{"id":126274,"date":"2026-08-14T10:44:02","date_gmt":"2026-08-14T08:44:02","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=126274"},"modified":"2026-08-14T10:44:03","modified_gmt":"2026-08-14T08:44:03","slug":"mirai-cafe-anime-community-stuttgart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/mirai-cafe-anime-community-stuttgart\/","title":{"rendered":"MirAI &cafe: Wie Dohyun Hong Stuttgarts ersten Anime-Treffpunkt aufbaut"},"content":{"rendered":"\n
MirAI &cafe soll ein Caf\u00e9 in Stuttgart werden, in dem es gleichzeitig originale Anime-Figuren, Merchandise und Ichiban Kuji gibt. Vorne sitzt man bei einem Kaffee, hinten stehen die Regale.<\/p>\n\n\n\n
Die Idee kommt aus einem sehr konkreten Problem. Wer eine Figur vorbestellt, wartet oft wochenlang auf den Erscheinungstag. Und wenn man sie dann endlich in der Hand h\u00e4lt, will man sie jemandem zeigen. Nur gibt es daf\u00fcr keinen Ort. Man packt zu Hause aus, macht ein Foto und postet es. Das ist nicht dasselbe.<\/p>\n\n\n\n
Deshalb m\u00f6chte ich beides an einem Ort haben: etwas zu trinken, etwas zu entdecken und jemanden, der versteht, warum man sich freut.<\/p>\n\n\n\n
Ich hei\u00dfe Dohyun Hong und bin selbst Sammler. Das ist der Ausgangspunkt f\u00fcr alles andere.<\/p>\n\n\n\n
In Korea hatte ich sechs Jahre lang mein eigenes Unternehmen im Merchandise-Bereich und habe das lizenzierte Toei-Animation-Caf\u00e9 MAHODANG aufgebaut und betrieben. Dort habe ich gelernt, wie Beschaffung funktioniert und wie Sammler wirklich ticken.<\/p>\n\n\n\n
In Deutschland habe ich in der Gastronomie noch einmal von vorne angefangen und mich bis zum K\u00fcchenchef hochgearbeitet. Diese Jahre haben mich gepr\u00e4gt. Ich verstehe inzwischen, wie eine deutsche K\u00fcche organisiert ist, was Hygienevorschriften im Alltag bedeuten und warum am Ende die Kalkulation \u00fcber Erfolg oder Misserfolg entscheidet.<\/p>\n\n\n\n
Beides zusammen ergibt MirAI &cafe. Ohne die Zeit in Korea h\u00e4tte ich keinen Zugang zur Ware und kein Gef\u00fchl f\u00fcr die Community. Ohne die Jahre in deutschen K\u00fcchen w\u00fcrde ich den gastronomischen Teil untersch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n
Ehrlich gesagt hing ich danach noch eine ganze Weile an dem, was weg war. Das Caf\u00e9 war kein Betrieb, den man einfach abhakt, sondern mehrere Jahre meines Lebens. Ich habe lange dar\u00fcber nachgedacht, was ich h\u00e4tte anders machen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n
In Deutschland musste ich dann beruflich ganz unten wieder anfangen, beim Abwasch in der K\u00fcche. Der Kontrast war hart. Aber genau dort hat sich etwas ver\u00e4ndert. Wenn man jeden Tag Neues lernt und sich Schritt f\u00fcr Schritt nach oben arbeitet, bleibt irgendwann keine Energie mehr f\u00fcr die Frage, was man verloren hat. Man fragt sich stattdessen, was als N\u00e4chstes kommt.<\/p>\n\n\n\n
Das war der eigentliche Wendepunkt. Kein bestimmter Tag, sondern die Erkenntnis, dass ich nach vorne schauen muss statt zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n
Ich gr\u00fcnde heute nicht, um mein altes Caf\u00e9 zur\u00fcckzuholen. Ich versuche es noch einmal, weil ich glaube, dass ich manches inzwischen besser einsch\u00e4tzen kann als damals.<\/p>\n\n\n\n
