{"id":122675,"date":"2026-04-21T07:59:10","date_gmt":"2026-04-21T05:59:10","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=122675"},"modified":"2026-06-09T11:11:15","modified_gmt":"2026-06-09T09:11:15","slug":"re-fresh-global-interview-textilrecycling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/re-fresh-global-interview-textilrecycling\/","title":{"rendered":"Re-Fresh Global im Interview: Wie ein Startup Textilrecycling neu denkt"},"content":{"rendered":"\n
Re-Fresh Global ist aus einem sehr konkreten Problem der Textilindustrie entstanden: Gemischte Textilabf\u00e4lle lassen sich mit herk\u00f6mmlichen Methoden bis heute nur sehr begrenzt recyceln. Lediglich 1 Prozent<\/a> werden derzeit in neue Fasern recycelt. Genau dort setzt unsere Technologie an.<\/p>\n\n\n\n Re-Fresh Global\u2019s Gr\u00fcnderin und heutige Chief Product & Technology Officer Revital Nadiv bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung aus der Textil- und Modeindustrie mit. In dieser Zeit hat sie aus n\u00e4chster N\u00e4he erlebt, wie gro\u00df das Problem nicht recycelbarer Mischtextilien tats\u00e4chlich ist. Daraus entstand der Anspruch, nicht nur \u00fcber Nachhaltigkeit zu sprechen, sondern eine industriell skalierbare L\u00f6sung aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n Ich bin seit Januar 2026 CEO von Re-Fresh Global. Ich bringe langj\u00e4hrige Erfahrung in industrieller Transformation, Innovation und im Aufbau neuer Gesch\u00e4ftsmodelle mit. Mich hat an Re-Fresh Global \u00fcberzeugt, dass hier ein reales Industrieproblem mit einer skalierbaren technologischen L\u00f6sung adressiert wird. Genau diese Skalierung und den Aufbau des Unternehmens treibe ich heute mit voran.<\/p>\n\n\n\n Weltweit fallen j\u00e4hrlich 92 Millionen Tonnen Textilabf\u00e4lle<\/a> an. Das entspricht einem verlorenen Rohstoffwert von 500 Milliarden US-Dollar<\/a>. Gerade gemischte Textilien wie Poly-Baumwolle sind mit bestehenden Verfahren bis heute nur begrenzt hochwertig und im gro\u00dfen Ma\u00dfstab verwertbar.<\/p>\n\n\n\n Gleichzeitig steigt der regulatorische Druck in Europa deutlich, etwa durch die Abfallrahmenrichtlinie, Extended Producer Responsibility und die Verpackungsverordnung. Aus meiner Sicht ist aber vor allem entscheidend, dass die industrielle Infrastruktur fehlt, um gemischte Textilabf\u00e4lle tats\u00e4chlich zu verarbeiten. Darauf ist der Ansatz von Re-Fresh Global ausgerichtet.<\/p>\n\n\n\n Unsere Vision ist, dass Textilabf\u00e4lle k\u00fcnftig nicht mehr vor allem als Entsorgungsproblem behandelt werden, sondern als Rohstoffquelle. Daf\u00fcr braucht es Technologien und Infrastruktur, mit denen gemischte Textilien im industriellen Ma\u00dfstab verarbeitet und in neue Zellulose- und Faserrohstoffe \u00fcberf\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n Wenn das gelingt, werden deutlich weniger Textilien verbrannt oder deponiert und stattdessen als wertvolle Ausgangsmaterialien in neue industrielle Anwendungen zur\u00fcckgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n Gemischte Textilien sind bislang vor allem deshalb schwer zu verwerten, weil sie sich nur begrenzt trennen lassen und die industrielle Infrastruktur daf\u00fcr weitgehend fehlt. Genau dort setzt unsere Technologie an: Wir haben ein enzymatisches Verfahren entwickelt, das gemischte Textilabf\u00e4lle so aufbereitet, dass daraus hochwertige Rohstoffe entstehen.<\/p>\n\n\n\n Dabei entstehen mit Re-SanPulp\u2122 ein Material f\u00fcr Nonwovens und textile Anwendungen sowie mit Re-Celloop\u2122 ein Zelluloseprodukt f\u00fcr Einsatzfelder wie Kosmetik, Verpackung und Verbundwerkstoffe.