{"id":125717,"date":"2026-07-22T12:10:00","date_gmt":"2026-07-22T10:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=125717"},"modified":"2026-07-22T12:04:38","modified_gmt":"2026-07-22T10:04:38","slug":"peak-quantum-europa-quantencomputing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/peak-quantum-europa-quantencomputing\/","title":{"rendered":"Quantencomputing aus Europa: Wie Peak Quantum die Schl\u00fcsseltechnologie der Zukunft skaliert"},"content":{"rendered":"\n
Alexander Schult:<\/strong> Peak Quantum entwickelt die n\u00e4chste Generation von Quantencomputer-Prozessoren. Unser Ziel ist es, Quantencomputing wirtschaftlich skalierbar zu machen und damit eine zentrale Recheninfrastruktur der Zukunft aufzubauen. Peak Quantum ist ein 2024 gegr\u00fcndetes M\u00fcnchner Deep-Tech-Startup<\/a> und Spin-off der TU M\u00fcnchen sowie des Walther-Mei\u00dfner-Instituts. Wir entwickeln supraleitende Quantencomputing-Prozessoren, bei denen Fehlerschutz direkt in die Hardware-Architektur der Qubits integriert wird. Mit diesem Ansatz werden Quantencomputer k\u00fcnftig leistungsf\u00e4higer, kompakter und kosteneffizienter. Peak Quantum ist Partner des Munich Quantum Valley und am Aufbau der europ\u00e4ischen Quantenchip-Pilotlinie SUPREME im Rahmen des EU Chips Act beteiligt. Damit leisten wir einen konkreten Beitrag zum Aufbau europ\u00e4ischer Quanteninfrastruktur. Als Mitgr\u00fcnder und CFO verantworte ich die Bereiche Finance, Administration, HR, Legal und Investor Relations und gestalte die strategische Finanzierung sowie den organisatorischen Aufbau des Unternehmens.<\/p>\n\n\n\n Alexander Schult:<\/strong> Wir haben unsere Investoren nach drei Kriterien ausgew\u00e4hlt: Kapital, Netzwerk und operative Erfahrung. Wir glauben, dass Europa im Quantencomputing die Chance hat, technologische Souver\u00e4nit\u00e4t aufzubauen. Daf\u00fcr braucht es Investoren, die diese langfristige Perspektive teilen und bereit sind, den Aufbau eines europ\u00e4ischen Technologief\u00fchrers zu unterst\u00fctzen. Genau diese Passung finden wir aktuell vor allem im europ\u00e4ischen Investorenumfeld. Bei einer strategischen Technologie wie Quantencomputing, die stark mit \u00f6ffentlicher F\u00f6rderung, Infrastruktur und langfristigen industriepolitischen Zielen verbunden ist, ist diese Interessen\u00fcbereinstimmung essentiell.<\/p>\n\n\n\n Alexander Schult:<\/strong> Europa verf\u00fcgt \u00fcber exzellente Universit\u00e4ten, Institute und Talente. Deshalb liegt es aus meiner Sicht nicht an der Forschung. Die Herausforderung liegt vor allem in der Geschwindigkeit der Kommerzialisierung. Technologietransfer dauert h\u00e4ufig zu lange, Kapitalbeschaffung ist aufw\u00e4ndig und die Skalierung \u00fcber viele nationale M\u00e4rkte hinweg ist komplex. Hinzu kommen oft langwierige Entscheidungsprozesse \u2013 sowohl auf politischer als auch administrativer Ebene. Auch der kulturelle Faktor spielt eine Rolle: In Europa wird Scheitern noch immer h\u00e4ufiger als Makel statt als Lernerfahrung betrachtet. Das ver\u00e4ndert sich zwar zunehmend, insbesondere in der Startup-Szene, aber hier k\u00f6nnen wir noch von anderen Innovations\u00f6kosystemen lernen. Wer Technologief\u00fchrung aufbauen will, muss nicht nur gute Ideen hervorbringen, sondern diese schneller in Produkte, Unternehmen und M\u00e4rkte \u00fcbersetzen. Am Ende entscheidet die Umsetzung.