{"id":127702,"date":"2026-10-06T10:07:41","date_gmt":"2026-10-06T08:07:41","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=127702"},"modified":"2026-10-06T10:07:42","modified_gmt":"2026-10-06T08:07:42","slug":"calliora-krankenhaeuser-ki-plattform","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/calliora-krankenhaeuser-ki-plattform\/","title":{"rendered":"Aus der Forschung ins Krankenhaus: Wie die KI-Plattform calliora Kliniken vor der Pr\u00fcfwelle 2027 rettet"},"content":{"rendered":"\n
Frederik Tr\u00e4uble und Jonas Wildberger. Beide haben in Cambridge und Oxford studiert, am Max-Planck-Institut f\u00fcr Intelligente Systeme in KI promoviert und in den KI-Teams von AWS und GSK gearbeitet. Was sie antreibt, ist ein Missstand, der nicht sein m\u00fcsste: Zwei Drittel der Krankenh\u00e4user in Deutschland haben 2024 Verluste gemacht. Das schadet dem ganzen Gesundheitssystem, und es ist kein Naturgesetz. Die Methoden, die das \u00e4ndern k\u00f6nnen, gab es in der Forschung l\u00e4ngst. Man musste sie nur ins Krankenhaus bringen.<\/p>\n\n\n\n
Wir hatten schon fr\u00fch die Ambition, die KI-Algorithmen, an welchen wir w\u00e4hrend unserer Promotion gearbeitet haben, dort einzusetzen, wo sie am meisten helfen: Im Healthcare Bereich. . Viele unserer Kollegen bei Max-Planck sind entweder in die USA zu den bekannten Technologie-Konzernen gegangen oder haben selbst erfolgreiche KI-Unternehmen gegr\u00fcndet. F\u00fcr uns war das also keine komplett neue Welt.<\/p>\n\n\n\n
Wir ersetzen kein System im Haus. calliora setzt auf das auf, was da ist: Krankenhausinformationssystem, Archive, Dokumentation, Kodierung, Pr\u00fcfverfahren. Und f\u00fchrt zusammen, was zu einem Fall geh\u00f6rt. W\u00e4hrend der Fall l\u00e4uft, schaut die Plattform: Ist eine Diagnose dokumentiert, aber nicht kodiert? Fehlt ein Nachweis, den der Medizinische Dienst verlangen w\u00fcrde? Dann sagt sie dem Team Bescheid, solange sich die L\u00fccke in Minuten schlie\u00dfen l\u00e4sst und nicht erst Wochen sp\u00e4ter in der Pr\u00fcfung.<\/p>\n\n\n\n
Die Entscheidung bleibt beim Fachpersonal. Sie pr\u00fcfen, sie geben frei. Abgerechnet wird nur, was in der Akte steht. Das ist wie eine gute OP-Assistenz: Sie kennt den Eingriff, wei\u00df, was als N\u00e4chstes kommt, und reicht das Instrument, bevor jemand fragt. Den Schnitt macht sie nicht.<\/p>\n\n\n\n
Das im Juli beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz koppelt die Pr\u00fcfquote an die Qualit\u00e4t der Rechnungen. Beanstandet der Medizinische Dienst mehr als 35 Prozent der gepr\u00fcften Rechnungen eines Hauses, d\u00fcrfen die Kassen bis zu 40 Prozent pr\u00fcfen lassen. Bei mehr als der H\u00e4lfte f\u00e4llt die Grenze ganz: bis zu 100 Prozent. Bisher waren es h\u00f6chstens 15.<\/p>\n\n\n\n
F\u00fcr ein Haus mit vielen Fehlern wird das zur Spirale. Jede Pr\u00fcfung bindet Leute und kostet R\u00fcckzahlung und Aufschlag. Wer viele Fehler hat, hat ab 2027 weniger Geld und weniger Zeit, die Ursachen abzustellen. Das eigentliche Problem ist nicht die Pr\u00fcfung. Es ist die Rechnung, bevor sie rausgeht. Und die entsteht im Betrieb, nicht im Controlling.<\/p>\n\n\n\n
Die Rechnung ist nur der Ort, an dem ein Fehler auff\u00e4llt. Entstanden ist er vorher, irgendwo im Betrieb. Weil wir den Fall von der Aufnahme bis zur Rechnung verfolgen, sehen wir, wo etwas aus dem Takt ger\u00e4t, quer durch Abteilungen und Berufsgruppen. Uns geht es nicht um eine bessere Abrechnung. Uns geht es um Krankenh\u00e4user, die wirtschaftlich auf stabilen Beinen stehen. Wie ein Monitor auf der Intensivstation: Der zeigt Abweichungen, bevor sie kritisch werden. Heute deckt calliora Kodierung, Fallpr\u00fcfung, MD-Management und Controlling ab. Die Abrechnung ist der erste Hebel, nicht das Ziel.<\/p>\n\n\n\n
