{"id":127770,"date":"2026-10-08T08:08:16","date_gmt":"2026-10-08T06:08:16","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=127770"},"modified":"2026-10-08T08:08:17","modified_gmt":"2026-10-08T06:08:17","slug":"novbyx-fahrrad-konstruktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/novbyx-fahrrad-konstruktion\/","title":{"rendered":"Rahmen neu gedacht: Wie Vater und Sohn mit NOVBYX das E-Bike revolutionieren"},"content":{"rendered":"\n

NOVBYX entwickelt ein urbanes Fahrrad mit einer patentierten Konstruktion aus zwei durchgehenden Aluminiumprofilen und will damit einen neuen Ansatz beim Rahmenbau verfolgen<\/h2>\n\n\n\n

Wer steckt hinter NOVBYX und wie ist die Idee entstanden, gemeinsam als Vater und Sohn ein eigenes E-Bike zu entwickeln?<\/h3>\n\n\n\n

Hinter NOVBYX stehen mein Vater Tadeusz Lacny und ich, Filip Lacny.<\/p>\n\n\n\n

Die urspr\u00fcngliche Idee f\u00fcr die Rahmenkonstruktion stammt von meinem Vater und ist schon deutlich \u00e4lter als NOVBYX als Marke. Er hat sich damals eine eigentlich sehr einfache Frage gestellt: Muss ein Fahrradrahmen wirklich immer aus mehreren einzelnen Rohren bestehen, die anschlie\u00dfend miteinander verschwei\u00dft werden?<\/p>\n\n\n\n

Aus dieser \u00dcberlegung entstand zun\u00e4chst die Konstruktion und sp\u00e4ter das europ\u00e4ische Patent.<\/p>\n\n\n\n

Mein Vater ist Ingenieur und f\u00fchrt in Deutschland die Lacny Engineering GmbH. Dort werden seit vielen Jahren technische Komponenten und Systeme entwickelt \u2013 vom Konzept bis zur Serie. Dieses Denken merkt man auch bei NOVBYX: Eine Idee ist erst der Anfang. Am Ende muss daraus etwas entstehen, das sich zuverl\u00e4ssig fertigen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n

Ich bin sp\u00e4ter st\u00e4rker in das Projekt eingestiegen, als wir beschlossen haben, aus der technischen Idee ein echtes Produkt und eine Marke zu entwickeln. Heute arbeiten wir gemeinsam daran: Mein Vater vor allem auf der technischen Seite, ich st\u00e4rker an Produkt, Marke und Gesch\u00e4ftsentwicklung. Die Entwicklung wird dabei auch vom Team von Lacny Engineering unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n

Mein Vater stammt aus Jaworzynka, ich aus Cieszyn direkt an der polnisch-tschechischen Grenze. Heute lebt mein Vater in M\u00fcnchen. NOVBYX ist f\u00fcr uns deshalb auch ein sehr pers\u00f6nliches Projekt \u2013 etwas, das wir als Vater und Sohn gemeinsam von einer Idee bis zu einem realen Fahrrad gebracht haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat euch dazu bewegt, beim Rahmen von NOVBYX einen anderen konstruktiven Ansatz als bei klassischen Fahrr\u00e4dern zu verfolgen?<\/h3>\n\n\n\n

Eigentlich genau diese eine Frage: Muss man einen Fahrradrahmen immer auf die gleiche Art bauen?<\/p>\n\n\n\n

Mein Vater wollte ausprobieren, ob sich die Hauptstruktur vereinfachen l\u00e4sst und ob man mit durchgehenden Profilen arbeiten kann, anstatt mehrere einzelne Rohre zuzuschneiden und anschlie\u00dfend zusammenzuschwei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n

Daraus ist die heutige Rahmenarchitektur von NOVBYX entstanden.<\/p>\n\n\n\n

Das Aussehen kam dabei nicht zuerst. Wir haben nicht versucht, ein m\u00f6glichst ungew\u00f6hnliches Fahrrad zu zeichnen. Die Form ist vielmehr eine Folge der Konstruktion. NOVBYX sieht anders aus, weil es anders aufgebaut ist.<\/p>\n\n\n\n