<\/p>\n\n\n\n Alexander Schult:<\/strong> In der Fr\u00fchphase hat sich Europa deutlich verbessert. Es gibt heute mehr Seed-Fonds, mehr erfahrene Business Angels und bessere F\u00f6rderinstrumente als noch vor zehn Jahren. Aber bei Risikobereitschaft und Investitionsgeschwindigkeit besteht weiterhin Aufholbedarf. Die eigentliche Finanzierungsl\u00fccke entsteht in der Wachstumsphase. Wenn Unternehmen 50, 100 oder mehr Millionen Euro ben\u00f6tigen, um Forschung in industrielle Produkte und Produktionskapazit\u00e4ten zu \u00fcberf\u00fchren, wird das Angebot an europ\u00e4ischem Wachstumskapital deutlich d\u00fcnner. Genau in dieser Phase entscheiden sich h\u00e4ufig Eigentumsstruktur, Standort und langfristige Wertsch\u00f6pfung eines Unternehmens. Gerade kapitalintensive Deep-Tech-Unternehmen sp\u00fcren diese L\u00fccke besonders stark.<\/p>\n\n\n\n Alexander Schult:<\/strong> Vereinfacht gesagt: In der Fr\u00fchphase wird auf technologische Durchbr\u00fcche gewettet, in der Skalierungsphase auf deren erfolgreiche Industrialisierung. In Europa funktioniert die Finanzierung dieser fr\u00fchen Technologiephase heute deutlich besser als noch vor zehn Jahren. In den sp\u00e4teren Skalierungsphasen wird das Angebot an gro\u00dfen Finanzierungsrunden jedoch deutlich d\u00fcnner als beispielsweise in den USA. Insbesondere bei kapitalintensiven Deep-Tech-Unternehmen steigen die Kapitalbedarfe schnell und damit auch die Anforderungen der Investoren. Themen wie Governance, Board-Strukturen, Internationalisierung und Exit-Perspektiven r\u00fccken st\u00e4rker in den Vordergrund. Das ist grunds\u00e4tzlich sinnvoll. Wichtig ist jedoch, dass die langfristigen Ziele von Investoren und Unternehmen weiterhin zusammenpassen. Denn Finanzierungsrunden beeinflussen nicht nur die Kapitalausstattung eines Unternehmens, sondern auch dessen Eigentumsstruktur, strategische Kontrolle und langfristige Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n Alexander Schult:<\/strong> US-Kapital ist grunds\u00e4tzlich nichts Negatives. Viele der weltweit erfahrensten Technologieinvestoren sitzen in den USA. Gleichzeitig bringt jeder Investor eigene Priorit\u00e4ten und Erwartungen mit. Durch zunehmende Kapitalintensit\u00e4t k\u00f6nnen Fragen nach Standort, Expansion, Lieferketten oder strategischer Ausrichtung an Bedeutung gewinnen. Gerade bei Schl\u00fcsseltechnologien sollten Gr\u00fcnder deshalb darauf achten, dass Kapitalgeber nicht nur finanzielle, sondern auch strategische Partner sind.<\/p>\n\n\n\n Alexander Schult:<\/strong> Kapital und Governance sind eng miteinander verbunden. Ein Boardsitz bedeutet Einfluss auf zentrale strategische Entscheidungen. Deshalb sollten Gr\u00fcnder nicht nur \u00fcber Bewertung und Kapitalh\u00f6he sprechen, sondern auch dar\u00fcber, wie Entscheidungsrechte verteilt werden und welche langfristigen Ziele die Beteiligten verfolgen. Der Austausch mit erfahrenen Gr\u00fcndern und eine fr\u00fchzeitige rechtliche Begleitung k\u00f6nnen hier viel Lehrgeld ersparen. Gerade bei Deep-Tech-Unternehmen k\u00f6nnen Governance-Entscheidungen langfristige Auswirkungen auf Standortwahl, Partnerschaften, F\u00f6rderf\u00e4higkeit und strategische Ausrichtung haben.