{"id":124435,"date":"2026-06-04T08:28:34","date_gmt":"2026-06-04T06:28:34","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=124435"},"modified":"2026-07-06T13:37:20","modified_gmt":"2026-07-06T11:37:20","slug":"lemonaid-bio-getraenke-social-business-ag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/lemonaid-bio-getraenke-social-business-ag\/","title":{"rendered":"Wem geh\u00f6rt die Zukunft der Wirtschaft \u2013 den Konzernen oder den Menschen?"},"content":{"rendered":"\n
Das ist eine l\u00e4ngere Geschichte. F\u00fcr mich war klar, dass ich meine Privilegien f\u00fcr etwas Sinnvolles einsetzen m\u00f6chte. Am Ende wollte ich nicht \u201enur\u201c mein Eigenheim abbezahlen, sondern Menschen unterst\u00fctzen, die sich in einer weniger komfortablen Situation befinden. So bin ich zun\u00e4chst in die Entwicklungszusammenarbeit f\u00fcr die Bundesregierung hinein geraten. Hier fehlte mir jedoch das effizienzgetriebene Denken, dass in meinen Augen jedem Projekt, das Impact erzeugen will gut tut. Dies f\u00fchrte dann zur Gr\u00fcndung eines Social Business<\/a>. Obwohl es diesen Begriff damals noch nicht einmal gab. Wir sind ein Dinosaurier der Szene.<\/p>\n\n\n\n Die Wirtschaft ist der st\u00e4rkste und wichtigste Motor dieses Planeten. Es ist ein System, welches sich schlicht bewiesen hat. Das Effizientere und N\u00fctzlichste macht das Rennen \u2013 was dieser subjektive Nutzen auch immer sein mag. Da sich hieran historisch viele unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig bereichert haben, hat die Wirtschaft einen sehr negativen Ruf bekommen. F\u00fcr viele ist sie sogar \u201eb\u00f6se\u201c.<\/p>\n\n\n\n In meinen Augen wird hier allerdings f\u00e4lschlicherweise ein System beschuldigt, das an sich nicht das Problem ist. Das m\u00f6gliche \u201eB\u00f6se\u201c ist, wenn \u00fcberhaupt, der Nutzer.<\/p>\n\n\n\n Ich wollte mit unserem Projekt daf\u00fcr inspirieren, dass die Gr\u00fcndung eines Unternehmens sehr wohl auch soziale Zwecke verfolgen und erf\u00fcllen kann. Und positive Effekte der gesamten Wertsch\u00f6pfung m\u00f6glich sind.<\/p>\n\n\n\n Es bedeutet, dass jede wertschaffende Gruppe entlang der Erschaffung des Produktes ein w\u00fcrdevolles Leben f\u00fchren kann. Das bedeutet sowohl wirtschaftlich als auch gesundheitlich. Insofern war es f\u00fcr mich immer klar, im Bereich der Lebensmittel ausschlie\u00dflich biologisch zertifizierte Landwirtschaft zu f\u00f6rdern. Und ein System zu f\u00f6rdern, oder sogar selbst zu erschaffen, das neue positive wirtschaftliche Perspektiven erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n Das ist nicht so schwer, wie es klingt. Wir haben von Beginn an ein einfaches System erschaffen. Mit jedem von uns verkauftem Produkt wird ein Fixbetrag des Umsatzes an gemeinn\u00fctzige Projekte weitergegeben. Das k\u00f6nnen wir kommunizieren und ist ein Baustein der unabh\u00e4ngig aller anderen Themenfelder einzukalkulieren ist. Die Kunden erfreuen sich ihres Beitrages und wir haben ein klares, transparentes System. Zus\u00e4tzlich schauen wir nat\u00fcrlich sehr darauf, dass auch alle anderen Partner an der Wertsch\u00f6pfung gut verdienen. Auch die Mitarbeitenden und Partner, die hier in Europa unsere Produkte verkaufen.<\/p>\n\n\n\n Wir gehen den n\u00e4chsten Schritt. F\u00fcr viele ist eine AG per se erstmal \u201egross und negativ\u201c. Das ist aber wieder nur der Nutzung des Systems zuzuschreiben. Nicht dem System selbst. Das Aktienrecht an sich ist eigentlich sehr demokratisch und sozial. Und setzt Teilhaberschaft sehr hoch an. Was an sich gut ist. Negativ wurde der Ruf dadurch, dass Gro\u00dfinvestoren, diese demokratische Macht \u201eb\u00fcndeln\u201c und somit eben nicht der Eindruck eines ausgewogenen Unternehmes entsteht. Wenn wir uns den DAX angucken ist es eben Tatsache, dass ein Blackrock einer der gr\u00f6\u00dften Aktion\u00e4re ist. Und das ist sicher in den meisten L\u00e4ndern so. Hier gehen wir bewusst einen anderen Weg. Wir wollen unsere SupporterInnen und Gleichgesinnten Teilhaberschaft erm\u00f6glichen. Direkt. Ohne \u201eBroker. Wie genau das aussehen wird, werden wir zeitnah ver\u00f6ffentlichen. Fest steht, dass es ein sehr ungew\u00f6hnlicher Weg sein wird.