Vor allem den Umgang mit Neuerscheinungen. In Korea ist ein Release ein Ereignis. Es gibt ein Datum, alle wissen davon, und am Tag selbst passiert im Laden tats\u00e4chlich etwas. Diese Dynamik w\u00fcnsche ich mir auch hier.<\/p>\n\n\n\n
Dazu kommt der Zugang zu echter Originalware. Ich wei\u00df, bei welchen Lieferanten ich einkaufe und woran man gef\u00e4lschte Figuren erkennt. Bei mir soll nur lizenzierte Ware im Regal stehen, damit sich niemand fragen muss, ob das Sammelst\u00fcck echt ist.<\/p>\n\n\n\n
Was ich nicht \u00fcbernehmen m\u00f6chte, ist das Tempo. In Korea l\u00e4uft vieles sehr schnell und sehr laut. Mir selbst gef\u00e4llt es ruhiger, und ich m\u00f6chte einen Laden, in dem man in Ruhe schauen kann, ohne dass jemand hinter einem steht.<\/p>\n\n\n\n
Stuttgart hat eine gro\u00dfe Szene, aber kaum Orte daf\u00fcr. Conventions gibt es ein- oder zweimal im Jahr, Online-Shops liefern Kartons. Dazwischen ist nichts.<\/p>\n\n\n\n
Meine Vision ist deshalb ziemlich unspektakul\u00e4r: ein Laden mit festen \u00d6ffnungszeiten, zu dem man an einem normalen Mittwochnachmittag einfach hingehen kann. Kein Event, keine Anmeldung. Man kommt vorbei, trinkt etwas, schaut, was Neues da ist, und trifft vielleicht jemanden.<\/p>\n\n\n\n
Genau das fehlt mir hier selbst. Und weil es das nicht gibt, versuche ich es aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n
Indem der Kaffee gut ist und niemand etwas erkl\u00e4ren muss.<\/p>\n\n\n\n
Wer nur einen Cappuccino trinken will, soll einen guten Cappuccino bekommen. Es gibt keine Schwelle, keinen Test und kein Insiderwissen, das man mitbringen m\u00fcsste. Der Verkaufsbereich liegt bewusst hinten und ist durch eine Wand abgetrennt. Man sieht ihn, man muss aber nicht hin.<\/p>\n\n\n\n
Meine Erfahrung ist ohnehin, dass die Neugier von allein kommt. Wenn am Nachbartisch jemand ein Kuji zieht und sich freut, fragen die Leute nach. Das funktioniert besser als jede Erkl\u00e4rung von mir.<\/p>\n\n\n\n
Weil schlechter Kaffee alles kaputt macht.<\/p>\n\n\n\n
Ein Themen-Caf\u00e9, in dem das Getr\u00e4nk nur Nebensache ist, funktioniert genau einmal. Die Leute kommen aus Neugier, trinken etwas Mittelm\u00e4\u00dfiges und kommen nicht wieder. Am Ende h\u00e4ngt der ganze Laden am Warenverkauf, und das ist mir zu wackelig.<\/p>\n\n\n\n
Ich komme aus der K\u00fcche, deshalb ist das f\u00fcr mich auch eine Frage des eigenen Anspruchs. Jemand soll bei uns einen Kaffee trinken k\u00f6nnen, ohne die Regale \u00fcberhaupt zu beachten, und trotzdem zufrieden nach Hause gehen. Wenn das klappt, funktioniert der Rest hoffentlich auch.<\/p>\n\n\n\n
Man kann bleiben.<\/p>\n\n\n\n
In einem normalen Shop kauft man und geht. Online kommt ein Paket. Ein Pop-up ist nach drei Wochen wieder weg, und niemand kann darauf etwas aufbauen.<\/p>\n\n\n\n
Bei uns soll man sich hinsetzen k\u00f6nnen. Genau darin liegt f\u00fcr mich der Unterschied. Menschen kommen nicht nur wegen einer Figur, sondern weil sie irgendwo dazugeh\u00f6ren wollen. Ein Ort mit Tischen, festen \u00d6ffnungszeiten und einem bekannten Gesicht hinter der Theke leistet etwas anderes als ein Onlineshop mit gr\u00f6\u00dferem Sortiment.<\/p>\n\n\n\n
Eine gro\u00dfe. Ich frage lieber vorher nach, statt hinterher zu raten.<\/p>\n\n\n\n
