{"id":127541,"date":"2026-09-29T08:54:10","date_gmt":"2026-09-29T06:54:10","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=127541"},"modified":"2026-09-29T08:54:12","modified_gmt":"2026-09-29T06:54:12","slug":"myron-passform-maenner-mode","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/myron-passform-maenner-mode\/","title":{"rendered":"Schluss mit Kompromissen: Wie MYRON Menswear f\u00fcr kleinere M\u00e4nner neu denkt"},"content":{"rendered":"\n
MYRON ist ein M\u00fcnchner Menswear-Label f\u00fcr M\u00e4nner zwischen 1,60 und 1,80 Meter. Wir entwickeln Kleidung, bei der L\u00e4nge, Weite und Proportionen gemeinsam ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n\n\n\n
Ich bin selbst 1,70 Meter gro\u00df und kannte das Problem seit Jahren: Eine kleinere Gr\u00f6\u00dfe war oft zu eng, die passende Weite wiederum zu lang. Mir gefielen die Kleidungsst\u00fccke, aber an mir sa\u00dfen sie anders als gedacht. Daraus entstand die Frage, warum ich mich st\u00e4ndig mit Kompromissen zufriedengeben sollte. Mit MYRON wollte ich Kleidung entwickeln, die zu meinem K\u00f6rper und zu meinem Stil passt.<\/p>\n\n\n\n
Ich habe MYRON gemeinsam mit meinem Bruder gegr\u00fcndet und verantworte den operativen Aufbau inzwischen allein. Mein Hintergrund liegt im Wirtschaftsingenieurwesen. Au\u00dferdem habe ich bei PwC Erfahrungen mit Prozessanalysen und strukturiertem Arbeiten gesammelt.<\/p>\n\n\n\n
Eine klassische Modeausbildung habe ich nicht. Die Entwicklung von Schnitten, die Zusammenarbeit mit Produzenten und den Aufbau eines Onlineshops musste ich mir Schritt f\u00fcr Schritt erschlie\u00dfen. Dabei hilft mir, Probleme systematisch anzugehen. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass eine saubere Tabelle noch keine gute Passform garantiert: Entscheidend ist, wie sich ein Kleidungsst\u00fcck am Menschen verh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n
Besonders deutlich wurde, wie unterschiedlich M\u00e4nner mit \u00e4hnlicher K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe gebaut sein k\u00f6nnen. Aus der K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe allein l\u00e4sst sich weder die ben\u00f6tigte Weite noch die genaue Verteilung von Oberk\u00f6rper- und Beinl\u00e4nge zuverl\u00e4ssig ableiten.<\/p>\n\n\n\n
Das hat unseren Ansatz gepr\u00e4gt. Ein Mann mit 1,70 Meter braucht nicht automatisch ein schmales Oberteil. Er kann mehr Platz an Brust und Schultern ben\u00f6tigen, ohne deshalb l\u00e4ngere \u00c4rmel zu brauchen. Wir mussten deshalb st\u00e4rker in Kombinationen denken und weniger in einer einzigen Gr\u00f6\u00dfenangabe.<\/p>\n\n\n\n
Wir m\u00f6chten vermeiden, dass Kunden eine falsche L\u00e4nge akzeptieren m\u00fcssen, nur um die passende Weite zu bekommen. Bei einem Oberteil braucht beispielsweise ein breiter gebauter Mann mehr Raum am K\u00f6rper, aber nicht zwangsl\u00e4ufig l\u00e4ngere \u00c4rmel oder einen l\u00e4ngeren Rumpf.<\/p>\n\n\n\n
Unsere Oberteile kombinieren deshalb unterschiedliche L\u00e4ngen mit Regular und Loose Fit. Bei Hosen bieten wir drei L\u00e4ngen und drei Weitenkombinationen an. Dabei geht es auch um die Position des Knies, den Beinverlauf und den Saum. Eine Hose nachtr\u00e4glich zu k\u00fcrzen kann die L\u00e4nge korrigieren, ver\u00e4ndert aber nicht automatisch die \u00fcbrigen Proportionen.<\/p>\n\n\n\n
