{"id":125976,"date":"2026-07-28T06:57:49","date_gmt":"2026-07-28T04:57:49","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=125976"},"modified":"2026-07-28T06:57:50","modified_gmt":"2026-07-28T04:57:50","slug":"cyreen-retail-media-handel-messbarkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/cyreen-retail-media-handel-messbarkeit\/","title":{"rendered":"Cyreen: Frankfurter Scaleup macht In-Store Retail Media messbar"},"content":{"rendered":"\n

Das Frankfurter Scaleup Cyreen<\/strong> bringt datengetriebene Pr\u00e4zision in den station\u00e4ren Handel<\/strong> und setzt mit seiner C.A.P.-Technologie neue Ma\u00dfst\u00e4be im Bereich In-Store Retail Media<\/strong>.<\/h2>\n\n\n\n

K\u00f6nnen Sie Cyreen kurz vorstellen und erz\u00e4hlen, wie die Idee zur Gr\u00fcndung des Unternehmens entstanden ist?<\/h3>\n\n\n\n

Cyreen ist ein Frankfurter Scaleup, das In-Store Retail Media messbar macht. Wir haben Cyreen im M\u00e4rz 2017 gegr\u00fcndet, damals noch w\u00e4hrend unseres Masterstudiums an der Rotterdam School of Management. Zusammen mit Herbert Boos, der die urspr\u00fcngliche Idee mitgebracht hat, haben Benedict Boos, Davide Scheidegger und ich, Ciril Hofmann, das Unternehmen aufgebaut. In der Anfangszeit sind wir w\u00f6chentlich von Rotterdam nach Frankfurt gefahren, um erste Gespr\u00e4che mit Handelspartnern oder Vermarktern zu f\u00fchren. Die Grundidee war von Anfang an dieselbe wie heute. Online-Werbung ist l\u00e4ngst datengetrieben und messbar, im station\u00e4ren Handel fehlte diese Pr\u00e4zision komplett. Genau diese L\u00fccke wollten wir schlie\u00dfen und Werbetreibenden erstmals die Daten und Insights zur Verf\u00fcgung stellen, mit denen sie ihre Kampagnen fundiert auswerten und gezielt optimieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Wer steht hinter Cyreen, und welche Erfahrungen haben die Entwicklung Ihrer C.A.P.-Technologie gepr\u00e4gt?<\/h3>\n\n\n\n

Cyreen wird von Benedict Boos, Davide Scheidegger und mir als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung geleitet. Die technologische Entwicklung verantwortet Werner Schubert und das Handelswissen flie\u00dft durch Kirsten Kiel ein. Erg\u00e4nzt wird das Team durch ein Advisory Board mit Experten aus Handel, Media, KI und Wissenschaft.<\/p>\n\n\n\n

Gepr\u00e4gt wurde die Entwicklung von C.A.P. vor allem durch die enge Zusammenarbeit mit Handel, Marken und Marketingprofessoren \u00fcber mehrere Jahre hinweg. Mehr als sechs Jahre Forschungsarbeit, 237 realisierte Kampagnen und rund 30 Millionen ausgewertete Customer Journeys steckten in dieser Technologie, bis wir sie in den Rollout gebracht haben.<\/p>\n\n\n\n

Eine zentrale Erkenntnis aus den ersten Implementierungen war, dass eine zu starre L\u00f6sung den unterschiedlichen technischen Voraussetzungen im Handel nicht gerecht wird. Zu Beginn konnten wir ausschlie\u00dflich unsere eigenen Screens mit der Technologie steuern. Gemeinsam mit unseren Handelspartnern haben wir C.A.P. deshalb schrittweise zu einer offenen und agnostischen L\u00f6sung entwickelt. Heute lassen sich beliebige Screens anbinden, auch bereits verbaute Systeme. Zudem k\u00f6nnen individuelle CMS und unterschiedliche Tracking-L\u00f6sungen integriert werden. Auch das Reporting hat sich grundlegend ver\u00e4ndert: Was mit manuell erstellten PowerPoint-Reports begann, steht den Kunden heute als interaktives Dashboard zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n

Welche Vision verfolgen Sie mit Cyreen, und wie m\u00f6chten Sie In-Store Retail Media langfristig ver\u00e4ndern?<\/h3>\n\n\n\n

