{"id":127281,"date":"2026-09-18T09:35:13","date_gmt":"2026-09-18T07:35:13","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=127281"},"modified":"2026-09-18T09:35:15","modified_gmt":"2026-09-18T07:35:15","slug":"energie-sueddeutschland-photovoltaik-waermepumpe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/energie-sueddeutschland-photovoltaik-waermepumpe\/","title":{"rendered":"Wartefrust beim Hausbau: Wie aus 18 Monaten Geduldsspiel ein Energie-Startup wurde"},"content":{"rendered":"\n

Energie S\u00fcddeutschland verbindet Photovoltaik und W\u00e4rmepumpe zu ganzheitlichen Energiel\u00f6sungen f\u00fcr Eigenheime und setzt dabei auf moderne Technik und kurze Wege.<\/h2>\n\n\n\n

K\u00f6nnen Sie Energie S\u00fcddeutschland kurz vorstellen und erz\u00e4hlen, wie aus Ihrem eigenen Hausbau schlie\u00dflich die Gesch\u00e4ftsidee entstanden ist?<\/h3>\n\n\n\n

Energie S\u00fcddeutschland ist tats\u00e4chlich aus einer ganz pers\u00f6nlichen Erfahrung entstanden. 2021 wollte ich f\u00fcr mein eigenes Haus eine Photovoltaikanlage installieren lassen \u2013 genau zu einer Zeit, in der die Strompreise massiv gestiegen sind. Ich habe ungef\u00e4hr sechs Monate auf ein Angebot gewartet. Anschlie\u00dfend wurde mir gesagt, dass die Anlage fr\u00fchestens weitere zw\u00f6lf Monate sp\u00e4ter installiert werden k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n

Damit waren wir bei einer realistischen Wartezeit von rund 18 Monaten. F\u00fcr ein Thema, das zu diesem Zeitpunkt wirtschaftlich und gesellschaftlich enorm relevant war, war das f\u00fcr mich kaum nachvollziehbar.<\/p>\n\n\n\n

Ich komme urspr\u00fcnglich selbst aus dem Handwerk und besch\u00e4ftige mich schon seit meinem 20. Lebensjahr intensiv mit Immobilien. Bei meiner ersten Neubauwohnung habe ich beispielsweise einen gro\u00dfen Teil des Innenausbaus selbst gemacht. Das technische und handwerkliche Thema lag mir deshalb ohnehin.<\/p>\n\n\n\n

Ich habe mich daraufhin sehr intensiv in die Photovoltaik eingearbeitet. Das war keine Entscheidung von heute auf morgen, sondern das Ergebnis einer l\u00e4ngeren Recherche und Vorbereitung. Irgendwann war f\u00fcr mich klar: Der Bedarf ist enorm, aber die Umsetzung muss schneller, einfacher und kundenorientierter funktionieren. Daraus entstand Solar S\u00fcddeutschland und letztlich das heutige Unternehmen Energie S\u00fcddeutschland.<\/p>\n\n\n\n

Vom Industriemechaniker \u00fcber die Allianz bis zum Gr\u00fcnder im Energiesektor. Welche Erfahrungen aus diesen unterschiedlichen Stationen helfen Ihnen heute besonders?<\/h3>\n\n\n\n

Die unterschiedlichen Stationen helfen mir heute gerade deshalb, weil sie sehr verschieden waren. Bei Schaeffler habe ich gelernt, strukturiert zu arbeiten und Dinge aus technischer Sicht pragmatisch zu l\u00f6sen. Bei der Allianz kam dazu, komplexe Themen verst\u00e4ndlich zu vermitteln und nah am Kunden zu arbeiten. Heute verbinde ich beides als Unternehmer: technisches Verst\u00e4ndnis, Beratung auf Augenh\u00f6he und den Aufbau von Strukturen, die Wachstum m\u00f6glich machen.<\/p>\n\n\n\n

Acht Monate Wartezeit auf die Umsetzung Ihrer eigenen Energietechnik waren der entscheidende Impuls. Wann wurde Ihnen klar, dass dahinter eine echte Marktl\u00fccke steckt?<\/h3>\n\n\n\n

Eigentlich in dem Moment, in dem ich verstanden habe, dass meine Erfahrung kein Einzelfall war. Gleichzeitig waren steigende Strompreise und der Wunsch nach mehr Energieunabh\u00e4ngigkeit \u00fcberall pr\u00e4sent. Es gab also eine enorme Nachfrage, aber nicht gen\u00fcgend Kapazit\u00e4ten und teilweise sehr langwierige Prozesse.<\/p>\n\n\n\n