<\/p>\n\n\n\n Alexander Schult:<\/strong> Quantencomputing hat das Potenzial, eine Schl\u00fcsseltechnologie des 21. Jahrhunderts zu werden \u2013 mit Auswirkungen auf Sicherheit, Verteidigung, Industrie, Forschung und Energie. Gleichzeitig wird es ein wichtiger Bestandteil der zuk\u00fcnftigen digitalen Infrastruktur sein. Die Wertsch\u00f6pfung im Quantencomputing beruht ma\u00dfgeblich auf hochkomplexer Hardware, Fertigungskapazit\u00e4ten und spezialisierten Lieferketten. Wer diese F\u00e4higkeiten nicht selbst aufbaut, wird langfristig von anderen abh\u00e4ngig. \u00c4hnliche Diskussionen f\u00fchren wir heute bereits bei Halbleitern, Cloud-Infrastruktur und KI. Europa sollte deshalb nicht nur Nutzer dieser Technologie sein, sondern zu denjenigen geh\u00f6ren, die sie entwickeln, produzieren und kontrollieren. Das st\u00e4rkt die technologische Souver\u00e4nit\u00e4t und schafft gleichzeitig Wertsch\u00f6pfung, hochqualifizierte Arbeitspl\u00e4tze und industrielle Wettbewerbsf\u00e4higkeit in Europa.<\/p>\n\n\n\n Alexander Schult:<\/strong> Europa investiert erhebliche \u00f6ffentliche Mittel in Forschung und Ausbildung. Wenn Unternehmen sp\u00e4ter abwandern oder wesentliche Entscheidungen au\u00dferhalb Europas getroffen werden, profitieren die europ\u00e4ischen Volkswirtschaften nur begrenzt von diesen Investitionen. Wertsch\u00f6pfung, Arbeitspl\u00e4tze und strategische Kompetenzen sollten m\u00f6glichst dort entstehen und wachsen, wo auch die Grundlagen geschaffen wurden. Zudem bedeutet der Verlust von Kontrolle h\u00e4ufig neue Abh\u00e4ngigkeiten. Die Folgen haben wir in den vergangenen Jahren mehrfach gesehen, etwa bei Halbleitern, kritischen Rohstoffen oder KI-Infrastruktur. Bei Peak Quantum wollen wir diesen Kreislauf im Bereich des Quantencomputings durchbrechen \u2013 mit Technologie, die in Europa entsteht, und einer Eigent\u00fcmerstruktur, die langfristig zu dieser Vision passt.<\/p>\n\n\n\n Alexander Schult:<\/strong> Europa hat kein Kapitalproblem. Europa hat ein Investitionsproblem. Es ist schwer zu erkl\u00e4ren, warum europ\u00e4ische Ersparnisse h\u00e4ufig in amerikanische Technologieunternehmen investiert werden, w\u00e4hrend europ\u00e4ische Technologieunternehmen Kapital im Ausland suchen m\u00fcssen. Wir brauchen mehr Anreize f\u00fcr langfristige Investitionen in Innovation, weniger regulatorische H\u00fcrden und eine st\u00e4rkere Beteiligung von Pensionskassen, Versicherungen, Family Offices und Industrieunternehmen an Zukunftstechnologien. Dabei sollte die Diskussion nicht auf Venture Capital verengt werden. Deep-Tech-Unternehmen ben\u00f6tigen unterschiedliche Formen von Kapital entlang ihres Wachstumsweges. Entscheidend ist, dass mehr europ\u00e4ische Kapitalgeber den Mut finden, in europ\u00e4ische Technologie zu investieren.<\/p>\n\n\n\n Alexander Schult:<\/strong> Indem Europa fr\u00fchzeitig entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette investiert \u2013 von Forschung \u00fcber Fertigung bis hin zur kommerziellen Anwendung. Technologische Souver\u00e4nit\u00e4t entsteht erst dann, wenn Forschung, Produktion und Marktpr\u00e4senz zusammenkommen. An Erkenntnissen mangelt es dabei nicht. Programme wie der EU Chips Act, das Tech Sovereignty Package oder die deutsche High-Tech-Agenda setzen wichtige Impulse. Entscheidend ist jedoch die Umsetzung. F\u00f6rderprogramme m\u00fcssen sich an den Entwicklungszyklen