{"id":126305,"date":"2026-08-18T09:25:06","date_gmt":"2026-08-18T07:25:06","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=126305"},"modified":"2026-08-18T09:25:07","modified_gmt":"2026-08-18T07:25:07","slug":"name-marken-markenrecherche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/name-marken-markenrecherche\/","title":{"rendered":"Was knapp drei Millionen Marken \u00fcber Startup-Namen verraten"},"content":{"rendered":"\n
Ein Unternehmen zu gr\u00fcnden bedeutet, fr\u00fch sehr viele Entscheidungen gleichzeitig zu treffen. Produkt entwickeln, erste Kunden gewinnen, eine Landingpage bauen, Social-Media-Kan\u00e4le sichern und SEO-Sichtbarkeit aufbauen. Vieles davon l\u00e4sst sich sp\u00e4ter noch ver\u00e4ndern oder optimieren. Eine Entscheidung zieht sich dagegen von Anfang an durch fast alles: der Name.<\/p>\n\n\n\n
Wie soll das Unternehmen oder das Produkt hei\u00dfen? Die Frage klingt zun\u00e4chst einfach, zumindest bis man sich intensiv damit besch\u00e4ftigt. Denn euer Name soll nicht nur kurz sein, sondern gleicherma\u00dfen pr\u00e4gnant und modern wirken und am besten sofort vermitteln, was ihr macht. Die passende Domain w\u00e4re ebenfalls sch\u00f6n. Am Ende steht dann die alles entscheidende Frage: Sollte ich mir den Namen sch\u00fctzen lassen?<\/p>\n\n\n\n
Diese Frage l\u00e4sst sich nicht pauschal beantworten, denn daraus kann schnell ein eigener, mitunter monatelanger Prozess entstehen. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise der Gang zum Markenanwalt, die Beschreibung der relevanten Nizza-Klassen und schlie\u00dflich die Markenanmeldung selbst, etwa beim Deutschen Patent- und Markenamt oder beim EUIPO (Amt der Europ\u00e4ischen Union f\u00fcr geistiges Eigentum).<\/p>\n\n\n\n
Ich selbst bin diesen Weg des \u00d6fteren gegangen, und er kann durchaus frustrierend sein. Denn neben der Frage, ob eine Marke grunds\u00e4tzlich eintragungsf\u00e4hig ist, entscheidet nicht nur die eigentliche Anmeldung. Relevant ist auch, wie \u00e4hnlich eine neue Marke bereits bestehenden Marken klingt, wie sie wirkt und ob sich die dahinterliegenden Waren oder Dienstleistungen inhaltlich \u00fcberschneiden.<\/p>\n\n\n\n
Ganz unabh\u00e4ngig davon, ob ihr euch am Ende f\u00fcr oder gegen eine Markenanmeldung entscheidet: Eine gr\u00fcndliche Recherche zu bereits bestehenden Marken ist unerl\u00e4sslich. Nicht nur, weil im schlimmsten Fall Abmahnungen, Unterlassungsanspr\u00fcche oder ein sp\u00e4terer Namenswechsel drohen k\u00f6nnen. Sondern auch, weil ihr sehr wahrscheinlich schon fr\u00fch Zeit, Geld und Arbeit in die Sichtbarkeit eurer Marke investiert habt. Domain, Website, SEO, Social Media und erste Marketingma\u00dfnahmen bauen auf diesem Namen auf. Je sp\u00e4ter ihr feststellt, dass es problematische \u00dcberschneidungen gibt, desto teurer und aufwendiger wird es, diesen Fehler zu korrigieren.<\/p>\n\n\n\n
