{"id":127060,"date":"2026-09-09T07:22:26","date_gmt":"2026-09-09T05:22:26","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=127060"},"modified":"2026-09-09T07:22:28","modified_gmt":"2026-09-09T05:22:28","slug":"onkopass-krebsversorgung-patientinnen-patienten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/onkopass-krebsversorgung-patientinnen-patienten\/","title":{"rendered":"OnkoPass: Wie digitale Hilfe die Krebstherapie zu Hause sicherer macht"},"content":{"rendered":"\n

OnkoPass unterst\u00fctzt Patientinnen und Patienten bei der ambulanten Therapie und m\u00f6chte die Krebsversorgung durch eine digitale Verbindung zwischen Klinik und Zuhause verbessern<\/h2>\n\n\n\n

K\u00f6nnen Sie OnkoPass kurz vorstellen und erz\u00e4hlen, wie die Idee zur Gr\u00fcndung des Unternehmens entstanden ist?<\/h3>\n\n\n\n

OnkoPass ist eine digitale Begleitung f\u00fcr Menschen, die sich ambulant gegen Krebs behandeln lassen, mit einem Fokus auf orale Tumortherapien (Krebsmedikamente in Form von Kapseln oder Tabletten) und Kombinationstherapien, zum Beispiel Tablette plus Infusion. Wir bringen dabei das Behandlungsteam in der Klinik und die Patientinnen und Patienten zu Hause auf einem gemeinsamen System zusammen: Therapiepl\u00e4ne, Laborwerte, Symptome, Termine und Nachrichten laufen an einem Ort zusammen.<\/p>\n\n\n\n

Die Idee ist aus einer sehr konkreten Beobachtung entstanden: Immer mehr Krebstherapien finden zu Hause statt. Das gibt Patientinnen und Patienten mehr Freiheit, ver\u00e4ndert aber auch die Verantwortung in gro\u00dfem Ma\u00dfe. Die Therapie muss im Alltag gr\u00f6\u00dftenteils eigenst\u00e4ndig organisiert werden, w\u00e4hrend das Behandlungsteam zwischen den Terminen nur eingeschr\u00e4nkt mitbekommt, wie es ihnen tats\u00e4chlich geht. Genau diese L\u00fccke wollten wir schlie\u00dfen: nicht mit noch mehr Terminen, sondern mit einer verl\u00e4sslichen Verbindung zwischen Klinik und Zuhause. Aus dieser \u00dcberzeugung ist OnkoPass entstanden.<\/p>\n\n\n\n

Wer steht hinter OnkoPass, und welche Erfahrungen haben die Entwicklung Ihrer Plattform gepr\u00e4gt?<\/h3>\n\n\n\n

Hinter OnkoPass steht ein Team, das sehr unterschiedliche Perspektiven zusammenbringt. Oliver verantwortet als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer den kommerziellen Aufbau, Manuel als CTO die technische Architektur und IT-Sicherheit, und ich als COO das Produkt und unsere internen Prozesse. Uns drei verbindet dabei dieselbe \u00dcberzeugung: Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie muss den Menschen in der Versorgung sp\u00fcrbar helfen.<\/p>\n\n\n\n

Dazu kommt klinische Expertise aus Medizin und Pharmazie mit Erfahrungen in Forschung, Klinik und klinischer Digitalisierung. Was uns dabei wichtig ist: Wir entwickeln OnkoPass selbst und sehr nah mit den Anwendern in der Klinik. Wir fragen also nicht nur, was technisch m\u00f6glich ist, sondern vor allem, was im Alltag eines Behandlungsteams und von Patientinnen und Patienten tats\u00e4chlich funktioniert.<\/p>\n\n\n\n

Welche Vision verfolgen Sie mit OnkoPass, und wie m\u00f6chten Sie die ambulante Krebsversorgung langfristig verbessern?<\/h3>\n\n\n\n

Unsere Vision ist, dass die Versorgung von Menschen mit Krebs nicht an der Klinikpforte endet, sondern sich sicher und m\u00f6glichst nahtlos im Alltag fortsetzt. Patientinnen und Patienten sollen auch zu Hause gut begleitet sein, und Behandlungsteams sollen einen verl\u00e4sslichen \u00dcberblick haben, ohne daf\u00fcr st\u00e4ndig zus\u00e4tzliche Termine und Telefonate organisieren zu m\u00fcssen. Aktuell haben Krebspatientinnen und -patienten im Schnitt fast f\u00fcnfzig Kontakttage mit dem Gesundheitssystem pro Jahr: Termine, Anfahrten und Koordination. Man nennt das Zeit-Toxizit\u00e4t, denn das ist Zeit, die Menschen im Wartezimmer und auf der Autobahn verbringen, statt mit ihrer Familie.<\/p>\n\n\n\n

