{"id":127081,"date":"2026-09-09T11:50:21","date_gmt":"2026-09-09T09:50:21","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=127081"},"modified":"2026-09-09T11:50:22","modified_gmt":"2026-09-09T09:50:22","slug":"faceledger-ki-werbung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/faceledger-ki-werbung\/","title":{"rendered":"FaceLedger: Wie ein Startup das Rechtedilemma bei KI-Werbung l\u00f6st"},"content":{"rendered":"\n

FaceLedger schafft einen Marktplatz, auf dem Menschen ihr Erscheinungsbild f\u00fcr KI-generierte Werbung lizenzieren und die Kontrolle \u00fcber dessen Nutzung behalten.<\/h2>\n\n\n\n

K\u00f6nnen Sie FaceLedger kurz vorstellen und erz\u00e4hlen, wie die Idee f\u00fcr einen Marktplatz zur Lizenzierung des eigenen Erscheinungsbildes entstanden ist?<\/h3>\n\n\n\n

FaceLedger ist ein Marktplatz, auf dem verifizierte Menschen ihr Erscheinungsbild als Foto-Datensatz f\u00fcr KI-generierte Werbung lizenzieren. Unternehmen bekommen den Datensatz, einen automatisch erzeugten Lizenzvertrag mit Grenzen nach Zeit, Gebiet und Kan\u00e4len und einen Lizenznachweis f\u00fcr jede Kampagne. 65 Prozent des Lizenzpreises gehen an die Person. Ich arbeite seit Jahren in der Werbung. Seit generative KI in der Produktion angekommen ist, entstehen Gesichter in Minuten. Was in derselben Zeit nicht entsteht, ist das Recht, sie zu verwenden. Ein generiertes Gesicht kann niemand fragen. Die Vertr\u00e4ge mit echten Models regeln Fotos und Videos, aber keine KI-Nutzung. Stock Footage deckt die Verwendung von einem Bild oder Video ab. Aus dieser L\u00fccke ist FaceLedger entstanden.<\/p>\n\n\n\n

Wer steht hinter FaceLedger, und welche Erfahrungen bringen Sie in den Aufbau des Unternehmens ein?<\/h3>\n\n\n\n

Hinter FaceLedger stehe ich, Marcel Mankus, als Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Faceledger UG in Frankfurt am Main. Ich habe in Aachen Maschinenbau studiert, danach einige Jahre selbstst\u00e4ndig Content f\u00fcr Marken produziert, anschlie\u00dfend Medien- und Kommunikationsmanagement in Frankfurt abgeschlossen. Seitdem arbeite ich in der Werbung an der Schnittstelle von Konzept und Technik. Das Ingenieurstudium ist mein Fundament: Ich will verstehen, wie ein System funktioniert, bevor ich es einsetze. Die Jahre in der Produktion haben mir gezeigt, wie Shootings, Rechte und Freigaben in der Praxis laufen. Beides zusammen ist FaceLedger: ein System, das die Rechte an einem Menschen so sauber abbildet, dass eine Werbeproduktion damit arbeiten kann.<\/p>\n\n\n\n

KI-generierte Werbung ver\u00e4ndert die klassische Arbeit mit Models und Bildmaterial. Welches konkrete Problem m\u00f6chten Sie mit FaceLedger l\u00f6sen?<\/h3>\n\n\n\n

Das Problem ist die L\u00fccke zwischen dem, was KI erzeugen kann, und dem, was ein Unternehmen verwenden darf. Ein rein generiertes Gesicht geh\u00f6rt niemandem, jeder kann \u00c4hnliches erzeugen. Niemand kann belegen, dass es keiner realen Person \u00e4hnelt. Vor Gericht z\u00e4hlt Wiedererkennbarkeit, nicht Absicht. Ein echtes Model wiederum hat einen Vertrag f\u00fcr ein Shooting, nicht f\u00fcr neue Posen, neue Szenen und neue Kan\u00e4le aus einem Datensatz. FaceLedger schlie\u00dft genau diese L\u00fccke: ein echter, verifizierter Mensch, der eingewilligt hat, ein Vertrag, der die KI-Nutzung ausdr\u00fccklich regelt, dazu ein Nachweis, den das Unternehmen vorzeigen kann. Wir sehen das nicht als Compliance-Werkzeug, sondern als neue Produktionsform f\u00fcr Werbung: flexibel wie gepromptet, sicher wie geshootet.<\/p>\n\n\n\n

