{"id":122849,"date":"2026-04-28T08:38:21","date_gmt":"2026-04-28T06:38:21","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=122849"},"modified":"2026-06-09T11:10:06","modified_gmt":"2026-06-09T09:10:06","slug":"patronus-notruf-uhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/patronus-notruf-uhr\/","title":{"rendered":"Patronus Notruf Uhr: Sicherheit neu gedacht"},"content":{"rendered":"\n

Die Patronus Notruf Uhr steht f\u00fcr eine neue Generation von Sicherheitstechnologie f\u00fcr Seniorinnen und Senioren<\/h2>\n\n\n\n

Wie ist Patronus entstanden und wer steht hinter der Entwicklung der Notruf-Uhr?<\/h3>\n\n\n\n

Patronus wurde 2020 von Ben Staudt und Tim Wagner in Berlin gegr\u00fcndet. Der Ausgangspunkt war eine pers\u00f6nliche Beobachtung: Bens Gro\u00dfmutter hatte einen Hausnotruf-Knopf und trug ihn nie. Sie nannte ihn ihre \u201eNachttischdekoration\u201c. Zu klobig, zu stigmatisierend, zu sehr das Eingest\u00e4ndnis, dass man Hilfe braucht.<\/p>\n\n\n\n

Bevor wir unser erstes Produkt entwickelt haben, haben wir mit \u00fcber tausend potenziellen Kunden gesprochen. Was wir geh\u00f6rt haben, hat uns best\u00e4tigt: Das ist kein Einzelfall. Das ist ein strukturelles Problem.<\/p>\n\n\n\n

Was hat euch dazu bewegt, den klassischen Hausnotruf neu zu denken?<\/h3>\n\n\n\n

Der rote Knopf ist seit Jahrzehnten unver\u00e4ndert, obwohl sich die Zielgruppe deutlich ver\u00e4ndert hat. Heutige Senioren sind aktiver, mobiler, digital-affin und selbstbewusster als die Generationen vor ihnen. Sie wollen nicht als hilfsbed\u00fcrftig wahrgenommen werden. Sie wollen raus, unterwegs sein, ihr Leben leben. Ein Ger\u00e4t, das nur zu Hause funktioniert und nach Medizintechnik aussieht, passt nicht mehr zu dieser Realit\u00e4t. Wir haben uns gefragt: Wie w\u00fcrde ein Ger\u00e4t aussehen, das Menschen wirklich tragen wollen, weil es ihr Leben erleichtert, nicht weil es sie an ihre Verletzlichkeit erinnert?<\/p>\n\n\n\n

Welche Vision verfolgt Patronus im Bereich Sicherheit und Selbstst\u00e4ndigkeit im Alltag?<\/h3>\n\n\n\n

Wir wollen eine Welt schaffen, in der \u00c4lterwerden Sicherheit, Unabh\u00e4ngigkeit und Verbindung bedeutet<\/a>, unterst\u00fctzt durch Technologie, die sich an Menschen anpasst, nicht umgekehrt. Das klingt gro\u00df, ist aber sehr konkret gemeint: Wer wei\u00df, dass im Notfall sofort Hilfe da ist, traut sich mehr. Geht spazieren. Bleibt l\u00e4nger selbstst\u00e4ndig.<\/p>\n\n\n\n

Wie m\u00f6chtet ihr diese Vision in den kommenden Jahren konkret umsetzen?<\/h3>\n\n\n\n

In drei Richtungen. Erstens: Marktf\u00fchrerschaft in Deutschland weiter ausbauen und in Europa expandieren. Zweitens: Die Familien-App weiterentwickeln, sodass Angeh\u00f6rige noch besser eingebunden sind. Drittens: Einsamkeit im Alter aktiv angehen. Wir arbeiten an einem KI-Begleiter auf der Uhr, einem digitalen Gespr\u00e4chspartner f\u00fcr die Stunden, in denen niemand da ist. 12 % der Menschen \u00fcber 75 f\u00fchren an einem durchschnittlichen Tag kein pers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch. Das ist ein Gesundheitsproblem, das wir nicht ignorieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

An wen richtet sich euer Produkt in erster Linie und welche Bed\u00fcrfnisse stehen dabei im Fokus?<\/h3>\n\n\n\n

Unsere Kernzielgruppe sind Seniorinnen und Senioren, die selbstst\u00e4ndig leben. Unser durchschnittlicher Nutzer ist 78 Jahre alt, lebt allein und ist prim\u00e4r weiblich. Was sie eint: Sie wollen so lange wie m\u00f6glich ihr eigenes Leben f\u00fchren. Sie wollen nicht zur Last fallen. Und sie wollen wissen, dass im Ernstfall jemand da ist, ohne st\u00e4ndig daran erinnert zu werden, dass ein Ernstfall eintreten k\u00f6nnte. Genau dieses Spannungsfeld versuchen wir aufzul\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n

Welche Rolle spielen Angeh\u00f6rige im Konzept von Patronus?<\/h3>\n\n\n\n

Eine zentrale Rolle. Heute sind 25.000 Angeh\u00f6rige \u00fcber die Patronus-Familien-App mit ihren \u00e4lteren Familienmitgliedern verbunden. Die App l\u00f6st ein emotionales Dilemma: Man macht sich Sorgen, will aber nicht kontrollieren. Sie zeigt, ob die Uhr getragen wird, ob die Person das Haus verlassen hat, wo sie gerade ist, und benachrichtigt im Notfall sofort. Eine Tochter, die weit weg wohnt, muss nicht mehr t\u00e4glich anrufen, um sicherzugehen. Sie kann loslassen, weil sie Bescheid wei\u00df. Und die Mutter beh\u00e4lt ihre Selbstst\u00e4ndigkeit, weil jemand im Hintergrund da ist, ohne dass sie sich t\u00e4glich erkl\u00e4ren muss.<\/p>\n\n\n\n