Langfristig wollen wir, dass OnkoPass im deutschsprachigen Raum zur digitalen Grundausstattung onkologischer Zentren geh\u00f6rt. Behandlungsteams sollen Auff\u00e4lligkeiten fr\u00fch erkennen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend Patientinnen und Patienten zu Hause die Sicherheit haben, dass ihre Therapie nicht aus dem Blick ger\u00e4t. Gleichzeitig wollen wir Versorgung besser an den tats\u00e4chlichen Bedarf anpassen: Wer seine Therapie gut vertr\u00e4gt und seinen Alltag sicher selbst steuern kann, braucht nicht automatisch dieselbe Betreuungsintensit\u00e4t wie jemand, bei dem f\u00fcr eine optimale Therapie mehr Unterst\u00fctzung n\u00f6tig ist.<\/p>\n\n\n\n

An welche Zielgruppen richtet sich OnkoPass haupts\u00e4chlich, und welche Herausforderungen l\u00f6sen Sie f\u00fcr Behandlungsteams sowie Patientinnen und Patienten?<\/h3>\n\n\n\n

OnkoPass richtet sich an zwei Gruppen gleichzeitig: an onkologische Behandlungsteams, also Pflegekr\u00e4fte, (Study) Nurses und \u00c4rztinnen und \u00c4rzte in Krebszentren, und an die Patientinnen und Patienten selbst.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr die Behandlungsteams geht es vor allem darum, wieder Luft zu schaffen: \u00fcbersichtlichere Abl\u00e4ufe, weniger Verwaltungsaufwand und damit mehr Zeit f\u00fcr das, was wirklich z\u00e4hlt. F\u00fcr Patientinnen und Patienten geht es um Sicherheit im Alltag: Die Therapie findet zu Hause statt, aber Fragen, Symptome oder Unsicherheiten entstehen trotzdem. OnkoPass bringt diese beiden Seiten zusammen. Das Ziel ist nicht, den pers\u00f6nlichen Kontakt zu ersetzen, sondern ihn gezielter dort einzusetzen, wo er wirklich gebraucht wird.<\/p>\n\n\n\n

Immer mehr Krebstherapien finden ambulant statt. Warum steigt dadurch der Bedarf an digitalen Begleitl\u00f6sungen?<\/h3>\n\n\n\n

Orale Tumortherapien haben in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen, weil sie unter anderem Patientinnen und Patienten mehr Flexibilit\u00e4t im Alltag erm\u00f6glichen. Gleichzeitig verschiebt sich damit ein Teil der Behandlung aus der Klinik nach Hause. Genau dadurch entsteht ein neuer Bedarf an Begleitung.<\/p>\n\n\n\n

Nebenwirkungen m\u00fcssen schnell und einfach gemeldet werden k\u00f6nnen, die regelm\u00e4\u00dfige und richtige Einnahme muss im Blick bleiben, und h\u00e4ufig ist zus\u00e4tzliches Monitoring wie zum Beispiel Blutbildkontrollen notwendig. Diese finden teilweise dezentral statt, beispielsweise beim Hausarzt. In diesem Fall m\u00fcssen Informationen trotzdem zeitnah beim Behandlungsteam ankommen. Je mehr Behandlung zu Hause stattfindet, desto wichtiger wird deshalb ein digitales Bindeglied, das genau das auff\u00e4ngt, was fr\u00fcher der kurze Blick der Pflegefachkraft im Wartezimmer geleistet hat.<\/p>\n\n\n\n

Was macht OnkoPass aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen digitalen Gesundheitsanwendungen?<\/h3>\n\n\n\n

Was OnkoPass aus meiner Sicht besonders macht, ist vor allem der klare Fokus: Von Anfang an f\u00fcr die Onkologie gebaut, mit einem Schwerpunkt auf orale Tumortherapien. OnkoPass ist dabei keine Stand-alone-App. Der eigentliche Mehrwert entsteht dadurch, dass Patientinnen und Patienten und ihr Behandlungsteam auf demselben System arbeiten: Patientinnen und Patienten nutzen daf\u00fcr die App, Behandlungsteams ein nutzerfreundliches Dashboard.<\/p>\n\n\n\n

