{"id":125449,"date":"2026-07-02T10:37:57","date_gmt":"2026-07-02T08:37:57","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=125449"},"modified":"2026-07-02T10:37:58","modified_gmt":"2026-07-02T08:37:58","slug":"personal-branding-sichtbarkeit-authentizitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/personal-branding-sichtbarkeit-authentizitaet\/","title":{"rendered":"Sichtbarkeit beginnt mit Authentizit\u00e4t: Dr. Karina Audrey Jeker \u00fcber Personal Branding und ihr Buch Ganz einfach du"},"content":{"rendered":"\n

Im Gespr\u00e4ch mit Dr. Karina Audrey Jeker \u00fcber erfolgreiches Personal Branding und ihr neues Buch Ganz einfach du<\/h2>\n\n\n\n

Mehr als 20 Jahre waren Sie als Dozentin f\u00fcr Marketing und Unternehmensf\u00fchrung an renommierten Schweizer Hochschulen t\u00e4tig, bevor Sie 2014 ein Beratungsunternehmen gr\u00fcndeten. Warum haben Sie Ihre wissenschaftliche Laufbahn gegen die Selbstst\u00e4ndigkeit eingetauscht?<\/h3>\n\n\n\n

Ich bin von der Pers\u00f6nlichkeit her eine Pionierin und Macherin. Ich mag es, Dinge zu entwickeln und von Grund auf neu zu denken. Das kann man in der Wissenschaft zwar auch, aber vieles bleibt theoretisch. Erst als Unternehmerin merkst du, ob das, was du \u00fcber Marketing und Unternehmensf\u00fchrung wei\u00dft, auch wirklich funktioniert. Und ich kann Ihnen sagen: Nicht alles hat funktioniert, es gab schwierige Momente. Aber die eigene Academy zu f\u00fchren und ein Netzwerk mit inspirierenden Frauen aufzubauen, das hat alles wettgemacht.<\/p>\n\n\n\n

Worum geht es beim Thema Personal Branding? Muss man heutzutage zur Marke werden, um erfolgreich zu sein?<\/h3>\n\n\n\n

Sie k\u00f6nnen es nennen, wie Sie wollen: zur Marke werden oder ganz einfach zum eigenen Kern finden. Mir geht es darum, das eigene authentische Selbst zu finden und sich nicht nur \u00fcber seine St\u00e4rken zu definieren. Das greift zu kurz. In einer Welt, in der k\u00fcnstliche Intelligenz Inhalte erzeugt, ist das Vertrauen in Menschen und ihre F\u00e4higkeiten wichtiger denn je. Genau darum geht es beim Personal Branding: eigene Klarheit f\u00fcr mehr Klarheit im Au\u00dfen. Die Art und Weise, wie wir wahrgenommen werden, entscheidet \u00fcber unseren Einfluss, unsere Glaubw\u00fcrdigkeit und beruflichen Chancen.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr Ihr Brand.YOU-Framework haben Sie sich an starken Produktmarken orientiert und die systematische Vorgehensweise f\u00fcr Menschen adaptiert. Wie funktioniert das?<\/h3>\n\n\n\n

Ich war an der Hochschule und in der Unternehmensberatung unter anderem lange f\u00fcr das Thema strategische Markenf\u00fchrung zust\u00e4ndig. Es gibt viele Gemeinsamkeiten, wenn wir uns anschauen, wie starke Marken aufgebaut sind und warum diese Marken f\u00fcr uns Konsumenten einen hohen Wert haben. Einiges davon k\u00f6nnen wir \u00fcbernehmen, wenn es um unsere pers\u00f6nliche Marke geht, allen voran das systematische Vorgehen beim Markenaufbau. Nichts wird dem Zufall \u00fcberlassen. Zuerst wird die Markenidentit\u00e4t gekl\u00e4rt, anschlie\u00dfend die Positionierung entwickelt. Viele beginnen direkt mit der Positionierung. Das halte ich f\u00fcr wenig erfolgversprechend. Starke Marken bauen ihre Identit\u00e4t auf klaren Werten auf und sprechen die Emotionen ihrer Zielgruppe an. Genau das gilt auch f\u00fcr Pers\u00f6nlichkeitsmarken.<\/p>\n\n\n\n

