{"id":127358,"date":"2026-09-22T08:27:23","date_gmt":"2026-09-22T06:27:23","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=127358"},"modified":"2026-09-22T08:27:24","modified_gmt":"2026-09-22T06:27:24","slug":"healthiq-plattform-gesundheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/healthiq-plattform-gesundheit\/","title":{"rendered":"Pivot im HealthTech: Wie HealthiQ ein gesch\u00fctztes Netzwerk f\u00fcr Kranke baut"},"content":{"rendered":"\n

HealthiQ entwickelt eine gesch\u00fctzte digitale Plattform, die Gesundheit, Peer Support und barrierefreie Angebote f\u00fcr chronisch Erkrankte, Menschen mit Behinderungen und Angeh\u00f6rige<\/h2>\n\n\n\n

K\u00f6nnen Sie HealthiQ kurz vorstellen und erz\u00e4hlen, welche Idee urspr\u00fcnglich hinter der Gr\u00fcndung stand?<\/h3>\n\n\n\n

HealthiQ ist eine gesch\u00fctzte, pseudonyme digitale Gesundheitscommunity f\u00fcr Menschen mit chronischen Erkrankungen, Behinderungen und langfristigen gesundheitlichen Belastungen sowie deren Angeh\u00f6rige. Eine Plattform, erstmalig in dieser Form im DACH-Raum. Wir m\u00f6chten Peer Support, verl\u00e4ssliche Gesundheitsinformationen, Patienten- und Selbsthilfeorganisationen sowie perspektivisch Veranstaltungen, Forschung und weitere Unterst\u00fctzungsangebote sinnvoll an einem Ort barrierefrei zusammenf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n

Gestartet sind wir allerdings mit einer deutlich breiteren Vision. Anfangs wollten wir sehr viele Akteure des Gesundheitswesens digital miteinander verbinden \u2013 von Patientinnen und Patienten \u00fcber Praxen bis hin zu weiteren Versorgungsstrukturen. Je intensiver wir uns mit dem Problem besch\u00e4ftigt haben, desto deutlicher wurde: Wir versuchten gleichzeitig zu viele Herausforderungen zu l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n

Heute ist unser Fokus und die eigentliche Vision und das Ziel wesentlich klarer, sch\u00e4rfer und reflektierter. Wir wollen zun\u00e4chst f\u00fcr eine konkrete Zielgruppe ein wirklich relevantes Angebot schaffen und verstehen, was diese Menschen digital tats\u00e4chlich brauchen. Langfristig ist unsere Vision, HealthiQ zu einer zentralen digitalen Anlaufstelle f\u00fcr Patientinnen, Patienten und Angeh\u00f6rige im deutschsprachigen Raum zu entwickeln \u2013 nicht als Ersatz f\u00fcr Versorgung oder Selbsthilfe, sondern als verbindende barrierefreie digitale Infrastruktur zwischen den bestehenden Angeboten.<\/p>\n\n\n\n

Wer steht hinter HealthiQ, und wie erg\u00e4nzen sich Ihre Erfahrungen aus Gesundheitsmanagement, Public Health, Medizin und Softwareentwicklung?<\/h3>\n\n\n\n

HealthiQ wird heute von drei Co-Foundern aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Ich selbst komme aus dem Sozial-, Gesundheits- und Public Management und verantworte als CEO vor allem Strategie, Partnerschaften, Forschung und die organisatorische Entwicklung von HealthiQ.<\/p>\n\n\n\n

Unsere CPO Lilien Heit studiert Medizin und bringt damit eine unmittelbar medizinisch-fachliche Perspektive und Erfahrung in die Produktentwicklung ein. Gerade bei einem Angebot f\u00fcr Menschen mit gesundheitlichen Belastungen ist es wichtig, Produktentscheidungen nicht ausschlie\u00dflich aus einer betriebswirtschaftlichen oder technischen Perspektive zu treffen.<\/p>\n\n\n\n

Unser CTO Arnd Klocker bringt mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Softwareentwicklung mit. Dadurch treffen bei uns ein sehr junges Gr\u00fcnderteam, medizinische und Public-Health-Perspektiven sowie langj\u00e4hrige technische Erfahrung aufeinander.<\/p>\n\n\n\n

Erg\u00e4nzt wird das Team durch ein renomiertes, erfahrenes, zw\u00f6lfk\u00f6pfiges Advisory Board mit Expertise unter anderem aus Medizin, Public Health, Ethik, Datenschutz, Recht, IT, Pharma und Business Development. Diese unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen sind f\u00fcr uns wichtig, weil HealthiQ an einer Schnittstelle arbeitet, an der technische Machbarkeit allein nicht ausreicht.<\/p>\n\n\n\n