Das zeigt sich auch in den Details. Wir k\u00f6nnen komplexe Einnahmeschemata inklusive Einnahmepausen abbilden, Laborwerte integrieren und Abl\u00e4ufe an die tats\u00e4chliche Situation eines Patienten oder einer Patientin anpassen. Gleichzeitig l\u00e4sst sich OnkoPass direkt an Krankenhausinformationssysteme anbinden. Am Universit\u00e4tsklinikum T\u00fcbingen ist uns das bereits gelungen. Dadurch kann Doppeldokumentation vermieden werden, und das Behandlungsteam kann das Management in OnkoPass direkt f\u00fcr die Dokumentation im KIS nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Wie unterst\u00fctzt OnkoPass Patientinnen und Patienten dabei, ihre Therapie sicher und zuverl\u00e4ssig in den Alltag zu integrieren?<\/h3>\n\n\n\n

F\u00fcr Patientinnen und Patienten beginnt die Unterst\u00fctzung schon beim Therapiestart. In der App ist verst\u00e4ndlich dargestellt, welches Medikament wann eingenommen werden soll. Es gibt Erinnerungen, und die Einnahme kann direkt best\u00e4tigt werden. Treten Beschwerden auf, k\u00f6nnen diese ebenfalls direkt erfasst und mit dem Behandlungsteam geteilt werden, statt bis zum n\u00e4chsten Termin warten zu m\u00fcssen. Erfasste Labor- und Symptomverl\u00e4ufe lassen sich au\u00dferdem \u00fcbersichtlich verfolgen. Damit wird \u00c4rztinnen und \u00c4rzten erm\u00f6glicht, diese Verl\u00e4ufe bei Therapieentscheidungen zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n

Wichtig ist dabei die Abgrenzung: OnkoPass ersetzt nicht die medizinische Einsch\u00e4tzung des Behandlungsteams. Die App schafft Struktur und Transparenz im Alltag. Die medizinische Entscheidung bleibt bei den Fachleuten. Den pers\u00f6nlichen Austausch gibt es nat\u00fcrlich weiterhin, nur in konzentrierter Form, denn die Organisationsthemen fallen weg, und man hat mehr Zeit f\u00fcr das eigentliche Gespr\u00e4ch. Genau diese Kombination aus mehr Eigenst\u00e4ndigkeit f\u00fcr Patientinnen und Patienten und besserem \u00dcberblick f\u00fcr das Behandlungsteam ist f\u00fcr uns entscheidend.<\/p>\n\n\n\n

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung einer digitalen L\u00f6sung f\u00fcr den sensiblen Bereich der Onkologie?<\/h3>\n\n\n\n

In der Onkologie k\u00f6nnen Fehler besonders schwer wiegen. Deshalb steht Patientensicherheit bei uns grunds\u00e4tzlich vor Geschwindigkeit. Das betrifft zun\u00e4chst den Umgang mit hochsensiblen Gesundheitsdaten. Wir sind ISO 27001 zertifiziert und arbeiten als Auftragsverarbeiter der Kliniken nach deutschem Recht.<\/p>\n\n\n\n

Eine zweite Herausforderung ist die technische Integration. Krankenhausinformationssysteme sind historisch sehr unterschiedlich gewachsen, und eine saubere, automatisierte Anbindung braucht deshalb enge Abstimmung mit den IT-Teams vor Ort. Und schlie\u00dflich ist auch die Kommunikation anspruchsvoll: Inhalte f\u00fcr Patientinnen und Patienten m\u00fcssen verst\u00e4ndlich sein, ohne unn\u00f6tige Fachbegriffe und ohne eine falsche Sicherheit zu vermitteln. Gerade in der Onkologie muss immer klar sein, wann das Behandlungsteam gefragt ist.<\/p>\n\n\n\n

Bei alldem setzen wir konsequent auf deutsche und europ\u00e4ische Standards: DSGVO-konform und mit offener Anbindung an bestehende Krankenhausinformationssysteme \u00fcber den internationalen FHIR-Standard.<\/p>\n\n\n\n

Wie wichtig ist die enge Zusammenarbeit mit \u00c4rztinnen, \u00c4rzten und onkologischen Behandlungsteams f\u00fcr die Weiterentwicklung von OnkoPass?<\/h3>\n\n\n\n