Was unterscheidet Patronus von klassischen Hausnotrufsystemen und anderen L\u00f6sungen am Markt?<\/h3>\n\n\n\n

Drei Dinge. Erstens: Mobilit\u00e4t. Unsere Uhr funktioniert \u00fcberall in Deutschland, nicht nur zu Hause. Eine integrierte SIM-Karte macht sie unabh\u00e4ngig von Basisstationen. Zweitens: Design. Sie sieht aus wie eine normale Smartwatch, kommt in verschiedenen Farben und signalisiert nichts au\u00dfer Stil. Drittens: Nutzung. 85 % unserer Nutzerinnen und Nutzer tragen die Uhr t\u00e4glich. Das ist der eigentliche Beweis. Ein Notfallger\u00e4t, das nicht getragen wird, ist kein Notfallger\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n

Welche Herausforderungen begegnen euch bei der Entwicklung und Verbreitung eurer Notruf-Uhr?<\/h3>\n\n\n\n

Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung ist Vertrauen. Senioren sind eine Zielgruppe, die von der Technologiebranche jahrzehntelang entt\u00e4uscht oder ignoriert wurde. Komplizierte Ger\u00e4te, \u00fcberfordernde Interfaces, Produkte, die f\u00fcr sie gebaut wurden, ohne sie zu fragen. Wir m\u00fcssen jeden Tag beweisen, dass wir es anders meinen. Durch Einfachheit, durch pers\u00f6nlichen Support, durch ein Produkt, das wirklich funktioniert.<\/p>\n\n\n\n

Wie geht ihr mit dem Spannungsfeld zwischen einfacher Bedienbarkeit und moderner Technik um?<\/h3>\n\n\n\n

Indem wir Komplexit\u00e4t verstecken, nicht vereinfachen. Die Uhr hat im Wesentlichen einen Knopf. Dahinter steckt eine Infrastruktur aus Notrufzentralen, GPS-Tracking, Familien-App und bald KI. Aber das sieht der Nutzer nicht. Wir haben von Anfang an mit echten Nutzern entwickelt, nicht f\u00fcr sie. \u00dcber tausend Gespr\u00e4che vor dem ersten Produkt. Kontinuierliches Feedback danach. Die Frage war immer: Was braucht eine Person, die 78 ist und nicht mit dem Smartphone gro\u00df geworden ist? Und was braucht sie nicht?<\/p>\n\n\n\n

Welche Weiterentwicklungen oder neuen Funktionen plant ihr f\u00fcr Patronus?<\/h3>\n\n\n\n

Kurzfristig: Ausbau der Familien-App mit mehr Kommunikationsfunktionen und relevanten Notfallinformationen. Mittelfristig: der KI-Begleiter, ein digitaler Gespr\u00e4chspartner auf der Uhr, der Einsamkeit im Alter aktiv adressiert. Langfristig: Vitalzeichen-Tracking f\u00fcr chronische Erkrankungen und die Expansion in weitere europ\u00e4ische M\u00e4rkte. Wir denken Patronus nicht als Notfallger\u00e4t, sondern als Plattform f\u00fcr selbstbestimmtes Altern.<\/p>\n\n\n\n

Wie stellt ihr sicher, dass eure L\u00f6sung im Alltag zuverl\u00e4ssig funktioniert?<\/h3>\n\n\n\n

Zuverl\u00e4ssigkeit ist die Grundvoraussetzung. Wir arbeiten mit professionellen Notrufzentralen zusammen, die direkt an Rettungsleitstellen angeschlossen sind. Die Uhr ist staub- und wasserdicht. Die SIM-Karte nutzt das deutsche Mobilfunknetz. Und wir haben \u00fcber eine halbe Million Notrufe beantwortet. Das ist kein theoretischer Stresstest, das ist gelebte Praxis.<\/p>\n\n\n\n

Welche drei Ratschl\u00e4ge w\u00fcrdet ihr anderen Gr\u00fcndern geben, die ein relevantes Problem l\u00f6sen m\u00f6chten?<\/h3>\n\n\n\n

Erstens: Sprecht mit euren Kunden, bevor ihr irgendetwas baut. Wir haben \u00fcber tausend Gespr\u00e4che gef\u00fchrt, bevor wir eine einzige Zeile Code geschrieben haben. Das hat uns vor den teuersten Fehlern bewahrt.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: Sucht euch eine Zielgruppe, die die Branche untersch\u00e4tzt. Der Markt f\u00fcr Senioren-Technologie war jahrzehntelang vernachl\u00e4ssigt, nicht weil das Problem klein ist, sondern weil niemand hingeschaut hat. Genau dort entstehen die interessantesten Chancen.<\/p>\n\n\n\n

Drittens: Messt, was wirklich z\u00e4hlt. Nicht Downloads, nicht Registrierungen, sondern ob die Menschen euer Produkt t\u00e4glich benutzen. Bei uns ist das die Frage, ob die Uhr am Handgelenk ist. Alles andere ist eine Hilfsgr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n

Bild Bildcredits @Patronus<\/p>\n\n\n\n

Wir bedanken uns bei Ben Staudt<\/a> f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n