<\/p>\n\n\n\n Weil wir erneut aufzeigen wollen, dass nicht das System das Problem ist, sondern die Nutzerschaft. Eine AG kann ein Social Business sein. Eine AG kann demokratisch strukturiert sein. Und eine AG kann allen entlang der Wertsch\u00f6pgunskette Nutzen bringen. Eine Hauptversammlung kann Freude bringen \u2013 und es darf getanzt werden. Es muss kein grauer B\u00f6rsensumpf sein. Hier wollen wir erneut Pionierarbeit leisten. Zeigen, dass es geht.<\/p>\n\n\n\n Es ist der wichtigste Punkt bei allem, was wir tun: Was bedeutet mein Handeln f\u00fcr die Gemeinschaft? Von S\u00fcdafrika und Indien bis in den Berliner Club. \u00dcberall.<\/p>\n\n\n\n Es war nie unser Ansinnen, andere aus dem Getr\u00e4nkemarkt zu verdr\u00e4ngen und uns \u00fcber Marketing an die Spitze zu arbeiten. Wir wollen die Getr\u00e4nke als Mittel zum Zweck nutzen. Gute Bioprodukte \u00fcber die gesprochen wird, weil sie gesellschaftliche Relevanz haben. Weil sie Dinge thematisieren, die f\u00fcr die Gemeinschaft wichtig sind.<\/p>\n\n\n\n Mit dem, was ich gerade beschrieben habe, ist ein divers besetzter AR selbstredend. Er ergibt sich automatisch. Wenn verschiedene Sichtweisen inkludiert werden sollen, macht ein Gremium aus Ex-Vorst\u00e4nden etablierter Unternehmen keinen Sinn. Es braucht den Blick aus allen Ecken der Gesellschaft. Es braucht ein Gremium von Menschen, die aus Ihrer Box herausgucken wollen.<\/p>\n\n\n\n Wir sind zu 100% in Gr\u00fcnderhand. Das ist sehr selten. Wir wollten nie Gro\u00dfinvestoren beteiligen. Auch hier wieder um aufzuzeigen, dass dieser Weg denkbar ist. Und das erfolgreich. Nach 17 Jahren wollen wir uns aber auch f\u00fcr die Unterst\u00fctzerinnen \u00f6ffnen. Und gemeinsam noch mehr Wirkung erzeugen. Das geht zusammen viel besser als allein. Es gab jedoch l\u00e4nger nicht die passenden Strukturen. Denn eine AG ohne B\u00f6rse war lange Zeit schwer denkbar.<\/p>\n\n\n\n Die Logik des Marktes war nie unser Gegner. Die Spielregeln gelten f\u00fcr alle gleich. Auch f\u00fcr uns. Wir m\u00fcssen das, was wir ausgeben, erwirtschaften. Langfristig. Wir m\u00fcssen den Kunden etwas bieten, das attraktiver ist als die Alternativen. Diese Regeln haben wir stets im Blick gehabt und respektiert. In meinen Augen sind die Regeln sehr wichtig. Es ist nun nur die Frage, wie du auf dem Weg deiner Reise an die Konsequenzen f\u00fcr deine Mitmenschen denkst. Hier haben wir andere Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt. Das kann aber theoretisch jede. Ohne damit die Wirtschaft zu verfluchen.<\/p>\n\n\n\n Wir sind stolz und froh, dass es mittlerweile \u00fcber 500 Social Businesses gibt. Tendenz stark steigend. Nat\u00fcrlich sind wir hierf\u00fcr nicht verantwortlich. Wir haben allerdings sicher ein wenig dazu beigetragen, dass andere auch mehr Mut haben konnten, den Schritt zu wagen. Gleichzeitig weht global gerade ein sehr harter und egozentrischer Wind. Politisch und wirtschaftlich. Ich hoffe, dass hier nach Regen wieder Sonne kommt. Schnell.