Menschen stellen einen Foto-Datensatz ihres Erscheinungsbildes zur Verf\u00fcgung. Wie stellen Sie sicher, dass sie trotzdem jederzeit die Kontrolle \u00fcber dessen kommerzielle Nutzung behalten?<\/h3>\n\n\n\n

Die Kontrolle ist in den Ablauf eingebaut, nicht nur in den Text. Jede Person legt beim Onboarding fest, f\u00fcr welche Branchen sie nicht zur Verf\u00fcgung steht, etwa Tabak, Politik oder Bademode. Unternehmen sehen vor einer Lizenz nur die Profilbilder, die die Person selbst freigegeben hat, nie den Datensatz. Jede einzelne Anfrage muss die Person aktiv annehmen, ohne Annahme entsteht kein Vertrag und kein Zugriff. Jede Lizenz ist begrenzt nach Zeit, Gebiet und Kan\u00e4len der Kampagne. Nach Laufzeitende wird der Datensatz beim Unternehmen gel\u00f6scht. Die Einwilligung kann die Person jederzeit widerrufen, dann gibt es keine neuen Lizenzen mehr. Und jeder Profilaufruf wird protokolliert. Das Prinzip dahinter: Die Person wird gefragt, verdient mit und kann Nein sagen.<\/p>\n\n\n\n

Unternehmen erhalten f\u00fcr jede Kampagne klar definierte Nutzungsrechte nach Zeit, Gebiet und Kan\u00e4len. Warum reicht eine klassische Model-Freigabe f\u00fcr KI-Anwendungen aus Ihrer Sicht nicht mehr aus?<\/h3>\n\n\n\n

Weil eine Model-Freigabe f\u00fcr einen endlichen Output geschrieben wurde: ein Shooting, ein Satz Bilder, ein Film. Mit KI ist der Output grenzenlos. Aus einem Datensatz l\u00e4sst sich ein Mensch in jede Pose, jede Situation und jede Aussage setzen. Deepfakes zeigen, wohin das im schlimmsten Fall f\u00fchrt. Eine Freigabe f\u00fcr Fotos und Videos aus dem Shooting sch\u00fctzt die Person davor nicht. Und dem Unternehmen gibt sie keinen Beleg, dass genau diese Nutzung erlaubt war. Unsicher sind also beide Seiten.<\/p>\n\n\n\n

Einfach ein Gesicht zu generieren l\u00f6st das nicht. Ein erfundenes Gesicht geh\u00f6rt niemandem, morgen erzeugt die Konkurrenz mit einem \u00e4hnlichen Prompt fast dasselbe und weil die Modelle mit Bildern aus dem Internet trainiert sind, \u00e4hneln generierte Gesichter immer wieder realen, oft bekannten Menschen, ohne dass die Produktion es merkt. Haften muss sie trotzdem.<\/p>\n\n\n\n

Deshalb ist bei uns die Lizenz das Produkt, nicht das Bild: ein Vertrag je Nutzung mit Laufzeit, Gebiet und Kan\u00e4len, Ausschl\u00fcsse, die die Person selbst festlegt, Annahme jeder einzelnen Anfrage, L\u00f6schung nach Laufzeitende und ein Lizenznachweis, den das Unternehmen vorzeigen kann.<\/p>\n\n\n\n

Mit \u201eBring your own model\u201c k\u00f6nnen Marken ihre bisherigen Models auch f\u00fcr KI-generierte Werbung einsetzen. F\u00fcr welche Unternehmen ist dieser Ansatz besonders interessant?<\/h3>\n\n\n\n