Unsere Vision ist es, In-Store Retail als transparente, messbare und datengetriebene Mediengattung zu etablieren. Langfristig wollen wir einen neuen Standard setzen, der Industrie und Handel eine fundierte Steuerung und Optimierung ihrer Ma\u00dfnahmen erm\u00f6glicht. Daf\u00fcr m\u00f6chten wir im station\u00e4ren Handel Technologien und Datenstr\u00f6me intelligent vernetzen. So kann Werbung relevanter ausgespielt werden und Shopper genau dort inspirieren, wo Kaufentscheidungen entstehen.<\/p>\n\n\n\n

An welche Zielgruppen richtet sich Cyreen haupts\u00e4chlich, und welche Herausforderungen l\u00f6sen Sie f\u00fcr Handel und Marken?<\/h3>\n\n\n\n

Wir richten uns an zwei Zielgruppen gleichzeitig, den station\u00e4ren Handel und die Markenhersteller, die dort werben. F\u00fcr den Handel schaffen wir eine neue Einnahmequelle \u00fcber Retail Media und mehr Transparenz \u00fcber das Verhalten auf der eigenen Fl\u00e4che. F\u00fcr Marken l\u00f6sen wir das Problem, dass In-Store-Kampagnen bisher kaum belastbar erfasst und bewertet werden konnten. Mit C.A.P. k\u00f6nnen sie erstmals nachweisen, welche Kampagne welchen Umsatz tats\u00e4chlich ausl\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n

Mit Ihrer C.A.P.-Technologie machen Sie In-Store-Werbung messbar. Was macht diesen Ansatz aus Ihrer Sicht besonders?<\/h3>\n\n\n\n

C.A.P. steht f\u00fcr Connecting Ad Impressions with Purchase. Das Besondere ist die direkte Verkn\u00fcpfung von Werbekontakt und tats\u00e4chlichem Kauf, und zwar auf Ebene einzelner Customer Journeys. \u00dcber intelligente Screens und ein RFID-gest\u00fctztes System erfassen wir, mit welcher Werbung ein Shopper in Kontakt gekommen ist, und gleichen das mit dem sp\u00e4teren Einkauf ab. Damit erreichen wir eine Pr\u00e4zision, die es im station\u00e4ren Handel bisher nicht gab, um inkrementelle Werbeeffekte messbar zu machen und wirkungstreibende Faktoren zu identifizieren.<\/p>\n\n\n\n

Warum ist die Verkn\u00fcpfung von Werbekontakten mit anonymisierten Kassenbondaten ein wichtiger Schritt f\u00fcr den station\u00e4ren Handel?<\/h3>\n\n\n\n

Weil sie zum ersten Mal einen echten Wirkungsnachweis liefert. Bisher konnte niemand genau sagen, ob eine In-Store-Kampagne tats\u00e4chlich zu mehr Verk\u00e4ufen gef\u00fchrt hat. Durch die anonymisierte Verkn\u00fcpfung mit Kassenbondaten k\u00f6nnen wir Shopper mit und ohne Werbekontakt innerhalb desselben Marktes, zur selben Zeit, vergleichen. Dadurch entf\u00e4llt die Notwendigkeit externer Kontrollm\u00e4rkte und die Ergebnisse werden deutlich belastbarer.<\/p>\n\n\n\n

Der Wirkungsnachweis wird von Werbetreibenden zunehmend auch gefordert, beispielsweise positioniert sich die OWM klar zu diesem Punkt. Zu Retail Media geh\u00f6ren Daten und diese m\u00fcssen aktiv genutzt werden, um maximale Mehrwerte f\u00fcr Werbekunden, H\u00e4ndler und die Shopper zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen, wenn Sie die Messbarkeit von Onlinewerbung auf den Point of Sale \u00fcbertragen?<\/h3>\n\n\n\n

Im Onlinebereich gibt es etablierte Mechanismen wie Cookies oder Pixel, die es offline schlicht nicht gibt. Wir mussten also eine eigene Hardware- und Datenerfassungsinfrastruktur aufbauen, von RFID-Chips an Einkaufswagen bis zu den Screens selbst. Das kommt mit gewissen Initialinvestitionen. Gleichzeitig gelten im physischen Raum besonders hohe Datenschutzanforderungen, da die Datenerfassung von Kunden dort weniger unmittelbar erkennbar ist. Und nicht zuletzt muss sich unsere L\u00f6sung nahtlos in sehr unterschiedliche IT-Systeme der H\u00e4ndler integrieren lassen.<\/p>\n\n\n\n

Wie wichtig sind Datenschutz und Transparenz bei der Entwicklung Ihrer datengetriebenen Retail-Media-L\u00f6sung?<\/h3>\n\n\n\n