Wer im Marketing zuhause ist, kennt den Managementprozess der identit\u00e4tsorientierten Markenf\u00fchrung, der unter anderem von Hans-Rudolf Esch entwickelt wurde. Ich habe diesen Prozess \u00fcber die Jahre adaptiert, sodass er leicht verst\u00e4ndlich und f\u00fcr Pers\u00f6nlichkeitsmarken praktisch umsetzbar ist. Daraus ist mein Personal-Branding-Framework entstanden.<\/p>\n\n\n\n

Warum haben Sie ein Buch zum Thema geschrieben? Wer sollte Ihr Buch lesen?<\/h3>\n\n\n\n

Ich habe gesehen, wie viele Menschen sich mit diesem Thema schwertun und es oft missverstehen. Viele glauben sogar, es sei verwerflich, sich selbst als Marke zu sehen. Andere denken, Personal Branding bedeute, m\u00f6glichst laut oder angeberisch aufzutreten. Mit diesen Vorurteilen wollte ich aufr\u00e4umen und insbesondere f\u00e4higen Menschen ein Werkzeug an die Hand geben, mit dem sie ihre Leistungen sichtbar machen und ihre Position im Unternehmen st\u00e4rken k\u00f6nnen. Ich m\u00f6chte Menschen unterst\u00fctzen, die Wertvolles in die Welt tragen und mehr Sichtbarkeit gewinnen m\u00f6chten, ohne sich verstellen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Mit Ihren Female Business Seminars haben Sie bereits \u00fcber 2.000 Frauen zu mehr Sichtbarkeit und Relevanz im Business verholfen. Richtet sich Ihr Buch haupts\u00e4chlich an Frauen?<\/h3>\n\n\n\n

Ich w\u00fcrde sagen haupts\u00e4chlich ja, aber nicht ausschlie\u00dflich. Die Schritte zu einer authentischen Pers\u00f6nlichkeitsmarke gelten f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner gleicherma\u00dfen. Ein Kapitel zur Positionierung im unternehmerischen Kontext richtet sich allerdings besonders an Frauen, weil sie ihre Rolle oft zu wenig sichtbar machen und eine andere Beziehung zu F\u00fchrung und Macht haben. Auch M\u00e4nner in F\u00fchrungspositionen k\u00f6nnen daraus wertvolle Erkenntnisse gewinnen, wenn sie weibliche Talente f\u00f6rdern m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n

Begegnen Frauen anderen Herausforderungen beim Personal Branding als M\u00e4nner? Spielen auch andere Faktoren wie das Alter eine Rolle?<\/h3>\n\n\n\n

Eigentlich nicht, denn die grundlegenden Herausforderungen sind f\u00fcr alle \u00e4hnlich. Es geht darum, \u00fcber den eigenen Schatten zu springen, sich ehrlich mit sich selbst auseinanderzusetzen, \u00fcber die eigenen St\u00e4rken zu sprechen und gro\u00df zu denken. Unterschiede entstehen vor allem durch unsere Pr\u00e4gung. M\u00e4dchen lernen h\u00e4ufig, sich zur\u00fcckzunehmen und die Bed\u00fcrfnisse anderer in den Vordergrund zu stellen. Dadurch f\u00e4llt es vielen Frauen schwerer, ihre Erfolge sichtbar zu machen oder selbstbewusst \u00fcber Karriereziele zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n

Welche drei konkreten Tipps geben Sie allen, die zur Love Brand f\u00fcr andere werden m\u00f6chten?<\/h3>\n\n\n\n

Mein Buch soll Lust auf einen Roadtrip zu sich selbst machen. Kl\u00e4ren Sie grundlegende Fragen wie: Wer bin ich? Was m\u00f6chte ich erreichen? Welche Themen sollen mit meiner Person verbunden werden? Setzen Sie sich intensiv mit Ihren Werten auseinander und haben Sie den Mut, f\u00fcr diese einzustehen. Zeigen Sie Ihrem Umfeld, wer Sie wirklich sind, und \u00fcberzeugen Sie Menschen mit Kompetenz sowie einer echten emotionalen Botschaft.<\/p>\n\n\n\n