Die meisten Systeme im Krankenhaus sind f\u00fcr einen Schritt gebaut. Eines dokumentiert, eines kodiert, eines pr\u00fcft, eines rechnet ab. Jedes f\u00fcr sich gut. Aber die Information l\u00e4uft nicht mit dem Fall. In der Logistik reist der Lieferschein mit der Palette. Im Krankenhaus wird zusammengesucht, was die Rechnung braucht, oft erst, wenn der Patient l\u00e4ngst zu Hause ist.<\/p>\n\n\n\n
Wir ersetzen nichts, wir setzen obendrauf und f\u00fchren zusammen. Wir arbeiten vor der Rechnung, und unterst\u00fctzen auch danach. Und bei uns entscheidet der Mensch: Die Plattform legt vor, die Fachkraft gibt frei.<\/p>\n\n\n\n
Private, kirchliche und \u00f6ffentliche H\u00e4user in f\u00fcnf Bundesl\u00e4ndern arbeiten im Alltag mit calliora. Der Aufwand je Fall hat sich dort teilweise mehr als halbiert. Und die Teams schlie\u00dfen L\u00fccken, die wir finden, bevor die Rechnung rausgeht.<\/p>\n\n\n\n
Alle Daten bleiben in zertifizierten Rechenzentren in der EU, nichts geht in Drittstaaten. Wir erf\u00fcllen alle relevanten Sicherheitsanforderungen und Zertifikationen. . Jeder Zugriff ist auf das N\u00f6tige beschr\u00e4nkt und wird protokolliert. Unabh\u00e4ngige Sicherheitsfirmen testen uns regelm\u00e4\u00dfig von au\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n
Beim KI-Einsatz gilt: Die Plattform entscheidet nicht, sie schl\u00e4gt vor. Menschen geben frei. Abgerechnet wird nur, was in der Akte steht, richtige Rechnungen, nicht h\u00f6here. Und alles ist nachvollziehbar: Wer wann was gepr\u00fcft und freigegeben hat, steht im Protokoll.<\/p>\n\n\n\n
Wir versprechen keine Einsparquote. Der Druck ist auch so gro\u00df genug. Ab 2027 kann ein Haus mit vielen beanstandeten Rechnungen von 15 auf 100 Prozent Pr\u00fcfquote hochgestuft werden. Da rollt ein b\u00fcrokratisches Monster auf die Krankenh\u00e4user zu. Die Kassen m\u00fcssen pr\u00fcfen, die H\u00e4user m\u00fcssen liefern. Ein Verfahren, das heute schon kompliziert ist, wird noch komplizierter.<\/p>\n\n\n\n
Mit unserer Technologie reduzieren wir die Aufw\u00e4nde und Fehler je Fall deutlich. Was das in Euro hei\u00dft, h\u00e4ngt vom Haus ab. Der Mechanismus ist \u00fcberall gleich. Kliniken bekommen bezahlt, was sie geleistet haben. Sie werden seltener gepr\u00fcft, weil ihre Rechnungen weniger Angriffsfl\u00e4che bieten. Und Leute, die heute Daten von einem System ins n\u00e4chste tippen, haben wieder Zeit f\u00fcr ihren eigentlichen Job.<\/p>\n\n\n\n
Kein einzelnes Werkzeug holt zwei Drittel der Kliniken aus den roten Zahlen. Aber ein Haus, das seine F\u00e4lle versteht, kann rechtzeitig gegensteuern.<\/p>\n\n\n\n
Mit den 6 Millionen US-Dollar bauen wir die Teams f\u00fcr KI, Engineering und Produkt in M\u00fcnchen aus und bringen die Plattform auf weitere Stationen des Fallverlaufs. Deutschland allein ist ein riesiger Markt. Aber wir denken europ\u00e4isch: eine Plattform f\u00fcr Krankenh\u00e4user, die sie wirtschaftlich besser macht. Dass BHI und redalpine die Runde anf\u00fchren und Experten wie Ulrich Wandschneider, Sara Siegel, Peter Sarlin und Frank Hutter investieren, hilft dabei. Sieie kennen Klinikmanagement und KI von innen.<\/p>\n\n\n\n
Krankenhaus\u00f6konomie ist f\u00fcr uns kein Backoffice-Thema. Sie ist Teil der Infrastruktur, die Versorgung sichert. Ein Haus, das dauerhaft wirtschaftlich arbeitet, kann in Menschen, Technik und Betten investieren, in das, worauf Patienten angewiesen sind.<\/p>\n\n\n\n
Unsere Vision: eine KI-Plattform, die den ganzen Fall kennt, von der Behandlung bis zur abgeschlossenen Akte. Sie \u00fcbernimmt die Routine, zeigt Risiken und Potenziale und holt den Menschen dort dazu, wo sein Urteil den Unterschied macht. KI ersetzt im Krankenhaus niemanden. Sie sorgt daf\u00fcr, dass nichts mehr \u00fcbersehen wird, nur weil es in einem anderen System steckt.<\/p>\n\n\n\n
Bildrechte: calliora<\/p>\n\n\n\n
Wir bedanken uns bei Dr. Frederik Tr\u00e4uble<\/a> und Dr. Jonas Wildberger<\/a> f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n