{"id":126476,"date":"2026-08-21T09:09:41","date_gmt":"2026-08-21T07:09:41","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=126476"},"modified":"2026-08-21T10:05:26","modified_gmt":"2026-08-21T08:05:26","slug":"spark-e-fuels-klimaneutrales-kerosin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/spark-e-fuels-klimaneutrales-kerosin\/","title":{"rendered":"Spark e-Fuels: Wie flexibles e-Kerosin klimaneutrales Fliegen erm\u00f6glicht"},"content":{"rendered":"\n
Wir entwickeln ein Verfahren, mit dem sich aus gr\u00fcnem Wasserstoff und CO2 klimaneutrales Kerosin herstellen l\u00e4sst. Im Grunde ist es synthetisches \u00d6l, das dort zum Einsatz kommt, wo heute noch fossile Rohstoffe genutzt werden. Die Idee dazu ist nicht in einer einzelnen Doktorarbeit entstanden, sondern aus drei ganz unterschiedlichen beruflichen Stationen, die zuf\u00e4llig zusammenkamen: ich hatte an der TU-Berlin und am MIT Konzepte f\u00fcr e-Fuels erforscht, Julia hatte in der Industrie chemische Prozesse und Anlagen entwickelt und Mathias kannte aus der Strategieberatung die wirtschaftliche Seite der Energiewende. Als wir das Thema zum ersten Mal gemeinsam besprochen hatten, merkten wir schnell, dass wir uns alle f\u00fcr die L\u00f6sung dieses Problems begeisterten und wollten es direkt gemeinsam angehen.<\/p>\n\n\n\n
Wir hatten spannende Positionen in der Spitzenforschung, gro\u00dfen Unternehmen und Startups und haben promoviert. Der Hauptgrund, warum wir uns entschieden haben zu gr\u00fcnden, war, dass wir nicht einfach bequem unsere Jobs weitermachen wollten, sondern die industrielle Transformation, die uns wichtig ist, auch selbst vorantreiben, und zwar nicht nur konzeptionell, sondern auch ganz praktisch. Wir wollen neue L\u00f6sungen gestalten, statt nur \u00fcber sie zu diskutieren und nachzudenken. Zudem ist es einfach sehr spannend, neue chemische Verfahren zu entwickeln und ein Unternehmen von Beginn an aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n
Unsere Vision ist, e-Fuels zum Standard zu machen und damit einen echten Beitrag zur Klimaneutralit\u00e4t der Industrie zu leisten. F\u00fcr die Luftfahrt beispielsweise gibt es keine echte Alternative: Batterien sind f\u00fcr l\u00e4ngere Strecken zu schwer, Wasserstoff scheitert an der Energiedichte des Systems. Ohne nachhaltige Treibstoffe wird klimaneutrales Fliegen also schlicht nicht m\u00f6glich sein. Und die Dimension des Problems ist enorm: F\u00fcr 2050 wird ein Bedarf von rund circa 400 Millionen Tonnen gr\u00fcnem Kerosin erwartet, doch produziert wird heute weltweit gerade mal ein Bruchteil davon. Genau diese L\u00fccke wollen wir schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n
Wir richten uns in erster Linie an Projektentwickler und k\u00fcnftige Betreiber von SAF-Anlagen, f\u00fcr die wir die Kerntechnologie liefern und mit denen wir die Anlagen gemeinsam realisieren. Perspektivisch sehen wir aber auch gro\u00dfes Potenzial in der breiteren Chemieindustrie, die vor einer sehr \u00e4hnlichen Herausforderung steht. Diese liegt tief in der Natur chemischer Gro\u00dfanlagen: Sie wurden \u00fcber Jahrzehnte auf gleichbleibende Bedingungen ausgelegt und vertragen nur geringe Schwankungen in der Energiezufuhr. Erneuerbare Energien sind sehr g\u00fcnstig, liefern aber genau das nicht: Wind und Sonne schwanken naturgem\u00e4\u00df. Genau an diesem Punkt setzen wir an.<\/p>\n\n\n\n
Vereinfacht kehren wir den Verbrennungsprozess um: Wir nutzen erneuerbare Energien, um aus energiearmen Molek\u00fclen energiereiche, also Roh\u00f6l zu machen. Verbrennt man \u00d6l, passiert genau das Gegenteil und die Energie wird frei. Bei uns wird aus \u00d6kostrom per Elektrolyse gr\u00fcner Wasserstoff gewonnen. CO2, das sonst nur Emission w\u00e4re, wandeln wir in reaktionsf\u00e4higes Kohlenmonoxid um und f\u00fchren es anschlie\u00dfend mit Wasserstoff \u00fcber die Fischer-Tropsch-Synthese zu fl\u00fcssigem Kraftstoff zusammen. Der entscheidende Unterschied zu bestehenden Verfahren: Unser Prozess funktioniert auch dann zuverl\u00e4ssig, wenn die Stromzufuhr saisonal stark schwankt. Genau das brauchen wir, um direkt an Wind- und Solarparks produzieren zu k\u00f6nnen, statt auf konstante Netzeinspeisung angewiesen zu sein.<\/p>\n\n\n\n
