{"id":121673,"date":"2026-03-30T08:42:07","date_gmt":"2026-03-30T06:42:07","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=121673"},"modified":"2026-06-09T11:13:16","modified_gmt":"2026-06-09T09:13:16","slug":"wingmaite-wissen-unternehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/wingmaite-wissen-unternehmen\/","title":{"rendered":"Was passiert mit all dem Wissen, wenn pl\u00f6tzlich niemand mehr da ist?"},"content":{"rendered":"\n
Als Gr\u00fcnder und Angel Investor habe ich immer wieder erlebt, wie viel Wissen verloren geht, wenn Schl\u00fcsselpersonen ein Unternehmen verlassen. Der Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Gr\u00fcndung waren dann aber die Fortschritte in Sachen KI. 2025 habe ich gemeinsam mit Christian Zacharias wingmaite gestartet. Christian verantwortet als Co-Founder die technologische Seite, ich k\u00fcmmere mich als CEO um Strategie, Positionierung und Vertrieb. Inzwischen sind wir ein Team von 15 Leuten, verteilt \u00fcber Deutschland und Portugal, vollst\u00e4ndig remote.<\/p>\n\n\n\n
Ich habe Unternehmen aufgebaut, abgegeben und neu aufgebaut. In meiner Zeit als Gr\u00fcnder mehrerer Unternehmen, wie z. B. dem heutigen JobRad Loop habe ich hautnah erlebt, wie abh\u00e4ngig Organisationen von einzelnen Menschen und ihrem Wissen sind. Wenn diese Menschen gehen, geht nicht nur Fachwissen verloren, sondern auch Kontext, Beziehungen und gelebte Erfahrung. Das hat mich nie losgelassen. Als ich dann als Investor gesehen habe, wie oft Unternehmens\u00fcbernahmen genau an diesem Punkt scheitern, war klar: Hier braucht es eine L\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n
Wir glauben, dass Wissen der entscheidende Standortfaktor f\u00fcr die deutsche und europ\u00e4ische Wirtschaft ist \u2013 und dieses Wissen ist in Gefahr: In den kommenden f\u00fcnf Jahren gehen mehr als 6 Millionen Babyboomer in Rente, 190.000 Familienunternehmen suchen eine Nachfolge. In dem Zusammenhang ist unser Ziel, dass kein Unternehmen mehr kritisches Wissen verliert, nur weil Menschen in Rente gehen, k\u00fcndigen oder ein Unternehmen \u00fcbergeben wird. Langfristig soll jedes Unternehmen \u00fcber ein lebendiges digitales Ged\u00e4chtnis verf\u00fcgen, das Erfahrungswissen bewahrt und f\u00fcr alle Mitarbeitenden und KI nutzbar macht.<\/p>\n\n\n\n
Zuerst m\u00fcssen wir Bewusstsein schaffen. Viele Unternehmen wissen gar nicht, wie viel ihres Wissens ausschlie\u00dflich in den K\u00f6pfen der einzelnen Mitarbeitenden steckt. Man sch\u00e4tzt, dass das rund 70 Prozent ausmacht. Dann setzen wir technologisch an: Unsere KI-basierte Plattform erfasst dieses implizite Wissen niedrigschwellig und macht es durchsuchbar und nutzbar. Wir starten zun\u00e4chst dort, wo der Handlungsdruck am gr\u00f6\u00dften ist, n\u00e4mlich bei Unternehmensnachfolgen und dem bevorstehenden Ausscheiden der Babyboomer-Generation.<\/p>\n\n\n\n
Wir richten uns an kleine und mittlere Unternehmen im deutschsprachigen Raum, insbesondere an solche vor oder in einer Unternehmensnachfolge. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit professionellen K\u00e4ufern aus dem Private-Equity- und Search-Fund-Umfeld, die bei \u00dcbernahmen sicherstellen m\u00fcssen, dass das Wissen im Unternehmen bleibt. Im Alltag l\u00f6sen wir ein ganz konkretes Problem: Wissen, das bisher nur in den K\u00f6pfen einzelner Personen existiert hat, wird gesichert, strukturiert und f\u00fcr das gesamte Team und KI zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n\n\n\n
