{"id":124506,"date":"2026-06-03T08:42:24","date_gmt":"2026-06-03T06:42:24","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=124506"},"modified":"2026-06-09T11:09:03","modified_gmt":"2026-06-09T09:09:03","slug":"tip-me-trinkgeld-lieferketten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/tip-me-trinkgeld-lieferketten\/","title":{"rendered":"Wer profitiert wirklich von dem, was wir t\u00e4glich kaufen?"},"content":{"rendered":"\n
Die Idee zu tip me entstand unserem Gr\u00fcnder Jonathan Funke w\u00e4hrend der Er\u00f6ffnung des neuen Primark-Stores in Berlin. Dort verteilte er Flyer, auf denen stand: \u201eNur 1\u20133 % von dem, was Menschen f\u00fcr ein T-Shirt ausgeben, kommen bei den Menschen an, die es hergestellt haben.\u201c Er kam mit Menschen ins Gespr\u00e4ch, die in der Schlange standen, um die neuesten Primark-Produkte zu kaufen. Dabei sagte eine Person: \u201eWenn ich w\u00fcsste, dass das Geld auch an die N\u00e4her*innen dahinter geht, w\u00fcrde ich auch mehr bezahlen.\u201c So war die Idee geboren. Denn schon 1\u20ac mehr pro Produkt kann f\u00fcr Menschen am Anfang der Lieferkette einen enormen Unterschied machen.<\/p>\n\n\n\n
Uns st\u00f6rt, dass klassische Lieferketten Profit \u00fcber Menschen stellen. Wir m\u00f6chten dazu beitragen, Wertsch\u00e4tzung und Solidarit\u00e4t in globale Lieferketten zur\u00fcckzubringen und einen Beitrag zu globaler Gerechtigkeit und finanzieller Umverteilung leisten.<\/p>\n\n\n\n
Wir wussten von Anfang an, dass tip me gerade in globalen Lieferketten besonders viel Wirkung entfalten kann, weil Einkommen und Lebenshaltungskosten dort deutlich niedriger sind und selbst kleine Betr\u00e4ge einen gro\u00dfen Unterschied machen. Gleichzeitig gilt: Wertsch\u00e4tzung und Trinkgeld h\u00f6ren nicht an Landesgrenzen auf. Es ist f\u00fcr alle Menschen sch\u00f6n, unabh\u00e4ngig davon, wo sie arbeiten und wie viel sie verdienen.<\/p>\n\n\n\n
Wir sind \u00fcberzeugt, dass Menschen besonders dann gerne Gutes tun, wenn es einfach, direkt und sichtbar ist. Globale Lieferketten sind oft abstrakt und schwer greifbar. Wenn wir die Menschen sichtbar machen, die ein Produkt hergestellt haben, entsteht eine direkte Verbindung von Mensch zu Mensch. Das baut Br\u00fccken und schafft eine Beziehung.<\/p>\n\n\n\n
Kund freuen sich dar\u00fcber, Transparenz zu erhalten und zu erfahren, wer ihr Produkt hergestellt hat. Wer sind die Menschen dahinter? Bis zu 40 % der Nutzer geben im Onlineshop ein Trinkgeld, der durchschnittliche Betrag liegt aktuell bei 4,10 \u20ac. In vielen L\u00e4ndern entspricht das bereits einem Tageslohn.<\/p>\n\n\n\n
Der Betrag variiert selbstverst\u00e4ndlich je nach wirtschaftlicher Lage \u2013 doch genau darin liegt die St\u00e4rke des Trinkgelds: Jede Person kann selbst entscheiden, welcher Betrag sich gerade richtig anf\u00fchlt. Jeder Beitrag, so klein er auch ist, macht einen Unterschied.<\/p>\n\n\n\n
Umfragen zeigen zudem, dass Kund Produkte mehr wertsch\u00e4tzen, wenn sie wissen, wer sie hergestellt hat.<\/p>\n\n\n\n
Unternehmen k\u00f6nnen ihre Kund durch Transparenz und greifbare Wirkung inspirieren, statt ausschlie\u00dflich auf Reporting zu setzen. Zudem haben wir R\u00fcckmeldungen aus Fabriken erhalten, dass die Motivation der Arbeiter*innen steigt, was zu geringerer Fluktuation und h\u00f6herer Produktqualit\u00e4t f\u00fchrt. Auch die Beziehung zwischen Unternehmen und Lieferanten kann durch tip me gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n\n\n\n
Eine aktuelle Studie zeigt au\u00dferdem, dass Produkte von Kund, die Trinkgeld geben, etwa halb so oft zur\u00fcckgeschickt werden und sich mehr Produkte verkaufen lassen.<\/p>\n\n\n\n
Eine Marke hat uns einmal gesagt, dass man f\u00fcr diese Idee unglaublich resilient und hartn\u00e4ckig sein muss \u2013 und das sind wir.<\/p>\n\n\n\n