Es gibt spezialisierte Anbieter, die ich vor allem aus dem Ausland kenne. Ihre Designsprache und Umsetzung unterscheiden sich allerdings von dem, was wir mit MYRON entwickeln m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n
Viele etablierte Marken arbeiten mit Gr\u00f6\u00dfensystemen, in denen L\u00e4nge und Umfang gemeinsam wachsen. Ein Mann mit 1,63 Meter braucht beispielsweise kurze \u00c4rmel, kann aber gleichzeitig die Brust- und Schulterweite einer M ben\u00f6tigen. Die kleinere Gr\u00f6\u00dfe ist dann zu eng, die gr\u00f6\u00dfere zu lang. Eine zus\u00e4tzliche XS l\u00f6st diesen Konflikt nicht.<\/p>\n\n\n\n
Auf Produktseiten sieht man h\u00e4ufig gro\u00dfe, schlanke Models in Gr\u00f6\u00dfe M. Wer deutlich kleiner ist, aber eine \u00e4hnliche Weite ben\u00f6tigt, bekommt dadurch noch keine passende Alternative. Viele K\u00e4ufer arrangieren sich dann mit Umschlagen, \u00c4nderungen oder einer unpassenden L\u00e4nge.<\/p>\n\n\n\n
Bestehende Schnitte und Gr\u00f6\u00dfenstrukturen zu erweitern bedeutet zus\u00e4tzlichen Entwicklungs- und Produktionsaufwand. Wir haben MYRON deshalb von Anfang an um diese Passformfrage herum aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n
Jede zus\u00e4tzliche Kombination verteilt die Nachfrage auf weitere Varianten. Gerade am Anfang wissen wir noch nicht genau, welche Kombinationen besonders h\u00e4ufig gebraucht werden. Gleichzeitig m\u00fcssen Mindestbestellmengen erf\u00fcllt werden, und Bestand bindet Geld.<\/p>\n\n\n\n
Deshalb konzentrieren wir uns zun\u00e4chst auf eine \u00fcberschaubare Kollektion. Wir m\u00fcssen sorgf\u00e4ltig entscheiden, welche Produkte und Farben wir erg\u00e4nzen und welche Gr\u00f6\u00dfen wir nachproduzieren. Dazu kommt die Abstimmung mit den Produzenten: Mehr Varianten verlangen eindeutig dokumentierte Ma\u00dfe und eine genaue Kontrolle der Umsetzung. Fehler wirken sich bei einer kleinen Marke unmittelbar aus.<\/p>\n\n\n\n
Ein eigenes Gr\u00f6\u00dfensystem muss vor allem verst\u00e4ndlich sein. Kunden sollen schnell erkennen k\u00f6nnen, welche L\u00e4nge und welcher Fit f\u00fcr sie infrage kommen. Daf\u00fcr nutzen wir Ma\u00dftabellen, Gr\u00f6\u00dfenangaben zu unseren Models und Erkl\u00e4rungen zu den unterschiedlichen Passformen.<\/p>\n\n\n\n
Auf unserer Website gibt es au\u00dferdem einen interaktiven Passformvergleich: Mit einem Schieberegler l\u00e4sst sich der Unterschied zwischen Standard-Fit und MYRON-Fit direkt gegen\u00fcberstellen. Die Darstellung veranschaulicht beispielsweise, wie sich \u00fcbersch\u00fcssiger Stoff an \u00c4rmeln oder Hosenbeinen auf die Silhouette auswirkt. So wird unser Ansatz auch ohne schnitttechnisches Vorwissen verst\u00e4ndlich.<\/p>\n\n\n\n
Erg\u00e4nzend bieten wir pers\u00f6nliche Unterst\u00fctzung bei der Gr\u00f6\u00dfenwahl und eine kostenlose Retoure. Langfristig entsteht Vertrauen durch die tats\u00e4chliche Erfahrung: Das bestellte Kleidungsst\u00fcck muss die Erwartungen erf\u00fcllen, die wir vorher geweckt haben.<\/p>\n\n\n\n
MYRON soll f\u00fcr eine Verbindung aus durchdachter Passform und einer klaren gestalterischen Haltung stehen. Ich mag Kleidung, die entspannt und modern wirkt, aber auch eine gewisse Eleganz hat. Sie soll im Alltag funktionieren und durch Schnitt, Material und Details \u00fcberzeugen.<\/p>\n\n\n\n
Dabei m\u00f6chte ich M\u00e4nner nicht auf ihre K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe reduzieren. Sie ist f\u00fcr uns eine wichtige Grundlage der Konstruktion, aber keine Identit\u00e4t, die wir unseren Kunden \u00fcberst\u00fclpen wollen. Menschen sollen MYRON tragen, weil ihnen die Kleidung gef\u00e4llt und sie sich darin wohlf\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n