Der Hauptrahmen besteht aus zwei durchgehenden Aluminiumprofilen mit mechanischen Verbindungen. Welche Vorteile soll diese Konstruktion bieten?<\/h3>\n\n\n\n

Wir reduzieren die Anzahl der einzelnen strukturellen Bauteile und verzichten in der prim\u00e4ren Rahmenstruktur auf die klassischen Schwei\u00dfverbindungen.<\/p>\n\n\n\n

Die Profile werden geformt und \u00fcber pr\u00e4zise mechanische Verbindungen zusammengef\u00fcgt. Das er\u00f6ffnet aus unserer Sicht interessante M\u00f6glichkeiten bei Fertigung, Montage und langfristig auch bei Service und Austausch einzelner Komponenten. Uns geht es darum, ein Fahrrad zu entwickeln, das lange genutzt und bei Bedarf repariert werden kann.<\/p>\n\n\n\n

Unsere bisherigen internen Tests verlaufen sehr gut, und wir sind mit dem Verhalten der Konstruktion bislang wirklich zufrieden. Trotzdem wollen wir die gesamte technische \u00dcberpr\u00fcfung sauber abschlie\u00dfen, bevor wir daraus endg\u00fcltige Aussagen f\u00fcr die Serie ableiten.<\/p>\n\n\n\n

Ein physischer Prototyp von NOVBYX ist bereits vorhanden. Was konntet ihr damit bisher lernen und welche Fragen sind noch offen?<\/h3>\n\n\n\n

Der wichtigste Moment war wahrscheinlich der, als aus Patent, CAD-Daten und einzelnen Bauteilen pl\u00f6tzlich ein Fahrrad wurde, auf das man sich setzen und losfahren konnte.<\/p>\n\n\n\n

Mit einem realen Prototyp lernt man Dinge, die man am Bildschirm einfach nicht vollst\u00e4ndig beurteilen kann: Wie f\u00fchlt sich die Geometrie an? Wie funktioniert die Montage? Wie verhalten sich die Verbindungen? Welche Teile k\u00f6nnen leichter oder einfacher werden?<\/p>\n\n\n\n

Unser aktueller Prototyp ist deshalb ganz bewusst ein Entwicklungsfahrzeug. Wir fahren damit, testen ihn und ver\u00e4ndern Details.<\/p>\n\n\n\n

Die bisherigen Ergebnisse stimmen uns sehr positiv. Parallel zur weiteren Erprobung bereiten wir intern bereits den n\u00e4chsten Schritt vor: den \u00dcbergang vom Einzelprototyp zu einem wiederholbaren Produktionsprozess.<\/p>\n\n\n\n

Die Erprobung l\u00e4uft derzeit noch. Welche Tests sind f\u00fcr euch besonders wichtig, bevor ihr den n\u00e4chsten Schritt Richtung Produktion geht?<\/h3>\n\n\n\n

Besonders wichtig sind f\u00fcr uns die Belastungs- und Erm\u00fcdungstests des Rahmens.<\/p>\n\n\n\n

Ein Fahrradrahmen muss nicht nur eine einzelne hohe Belastung aushalten. Im normalen Alltag erlebt er \u00fcber Jahre sehr viele wiederkehrende Belastungszyklen. Genau deshalb ist dieser Bereich f\u00fcr uns so wichtig.<\/p>\n\n\n\n

Daneben betrachten wir die mechanischen Verbindungen, Fertigungstoleranzen und die Wiederholbarkeit der Montage.<\/p>\n\n\n\n

Unsere eigenen bisherigen Tests liefern sehr gute Ergebnisse. Die abschlie\u00dfende Validierung l\u00e4uft aber noch. Unser Ziel ist nicht nur ein funktionierender Prototyp, sondern eine Konstruktion, die sp\u00e4ter zuverl\u00e4ssig und reproduzierbar gefertigt werden kann.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr welche Zielgruppe entwickelt ihr NOVBYX und welche Anforderungen dieser Nutzer standen bei der Entwicklung im Mittelpunkt?<\/h3>\n\n\n\n

NOVBYX ist zun\u00e4chst ein urbanes E-Bike f\u00fcr Menschen, die sich f\u00fcr Technik und Design interessieren und ein Fahrrad suchen, das schon in seiner Grundkonstruktion anders ist.<\/p>\n\n\n\n