Der Kern unseres Ansatzes basiert auf einer disruptiven CO2-Umwandlungstechnologie. Gekoppelt mit einer flexiblen Fischer-Tropsch-Synthese erreichen wir ein komplett flexibles e-Fuels System. Herk\u00f6mmliche CO2-Umwandlungsverfahren laufen bei sehr hohen Temperaturen, erreichen nur eine mittlere Ausbeute und produzieren dabei unerw\u00fcnschte Nebenprodukte. Unser Verfahren kommt mit deutlich niedrigeren Temperaturen aus und erzielt im Labor bereits eine Ausbeute von weit \u00fcber 95 Prozent, praktisch ohne Nebenprodukte. Das erm\u00f6glicht uns, Anlagen direkt an der Stromquelle zu bauen, das teure Netz zu umgehen und deutlich weniger Speicherkapazit\u00e4t vorhalten zu m\u00fcssen. In Summe kommen wir dadurch auf eine sp\u00fcrbare Kostenreduktion gegen\u00fcber konventionellen Verfahren.<\/p>\n\n\n\n
Saisonale Speicher f\u00fcr Wasserstoff und Strom machen bei vielen aktuellen e-Fuel-Projekten einen erheblichen Teil der Gesamtinvestition aus, oft \u00e4hnlich viel wie die eigentliche Chemieanlage. Weil unser Verfahren mit schwankender Energiezufuhr umgehen kann, reduzieren wir diesen Bedarf deutlich. Das senkt die Investitionskosten und macht uns unabh\u00e4ngig von einem bestehenden Wasserstoffnetz, weil wir den vor Ort erzeugten Wasserstoff direkt in Roh\u00f6l und Kraftstoff umwandeln k\u00f6nnen. Das erm\u00f6glicht uns Standorte \u00fcberall dort, wo g\u00fcnstiger erneuerbarer Strom verf\u00fcgbar ist \u2013 von S\u00fcdeuropa bis in Regionen mit viel Windkraft hierzulande.<\/p>\n\n\n\n
Der gr\u00f6\u00dfte Einschnitt kam Ende 2023, als eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Klimatransformationsfond, also zur Verwendung \u00f6ffentlicher F\u00f6rdermittel, eine lange vorbereitete und bereits in Aussicht gestellte Finanzierung f\u00fcr uns kurzfristig hinf\u00e4llig machte. Das kam zu einem Zeitpunkt, an dem wir im Labor sehr gute Fortschritte gemacht haben. Das war ein echter R\u00fcckschlag, der uns finanziell und mental gefordert hat. Wir haben in dieser Phase eng zusammengehalten und weitergemacht, weil wir \u00fcberzeugt waren, dass die Technologie tr\u00e4gt. Auf der technischen Seite liegt die gr\u00f6\u00dfere Herausforderung in der Skalierung: Vom Quarzglas-Aufbau im Labor zu Edelstahlreaktoren im Technikumsma\u00dfstab \u00e4ndern sich Str\u00f6mungsverhalten, Druckbedingungen und Materialanforderungen \u2013 da erwarten wir Effekte, die sich erst in dieser Gr\u00f6\u00dfe wirklich zeigen.<\/p>\n\n\n\n
Mit den Mitteln aus der Pre-Seed-Runde haben wir unsere Pilotanlage in Berlin gebaut und haben diese Anfang des Jahres in Inbetriebnahme genommen. Im Labor hatten wir die grunds\u00e4tzliche Machbarkeit gezeigt. In der Pilotanlage geht es jetzt darum, zu belegen, dass das Verfahren auch im gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfstab und unter realen Lastwechseln zuverl\u00e4ssig funktioniert. Wir konnten damit bereits erfolgreich den Sprung unserer Technologie vom Labor- in den Pilotma\u00dfstab zeigen. Die gewonnenen Erkenntnisse aus dieser Phase flie\u00dfen direkt in die Auslegung der n\u00e4chsten, deutlich gr\u00f6\u00dferen Anlage ein.<\/p>\n\n\n\n
Nach der Pilotanlage folgt der Aufbau einer Demonstrationsanlage im Hundert-Tonnen-Ma\u00dfstab, f\u00fcr die wir bereits Partner und einen Standort haben und nun eine weitere Finanzierungsrunde ben\u00f6tigen. Der \u00fcbern\u00e4chste gro\u00dfe Schritt ist der Bau einer ersten kommerziellen Anlage im Tausendtonnen-Ma\u00dfstab gegen Ende des Jahrzehnts. F\u00fcr die Entwicklung einer solchen Anlage ist Spark bereits im Austausch mit Projektentwicklern in mehreren L\u00e4ndern, unter anderem in S\u00fcd- und Nord-Europa.<\/p>\n\n\n\n
Langfristig wollen wir unsere Technologie weltweit an SAF-Projekte liefern, \u00fcberall dort, wo g\u00fcnstige erneuerbare Energie verf\u00fcgbar ist. Der globale Bedarf an neuen SAF-Anlagen bis 2050 ist enorm und jede Anlage, die auf unserer Technologie basiert, ersetzt importiertes fossiles Kerosin durch einen nachhaltigen Kraftstoff, der lokal aus Sonne, Wind und CO\u2082 entsteht. F\u00fcr uns geht es dabei nicht nur um Klimaschutz, sondern auch darum zu zeigen, dass Europa Zukunftstechnologien selbst entwickeln und skalieren kann, statt sie nur einzukaufen.<\/p>\n\n\n\n
Bildcredits privat<\/p>\n\n\n\n
Wir bedanken uns bei Arno Zimmermann<\/a> f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n