschland und Schweden aktiv, f\u00fchren aber bereits erste Gespr\u00e4che in \u00d6sterreich und der Schweiz. Ziel ist es, dass aiomics im deutschsprachigen Raum und dar\u00fcber hinaus zum Standard f\u00fcr intelligente Datenverarbeitung wird.<\/p>\n\n\n\n Ich habe oft erlebt, dass Software „anonym“ ist \u2013 man fragt sich, ob die Entwickler jemals einen echten Nutzer getroffen haben. Man muss seine Denkweise der Software unterordnen.<\/p>\n\n\n\n Durch meine Studien in Cambridge, Stanford und Harvard und meine Erfahrung in der digitalen Innovation habe ich eines gelernt: Wirklich gute Software ist unsichtbar. Sie f\u00e4llt gar nicht auf, weil sich die Nutzung v\u00f6llig nat\u00fcrlich anf\u00fchlt. Das ist mein Anspruch an aiomics. Es darf keine weitere H\u00fcrde sein, sondern muss sich anf\u00fchlen wie eine Erleichterung. Und ich will, dass die Menschen, die unsere Plattform nutzen, auch genau wissen, wer dahinter steckt und wof\u00fcr wir stehen. Dass wir sie verstehen und ihnen helfen wollen, zur\u00fcck zu ihrer Berufung zu finden.<\/p>\n\n\n\n Erstens: Verbringe so viel Zeit wie m\u00f6glich mit den Nutzern. Das klingt wie eine Binsenweisheit, wird aber oft ignoriert. Wir lernen immer noch st\u00e4ndig Neues, nur weil wir zuh\u00f6ren. Und man muss beweisen, dass man Feedback schnell umsetzt. Die meisten Anbieter im Gesundheitswesen<\/a> sind tr\u00e4ge \u2013 wer hier schnell und nah am Kunden ist, gewinnt massiv an Loyalit\u00e4t (und Geduld).<\/p>\n\n\n\n Zweitens: Ehrlichkeit gewinnt. Klinikmitarbeiter:innen sind mittlerweile allergisch gegen Hochglanz-PowerPoints, die nichts mit der Realit\u00e4t zu tun haben. Zu oft wurde ihnen das blaue vom Himmel versprochen und es gibt kaum Substanz dahinter. Das schafft Misstrauen. Wenn man offen kommuniziert, was das Produkt schon kann und was noch entwickelt wird, erntet man Respekt und Vertrauen.<\/p>\n\n\n\n Drittens: Werde zur Priorit\u00e4t. Wenn du nicht eines der Top-3-Probleme einer Klinik l\u00f6st, wirst du ignoriert. Kliniken haben keine Kapazit\u00e4ten f\u00fcr „nice-to-have“. Viele Gr\u00fcnder:innen treten belehrend auf und wollen erkl\u00e4ren, was wichtig ist. Das funktioniert nicht. Man muss den echten Schmerz lindern \u2013 sei es Zeitmangel oder Geldnot \u2013 und sich den Realit\u00e4ten anpassen, statt sie belehren zu wollen.<\/p>\n\n\n\n Bildcredits:\u00a9 Jessica Hanlon<\/p>\n\n\n\n Wir bedanken uns bei Dr. Sven Jungmann<\/a> f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder<\/p>\n\n\n\n Aiomics GmbH<\/strong> www.aiomics.de<\/a> Social Media:<\/strong> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" aiomics ist aus dem klinischen Alltag heraus entstanden und adressiert ein zentrales Problem im Gesundheitswesen: den Umgang mit immer komplexeren medizinischen Daten. Im Interview erkl\u00e4rt Gr\u00fcnder Dr. Sven Jungmann, warum strukturierte Informationen f\u00fcr Kliniken entscheidend sind.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":120513,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26473,26261,15009,1],"tags":[3877,15308,895,188,1259],"class_list":["post-120512","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-interviews","category-kuenstliche-intelligenz","category-premium-startups","category-startup-news","tag-compliance","tag-dokumentation","tag-gesundheitswesen","tag-kliniken","tag-krankenhaus"],"acf":[],"yoast_head":"\n
Welche pers\u00f6nlichen Erfahrungen aus Ihrer Zeit als Arzt pr\u00e4gen heute Ihre Entscheidungen als Gr\u00fcnder?<\/h3>\n\n\n\n
Welche drei Ratschl\u00e4ge w\u00fcrden Sie anderen Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcndern mitgeben die im hochregulierten Gesundheitsmarkt starten wollen?<\/h3>\n\n\n\n
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