Trotzdem soll NOVBYX kein reines Designobjekt sein. Es soll im Alltag unkompliziert bleiben und sich gut warten lassen.<\/p>\n\n\n\n

Deshalb sehen wir f\u00fcr die Serienausstattung bei vielen Komponenten bewusst bew\u00e4hrte L\u00f6sungen vor, zum Beispiel Shimano CUES und hydraulische Shimano-Bremsen. Die Ausstattung des Entwicklungsprototyps kann davon noch abweichen.<\/p>\n\n\n\n

Das Ungew\u00f6hnliche soll vor allem dort stattfinden, wo NOVBYX wirklich anders ist: in der Architektur des Rahmens, nicht in der Bedienung des Fahrrads.<\/p>\n\n\n\n

Was unterscheidet NOVBYX aus eurer Sicht am st\u00e4rksten von anderen E-Bikes auf dem Markt?<\/h3>\n\n\n\n

Ganz klar der Ausgangspunkt.<\/p>\n\n\n\n

Bei E-Bikes stehen oft der Antrieb, der Akku oder die Software im Mittelpunkt. Bei uns begann die Entwicklung beim Rahmen.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden durchgehenden Profile und die mechanischen Verbindungen bestimmen die gesamte Silhouette des Fahrrads.<\/p>\n\n\n\n

Deshalb erkennt man NOVBYX sehr schnell wieder. Aber dieser Wiedererkennungswert wurde nicht nachtr\u00e4glich gestaltet \u2013 er ist aus der Konstruktion entstanden.<\/p>\n\n\n\n

Eure Konstruktion ist durch ein europ\u00e4isches Patent gesch\u00fctzt. Welche Bedeutung hat das Patent f\u00fcr eure weitere Unternehmensentwicklung?<\/h3>\n\n\n\n

Das Patent ist f\u00fcr uns wichtig, weil hinter der Konstruktion eine lange Entwicklungsgeschichte steht.<\/p>\n\n\n\n

Die Priorit\u00e4t der Erfindung reicht bis 2014 zur\u00fcck. Das europ\u00e4ische Patent EP 2 944 554 B1 wurde 2019 erteilt. Mein Vater ist darin als Erfinder genannt, die Anmeldung erfolgte durch die Lacny GmbH.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr ein junges Unternehmen ist dieses geistige Eigentum nat\u00fcrlich wertvoll. Trotzdem sehen wir das sehr n\u00fcchtern: Ein Patent allein macht noch kein gutes Produkt.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt geht es darum, aus dieser Idee ein Fahrrad zu machen, das technisch \u00fcberzeugt, die Tests besteht und sich zuverl\u00e4ssig produzieren l\u00e4sst. Das ist f\u00fcr uns momentan viel wichtiger als einfach nur sagen zu k\u00f6nnen, dass die Konstruktion patentiert ist.<\/p>\n\n\n\n

Vom funktionierenden Prototyp zur wiederholbaren Kleinserie ist es ein gro\u00dfer Schritt. Wo liegen f\u00fcr euch aktuell die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen?<\/h3>\n\n\n\n

Genau darin, aus einem funktionierenden Einzelst\u00fcck einen Prozess zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Bei einem Prototyp kann man viele Dinge noch individuell l\u00f6sen. In einer Serie m\u00fcssen Profile, Verbindungsteile, Toleranzen, Montage und Qualit\u00e4tskontrolle jedes Mal nach dem gleichen Standard funktionieren.<\/p>\n\n\n\n

Deshalb arbeiten wir inzwischen nicht mehr nur am Fahrrad selbst. Intern bereiten wir bereits die sp\u00e4tere Serienproduktion und gr\u00f6\u00dfere St\u00fcckzahlen vor \u2013 von Fertigungsprozessen und Lieferanten bis zu Montage und Qualit\u00e4tskontrolle.<\/p>\n\n\n\n

Dabei hilft die Erfahrung meines Vaters und des Teams von Lacny Engineering. Dort geh\u00f6rt es seit vielen Jahren zum Alltag, technische L\u00f6sungen vom Konzept in Richtung Serie zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n

