{"id":127571,"date":"2026-09-30T09:24:37","date_gmt":"2026-09-30T07:24:37","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=127571"},"modified":"2026-09-30T09:24:39","modified_gmt":"2026-09-30T07:24:39","slug":"auftrag-teamkleidung-logo-textil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/auftrag-teamkleidung-logo-textil\/","title":{"rendered":"Der erste Merch-Auftrag als Lernst\u00fcck"},"content":{"rendered":"\n
Der erste Auftrag f\u00fcr Teamkleidung ist selten der gr\u00f6\u00dfte. Aber er ist der, aus dem ein Team am meisten lernt. Ich habe daf\u00fcr \u00fcber 1500 Auftr\u00e4ge meines eigenen Betriebs ausgewertet. Viele davon von Startups und Scaleups. Was dabei herauskommt, ist unspektakul\u00e4r. Genau deshalb hilft es beim Planen.<\/p>\n\n\n\n
Der typische erste Auftrag liegt bei 50 Teilen. Fast die H\u00e4lfte der Firmen startet mit weniger. Die erste Rechnung liegt im Median bei rund 1.100 Euro. Die H\u00e4lfte aller Erstauftr\u00e4ge bewegt sich zwischen 460 und 2.500 Euro. Bei fast jeder zweiten ist ein T-Shirt dabei, bei jeder dritten ein Hoodie. Wer beim ersten Mal 300 Teile bestellt, hat meist ein Event vor der T\u00fcr und keinen Plan f\u00fcr danach.<\/p>\n\n\n\n
Das ist keine Kritik. Ein kleiner erster Auftrag ist die g\u00fcnstigste Art, herauszufinden, ob das Team die Sachen \u00fcberhaupt tr\u00e4gt. (Ein Hoodie, der im Homeoffice l\u00e4uft, sagt mehr als jede Umfrage.) Wer mit 30 oder 50 Teilen anf\u00e4ngt, kann beim zweiten Mal gezielt nachlegen.<\/p>\n\n\n\n
Was dabei auff\u00e4llt: Die Firmen, die klein starten, sind nicht die, die es nicht ernst meinen. Sie sind meist die, die vorher gefragt haben, was das Team wirklich anziehen w\u00fcrde. Der Auftrag folgt der Antwort, nicht umgekehrt.<\/p>\n\n\n\n
Drei Dinge kommen immer wieder vor. Keines davon hat mit dem Textil zu tun.<\/p>\n\n\n\n
Das Logo liegt nur als PNG vor. Meist ist es die Datei aus der Kopfzeile der Website, oft nur ein paar hundert Pixel breit. F\u00fcr den Bildschirm reicht das, f\u00fcr Stick oder Druck nicht. Gebraucht wird eine Vektordatei, also SVG, EPS oder ein PDF mit Pfaden. Ein PDF ist dabei nicht automatisch Vektor, oft steckt nur das PNG darin. Der Test: auf 800 Prozent zoomen. Bleiben die Kanten glatt, passt es. (Wer das Logo von einer Agentur hat, bekommt sie dort mit einer Mail.) Ohne Vektordatei muss das Logo nachgezeichnet werden, und das kostet Zeit, bevor \u00fcberhaupt etwas produziert wird.<\/p>\n\n\n\n
Die Hausfarbe gibt es nicht. Zertifizierte Bio-Textilien kommen in vielen Farben, aber selten in genau dem Blau aus dem Corporate Design. Es gibt drei saubere Wege. Erstens: das Textil in einer nahen Farbe, das Logo tr\u00e4gt die Hausfarbe. Zweitens: ein neutrales Textil in Schwarz, Wei\u00df oder Grau, und das Logo bringt die Farbe. Drittens, und das ist neu: ungef\u00e4rbte Bio-Rohware, die erst nach der Bestellung in der Wunschfarbe gef\u00e4rbt wird. Das gab es lange nur in Mengen, die kein junges Unternehmen bestellt, inzwischen geht es ab gut hundert Teilen. Der Haken: Die F\u00e4rbung braucht rund vier Wochen, bevor \u00fcberhaupt bedruckt wird, und zwei F\u00e4rbepartien sind nie exakt gleich. (Wer diesen Weg w\u00e4hlt, l\u00e4sst sich vorher ein Farbmuster freigeben.) Alle drei funktionieren. Was nicht funktioniert, ist die Entscheidung erst zu treffen, wenn das Angebot schon steht.<\/p>\n\n\n\n
Niemand wei\u00df, wer lagert. F\u00fcnfzig Hoodies kommen in drei Kartons. Wer nimmt sie an? Wo stehen sie? Wer gibt neuen Leuten eins? Wird das nicht vor der Bestellung gekl\u00e4rt, steht der Karton nach einem Jahr halb voll im Abstellraum. Ein Name reicht. Es muss nicht HR sein, aber es muss jemand sein.<\/p>\n\n\n\n
Von der Freigabe des Designs bis zur Lieferung vergehen drei bis vier Wochen. Das ist normal und l\u00e4sst sich nur in Ausnahmen verk\u00fcrzen. In meinen Zahlen ist der November mit Abstand der st\u00e4rkste Monat, rund die H\u00e4lfte mehr Lieferungen als im Durchschnitt. Das hei\u00dft: Wer Kleidung zu Weihnachten oder zum Jahresauftakt verteilen will, fragt im Oktober an. Wer im November anfragt, konkurriert mit allen anderen um dieselben Produktionspl\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n
Dasselbe gilt f\u00fcr Sommerfeste und Firmenl\u00e4ufe. Mai und Juni sind der zweite H\u00f6hepunkt. Gibt es eine Deadline, lohnt es sich, sie in der ersten Mail zu nennen. Dann l\u00e4sst sich r\u00fcckw\u00e4rts planen.<\/p>\n\n\n\n
Knapp zwei Drittel der Firmen bestellen nach dem ersten Auftrag erneut, im Median nach rund drei Monaten. Das ist der eigentliche Grund, beim ersten Mal die Grundlagen sauber zu machen: die Vektordatei ablegen, die Farbentscheidung notieren, die Zust\u00e4ndigkeit festhalten. Der zweite Auftrag ist dann eine Mail mit einer Zahl drin.<\/p>\n\n\n\n
Wer das beim ersten Mal vers\u00e4umt, f\u00e4ngt beim zweiten Mal von vorn an. Dieselben Fragen, dieselben R\u00fcckfragen, dieselbe Wartezeit. Der Unterschied zwischen einem Team, bei dem Merch einfach l\u00e4uft, und einem, bei dem es jedes Mal ein Projekt ist, liegt fast nie am Produkt. Er liegt an drei Entscheidungen, die vor der ersten Bestellung getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n
Bildrechte: Christoph Schulze<\/p>\n\n\n\n
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n