Sie sind mit einer deutlich breiteren Vision f\u00fcr ein digital vernetztes Gesundheitswesen gestartet. Warum haben Sie sich entschieden, HealthiQ grundlegend neu auszurichten?<\/h3>\n\n\n\n

Die urspr\u00fcngliche Vision war nicht grunds\u00e4tzlich falsch und h\u00e4tte sicherlich in vielerlei Hinsicht gro\u00dfen Mehrwert f\u00fcr alle Akteure und Nutzer:innen gehabt.<\/p>\n\n\n\n

Wir wollten sehr viele Probleme gleichzeitig adressieren und haben mit der Zeit gemerkt, dass dadurch weder das konkrete Nutzerproblem noch unser eigener Fokus klar genug waren. Je mehr Gespr\u00e4che wir mit Betroffenen, Organisationen und anderen Stakeholdern gef\u00fchrt und je konkreter wir am Produkt gearbeitet haben, desto st\u00e4rker wurde diese Erkenntnis. Ebenso auch ein gewisser operativer Gegenwind bzw. Viele Gespr\u00e4che und Empfehlungen mit unseren Advisors sowie externen Startup Coaches und Berater:innen.<\/p>\n\n\n\n

Die Neuausrichtung war deshalb keine kosmetische Produkt\u00e4nderung, sondern eine strategische Entscheidung: Welche Herausforderung k\u00f6nnen wir wirklich verstehen, bearbeiten und langfristig gut l\u00f6sen? Wo ist wirklich ein akuter, gro\u00dfer Pain der aktuell leider noch \u00fcberhaupt nicht gel\u00f6st und angegangen wird?<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war das eine der wichtigsten Erfahrungen der bisherigen Gr\u00fcndung. Als Founder identifiziert man sich schnell sehr stark mit der urspr\u00fcnglichen Idee. Dann zu akzeptieren, dass Teile davon verworfen oder neu gedacht werden m\u00fcssen, ist nicht angenehm. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass F\u00fchrung nicht bedeutet, die erste Idee m\u00f6glichst lange zu verteidigen. F\u00fchrung bedeutet auch, Entscheidungen zu korrigieren, wenn neue Informationen daf\u00fcr sprechen.<\/p>\n\n\n\n

Heute haben wir dadurch einen deutlich klareren Ausgangspunkt als noch vor einem Jahr.<\/p>\n\n\n\n

Heute konzentrieren Sie sich auf chronisch Erkrankte, Menschen mit Behinderungen und Angeh\u00f6rige. Welche besonderen Bed\u00fcrfnisse dieser Zielgruppen m\u00f6chten Sie besser verstehen und erf\u00fcllen?<\/h3>\n\n\n\n

Diese Zielgruppen sind keineswegs homogen. Genau deshalb wollen wir zun\u00e4chst besser verstehen, wo tats\u00e4chlich gemeinsame Bed\u00fcrfnisse bestehen und wo differenziert werden muss, da hier auch die wissenschaftliche Forschungslage bisher recht d\u00fcnn ist und diese Gruppe leider im Allgemeinen eher am Rand steht und unterrepr\u00e4sentiert ist.<\/p>\n\n\n\n

Uns interessieren unter anderem Fragen wie: Wo suchen Menschen heute nach Informationen und Austausch? Wann hilft ihnen die Erfahrung anderer Betroffener? Wem vertrauen sie bei Gesundheitsinformationen? Welche Rolle spielen Datenschutz und Pseudonymit\u00e4t? Welche digitalen Barrieren erleben sie? Wie wichtig sind regionale Kontakte, Selbsthilfeorganisationen, Veranstaltungen oder die M\u00f6glichkeit, passende Studien zu finden?<\/p>\n\n\n\n

Viele dieser Bed\u00fcrfnisse werden heute bereits in Teilen irgendwo adressiert \u2013 aber h\u00e4ufig an unterschiedlichen Orten und vor allem nicht barrierefrei. Austausch findet beispielsweise in Facebook- oder Messenger-Gruppen statt, medizinische Informationen auf anderen Webseiten und Angebote von Patientenorganisationen wiederum auf deren eigenen Kan\u00e4len.<\/p>\n\n\n\n