Viele Gr\u00fcnder neigen bei der Namenswahl \u00f6fter zu \u00e4hnlichen Mustern. Ganz konkret habe ich knapp drei Millionen europ\u00e4ische Markennamen<\/strong> ausgewertet. Dabei zeigt sich, dass Namensbestandteile wie \u201eTech\u201c (ca. 21.000-mal) oder \u201eeco\u201c und \u201esmart\u201c (jeweils ca. 13.000-mal) sowie Endungen wie \u201eio\u201c, \u201ely\u201c oder \u201efy\u201c tausendfach auftauchen. Das ist kein Zufall. Bei der Namenssuche greifen viele Gr\u00fcnder zu Begriffen, die modern klingen, vertraut wirken und m\u00f6glichst schnell erkl\u00e4ren, was das Unternehmen macht.<\/p>\n\n\n\n Je st\u00e4rker sich ein Name an bekannten Begriffen und aktuellen Trends orientiert, desto gr\u00f6\u00dfer ist die Wahrscheinlichkeit, dass viele andere auf eine \u00e4hnliche Idee gekommen sind. Ein guter Name muss deshalb nicht m\u00f6glichst viel erkl\u00e4ren. Er sollte vor allem genug Eigenst\u00e4ndigkeit besitzen, um nicht zwischen Hunderten \u00e4hnlich klingenden Marken unterzugehen.<\/p>\n\n\n\n Die Ver\u00f6ffentlichung von ChatGPT im November 2022 l\u00e4utete nicht nur eine neue \u00c4ra der Effizienzsteigerung und eine bis dahin beispiellose Verbreitung generativer KI ein. Sie wurde zugleich zum Startschuss f\u00fcr eine neue KI-Gr\u00fcndungswelle, die innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Branchen erfasste.<\/p>\n\n\n\n Das zeigt sich nicht nur an der zunehmenden Anzahl registrierter Firmen in Deutschland, sondern auch an der Anzahl der Anmeldungen beim EUIPO. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 wurden knapp 200.000 Marken angemeldet, 2019 waren es noch rund 160.000, ein Zuwachs von nahezu 23 Prozent.<\/p>\n\n\n\n Der KI-Gr\u00fcndungshype zeigt sich aber nicht nur an den reinen Zahlen der Anmeldungen. Auch die Namen selbst zeigen ein deutliches Muster. Rund zwei Drittel aller datierten EU-Markennamen mit \u201eAI\u201c oder \u201eGPT\u201c wurden erst nach 2022 registriert, obwohl das Register Jahrzehnte zur\u00fcckreicht. Bis Ende 2022 waren es nicht einmal 800, seit 2023 kamen bereits 1.470 hinzu, also fast doppelt so viele wie in der gesamten Zeit davor.<\/p>\n\n\n\n Und ganz nebenbei gewann auch das nahezu unbekannte britische \u00dcberseegebiet Anguilla augenscheinlich an Attraktivit\u00e4t bei vielen Gr\u00fcndern. Der Grund d\u00fcrfte allerdings weniger an den Str\u00e4nden liegen, sondern vielmehr an der L\u00e4nder-Domain \u201e.ai\u201c, unter der viele der neuen KI-Unternehmen ihre Webseiten registrieren.<\/p>\n\n\n\n Auch wenn es immer schwieriger wird, einen kurzen und selbsterkl\u00e4renden Namen zu finden, solltet ihr euch davon nicht abschrecken lassen, auch wenn fast t\u00e4glich neue Marken registriert und auch passende Domains knapper werden. Ein guter Markenname muss nicht alles sofort erkl\u00e4ren und schon gar nicht \u201eperfekt\u201c sein. Viel wichtiger ist, dass er zu euch passt, im Kopf bleibt, bei euren Kunden funktioniert und nicht durch andere bereits besetzt ist.<\/p>\n\n\n\n Fragt deshalb ruhig Kunden, Freunde oder Bekannte, was sie empfinden, wenn sie den Namen zum ersten Mal h\u00f6ren. Was kommt ihnen als Erstes in den Sinn? Woran erinnert sie der Name? Und k\u00f6nnen sie ihn sich nach kurzer Zeit noch merken?<\/p>\n\n\n\n Am Ende z\u00e4hlt immer das, was ihr daraus macht.<\/p>\n\n\n\n Bildcredits Jennifer Wickert<\/p>\n\n\n\n Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\nDer KI-Boom bringt seinen eigenen Trend mit sich<\/h3>\n\n\n\n
Euer Markenname wird nie \u201eperfekt\u201c sein<\/h3>\n\n\n\n