Je intensiver ich mich mit dem Markt besch\u00e4ftigt habe, desto klarer wurde mir: Hier gibt es nicht nur kurzfristig einen Engpass, sondern einen langfristigen Bedarf. Das war letztlich der ausschlaggebende Punkt f\u00fcr die Gr\u00fcndung.<\/p>\n\n\n\n

Sie haben sich zum Energieeffizienzberater weitergebildet und 2023 zun\u00e4chst im Solargesch\u00e4ft gegr\u00fcndet. Wie herausfordernd war der komplette Branchenwechsel?<\/h3>\n\n\n\n

Ich w\u00fcrde es weniger als kompletten Neuanfang betrachten, weil mich Handwerk, Technik und Immobilien schon sehr lange begleiten. Trotzdem musste ich mir nat\u00fcrlich sehr viel neues Wissen aneignen.<\/p>\n\n\n\n

Gerade Energietechnik ist ein Bereich, in dem Technik, Gesetzgebung, Netzbetreiber, F\u00f6rderungen und Wirtschaftlichkeit zusammenkommen. Deshalb habe ich mich intensiv weitergebildet und sehr viel Zeit in das Verst\u00e4ndnis der einzelnen Prozesse investiert.<\/p>\n\n\n\n

Entscheidend war f\u00fcr mich, nicht nur verkaufen zu k\u00f6nnen, sondern die Technik und die Zusammenh\u00e4nge tats\u00e4chlich zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n

Aus dem urspr\u00fcnglichen Solargesch\u00e4ft ist ein Anbieter f\u00fcr die gesamte Energieversorgung von Eigenheimen geworden. Was hat diese Entwicklung angetrieben?<\/h3>\n\n\n\n

Vor allem der Kunde selbst. Wir haben sehr schnell gemerkt, dass Photovoltaik allein nur ein Teil der L\u00f6sung ist.<\/p>\n\n\n\n

Der Kunde produziert Strom, m\u00f6chte diesen aber m\u00f6glichst sinnvoll selbst nutzen. Dann kommen Batteriespeicher, W\u00e4rmepumpe, Wallbox, Klimaanlage und das Energiemanagement dazu. Diese Komponenten funktionieren besonders gut, wenn sie nicht einzeln betrachtet, sondern miteinander verbunden werden. Unser Anspruch ist deshalb inzwischen, nicht einfach einzelne Produkte zu installieren, sondern eine komplette Energiezentrale f\u00fcr das Geb\u00e4ude zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n

Dazu geh\u00f6rt f\u00fcr uns auch, technologisch fr\u00fchzeitig neue Entwicklungen abzubilden. Wir verbauen beispielsweise bereits intelligente Messsysteme und arbeiten daf\u00fcr mit einem Messstellenbetreiber zusammen. Dadurch k\u00f6nnen wir diese teilweise direkt im Zuge unserer Elektroinstallation mit umsetzen und reduzieren zus\u00e4tzliche Wartezeiten.<\/p>\n\n\n\n

Auch die Direktvermarktung von PV-Strom k\u00f6nnen wir unseren Kunden bereits heute technisch und softwareseitig anbieten. Unser Anspruch ist, Systeme so aufzubauen, dass sie auch auf zuk\u00fcnftige \u00c4nderungen vorbereitet sind.<\/p>\n\n\n\n

W\u00e4rmepumpen machen inzwischen rund 60 bis 65 Prozent Ihres Gesch\u00e4fts aus. Warum hat sich dieser Bereich so stark entwickelt?<\/h3>\n\n\n\n

Der Bedarf beim Heizungstausch ist enorm. Viele bestehende Heizungen kommen in ein Alter, in dem sich Eigent\u00fcmer ohnehin mit einer Erneuerung besch\u00e4ftigen m\u00fcssen. Gleichzeitig hat sich die W\u00e4rmepumpentechnik in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt.<\/p>\n\n\n\n

Wir haben fr\u00fch entschieden, diesen Bereich nicht nur zus\u00e4tzlich anzubieten, sondern eigene Kompetenzen und entsprechende Mitarbeiterstrukturen aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n