HealthiQ soll deshalb nicht bestehende Strukturen ersetzen. Unser Ansatz ist vielmehr, diese unterschiedlichen Ebenen besser miteinander zu verbinden und den Nutzerinnen und Nutzern mehr barrierefreie Orientierung und Kontrolle zu geben.<\/p>\n\n\n\n

Welche Funktionen daf\u00fcr tats\u00e4chlich entscheidend sind, m\u00f6chten wir bewusst nicht allein am Schreibtisch festlegen, sondern eben dauerhaft in vielen Gespr\u00e4chen mit Patient:innen, Kooperationspartner, Stakeholdern sowie in der parallelen Forschung zu unserem Startup.<\/p>\n\n\n\n

Ihr MVP funktioniert technisch, erreicht aber noch nicht ausreichend die Menschen, f\u00fcr die er entwickelt wurde. Wie schwierig war es, sich diese Erkenntnis als junges Startup einzugestehen?<\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich ist das zun\u00e4chst unangenehm. Als Gr\u00fcnder investiert man viel Zeit in ein Produkt und w\u00fcrde gerne sehen, dass Menschen sofort darauf warten, man mit wenig Marketing viele erreicht usw..<\/p>\n\n\n\n

Unser MVP l\u00e4uft seit Ende April. Aktuell haben wir acht \u00fcbergeordnete Community-Bereiche mit insgesamt 36 Untergruppen sowie erste Beitr\u00e4ge, Kommentare und Reaktionen. Das ist ein echter Testbetrieb, aber noch keine skalierte oder ausreichend aktive Community. Das ist allerdings auch nicht unser Ziel gerade. Wachstum um jeden Preis, Marketing und sonstiges. Wir befinden uns gerade in einer Phase, iterativ mit den Partnern, Stakeholdern und Nutzer:innen gemeinsam das Produkt step by step zu entwickeln. Auch das darf und muss man sich eingestehen, dass diese Art der Entwicklung an anderer Stelle eben langsameres Wachstum bedeutet.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnten versuchen, diese Zahlen m\u00f6glichst positiv aussehen zu lassen. F\u00fcr unsere weitere Entwicklung w\u00e4re das allerdings wenig hilfreich.<\/p>\n\n\n\n

Der bisherige Fokus lag bewusst stark auf Produktentwicklung, ersten Tests, Partnerschaften und der wissenschaftlichen Vorbereitung \u2013 nicht auf einem gro\u00dfen Marketing-Rollout. Trotzdem zeigt uns der aktuelle Stand sehr deutlich: Nur weil eine Plattform technisch funktioniert, entsteht noch keine relevante Community.<\/p>\n\n\n\n

Gerade diese Erkenntnis halte ich inzwischen f\u00fcr wertvoll. Sie zwingt uns, eine grundlegendere Frage zu stellen: Liegt die Herausforderung bei Reichweite und Kommunikation \u2013 oder m\u00fcssen wir Teile des Angebots, der Positionierung oder des Nutzererlebnisses selbst ver\u00e4ndern?<\/p>\n\n\n\n

Diese Frage ehrlich beantworten zu k\u00f6nnen, ist wichtiger als kurzfristig sch\u00f6ne Wachstumszahlen zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n\n\n\n

Statt das Problem mit mehr Marketing zu beantworten, starten Sie eine wissenschaftlich begleitete Studie. Welche Antworten erhoffen Sie sich davon?<\/h3>\n\n\n\n

Wir m\u00f6chten unsere bisherigen Annahmen systematisch \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n

Die Studie ist wissenschaftlich am Center for Social & Health Innovation des MCI eingebettet und startet im Oktober im deutschsprachigen Raum. \u00dcber unsere Multiplikatoren k\u00f6nnen wir potenziell mehr als 50.000 Menschen erreichen. Wie viele tats\u00e4chlich teilnehmen werden, wird sich erst w\u00e4hrend der Erhebung zeigen \u2013 unser Ziel ist eine m\u00f6glichst breite, indikations\u00fcbergreifende Datengrundlage. Diese und die Forschung im Allgemeinen in diesem Bereich gibt es bis heute leider kaum, auch hier m\u00f6chten wir wichtige Arbeit leisten auf der sich vielfach aufbauen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n

Untersucht werden unter anderem Informations- und Unterst\u00fctzungsbedarfe, bestehende digitale und analoge Angebote, Vertrauen, Datenschutz, Pseudonymit\u00e4t, Moderation, digitale Gesundheitskompetenz, Peer Matching, Barrierefreiheit, KI-Akzeptanz und die Priorisierung verschiedener Funktionen.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr uns ist besonders wichtig, dass die Studie nicht dazu dienen soll, ein bereits fertiges Produkt nachtr\u00e4glich zu best\u00e4tigen. Sie darf auch Ergebnisse liefern, die unseren bisherigen Annahmen widersprechen.<\/p>\n\n\n\n