Einen einzelnen Moment gab es f\u00fcr mich nicht. Zun\u00e4chst zeigten mir die Gespr\u00e4che und Vermessungen, dass das Problem \u00fcber meine eigene Erfahrung hinausgeht. Mit den ersten Bestellungen kam dann eine andere Form der Best\u00e4tigung: Menschen waren bereit, Geld f\u00fcr unseren L\u00f6sungsansatz auszugeben.<\/p>\n\n\n\n
Trotzdem w\u00fcrde ich fr\u00fche Verk\u00e4ufe nicht mit einem bereits bewiesenen Gesch\u00e4ftsmodell gleichsetzen. Wir stehen noch am Anfang. Jetzt m\u00fcssen wir zeigen, dass wir Kunden wiederholt erreichen, mit unseren Produkten \u00fcberzeugen und wirtschaftlich nachproduzieren k\u00f6nnen. Die bisherigen Erfahrungen geben mir den Antrieb, diesen Weg weiterzugehen.<\/p>\n\n\n\n
Die urspr\u00fcnglichen Vermessungen bilden unsere Grundlage. Mit jeder Bestellung kommen praktische Erfahrungen dazu: Welche Kombinationen werden gekauft? Wo entstehen Unsicherheiten? Warum wird ein Teil zur\u00fcckgeschickt?<\/p>\n\n\n\n
Ein konkretes Thema aus bisherigen R\u00fcckmeldungen sind beispielsweise zus\u00e4tzliche schmalere Bundweiten. Solche Hinweise helfen uns, L\u00fccken zu erkennen. Dabei m\u00f6chten wir nicht auf jede einzelne R\u00fcckmeldung sofort mit einer Schnitt\u00e4nderung reagieren, sondern wiederkehrende Muster verstehen. Anpassungen sollen anhand von Samples \u00fcberpr\u00fcft werden, bevor sie in die n\u00e4chste Produktion einflie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n
Ich m\u00f6chte, dass M\u00e4nner unserer Zielgruppe bei MYRON eine Garderobe aufbauen k\u00f6nnen, bei der sie sich auf die Passform verlassen k\u00f6nnen. Wer eine passende Hose gefunden hat, soll sp\u00e4ter auch andere Schnitte und Anl\u00e4sse innerhalb der Marke abdecken k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n
Als n\u00e4chste Schritte interessieren mich weitere Hosenformen, etwa eine Straight Jeans oder eine elegantere Hose, sowie zus\u00e4tzliche Oberteile. Langfristig kann ich mir auch ausgew\u00e4hlte Accessoires vorstellen. Entscheidend ist f\u00fcr mich, dass neue Produkte zur Marke passen und wir unsere bestehende Kollektion zuverl\u00e4ssig weiterentwickeln. Breite allein ist noch kein Fortschritt.<\/p>\n\n\n\n
Erstens: Pr\u00fcft, ob andere Menschen das Problem \u00e4hnlich erleben. Die eigene Erfahrung ist ein guter Ausgangspunkt, ersetzt aber keine Gespr\u00e4che und Tests mit potenziellen Kunden.<\/p>\n\n\n\n
Zweitens: Kontrolliert die Umsetzung bis ins Detail. Wir haben selbst erlebt, wie falsch \u00fcbertragene Ma\u00dfe einen Schnitt unbrauchbar machen k\u00f6nnen. Samples, eindeutige Unterlagen und sorgf\u00e4ltige Freigaben verdienen viel Aufmerksamkeit.<\/p>\n\n\n\n
Drittens: Besch\u00e4ftigt euch fr\u00fch mit dem Vertrieb. Ich habe lange sehr viel Energie in das Produkt und die Marke gesteckt. Heute ist mir noch klarer, dass auch ein gutes Produkt regelm\u00e4\u00dfig erkl\u00e4rt und sichtbar gemacht werden muss. Produktentwicklung und Kundengewinnung m\u00fcssen gemeinsam vorankommen.<\/p>\n\n\n\n
Bild Bildunterschrift: Kevin Scholl, Gr\u00fcnder von MYRON. Foto: Kevin Scholl \/ privat. Hintergrund f\u00fcr das Querformat KI-gest\u00fctzt erweitert<\/p>\n\n\n\n
Wir bedanken uns bei\u00a0Kevin Scholl<\/a>\u00a0f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n