Unsere ersten 77 Fahrr\u00e4der sehen wir als wichtigen Zwischenschritt. Lieber bauen wir diese erste Serie richtig und lernen daraus, als sofort St\u00fcckzahlen zu versprechen, die wir noch nicht sicher beherrschen.<\/p>\n\n\n\n

Welche Rolle soll Kickstarter bei der Finanzierung und beim Markteintritt von NOVBYX spielen?<\/h3>\n\n\n\n

Kickstarter ist f\u00fcr uns der n\u00e4chste Schritt zwischen Prototyp und erster Produktion.<\/p>\n\n\n\n

Die erste Signature 77 Series soll aus 77 individuell nummerierten Fahrr\u00e4dern bestehen. Diese ersten Unterst\u00fctzer sind f\u00fcr uns die Menschen, die NOVBYX ganz am Anfang begleiten.<\/p>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich soll Kickstarter auch einen Teil der ersten Produktion finanzieren. Fast genauso interessant ist f\u00fcr uns aber die direkte R\u00fcckmeldung: Aus welchen L\u00e4ndern kommt Interesse? Was \u00fcberzeugt die Menschen an dem Fahrrad? Welche Fragen stellen sie?<\/p>\n\n\n\n

Die Kampagne bereiten wir aktuell vor. Wir wollen dabei realistische Aussagen machen, statt zu fr\u00fch feste Produktions- oder Liefertermine zu versprechen. Parallel laufen die Tests und intern bereits die Vorbereitungen f\u00fcr die sp\u00e4tere Serienfertigung.<\/p>\n\n\n\n

Wo m\u00f6chtet ihr mit NOVBYX in den kommenden Jahren stehen und welche n\u00e4chsten Meilensteine habt ihr euch gesetzt?<\/h3>\n\n\n\n

Wir wollen aus NOVBYX eine Marke mit einer eigenen technischen Grundlage aufbauen, nicht nur ein einzelnes auff\u00e4lliges Fahrrad vorstellen.<\/p>\n\n\n\n

Der n\u00e4chste Schritt ist, die laufende Validierung abzuschlie\u00dfen und gleichzeitig die Produktion vorzubereiten. Danach m\u00f6chten wir die ersten 77 Fahrr\u00e4der bauen.<\/p>\n\n\n\n

Damit wollen wir zeigen, dass die Konstruktion nicht nur einmal als Prototyp funktioniert, sondern sich zuverl\u00e4ssig und wiederholbar herstellen l\u00e4sst. Darauf wollen wir die weitere Produktion aufbauen.<\/p>\n\n\n\n

Langfristig ist f\u00fcr uns auch die Rahmenarchitektur selbst spannend. Wenn sich das System bew\u00e4hrt, muss NOVBYX nicht bei einem einzigen Fahrradmodell bleiben.<\/p>\n\n\n\n

Aber zuerst wollen wir das erste Fahrrad richtig machen.<\/p>\n\n\n\n

Welche drei Ratschl\u00e4ge w\u00fcrdet ihr anderen Gr\u00fcndern geben, die mit begrenzten Ressourcen ein eigenes Hardware-Produkt entwickeln m\u00f6chten?<\/h3>\n\n\n\n

Erstens: Baut so fr\u00fch wie m\u00f6glich etwas Reales. Ein physischer Prototyp beantwortet Fragen, \u00fcber die man am Computer sehr lange diskutieren kann.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: Erwartet nicht, dass die erste Version perfekt ist. Hardware entwickelt sich Schritt f\u00fcr Schritt. Unser heutiger Prototyp ist auch das Ergebnis vieler Entscheidungen, \u00c4nderungen und Lernprozesse.<\/p>\n\n\n\n

Und drittens: Sprecht mit Menschen au\u00dferhalb des eigenen Teams. Lieferanten, Ingenieure, potenzielle Kunden und auch Journalisten stellen manchmal eine einfache Frage, auf die man selbst nach Monaten Arbeit nicht mehr kommt.<\/p>\n\n\n\n

Bildcredits NOVBYX<\/p>\n\n\n\n

Wir bedanken uns bei\u00a0Filip Lacny<\/a> f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n