Dadurch k\u00f6nnen wir eine sehr hohe Nachfrage heute auch tats\u00e4chlich umsetzen. Gleichzeitig erg\u00e4nzt sich die W\u00e4rmepumpe ideal mit Photovoltaik und Energiemanagement. Genau diese Kombination wird f\u00fcr viele Eigenheimbesitzer immer interessanter.<\/p>\n\n\n\n

Welche Bed\u00fcrfnisse haben Eigenheimbesitzer heute, wenn sie sich mit W\u00e4rmepumpe, Photovoltaik und moderner Energieversorgung besch\u00e4ftigen?<\/h3>\n\n\n\n

Die Kunden wollen vor allem drei Dinge: Planbarkeit, Verst\u00e4ndlichkeit und einen fairen Preis.<\/p>\n\n\n\n

Photovoltaik, W\u00e4rmepumpe, Speicher und Energiemanagement wirken zun\u00e4chst sehr komplex. Unser Job ist es, diese Komplexit\u00e4t herauszunehmen und dem Kunden verst\u00e4ndlich zu zeigen, welche L\u00f6sung f\u00fcr sein Geb\u00e4ude sinnvoll ist.<\/p>\n\n\n\n

Gleichzeitig w\u00fcnschen sich viele Kunden mehr Unabh\u00e4ngigkeit von zuk\u00fcnftigen Strom- und Energiekosten. Sie wollen aber kein System kaufen, das nach wenigen Jahren technisch \u00fcberholt ist.<\/p>\n\n\n\n

Deshalb achten wir darauf, L\u00f6sungen m\u00f6glichst flexibel, erweiterbar und zukunftsf\u00e4hig aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n

Energie S\u00fcddeutschland ist aus einem regionalen Installationsbetrieb heraus gewachsen. Was unterscheidet Ihren Ansatz von anderen Anbietern im Markt?<\/h3>\n\n\n\n

Wir versuchen nicht, uns ausschlie\u00dflich \u00fcber den niedrigsten Preis zu definieren. Entscheidend ist f\u00fcr uns der gesamte Prozess.<\/p>\n\n\n\n

Wir beraten ausf\u00fchrlich, erkl\u00e4ren komplexe Technik verst\u00e4ndlich und haben unsere Montage- und Projektabl\u00e4ufe stark standardisiert. Dadurch k\u00f6nnen wir trotz hoher Qualit\u00e4tsanforderungen vergleichsweise schnell umsetzen.<\/p>\n\n\n\n

Ein sehr wichtiger Indikator daf\u00fcr ist f\u00fcr mich die Weiterempfehlungsquote. Ein gro\u00dfer Teil unseres Erfolgs entsteht dadurch, dass zufriedene Kunden uns weiterempfehlen.<\/p>\n\n\n\n

Gleichzeitig versuchen wir, technisch immer einen Schritt weiterzudenken, beispielsweise bei Energiemanagement, intelligenten Messsystemen oder Direktvermarktung.<\/p>\n\n\n\n

Der Fachkr\u00e4ftemangel und begrenzte Installationskapazit\u00e4ten waren Teil Ihrer eigenen Gr\u00fcndungsgeschichte. Wie begegnen Sie dieser Herausforderung heute als Unternehmer?<\/h3>\n\n\n\n

Das ist tats\u00e4chlich eine unserer gr\u00f6\u00dften Herausforderungen. Deshalb konzentrieren wir uns sehr stark auf den Aufbau eigener Mitarbeiter und Teams.<\/p>\n\n\n\n

Dabei geht es f\u00fcr mich nicht nur darum, Menschen einzustellen. Wir m\u00f6chten Mitarbeiter entwickeln und ihnen langfristige Perspektiven geben.<\/p>\n\n\n\n

Ein gutes Beispiel ist einer unserer Mitarbeiter, der 2022 aus der Ukraine nach Deutschland gekommen ist. Er ist studierter Elektroingenieur, musste hier zun\u00e4chst aber in einem v\u00f6llig anderen Bereich am Band arbeiten. \u00dcber einen Zufall haben wir uns kennengelernt.<\/p>\n\n\n\n

Wir haben ihn dabei unterst\u00fctzt, seine Qualifikation in Deutschland anerkennen zu lassen. Heute darf er hier seinen Ingenieurstitel f\u00fchren, bildet sich weiter und hat sich bei uns vom Mitarbeiter zum Teamleiter entwickelt.<\/p>\n\n\n\n

Genau solche Entwicklungen machen f\u00fcr mich einen wesentlichen Teil von Unternehmertum aus.<\/p>\n\n\n\n