F\u00fcr Marken, die schon mit eigenen Models arbeiten und jetzt mit KI produzieren wollen, ohne ihre Gesichter zu verlieren. Das sind vor allem gr\u00fcndergef\u00fchrte Marken aus Mode, Beauty und Schmuck mit eigenem Onlineshop, die jede Saison neue Motive brauchen und bei denen die Kundinnen und Kunden die Models kennen. Die Models registrieren sich bei uns, wir \u00fcbernehmen die Verifizierung und den Drehtag f\u00fcr den Datensatz. Die Marke lizenziert die KI-Nutzung sauber, statt Vertr\u00e4ge zu dehnen, die daf\u00fcr nie gedacht waren. Die Models verdienen an jeder Kampagne mit. Interessant ist es auch f\u00fcr Agenturen, die f\u00fcr ihre Kunden haften und deshalb einen Vertrag brauchen, den sie vorzeigen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Die Lizenzpreise beginnen bei 900 Euro netto, davon gehen 65 Prozent an die jeweilige Person. Wie sind Sie zu diesem Preismodell und der Aufteilung gekommen?<\/h3>\n\n\n\n

Der Preis ist \u00f6ffentlich und deterministisch: Laufzeit, Gebiet und Kan\u00e4le bestimmen ihn, es gibt keine Verhandlung. Das war eine bewusste Entscheidung, weil Verhandlungen \u00fcber Gesichter Zeit kosten und Misstrauen erzeugen. Die 900 Euro als Einstieg orientieren sich daran, was eine Lizenz ersetzt: einen Produktionstag plus Nutzungsrechte, aus dem sich viele Motive erzeugen lassen. Die 65 Prozent f\u00fcr die Person sind das Gegenteil dessen, was Stockplattformen zahlen. Der Mensch ist der Wert, nicht die Plattform, also bekommt er den gr\u00f6\u00dferen Teil. Mit den 35 Prozent finanzieren wir Verifizierung, Vertragserzeugung, Zahlungsabwicklung und den Nachweis.<\/p>\n\n\n\n

Bei einem Gesch\u00e4ftsmodell rund um Gesichter, KI und Nutzungsrechte ist Vertrauen entscheidend. Was sind aktuell die gr\u00f6\u00dften H\u00fcrden, um Menschen und Marken von FaceLedger zu \u00fcberzeugen?<\/h3>\n\n\n\n

Bei den Menschen ist es die Sorge, die Kontrolle \u00fcber das eigene Gesicht zu verlieren. Die Antwort darauf ist nicht ein Versprechen, sondern der Ablauf: Ausschl\u00fcsse, Annahme jeder einzelnen Anfrage, Grenzen im Vertrag, L\u00f6schung, Widerruf. Wer das einmal durchgespielt hat, versteht es. Bei den Marken ist die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde die Gewohnheit. Ein Gesicht zu generieren kostet nichts und dauert Sekunden. Das Rechtsrisiko ist abstrakt, bis es konkret wird. Wir m\u00fcssen also erkl\u00e4ren, warum ein echter Mensch mit Vertrag mehr wert ist als ein beliebiges Gesicht. Die dritte H\u00fcrde ist, dass wir jung und klein sind. Wir haben noch keine gro\u00dfen Namen als Referenz. Das \u00e4ndert sich nur mit den ersten Kampagnen, deshalb ist das gerade meine Hauptaufgabe.<\/p>\n\n\n\n

Seit August ist die Plattform bereits in acht Sprachen verf\u00fcgbar. Warum haben Sie sich so fr\u00fch f\u00fcr eine internationale Ausrichtung entschieden?<\/h3>\n\n\n\n

Weil man schon heute in den Medien sieht, wie unterschiedlich L\u00e4nder auf k\u00fcnstliche Intelligenz reagieren. Die einen regulieren fr\u00fch, die anderen lassen laufen, beides hat Vor- und Nachteile. Die Frage nach der Identit\u00e4t stellt sich aber \u00fcberall gleich. FaceLedger hat sich zum Ziel gesetzt, die Plattform f\u00fcr Identit\u00e4t im KI-Zeitalter zu werden, weltweit. Zum Start liegt der Fokus auf Deutschland, Lizenzen gibt es zun\u00e4chst nur f\u00fcr Menschen mit Aufenthalt hier, andere L\u00e4nder stehen auf einer Warteliste. Mit den acht Sprachen erreichen wir aber schon jetzt Menschen in \u00fcber 100 L\u00e4ndern in ihrer Amtssprache und machen dort auf das Thema aufmerksam.<\/p>\n\n\n\n