Ich w\u00fcrde nicht sagen, dass Wissensmanagement gescheitert ist \u2013 aber manche bisherigen L\u00f6sungen haben nicht so richtig zu den Menschen gepasst. Man hat versucht, Mitarbeitende in starre Strukturen und Eingabemasken zu pressen. Das hat oft nicht funktioniert, weil niemand nach einem langen Arbeitstag noch Formulare ausf\u00fcllen m\u00f6chte. Durch KI k\u00f6nnen wir das erstmals anders l\u00f6sen. Wir passen uns der Arbeitsweise der Menschen an, nicht umgekehrt.<\/p>\n\n\n\n
Wir bauen den Kontext-Layer eines Unternehmens, erfassen also nicht nur explizites Wissen aus Dokumenten und Datenbanken, sondern gezielt auch das implizite Wissen, also Erfahrungswerte, Routinen und Zusammenh\u00e4nge, die nirgendwo aufgeschrieben sind. Unsere Plattform macht dieses Wissen f\u00fcr Mensch und KI gleicherma\u00dfen nutzbar. Kontext ist das neue Gold, und genau darauf konzentrieren wir uns.<\/p>\n\n\n\n
Der Schl\u00fcssel liegt in der Niedrigschwelligkeit. Wir nutzen unter anderem Voice-to-Voice-Technologie. Mitarbeitende k\u00f6nnen ihr Wissen einfach aussprechen, im Gespr\u00e4ch, beil\u00e4ufig, ohne extra Zeit einplanen zu m\u00fcssen. Unsere KI verarbeitet das im Hintergrund, strukturiert es und macht es durchsuchbar. Es f\u00fchlt sich nicht nach Dokumentation an, sondern passiert fast nebenbei. Das ist der gro\u00dfe Unterschied zu allem, was es vorher gab.<\/p>\n\n\n\n
Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung ist nat\u00fcrlich Vertrauen. Unternehmen vertrauen uns ihr sensibelstes Asset an: ihr Wissen. Das erfordert \u00dcberzeugungsarbeit, wobei die Gespr\u00e4che bisher alle ausgesprochen aufgeschlossen und positiv waren. Gleichzeitig bewegen wir uns auch in einem KI-Markt, der gleichzeitig \u00fcberhitzt und \u00fcbers\u00e4ttigt ist. Wir reden deshalb nicht \u00fcber Technologie, sondern \u00fcber das Problem. Wenn Entscheider:innen verstehen, was f\u00fcr sie auf dem Spiel steht, \u00f6ffnen sich T\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n
Wir konzentrieren uns voll darauf, unsere Plattform so zug\u00e4nglich f\u00fcr unsere Nutzenden zu machen wie nur m\u00f6glich. Zus\u00e4tzlich arbeiten wir an vielen weiteren Features, die den Value f\u00fcr unsere Nutzer:innen erh\u00f6hen \u2013 aber das lasse ich mal so als Cliffhanger stehen.<\/p>\n\n\n\n
Wir wollen die f\u00fchrende Wissensinfrastruktur f\u00fcr den europ\u00e4ischen Mittelstand werden \u2013 als unverzichtbare Grundlage, auf der Unternehmen ihre KI-Strategie aufbauen. Kurzfristig starten wir im DACH-Raum mit dem Fokus auf Unternehmensnachfolge. Mittelfristig wollen wir \u00fcberall dort sein, wo Unternehmen vor der Herausforderung stehen, ihr Wissen zu bewahren und weiterzuentwickeln.<\/p>\n\n\n\n
Erstens: Fangt beim Warum an. Wenn ihr nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nnt, warum es euch geben muss, wird es schwer, andere zu \u00fcberzeugen. Zweitens: H\u00f6rt nie auf, mit euren Kund:innen zu sprechen. Die besten Produkte entstehen nicht im stillen K\u00e4mmerlein, sondern im echten Austausch mit den Menschen, f\u00fcr die ihr baut. Drittens, wenn mal was nicht so l\u00e4uft wie geplant: Mund abwischen und weitermachen. Es wird R\u00fcckschl\u00e4ge geben. Das geh\u00f6rt dazu. Entscheidend ist, dass ihr daraus lernt und morgen besser seid als heute.<\/p>\n\n\n\n
Bildrechte\/Fotograf: Viktor Strasse<\/p>\n\n\n\n
Wir bedanken uns bei Oliver Diekmann<\/a> f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder<\/p>\n\n\n\n