Was haben Sie selbst auf Ihrem Weg \u00fcber Sichtbarkeit und Positionierung gelernt?<\/h3>\n\n\n\n

Personal Branding ist kein Sch\u00f6nwetter-Szenario. Es geht um Echtheit und gelebte \u00dcberzeugungen. Ich musste lernen, mir selbst zu vertrauen und auch einmal Nein zu sagen. Sichtbarkeit entsteht nicht \u00fcber Nacht. Positionierung bedeutet, bewusst f\u00fcr bestimmte Themen zu stehen. Gerade f\u00fcr Menschen mit vielen Interessen ist das oft eine Herausforderung.<\/p>\n\n\n\n

Warum f\u00e4llt es vielen Menschen so schwer, ihre Leistungen sichtbar zu machen?<\/h3>\n\n\n\n

Das hat viel mit unserem Kulturkreis zu tun. Ich habe einige Jahre in den USA gelebt, wo der Umgang mit diesem Thema ganz anders ist. Wir werden zu Bescheidenheit erzogen und haben oft Angst vor Ablehnung oder Neid. Gerade Frauen f\u00fchlen sich in ihrer Unsichtbarkeit h\u00e4ufig sicherer. Hinzu kommt, dass wir unsere eigenen F\u00e4higkeiten oft untersch\u00e4tzen und vergessen, dar\u00fcber zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n

Wie verhindert man, dass der Wunsch nach Sichtbarkeit in Selbstoptimierungsdruck umschl\u00e4gt?<\/h3>\n\n\n\n

Ein gesundes Leben, klare Abgrenzung und Nachsicht mit dem eigenen Perfektionismus sind wichtige Voraussetzungen. Sichtbarkeit ist zwar auch Flei\u00dfarbeit, aber sie sollte immer auf Echtheit beruhen. Wer sich selbst kennt und wei\u00df, wof\u00fcr er steht, ger\u00e4t deutlich seltener in einen ungesunden Vergleich mit anderen.<\/p>\n\n\n\n

Gibt es Situationen, in denen Personal Branding kontraproduktiv sein kann?<\/h3>\n\n\n\n

Ja. Personal Branding ist kein Allheilmittel. Wer beginnt, eine Rolle zu spielen und seine Authentizit\u00e4t verliert, riskiert seine Glaubw\u00fcrdigkeit. Auch in Teams kann eine sehr starke Personenmarke Spannungen erzeugen. Kritisch wird es au\u00dferdem, wenn Menschen ihre Selbstbest\u00e4tigung ausschlie\u00dflich aus Likes, Kommentaren und Reichweite beziehen.<\/p>\n\n\n\n

Wird Authentizit\u00e4t in der digitalen Welt wichtiger oder schwieriger?<\/h3>\n\n\n\n

Sie wird definitiv wichtiger. Je digitaler unsere Welt wird, desto bedeutender werden Echtheit, Vertrauen und zwischenmenschliche Beziehungen. Authentizit\u00e4t bedeutet nicht, alles von sich preiszugeben. Es geht vielmehr darum, klar zu zeigen, wof\u00fcr man steht. In einer Welt voller KI-generierter Inhalte, \u00dcbertreibungen und leerer Versprechen schafft Authentizit\u00e4t Orientierung und Verl\u00e4sslichkeit.<\/p>\n\n\n\n

Welche Rolle spielt Personal Branding im Talent Management?<\/h3>\n\n\n\n

Personal Branding wird im Talent Management der Zukunft eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen. Gute Leistung allein reicht in vielen Unternehmen nicht mehr aus, um wahrgenommen zu werden. Wer seine St\u00e4rken, Erfahrungen und Erfolge angemessen kommunizieren kann, hat bessere Chancen auf F\u00fchrungsaufgaben, strategische Projekte und Bef\u00f6rderungen. Deshalb lege ich insbesondere Frauen diese Kompetenz sehr ans Herz.<\/p>\n\n\n\n

Bild: Dr. Karina Audrey Jeker<\/a> Bildcredits: Frederike Asael<\/p>\n\n\n\n

Quelle Sch\u00e4fer I Agentur f\u00fcr Presse & \u00d6ffentlichkeit<\/p>\n\n\n\n