Was war beim Wachstum von Energie S\u00fcddeutschland schwieriger als urspr\u00fcnglich erwartet?<\/h3>\n\n\n\n

Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung besteht darin, dass Wachstum nicht einfach nur bedeutet, mehr Auftr\u00e4ge anzunehmen. Vertrieb, Projektleitung, Backoffice, Elektro und SHK m\u00fcssen gleichzeitig mitwachsen.<\/p>\n\n\n\n

Gerade qualifizierte Handwerker und Projektverantwortliche lassen sich nicht beliebig schnell aufbauen.<\/p>\n\n\n\n

Deshalb investieren wir stark in Prozesse und Automatisierung. Auch KI spielt dabei intern inzwischen eine wichtige Rolle. Unser Ziel ist ausdr\u00fccklich nicht, f\u00fcr 100 Prozent mehr Umsatz auch 100 Prozent mehr Mitarbeiter zu ben\u00f6tigen.<\/p>\n\n\n\n

Nach unserer heutigen Planung k\u00f6nnen wir ungef\u00e4hr eine Verdopplung der Leistung mit rund 50 Prozent zus\u00e4tzlichem Personal abbilden. Das funktioniert aber nur, wenn Prozesse konsequent standardisiert und digitalisiert werden.<\/p>\n\n\n\n

Welche Vision verfolgen Sie f\u00fcr Energie S\u00fcddeutschland, und wie m\u00f6chten Sie das Unternehmen in den kommenden Jahren weiterentwickeln?<\/h3>\n\n\n\n

Wir wollen regional verwurzelt bleiben und gleichzeitig deutlich wachsen.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr das kommende Jahr haben wir uns vorgenommen, unseren Umsatz ungef\u00e4hr zu verdoppeln. Dazu bauen wir unter anderem unseren Vertrieb und unsere Installationskapazit\u00e4ten weiter aus.<\/p>\n\n\n\n

Dabei wollen wir aber nicht einfach nur gr\u00f6\u00dfer werden. Entscheidend ist, produktiver und strukturierter zu werden. Umsatz und Mitarbeiterzahl sollen deshalb bewusst nicht im gleichen Verh\u00e4ltnis wachsen.<\/p>\n\n\n\n

In den kommenden Jahren sehe ich Energie S\u00fcddeutschland mit einer deutlich gr\u00f6\u00dferen Mannschaft und einem noch umfassenderen Angebot rund um die Energieversorgung von Geb\u00e4uden.<\/p>\n\n\n\n

Technologisch wird sich dieser Bereich enorm ver\u00e4ndern. Energiemanagement, intelligente Messsysteme, Direktvermarktung, W\u00e4rmepumpen, Speicher, Ladeinfrastruktur und wahrscheinlich weitere neue Gesch\u00e4ftsmodelle werden immer st\u00e4rker miteinander verschmelzen.<\/p>\n\n\n\n

Unser Anspruch ist, diese Entwicklung nicht nur mitzumachen, sondern m\u00f6glichst fr\u00fch umzusetzen.<\/p>\n\n\n\n

Welche drei Ratschl\u00e4ge w\u00fcrden Sie anderen Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcndern geben, die aus einem selbst erlebten Problem ein Unternehmen aufbauen m\u00f6chten?<\/h3>\n\n\n\n

Erstens: Pr\u00fcft, ob euer eigenes Problem tats\u00e4chlich auch das Problem vieler anderer Menschen ist. Ein pers\u00f6nliches \u00c4rgernis allein ist noch kein Gesch\u00e4ftsmodell.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: Besch\u00e4ftigt euch intensiver mit dem Thema als alle anderen. Ich habe nicht einfach entschieden, eine Solarfirma zu gr\u00fcnden, sondern mich lange vorbereitet, recherchiert und weitergebildet.<\/p>\n\n\n\n

Drittens: Fangt an und akzeptiert, dass nicht von Beginn an alles perfekt sein wird. Ein Unternehmen ver\u00e4ndert sich permanent. Unser Unternehmen sieht heute v\u00f6llig anders aus als bei der Gr\u00fcndung, weil wir immer wieder auf Kunden, Markt und Technik reagiert haben.<\/p>\n\n\n\n

Bildcredits: Energie S\u00fcddeutschland<\/p>\n\n\n\n

Wir bedanken uns bei\u00a0Johannes Ostwald<\/a>\u00a0f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n