Datenschutz ist f\u00fcr uns kein nachtr\u00e4gliches Add-on, sondern von Beginn an Teil der Technologie. Unser Tracking-System ist vollst\u00e4ndig DSGVO-konform und arbeitet ausschlie\u00dflich mit anonymisierten Daten. Wir erzeugen First-Party-Daten f\u00fcr den Handel, ohne dabei die Privatsph\u00e4re einzelner Kunden zu ber\u00fchren. Gerade weil Datenschutz im station\u00e4ren Handel oft kritisch diskutiert wird, ist Transparenz f\u00fcr uns ein zentrales Vertrauenselement gegen\u00fcber Handel, Marken und Konsumenten.<\/p>\n\n\n\n

Welche n\u00e4chsten Entwicklungsschritte und Innovationen stehen bei Cyreen aktuell im Fokus?<\/h3>\n\n\n\n

Wir arbeiten gemeinsam mit Handelspartnern an konkreten Connected-Store-Konzepten, um die Verkaufsfl\u00e4che insgesamt vernetzter und messbarer zu machen. Dazu z\u00e4hlen Integrationen von intelligenten Einkaufswagen, Handscannern oder Loyalty-Daten. Zudem nutzen wir zunehmend einen Mix an Tracking-Technologien. Von DSGVO-konformen Kameras \u00fcber Sensoren bis zur etablierten RFID-Technologie, mit der Stand heute \u00fcber 100.000 Einkaufswagen allein in Deutschland intelligent gemacht wurden.<\/p>\n\n\n\n

Sie sind Teil des GS1 Germany Accelerators butterfly & elephant. Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem Programm, und wie unterst\u00fctzt es die Weiterentwicklung von Cyreen?<\/h3>\n\n\n\n

Mit butterfly & elephant verbinden wir vor allem den Zugang zu den GS1-Standards und zum breiten Netzwerk aus Handel und Industrie. Das Programm unterst\u00fctzt uns dabei, unsere Technologie noch st\u00e4rker auf einer standardisierten Basis wie der GTIN aufzubauen, damit unsere L\u00f6sung f\u00fcr den gesamten Markt funktioniert und nicht nur f\u00fcr einzelne Partner. Gleichzeitig gibt uns die Beteiligung Glaubw\u00fcrdigkeit gegen\u00fcber gr\u00f6\u00dferen Handelsunternehmen. Als neutraler Player ist GS1 f\u00fcr uns hervorragend zwischen Handel und Industrie positioniert.<\/p>\n\n\n\n

Welche Impulse oder Kontakte konnten Sie durch butterfly & elephant bereits gewinnen, und welchen Einfluss haben diese auf Ihr Unternehmen?<\/h3>\n\n\n\n

Wir werden fortlaufend unterst\u00fctzt. Von Pressearbeit \u00fcber gezielte Kontakte bis zu Veranstaltungen wie den EHI tech days, dem Tag der Markenwirtschaft oder dem ECR Tag beziehungsweise ECR iN MOTiON, bei denen wir dabei sein d\u00fcrfen. Das Team von butterfly & elephant ist sehr engagiert, hat stets ein offenes Ohr und unterst\u00fctzt \u00fcberall, wo wir Bedarf haben.<\/p>\n\n\n\n

Welche drei Ratschl\u00e4ge w\u00fcrden Sie anderen Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcndern geben, die mit einer technologischen Innovation eine etablierte Branche ver\u00e4ndern m\u00f6chten?<\/h3>\n\n\n\n

Erstens, lerne den Markt so schnell wie m\u00f6glich wirklich kennen. Wer sind die relevanten Player, welche Interessen verfolgen sie, wie sind sie untereinander vernetzt und wie denken sie? Geh auf m\u00f6glichst viele Branchenevents und sprich dort offen mit Leuten \u2013 das bringt oft mehr als jede Recherche am Schreibtisch.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens, such dir Experten, die den Markt seit Jahren kennen. Sie geben dir nicht nur Wissen, sondern auch Kredibilit\u00e4t, wenn du bei etablierten Playern an die T\u00fcr klopfst.<\/p>\n\n\n\n

Drittens, erwarte im Handelsumfeld keine schnellen Entwicklungen. Der Markt bewegt sich langsam, Entscheidungswege sind lang. Man muss fortlaufend dranbleiben und Geduld mitbringen, um wirklich einen Fu\u00df in die T\u00fcr zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n

Bild: Davide Scheidegger, Ciril Hofmann und Benedict Boos Bildcredits Cyreen<\/p>\n\n\n\n

Wir bedanken uns bei Ciril Hofmann<\/a> f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder<\/p>\n\n\n\n