Eine gro\u00dfe Herausforderung ist es, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten neue Unternehmenspartner zu gewinnen, die ihre Nachhaltigkeitsbudgets nicht gek\u00fcrzt oder gestrichen haben und die die Relevanz des Themas erkennen und bereit sind, Ressourcen und Zeit zu investieren. In den letzten Jahren haben wir leider vier zufriedene Partnerschaften durch Insolvenzen oder drohende Insolvenzen verloren.<\/p>\n\n\n\n
Weitere Herausforderungen liegen in internationalen Zahlungsstrukturen, insbesondere in bestimmten L\u00e4ndern, sowie in F\u00e4llen, in denen Arbeiter*innen in l\u00e4ndlichen Regionen weder lesen noch schreiben k\u00f6nnen oder keinen Zugang zu Bankkonten haben. In solchen Situationen finden wir dennoch L\u00f6sungen, um das globale Trinkgeld m\u00f6glich zu machen.<\/p>\n\n\n\n
Vertrauen ist absolut zentral. Deshalb sind wir 2023 auch gemeinn\u00fctzig geworden. Gleichzeitig wurde uns von Marken gespiegelt, dass mehr Transparenz auch unbequem sein kann, da durch das Trinkgeld direkte Verbindungen zu Arbeiter*innen entstehen.<\/p>\n\n\n\n
Arbeiter*innen k\u00f6nnen sich bei uns melden, wenn es in Fabriken oder Produktionsst\u00e4tten Probleme gibt. Dadurch entsteht ein zus\u00e4tzlicher Beschwerdekanal entlang der Lieferkette.<\/p>\n\n\n\n
Viele Fast-Fashion-Unternehmen bevorzugen diese Form von Transparenz nicht, da sie auf m\u00f6glichst niedrige Produktionskosten ausgelegt sind. Offen sind wir aber f\u00fcr alle Unternehmen, die einen Unterschied in ihren Lieferketten machen wollen.<\/p>\n\n\n\n
Die Teilnahme hat uns sehr viel Spa\u00df gemacht. Das Team war sehr professionell und jederzeit ansprechbar. Es waren tolle Start-ups dabei, und Quintus Studios hat die Produktion hervorragend umgesetzt. Insgesamt ist eine sehr gelungene Show entstanden.<\/p>\n\n\n\n
Im Bereich nachhaltiger Start-ups geht es einerseits um das Team und die Idee selbst, andererseits aber auch um Reichweite. Nur wenn gute Ideen sichtbar werden, k\u00f6nnen sie sich langfristig im Markt etablieren und wachsen.<\/p>\n\n\n\n
Unsere Erwartung war es, mehr Menschen mit der Idee von tip me zu erreichen, neue Partnerschaften zu gewinnen und dadurch mehr Wertsch\u00e4tzung und Einkommen in globale Lieferketten zu bringen.<\/p>\n\n\n\n
Wir haben viele Nachrichten und positive R\u00fcckmeldungen zur Show erhalten. Au\u00dferdem sind wir bislang das einzige Startup, das sich sogar drei Deals sichern konnte. Die Gespr\u00e4che zur konkreten Ausgestaltung der Partnerschaften laufen bereits: F\u00fcr Staiy gibt es erste konkrete Ideen, Just Leo hat ein Briefing erhalten und wird dar\u00fcber berichten, und mit Hamel sprechen wir in dieser Woche.<\/p>\n\n\n\n
Wir befinden uns aktuell noch mitten im Publikumsvoting und sind entsprechend stark mit Kommunikation und Reichweite besch\u00e4ftigt \u2013 es hei\u00dft also weiterhin: viel teilen und verbreiten.<\/p>\n\n\n\n
Zum einen sind wir als Organisation gemeinn\u00fctzig und gleichzeitig im Verantwortungseigentum strukturiert. Das bedeutet, dass wir nicht verkauft werden k\u00f6nnen und dauerhaft unserer Mission verpflichtet bleiben.<\/p>\n\n\n\n
Zum anderen gibt es bislang keine vergleichbare Organisation, die das Konzept eines globalen Trinkgelds konsequent entlang der Lieferkette umsetzt und so Menschen am Anfang der Produktion direkt ein zus\u00e4tzliches Einkommen erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n
Gleichzeitig gilt: Wir stehen nicht allein. Viele gro\u00dfartige Impact-Startups leisten wichtige Arbeit \u2013 und gemeinsam tragen wir zu einem Wandel bei.<\/p>\n\n\n\n
Auf jeden Fall.<\/p>\n\n\n\n
Nicht aufgeben.<\/p>\n\n\n\n
Die richtigen Menschen um sich herum haben.<\/p>\n\n\n\n
Flexibel bleiben.<\/p>\n\n\n\n
Bildcredits: Quintus Studios GmbH \/ Michael Laver, Edit by Clemens Barth<\/p>\n\n\n\n
Wir bedanken uns bei Helen Deacon<\/a> f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n