Wenn wir am Ende beispielsweise feststellen, dass bestimmte Funktionen, Zielgruppen oder Gesch\u00e4ftsmodelle anders bewertet werden als erwartet, m\u00fcssen und wollen wir darauf reagieren.<\/p>\n\n\n\n

Genau darin liegt f\u00fcr mich der Unterschied zwischen Nutzerzentrierung als Schlagwort und echter Validierung.<\/p>\n\n\n\n

HealthiQ m\u00f6chte Peer Support, Gesundheitsinformationen sowie Patienten- und Selbsthilfeorganisationen miteinander verbinden. Was fehlt aus Ihrer Sicht bislang zwischen diesen Bereichen?<\/h3>\n\n\n\n

Es gibt bereits sehr viele wertvolle Angebote. Das Problem ist h\u00e4ufig nicht, dass gar nichts vorhanden w\u00e4re, sondern dass die einzelnen Angebote nebeneinander existieren und meistens, so Teilen es uns unsere Kooperationspartner mit, leider nicht barrierefrei zug\u00e4nglich sind was f\u00fcr unsere Zielgruppen eben enorm wichtig ist.<\/p>\n\n\n\n

Menschen tauschen sich beispielsweise in sozialen Netzwerken oder privaten Gruppen aus, suchen Gesundheitsinformationen \u00fcber Suchmaschinen oder inzwischen auch KI-Systeme und finden Selbsthilfeorganisationen wiederum \u00fcber andere Wege. Je nach Erkrankung gibt es hervorragende spezialisierte Strukturen \u2013 aber f\u00fcr Nutzerinnen und Nutzer kann es schwierig sein, diese \u00fcberhaupt zu entdecken und einzuordnen.<\/p>\n\n\n\n

Gleichzeitig erf\u00fcllen die einzelnen Bereiche unterschiedliche Funktionen: Peer Support liefert Erfahrungswissen und Verst\u00e4ndnis, medizinische und wissenschaftliche Quellen liefern fachliche Einordnung und Patientenorganisationen verf\u00fcgen h\u00e4ufig \u00fcber enorme Erfahrung, Netzwerke und konkrete Unterst\u00fctzungsangebote.<\/p>\n\n\n\n

Unser Ansatz besteht deshalb nicht darin, einen dieser Bereiche zu ersetzen. HealthiQ soll eine verbindende Ebene schaffen.<\/p>\n\n\n\n

Langfristig stellen wir uns eine Plattform vor, auf der jemand nicht nur eine Community zu seiner gesundheitlichen Situation findet, sondern auch verl\u00e4ssliche Informationen, passende Organisationen, Veranstaltungen, regionale Angebote und M\u00f6glichkeiten zur Beteiligung an Forschung entdecken kann.<\/p>\n\n\n\n

Bei sensiblen Gesundheitsthemen ist Vertrauen entscheidend. Wie m\u00f6chten Sie dieses Vertrauen auf einer gesch\u00fctzten und pseudonymen digitalen Plattform aufbauen?<\/h3>\n\n\n\n

Vertrauen entsteht f\u00fcr uns nicht durch ein einzelnes Feature, sondern durch viele kleine Entscheidungen.<\/p>\n\n\n\n

Ein zentraler Punkt ist die pseudonyme Nutzung. Menschen sollen sich zu sensiblen Gesundheitsthemen austauschen k\u00f6nnen, ohne ihren Klarnamen \u00f6ffentlich zeigen zu m\u00fcssen. Gleichzeitig wollen wir transparent machen, welche Daten f\u00fcr welchen Zweck ben\u00f6tigt werden und den Grundsatz der Datenminimierung konsequent ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n

Ebenso wichtig sind klare Communityregeln und Moderation. Peer Support funktioniert nur dann, wenn Menschen sich sicher f\u00fchlen und problematische Inhalte, Bel\u00e4stigung oder gef\u00e4hrliche Gesundheitsinformationen nicht einfach sich selbst \u00fcberlassen werden.<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus m\u00f6chten wir vertrauensw\u00fcrdige Patientenorganisationen, Fachpersonen und wissenschaftliche Einrichtungen sichtbar einbinden und entsprechende Rollen klar kennzeichnen.<\/p>\n\n\n\n