<\/p>\n\n\n\n Entscheidend ist f\u00fcr uns aber nicht nur das Material selbst, sondern auch die Skalierung: Mit unserem lizenzierbaren Smart-Up\u2122 System wollen wir erm\u00f6glichen, dass Textilabf\u00e4lle n\u00e4her an ihrem Entstehungsort verarbeitet werden. Das reduziert Transporte, st\u00e4rkt die regionale Wertsch\u00f6pfung und schafft lokale Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n Zu unserer Zielgruppe geh\u00f6ren zum einen Industrien, die neue biobasierte und zirkul\u00e4re Rohstoffe suchen. Mit Re-Celloop\u2122 adressieren wir insbesondere Anwendungen in Kosmetik, Verpackung und Verbundwerkstoffen. Dort l\u00f6sen wir das Problem, dass nachhaltige, plastikfreie und lokal verf\u00fcgbare Zellulosealternativen bislang nur begrenzt verf\u00fcgbar sind.<\/p>\n\n\n\n Zum anderen adressieren wir mit Re-SanPulp\u2122 Branchen wie Automotive und Haushaltsger\u00e4te, in denen der Druck steigt, bis 2030 deutlich mehr recycelte Materialien in bestehende Produkte und Lieferketten zu integrieren. Hier bieten wir eine nachhaltige Rohstoffquelle f\u00fcr Autoinnenr\u00e4ume und Haushaltsger\u00e4te.<\/p>\n\n\n\n F\u00fcr Investoren ist Re-Fresh Global interessant, weil wir eine konkrete industrielle Umsetzungsl\u00fccke mit einer skalierbaren Technologie und einem klaren Kommerzialisierungsansatz adressieren.<\/p>\n\n\n\n Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung ist ganz klar Kapital. Deep-Tech-Unternehmen brauchen Zeit, um Technologie zu entwickeln, zu validieren und in industrielle Anwendungen zu \u00fcberf\u00fchren. Viele Investoren suchen k\u00fcrzere Zeithorizonte und schnellere Renditen, als sie im Aufbau industrieller Deep-Tech-Modelle realistisch sind. Wir sammeln aktuell 5 Millionen Euro, um unsere Demo-Fabrik in Th\u00fcringen zu bauen und parallel Technologie, Pilotprojekte und Kommerzialisierung weiter voranzutreiben.<\/p>\n\n\n\n Hinzu kommt, dass die regulatorische Richtung zwar klar ist, sich die konkreten Anforderungen in einzelnen Bereichen aber weiterentwickeln. Das erh\u00f6ht den Druck im Markt, schafft aber noch nicht automatisch Umsetzungssicherheit.<\/p>\n\n\n\n Auch auf Kundenseite sehen wir eine typische Spannung: Viele Unternehmen verstehen das Problem und erkennen die Dringlichkeit, z\u00f6gern aber noch, neue Materialien in bestehende Lieferketten zu integrieren. Deshalb sind Pilotprojekte f\u00fcr uns so wichtig. Sie schaffen Validierung, Vertrauen und die Grundlage f\u00fcr den n\u00e4chsten Schritt in die industrielle Anwendung.<\/p>\n\n\n\n Die gr\u00f6\u00dfte technische Herausforderung im Textilrecycling sind gemischte Textilien aus verschiedenen Fasertypen wie Baumwolle, Polyester, Elasthan und Viskose. Bei Re-Fresh Global haben wir daf\u00fcr einen enzymatischen Prozess entwickelt, der eine selektive Trennung der Fasertypen erm\u00f6glicht, ohne die Materialien dabei zu zerst\u00f6ren. Unser Verfahren kann auf verschiedene Textilzusammensetzungen eingestellt werden. Dabei erreichen wir je nach Material eine Verwertungsquote von bis zu 95 Prozent.<\/p>\n\n\n\n Viele Ans\u00e4tze im Textilrecycling konzentrieren sich vor allem auf Textil-zu-Textil-L\u00f6sungen. Re-Fresh Global verfolgt bewusst einen Open-Loop-Ansatz: Wir verarbeiten Textilabf\u00e4lle nicht nur zu neuen Faseranwendungen, sondern auch zu hochwertigen Zellulosematerialien f\u00fcr verschiedene Industrien.<\/p>\n\n\n\n Damit erweitern wir die Verwertungsm\u00f6glichkeiten gemischter Textilabf\u00e4lle deutlich und schaffen echtes Upcycling f\u00fcr Materialstr\u00f6me, die bislang nur sehr begrenzt genutzt werden konnten. Gleichzeitig verbrauchen wir nach unseren bisherigen Daten rund 50 Prozent weniger Energie und verursachen rund 85 Prozent weniger CO2-Emissionen als vergleichbare Virgin-Materialien.<\/p>\n\n\n\n Der enzymatische Ansatz ist f\u00fcr die Skalierbarkeit unseres Modells zentral, weil er sich auf unterschiedliche Textilzusammensetzungen und Qualit\u00e4ten einstellen l\u00e4sst. Gleichzeitig k\u00f6nnen Enzyme in gro\u00dfen Mengen produziert und in modularen Anlagen eingesetzt werden. Genau darauf ist unser Smart-Up\u2122 System ausgelegt: Es ist an verschiedenen Standorten effizient replizierbar.