der Industrie orientieren und Innovation beschleunigen, statt sie durch langwierige Prozesse auszubremsen. Gleichzeitig muss Europa seine St\u00e4rken besser nutzen: exzellente Universit\u00e4ten, starke Industrie, hochqualifizierte Talente und ein gro\u00dfer gemeinsamer Wirtschaftsraum. Wettbewerb ist wichtig, aber nicht jede Initiative muss mehrfach aufgebaut werden. In strategischen Technologien werden wir nur dann international wettbewerbsf\u00e4hig bleiben, wenn wir Ressourcen gezielt b\u00fcndeln, europ\u00e4ische Kooperationen st\u00e4rken und den europ\u00e4ischen Binnenmarkt st\u00e4rker als gemeinsamen Innovationsraum denken.<\/p>\n\n\n\n Alexander Schult:<\/strong> Erstens: Investoren genauso sorgf\u00e4ltig ausw\u00e4hlen wie Mitarbeiter oder Mitgr\u00fcnder. Kapital ist langfristig, deshalb m\u00fcssen die strategischen Ziele zusammenpassen. Zweitens: Governance-Themen fr\u00fch adressieren. Board-Strukturen, Entscheidungsrechte und Vetorechte wirken oft abstrakt, werden aber sp\u00e4ter sehr relevant. Drittens: \u00d6ffentliche F\u00f6rdermittel intelligent nutzen. Sie k\u00f6nnen Wachstum beschleunigen und Verw\u00e4sserung reduzieren. Gleichzeitig sollte jedes Unternehmen ein tragf\u00e4higes Gesch\u00e4ftsmodell entwickeln, das mittel- bis langfristig auch ohne F\u00f6rdermittel funktioniert.<\/p>\n\n\n\n Bildcredits Peak Quantum<\/p>\n\n\n\n Wir bedanken uns bei Alexander Schult<\/a> f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n Peak Quantum GmbH<\/strong> https:\/\/peakquantum.de\/<\/a>Warum hat sich Peak Quantum bewusst f\u00fcr europ\u00e4ische Investoren entschieden?<\/h3>\n\n\n\n
Europa bringt viel Spitzenforschung hervor. Warum gelingt es dennoch oft nicht, daraus dauerhaft europ\u00e4ische Technologief\u00fchrer aufzubauen?<\/h3>\n\n\n\n
Wo sehen Sie aktuell die gr\u00f6\u00dfte Finanzierungsl\u00fccke f\u00fcr europ\u00e4ische Deep Tech Startups?<\/h3>\n\n\n\n
Was unterscheidet die Fr\u00fchphasenfinanzierung in Europa von der Finanzierung sp\u00e4terer Skalierungsphasen?<\/h3>\n\n\n\n
Welche strategischen Folgen kann es haben, wenn europ\u00e4ische Startups bei gro\u00dfen Finanzierungsrunden stark auf US Kapital angewiesen sind?<\/h3>\n\n\n\n
Sie sprechen davon, dass mit Kapital oft mehr kommt als nur Geld. Welche Rolle spielen Boardsitze, Standortfragen und strategische Kontrolle?<\/h3>\n\n\n\n
<\/figure>\n\n\n\nWarum ist gerade Quantencomputing ein Bereich, in dem technologische Souver\u00e4nit\u00e4t f\u00fcr Europa besonders wichtig ist?<\/h3>\n\n\n\n
Was bedeutet es konkret, wenn Forschung und Technologie in Europa entstehen, die Kontrolle dar\u00fcber aber sp\u00e4ter ins Ausland wandert?<\/h3>\n\n\n\n
Welche strukturellen Ver\u00e4nderungen braucht es, damit institutionelles Kapital st\u00e4rker in europ\u00e4ische Deep Tech Fonds flie\u00dft?<\/h3>\n\n\n\n
Wie kann Europa verhindern, dass sich Entwicklungen aus der Halbleiterindustrie oder KI-Infrastruktur im Quantencomputing wiederholen?<\/h3>\n\n\n\n
Welche drei Ratschl\u00e4ge w\u00fcrden Sie Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcndern im Deep Tech Bereich geben, die Kapital aufnehmen und zugleich strategische Unabh\u00e4ngigkeit bewahren wollen?<\/h3>\n\n\n\n
\n\n\n\nPremium Start-up: Peak Quantum<\/h2>\n\n\n\n
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