Ein Marktplatz funktioniert erst richtig, wenn auf beiden Seiten gen\u00fcgend Teilnehmer vorhanden sind. Wie wollen Sie gleichzeitig attraktive Gesichter und zahlende Marken gewinnen?<\/h3>\n\n\n\n

Wir fangen nicht mit beiden Seiten gleichzeitig an, sondern mit einer kleinen Zahl an Unternehmen, die ein konkretes Problem haben und in den n\u00e4chsten Wochen kaufen k\u00f6nnten. Mit denen sprechen wir, bevor wir irgendetwas pitchen: Wie produziert ihr heute, was passiert, wenn ihr ein echtes Gesicht verwenden wollt, wer pr\u00fcft die Rechte, was kostet euch das. \u201eBring your own model\u201c l\u00f6st dabei das Henne-Ei-Problem, weil die Marke ihre eigenen Models mitbringt und beide Seiten in einem Schritt entstehen. Parallel registrieren sich Menschen von selbst, seit die Plattform live ist, ohne Werbung. Das erste Zahnrad, das sich wirklich dreht, ist wichtiger als die gro\u00dfe Zahl.<\/p>\n\n\n\n

FaceLedger wurde erst im April 2026 gegr\u00fcndet. Welche Vision verfolgen Sie langfristig und welche n\u00e4chsten Entwicklungsschritte stehen jetzt im Vordergrund?<\/h3>\n\n\n\n

Unsere Mission ist, das Erscheinen menschlicher Identit\u00e4t in KI-generierter Werbung vertraglich zu regeln: Wer sein Gesicht gibt, wird gefragt, verdient mit und kann Nein sagen. Wer es nutzt, hat einen Vertrag, der h\u00e4lt. Die Vision dahinter ist, synthetische Werbung menschlicher zu machen. Dass Identit\u00e4t etwas Sch\u00fctzenswertes ist, zeigt KI mehr denn je. F\u00fcr diesen Schutz will FaceLedger weltweit stehen. Die n\u00e4chsten Schritte sind sehr konkret: die ersten gro\u00dfen Unternehmen, die \u00fcber die Plattform lizenzieren und wiederkommen, die Freischaltung weiterer L\u00e4nder nach dem Start in Deutschland. Alles andere kommt danach.<\/p>\n\n\n\n

Welche drei Ratschl\u00e4ge w\u00fcrden Sie anderen Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcndern geben, die ein Gesch\u00e4ftsmodell an der Schnittstelle von KI, Pers\u00f6nlichkeitsrechten und Werbung aufbauen m\u00f6chten?<\/h3>\n\n\n\n

Erstens: Baue erst das kleinste Zahnrad, das sich wirklich dreht, nicht den ganzen Markt. Ein Kunde, eine Person, ein funktionierendes System, ein Wiederkauf. Wenn das l\u00e4uft, wird alles andere leichter.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: Nimm die Rechte ernst, bevor es jemand von dir verlangt. Gerade in Deutschland. Einwilligung, Widerruf und Nachweis sind bei diesem Thema kein Anhang, sondern selbstverst\u00e4ndlich. Wer das von Anfang an in den Ablauf baut, muss sp\u00e4ter nicht teuer nachr\u00fcsten.<\/p>\n\n\n\n

Drittens: Sprich mit Menschen, nutz deine Community, egal wie klein sie dir noch vorkommt. Meine ersten Registrierungen kamen aus Gespr\u00e4chen, nicht aus einer Kampagne.<\/p>\n\n\n\n

Und hab vorallem dabei Spa\u00df, sei stolz auf das, was du baust. Das tr\u00e4gt durch die Tage, an denen es auch mal nicht so l\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n

Fotocredits: \u00a9 privat<\/p>\n\n\n\n

Wir bedanken uns bei\u00a0Marcel Mankus<\/a>\u00a0f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n