Bei Startnext k\u00f6nnen Unterst\u00fctzerinnen und Unterst\u00fctzer zum Beispiel mit abstimmen, welche Getr\u00e4nke auf die erste Karte kommen. Solche Antworten sind f\u00fcr mich wertvoller als jede Marktanalyse, weil dahinter echte Menschen mit echten Vorlieben stehen.<\/p>\n\n\n\n
Au\u00dferdem spreche ich schon jetzt mit lokalen Gruppen, mit Cosplayerinnen und Cosplayern und mit anderen Leuten aus der Szene. Wer von Anfang an dabei ist, kommt sp\u00e4ter vielleicht auch wieder. Das ist mir deutlich lieber, als am Er\u00f6ffnungstag vor einem leeren Laden zu stehen.<\/p>\n\n\n\n
Zum einen brauche ich das Geld f\u00fcr Einrichtung, Caf\u00e9technik und den ersten Warenbestand. Zum anderen ist es der ehrlichste Test, den ich mir vorstellen kann. Wenn niemand unterst\u00fctzt, will Stuttgart diesen Ort vielleicht nicht.<\/p>\n\n\n\n
Die Erfahrung bisher ist anstrengender als gedacht. Man muss st\u00e4ndig erkl\u00e4ren, immer wieder dieselben Fragen beantworten und aushalten, dass Reaktionen manchmal ausbleiben. Daf\u00fcr sind die R\u00fcckmeldungen sehr direkt und meistens hilfreich.<\/p>\n\n\n\n
Ein Punkt ist mir wichtig: Das Crowdfunding deckt nicht die kompletten Gr\u00fcndungskosten. Es ist ein Baustein neben Eigenmitteln und einer geplanten Bankfinanzierung. So steht es auch auf der Projektseite.<\/p>\n\n\n\n
Drei Bereiche gleichzeitig sauber zu betreiben, ist die eigentliche Schwierigkeit. Jeder hat eigene Regeln, eigene Genehmigungen und eigene Fehlerquellen.<\/p>\n\n\n\n
Am meisten besch\u00e4ftigt mich der Warenbestand. Figuren sind teuer, und falsch eingekaufte Ware steht im Regal und bindet Geld. Deshalb fange ich lieber kleiner an und erweitere erst, wenn ich wei\u00df, was tats\u00e4chlich gefragt ist.<\/p>\n\n\n\n
Dazu kommt der Standort. In Stuttgart eine bezahlbare Fl\u00e4che zu finden, die auch gastronomisch nutzbar ist, ist nicht einfach. Und Veranstaltungen kosten Zeit, die im laufenden Betrieb erst einmal da sein muss.<\/p>\n\n\n\n
Ehrlich gesagt f\u00fchle ich mich nicht in der Position, Ratschl\u00e4ge zu geben. Ich stehe selbst wieder ganz am Anfang und wei\u00df noch nicht, ob es diesmal funktioniert. Ich kann nur sagen, was ich f\u00fcr mich gemerkt habe.<\/p>\n\n\n\n
Das Erste ist, dass es eine Weile dauern darf. Bei mir hat es lange gebraucht, bis ich aufh\u00f6ren konnte, im R\u00fcckblick zu leben. R\u00fcckblickend h\u00e4tte ich mir gew\u00fcnscht, dass mir jemand sagt, dass diese Phase normal ist.<\/p>\n\n\n\n
Das Zweite ist, dass die Zeit dazwischen nicht verloren ist. Ich habe die Jahre in deutschen K\u00fcchen lange als Umweg empfunden. Heute merke ich, dass ich ohne sie dieselben Fehler wieder machen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n
Und das Dritte: Man muss die Schlie\u00dfung nicht verstecken. Ich habe lange vermieden, dar\u00fcber zu sprechen, weil es sich wie ein Makel angef\u00fchlt hat. F\u00fcr das Crowdfunding musste ich die Geschichte dann aufschreiben, mit allem, was schiefgegangen ist. Es hat mich niemand daf\u00fcr abgeschrieben. Im Gegenteil, seitdem sind die Gespr\u00e4che ehrlicher geworden.<\/p>\n\n\n\n
Bildrechte: Dohyun Hong \/ privat<\/p>\n\n\n\n
Wir bedanken uns bei\u00a0Dohyun Hong\u00a0f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n