Auch kommerzielle Interessen m\u00fcssen transparent sein. Wenn sp\u00e4ter Partnerschaften, Unternehmensprofile oder andere finanzierte Inhalte Teil von HealthiQ werden, muss f\u00fcr Nutzerinnen und Nutzer jederzeit nachvollziehbar sein, wer dahintersteht.<\/p>\n\n\n\n

Wir werden Vertrauen nicht durch ein Versprechen herstellen k\u00f6nnen. Es muss sich \u00fcber Produktdesign, schon jetztiger Einbindung unserer Nutzer:innen in die Entwicklung, Governance, Transparenz und das tats\u00e4chliche Verhalten der Plattform verdienen.<\/p>\n\n\n\n

Sie arbeiten bereits mit Patienten- und Selbsthilfeorganisationen im DACH-Raum zusammen. Welche Rolle spielen diese Partner bei der Weiterentwicklung von HealthiQ?<\/h3>\n\n\n\n

Eine gro\u00dfe und wichtige Rolle. F\u00fcr uns sind Patientenorganisationen keine reinen Multiplikatoren, \u00fcber die wir sp\u00e4ter Nutzerinnen und Nutzer gewinnen m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n

Sie verf\u00fcgen h\u00e4ufig \u00fcber jahrzehntelange Erfahrung mit den Bed\u00fcrfnissen ihrer jeweiligen Communitys und kennen sehr genau die Schwierigkeiten, die Betroffene und Angeh\u00f6rige im Alltag erleben.<\/p>\n\n\n\n

Wir arbeiten inzwischen unter anderem mit Organisationen wie Pro Rare Austria, der \u00d6sterreichischen Rheumaliga, Down-Syndrom \u00d6sterreich, Lobby4Kids, der ASBH Deutschland sowie weiteren Verb\u00e4nden und Selbsthilfeorganisationen zusammen und stehen mit ihnen in konkretem Austausch.<\/p>\n\n\n\n

Je nach Organisation sieht die Zusammenarbeit unterschiedlich aus. Manche unterst\u00fctzen uns bei der Studie, andere geben Produktfeedback, testen bestimmte Bereiche oder bringen ihre fachliche Perspektive ein.<\/p>\n\n\n\n

Langfristig m\u00f6chten wir Patientenorganisationen auf HealthiQ selbst sichtbar machen. Menschen sollen dadurch seri\u00f6se Organisationen, Veranstaltungen und Unterst\u00fctzungsangebote leichter barrierefrei finden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr mich ist dabei ein Prinzip entscheidend: HealthiQ soll bestehende Selbsthilfe nicht digital verdr\u00e4ngen. Wenn wir erfolgreich sind, sollte unsere Plattform vielmehr dazu beitragen, dass mehr Menschen diese wertvollen Strukturen \u00fcberhaupt entdecken und nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Viele Startups werden daran gemessen, wie schnell sie wachsen. Warum kann es gerade im HealthTech wichtiger sein, zun\u00e4chst langsamer zu werden und das eigene Produkt zu validieren?<\/h3>\n\n\n\n

Geschwindigkeit ist auch im HealthTech wichtig. Aber Geschwindigkeit ohne Richtung und vor allem wie vorhin besprochen Vertrauen hilft wenig bis kaum.<\/p>\n\n\n\n

Bei einem klassischen digitalen Produkt ist ein schlechtes Feature zun\u00e4chst \u00e4rgerlich. Im Gesundheitskontext kommen zus\u00e4tzliche Faktoren hinzu: sensible Daten, Vertrauen, medizinische Informationen, besonders vulnerable Zielgruppen und teilweise sehr pers\u00f6nliche Lebenssituationen.<\/p>\n\n\n\n

Wenn man hier zu fr\u00fch skaliert, skaliert man m\u00f6glicherweise nicht nur ein gutes Produkt, sondern auch falsche Annahmen.<\/p>\n\n\n\n

Deshalb versuchen wir aktuell bewusst, Geschwindigkeit und Sorgfalt miteinander zu verbinden. Wir wollen technisch weiterentwickeln und gleichzeitig empirisch \u00fcberpr\u00fcfen, ob wir das richtige Problem auf die richtige Weise l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n

Ich glaube auch nicht, dass Validierung automatisch Langsamkeit bedeutet. Im Gegenteil: Drei Monate, in denen man eine zentrale Annahme sauber \u00fcberpr\u00fcft, k\u00f6nnen wesentlich schneller sein als zwei Jahre, in denen man konsequent in die falsche Richtung entwickelt.<\/p>\n\n\n\n