Ohne die enge Zusammenarbeit mit onkologischen Behandlungsteams g\u00e4be es OnkoPass in dieser Form nicht. Wir entwickeln gemeinsam mit mehreren deutschen Universit\u00e4tskliniken, in klinischen Studien genauso wie im laufenden Praxiseinsatz.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr uns ist diese N\u00e4he zur Versorgung kein formaler Schritt im Entwicklungsprozess, sondern die wichtigste Lernquelle. Nur wenn man mit Pflegekr\u00e4ften und \u00c4rztinnen und \u00c4rzten \u00fcber ihren Alltag spricht, merkt man, ob eine Funktion wirklich entlastet oder am Ende nur zus\u00e4tzliche Arbeit erzeugt. Genau daraus entstehen bei uns viele Weiterentwicklungen. In einer eigenen Studie konnten wir den administrativen Aufwand f\u00fcr Behandlungsteams bereits um etwa 30 Prozent senken.<\/p>\n\n\n\n

Welche neuen Funktionen oder Weiterentwicklungen stehen bei OnkoPass aktuell im Fokus?<\/h3>\n\n\n\n

Aktuell arbeiten wir an drei Schwerpunkten. Erstens wollen wir das Therapiemanagement noch st\u00e4rker individualisieren, mit Hilfestellungen und Funktionen, die sich genauer an der konkreten Situation von Patientinnen und Patienten orientieren. Den daf\u00fcr notwendigen regulatorischen Rahmen entwickeln wir parallel.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens schauen wir uns explorativ an, wie KI vor allem administrative Abl\u00e4ufe sinnvoll unterst\u00fctzen kann. Drittens wollen wir OnkoPass perspektivisch auf weitere Erkrankungsbilder, Tumorentit\u00e4ten und Arzneimittelformen ausweiten.<\/p>\n\n\n\n

Wo soll OnkoPass in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle m\u00f6chten Sie bei der Digitalisierung der Krebsversorgung einnehmen?<\/h3>\n\n\n\n

In den n\u00e4chsten Jahren wollen wir von Pilotpartnerschaften zu einer festen Gr\u00f6\u00dfe in onkologischen Zentren im gesamten deutschsprachigen Raum werden. Dabei bauen wir die IT-Integration, die sich am Universit\u00e4tsklinikum T\u00fcbingen bereits bew\u00e4hrt hat, in der Fl\u00e4che aus, statt auf weitere Insell\u00f6sungen zu setzen.<\/p>\n\n\n\n

Wir wollen dabei nicht einfach eine weitere App anbieten. Unser Anspruch ist, Versorgung im Alltag wirklich besser zu machen und die strukturierten Daten, die dabei entstehen, auch f\u00fcr Forschung und Versorgungsqualit\u00e4t nutzbar zu machen. Perspektivisch wollen wir das Prinzip, das wir bei oralen Tumortherapien entwickelt haben, auf weitere Bereiche der ambulanten Krebsversorgung \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n

Am Ende w\u00e4re f\u00fcr uns ein gutes Ergebnis, wenn OnkoPass gar nicht mehr als besondere digitale L\u00f6sung wahrgenommen wird, sondern einfach dazu geh\u00f6rt, wenn Krebsversorgung ambulant stattfindet.<\/p>\n\n\n\n

Welche drei Ratschl\u00e4ge w\u00fcrden Sie anderen Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcndern geben, die mit einer digitalen Gesundheitsl\u00f6sung einen nachhaltigen Beitrag zur medizinischen Versorgung leisten m\u00f6chten?<\/h3>\n\n\n\n

Erstens: Sucht euch von Anfang an echte Partner in der Versorgung, nicht nur Testkundinnen und Testkunden. Ohne die enge, oft auch m\u00fchsame Zusammenarbeit mit Kliniken h\u00e4tten wir viele Annahmen f\u00fcr richtig gehalten, die sich im Alltag als falsch erwiesen h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: Nehmt Regulatorik und Datenschutz nicht als l\u00e4stige Pflicht, sondern als Teil des Produkts. Gerade im Gesundheitswesen entscheidet Vertrauen dar\u00fcber, ob eine L\u00f6sung \u00fcberhaupt eingesetzt wird.<\/p>\n\n\n\n

Drittens: Bleibt geduldig mit dem Tempo des Gesundheitswesens, ohne dabei euren eigenen Anspruch zu verlieren. Digitale Versorgung im Krankenhaus ver\u00e4ndert sich langsamer als in anderen Branchen. Wer aber dranbleibt, zuh\u00f6rt und bereit ist, sein Produkt immer wieder an der Realit\u00e4t zu messen, kann hier einen Unterschied machen, der Menschen konkret hilft.<\/p>\n\n\n\n

Fotocredits: \u00a9 OnkoPass<\/p>\n\n\n\n

Wir bedanken uns bei\u00a0Maximilian Roederstein<\/a>\u00a0f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n