<\/p>\n\n\n\n Der n\u00e4chste gro\u00dfe Schritt f\u00fcr Re-Fresh Global ist der Aufbau unserer Demo-Fabrik in Th\u00fcringen. Daf\u00fcr sammeln wir aktuell 5 Millionen Euro Seed-Kapital, um die n\u00e4chste industrielle Phase und Eins\u00e4tze zu finanzieren.<\/p>\n\n\n\n Gleichzeitig bauen wir auf unserer bisherigen Traktion auf: Wir haben sieben bezahlte Pilotprojekte abgeschlossen und damit 500.000 Euro Umsatz generiert. Parallel bringen wir unsere Smart-Up\u2122 Mikrofabrik in den Einsatz, schlie\u00dfen laufende Pilotprojekte mit europ\u00e4ischen OEMs ab und arbeiten an den n\u00e4chsten Schritten in Richtung Serienintegration. Anwendungen in Akustik und Automotive treiben wir weiter voran, und erste Re-Celloop\u2122 Materiallieferungen f\u00fcr die Kosmetikindustrie sind bereits angelaufen. Gleichzeitig wollen wir f\u00fcr Re-Celloop\u2122 weitere Pilotprojektpartner gewinnen, um zus\u00e4tzliche industrielle Anwendungen zu erschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n In f\u00fcnf Jahren sehen wir Re-Fresh Global als einen etablierten Infrastruktur- und Technologieanbieter f\u00fcr enzymatisches Textilrecycling. Entscheidend wird sein, dass unsere Smart-Up\u2122 Mikrofabriken beziehungsweise standardisierten Module dort eingesetzt werden, wo Textilabf\u00e4lle anfallen, und damit lokale Verwertungsinfrastruktur entsteht.<\/p>\n\n\n\n Aus heutigen Pilotprojekten sind dann belastbare Serienanwendungen mit Partnern in Automotive, Kosmetik, Verpackung und Haushaltsger\u00e4ten geworden. Re-SanPulp\u2122 und Re-Celloop\u2122 ersetzen Virgin-Materialien in industriell relevantem Ma\u00dfstab.<\/p>\n\n\n\n Erstens: Arbeitet an einem Problem, das wirklich relevant ist. Nicht jedes interessante Thema ist auch ein tragf\u00e4higes Unternehmen. Entscheidend ist, ob es daf\u00fcr einen echten Bedarf und langfristig einen belastbaren Markt gibt.<\/p>\n\n\n\n Zweitens: Verwechselt Aufmerksamkeit nicht mit Fortschritt. Gerade in technologiegetriebenen Unternehmen z\u00e4hlen am Ende Validierung, Umsetzung und echte Kundenbeziehungen mehr als gute Sichtbarkeit allein.<\/p>\n\n\n\n Drittens: Sucht euch die richtigen Menschen an eure Seite. Das gilt f\u00fcr Team, Partner und Investoren gleicherma\u00dfen. Wer ein komplexes Unternehmen aufbauen will, braucht nicht nur Kapital und Kompetenz, sondern auch Vertrauen, Ausdauer und die Bereitschaft, gemeinsam durch schwierige Phasen zu gehen.<\/p>\n\n\n\n Photocredit: Carolin Weinkopf<\/p>\n\n\n\n Wir bedanken uns bei\u00a0Urte Zahn<\/a>\u00a0f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder<\/p>\n\n\n\nWas hat euch dazu bewegt, euch auf das Recycling von Textilabf\u00e4llen zu fokussieren?<\/h3>\n\n\n\n
Welche Vision verfolgt Re-Fresh Global f\u00fcr die Zukunft der Textilindustrie?<\/h3>\n\n\n\n
Wie m\u00f6chtet ihr mit eurer Technologie eine echte Kreislaufwirtschaft erm\u00f6glichen?<\/h3>\n\n\n\n
Wer geh\u00f6rt zur Zielgruppe von Re-Fresh Global und welche konkreten Probleme l\u00f6st ihr?<\/h3>\n\n\n\n
Welche Herausforderungen begegnen euch aktuell beim Aufbau eures Gesch\u00e4ftsmodells im Recyclingbereich?<\/h3>\n\n\n\n
Wie geht Re-Fresh Global mit technischen H\u00fcrden bei der Verarbeitung gemischter Textilien um?<\/h3>\n\n\n\n
Was unterscheidet Re-Fresh Global von anderen Ans\u00e4tzen im Textilrecycling?<\/h3>\n\n\n\n
Welche Rolle spielt eure biotechnologische L\u00f6sung f\u00fcr die Skalierbarkeit eures Modells?<\/h3>\n\n\n\n
Welche n\u00e4chsten Schritte plant Re-Fresh Global in Bezug auf Wachstum und Marktausbau?<\/h3>\n\n\n\n
Wo seht ihr Re-Fresh Global in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren?<\/h3>\n\n\n\n
Welche drei Ratschl\u00e4ge w\u00fcrdet ihr anderen Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcndern mit auf den Weg geben?<\/h3>\n\n\n\n