Wachstum bleibt f\u00fcr uns ein wichtiges Ziel. Wir m\u00f6chten nur m\u00f6glichst sicherstellen, dass wir sp\u00e4ter etwas skalieren, das f\u00fcr die Menschen tats\u00e4chlich relevant ist.<\/p>\n\n\n\n

Welche langfristige Vision verfolgen Sie mit HealthiQ, nachdem Sie die urspr\u00fcngliche Idee so deutlich gesch\u00e4rft haben?<\/h3>\n\n\n\n

Unsere langfristige Vision ist ambitioniert, aber heute deutlich konkreter als zu Beginn.<\/p>\n\n\n\n

Wir m\u00f6chten HealthiQ in den kommenden Jahren zu einer zentralen digitalen, barrierefreien Anlaufstelle f\u00fcr Menschen mit chronischen Erkrankungen, Behinderungen und deren Angeh\u00f6rige im deutschsprachigen Raum entwickeln.<\/p>\n\n\n\n

Wenn jemand eine Diagnose erh\u00e4lt, sich mit anderen Menschen in einer \u00e4hnlichen Situation austauschen m\u00f6chte, eine vertrauensw\u00fcrdige Patientenorganisation sucht, eine Veranstaltung finden will oder sich \u00fcber passende Forschung informieren m\u00f6chte, soll HealthiQ perspektivisch direkt ein naheliegender Ausgangspunkt sein.<\/p>\n\n\n\n

Dabei wollen wir kein paralleles Gesundheitssystem aufbauen. Der gr\u00f6\u00dfere Wert liegt aus unserer Sicht in der Verbindung bestehender Strukturen: Betroffene, Angeh\u00f6rige, Selbsthilfeorganisationen, Fachpersonen, Forschung und weitere seri\u00f6se Akteure.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Vision f\u00fcr die n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahre ist deshalb weniger \u201edie gr\u00f6\u00dfte Gesundheitsplattform\u201c als eine relevante und vertrauensw\u00fcrdige Infrastruktur zu werden, die Menschen tats\u00e4chlich nutzen und die von wichtigen Akteuren des Gesundheitswesens ernst genommen und unterst\u00fctzt sowie begleitet wird.<\/p>\n\n\n\n

Wenn uns das gelingt, kann daraus langfristig eine echte Patientendrehscheibe f\u00fcr den DACH-Raum entstehen.<\/p>\n\n\n\n

Welche drei Ratschl\u00e4ge w\u00fcrden Sie anderen Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcndern geben, die erkennen, dass ihre urspr\u00fcngliche Idee oder Zielgruppe grundlegend \u00fcberdacht werden muss?<\/h3>\n\n\n\n

Erstens: Trennt euer Ego von eurem Produkt. Viel Arbeit in eine Idee investiert zu haben, ist kein Grund, weiter in dieselbe Richtung zu investieren. Entscheidend ist nicht, ob die urspr\u00fcngliche Idee recht hatte, sondern ob das Problem wirklich gel\u00f6st wird.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: Definiert m\u00f6glichst fr\u00fch, welche Beobachtungen eure Meinung ver\u00e4ndern w\u00fcrden. Feedback ist wenig wert, wenn man nur nach Aussagen sucht, die die eigene \u00dcberzeugung best\u00e4tigen. Besonders hilfreich sind Erkenntnisse, die unangenehm sind oder nicht zum bisherigen Plan passen.<\/p>\n\n\n\n

Drittens: Verwechselt Fokus nicht mit fehlender Ambition. F\u00fcr uns war die Neuausrichtung zun\u00e4chst eine Verkleinerung der urspr\u00fcnglichen Vision. Tats\u00e4chlich hat sie uns erst erm\u00f6glicht, eine langfristig gr\u00f6\u00dfere und glaubw\u00fcrdigere Vision aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n

Ein Pivot oder Strategiewechsel ist aus meiner Sicht deshalb weder automatisch Erfolg noch Scheitern. Er ist zun\u00e4chst eine Entscheidung auf Basis neuer Informationen. Entscheidend ist, ob man danach klarer versteht, welches Problem man l\u00f6sen m\u00f6chte und f\u00fcr wen.<\/p>\n\n\n\n

Bildcredits: privat, \u00a9 Benedikt Hochmuth<\/p>\n\n\n\n

Wir bedanken uns bei Benedikt Hochmuth<\/a> f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n