<\/p>\n\n\n\n Wir sind weiterhin erst am Anfang unserer Reise. Wir verkaufen bereits in \u00fcber 35.000 L\u00e4den und \u00fcber 25 L\u00e4ndern. Von Singapur bis Norwegen. Von Wholefoods \u00fcber das Mandarin Oriental bis hin zum Berliner Kellerklub. Gleichzeitig ist das Potential noch nicht einmal ansatzweise ausgesch\u00f6pft. Wir planen dieses Jahr mit \u00fcber 40 Millionen verkauften Produkten. Eine Verzehnfachung haben wir schon hinter uns \u2013 die kann aber genauso gut weiterhin in die Zukunft projiziert werden. Im Kosmos der Getr\u00e4nkewelt haben wir eine Marke erschaffen, die im n\u00e4chsten Schritt ihre Kraft erst entfalten wird. Davon bin ich recht \u00fcberzeugt.<\/p>\n\n\n\n Wir werden somit alles in den Ausbau der internationalen M\u00e4rkte stecken. Unser B\u00fcro in London und Paris werden weiter wachsen. Es sind die f\u00fcr uns st\u00e4rksten Wachstumstreiber. Und die Welt da draussen ist gross. Da stehen wir weiterhin ganz am Anfang.<\/p>\n\n\n\n Ich bin nicht der Typ f\u00fcr Ratschl\u00e4ge. Ich habe selbst erfahren, dass Naivit\u00e4t nicht unbedingt schlecht ist. Als Gr\u00fcnder<\/a> Wenn ich alles bis ins letzte Detail durchplane f\u00e4ngt meist niemand an. Wer nichts macht, macht zwar auch nichts falsch \u2013 aber es ist die falsche Denke. Es sollte dem Neuen eine Chance gegeben werden. Und wenn das dann noch das Wohl der Allgemeinheit befeuert, perfekt!<\/p>\n\n\n\n Bild: v.l.n.r. Die Aufsichtsratsmitglieder von Lemonaid. Nachhaltigkeitsforscher Prof. Dr. Markus Beckmann, Unternehmer und Strategieexperte Christoph Korittke, Aktivistin und Vereinsvorst\u00e4ndin Aileen Puhlmann, Profifu\u00dfballer Jackson Irvine und Gr\u00fcnder Paul Bethke. Fotocredits: Lemonaid <\/p>\n\n\n\n Wir bedanken uns bei Paul Bethke f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder<\/p>\n\n\n\n Lemonaid Beverages AG<\/strong> https:\/\/www.bethechange.lemon-aid.de\/<\/a> Ansprechpartner:<\/strong> Wenke Blumenroth<\/p>\n Social Media:<\/strong> Lemonaid ist bekannt f\u00fcr seine Bio-Getr\u00e4nke und seinen sozialen Ansatz. Im Interview spricht das Unternehmen \u00fcber Social Business, Teilhabe und die Zukunft als AG.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":124436,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26473,15009],"tags":[6040,7323,8804],"class_list":["post-124435","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-interviews","category-premium-startups","tag-nachhaltigkeit","tag-wachstum","tag-wertschoepfung"],"acf":[],"yoast_head":"\nWarum war euch von Anfang an wichtig, wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Wirkung zu verbinden?<\/h3>\n\n\n\n
Was bedeutet fair gestaltete Wertsch\u00f6pfung konkret f\u00fcr Lemonaid?<\/h3>\n\n\n\n
Wie schafft ihr es, soziale Verantwortung und Wachstum miteinander zu verbinden?<\/h3>\n\n\n\n
Lemonaid spricht davon, eine AG \u201eanders zu denken\u201c. Was genau meint ihr damit?<\/h3>\n\n\n\n
Warum ist die neue Unternehmensstruktur f\u00fcr euch mehr als nur ein wirtschaftlicher Schritt?<\/h3>\n\n\n\n
Welche Rolle spielt gesellschaftliche Wirkung heute f\u00fcr eure strategischen Entscheidungen?<\/h3>\n\n\n\n
Was unterscheidet Lemonaid von klassischen Getr\u00e4nkeunternehmen?<\/h3>\n\n\n\n
Warum war euch ein divers besetzter Aufsichtsrat mit Pers\u00f6nlichkeiten aus Kultur, Sport und Gesellschaft wichtig?<\/h3>\n\n\n\n
Welche Herausforderungen begegnen euch aktuell auf dem Weg in die n\u00e4chste Wachstumsphase?<\/h3>\n\n\n\n

Gab es Momente, in denen ihr bewusst gegen klassische Marktlogiken entschieden habt?<\/h3>\n\n\n\n
Wie blickt ihr auf die Zukunft von Social Businesses in Deutschland?<\/h3>\n\n\n\n
Welche n\u00e4chsten Entwicklungen plant ihr aktuell f\u00fcr Lemonaid?<\/h3>\n\n\n\n
Welche drei Ratschl\u00e4ge w\u00fcrdet ihr anderen Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcndern mit auf den Weg geben?<\/h3>\n\n\n\n
\n\n\n\nPremium Start-up: Lemonaid<\/h2>\n\n\n\n
<\/figure>\n<\/div>\n\n\n\nKontakt:<\/h3>\n\n\n
\nNeuer Kamp 31
\n20359 Hamburg<\/p>\n
\nwenke.blumenroth@lemonaid.de<\/a>
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