{"id":127773,"date":"2026-10-09T09:03:19","date_gmt":"2026-10-09T07:03:19","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=127773"},"modified":"2026-10-09T09:03:21","modified_gmt":"2026-10-09T07:03:21","slug":"microharvest-produktion-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/microharvest-produktion-europa\/","title":{"rendered":"Proteine aus Leuna: Wie MicroHarvest Europas Ern\u00e4hrungssicherheit sichert"},"content":{"rendered":"\n

MicroHarvest treibt die Produktion in Europa voran und will mit einer eigenen Gro\u00dfanlage in Leuna die Proteinherstellung in den industriellen Ma\u00dfstab \u00fcberf\u00fchren<\/h2>\n\n\n\n

K\u00f6nnen Sie sich und MicroHarvest kurz vorstellen und erkl\u00e4ren, welche Vision hinter dem Unternehmen steht?<\/h3>\n\n\n\n

Ich bin Jonathan Roberz, Mitgr\u00fcnder und Co-CEO von MicroHarvest. Wir sind die Biotech-Antwort auf eine Frage, die Europa zu lange ignoriert hat: Wie sicher ist unsere Proteinversorgung? Fehlen Chips, steht in der Autoindustrie das Band wochenlang still. Was passiert, wenn Protein fehlt, m\u00f6chte sich niemand ausmalen. Heute importiert die EU 94 Prozent ihrer Sojaproteine aus Drittstaaten. Europas Lebensmittelindustrie darf nicht von fragilen globalen Lieferketten abh\u00e4ngen. Deshalb produzieren wir hochwertiges Protein per Fermentation, direkt in Europa.<\/p>\n\n\n\n

MicroHarvest befindet sich auf dem Weg vom Pilotbetrieb zur industriellen Produktion. Was ver\u00e4ndert sich, wenn aus einer technologischen Idee Produktion im gro\u00dfen Ma\u00dfstab werden soll?<\/h3>\n\n\n\n

F\u00fcr uns kommt dieser Schritt nicht pl\u00f6tzlich. Wir sind angetreten, ein produzierendes Unternehmen zu bauen, und haben den industriellen Ma\u00dfstab von Anfang an mitgedacht. Schon heute produzieren wir mit industriellen Partnern. Die eigene Gro\u00dfanlage ist trotzdem ein gro\u00dfer Schritt, vor dem wir Respekt haben und auf den ich mich riesig freue. Entscheidend ist, unser Tempo in der Entwicklung zu halten und in der Produktion ein neues Mindset zu leben. Denn an unserem Protein h\u00e4ngen Lieferketten. Das ist eine gro\u00dfe Verantwortung.<\/p>\n\n\n\n

Sie haben sich gemeinsam mit Katelijne Bekers f\u00fcr eine Doppelspitze entschieden. Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt?<\/h3>\n\n\n\n

Weil gerade sehr viel gleichzeitig passiert: Wir bauen Leuna, erschlie\u00dfen neue M\u00e4rkte und entwickeln unsere Technologie weiter. Wer schnell skalieren und zugleich ein stabiles Fundament bauen will, braucht das richtige F\u00fchrungsteam. Unsere n\u00e4chste Phase verlangt zwei Schwerpunkte, die parallel mit voller Kraft laufen: kommerzielle Expansion und der Aufbau der Produktion in Europa. Mit der Doppelspitze und dem neu aufgestellten Leadership-Team k\u00f6nnen wir auf alles schnell und professionell reagieren.<\/p>\n\n\n\n

Wie teilen Sie die Verantwortlichkeiten konkret auf und wo arbeiten Sie weiterhin eng zusammen?<\/h3>\n\n\n\n

Kate verantwortet die kommerzielle Expansion \u00fcber M\u00e4rkte und Regionen hinweg. Ich verantworte die Umsetzung unserer Wachstumsstrategie und den Aufbau unseres Fundaments in Europa, allen voran Leuna. In seinem Bereich entscheidet jeder eigenst\u00e4ndig. Das macht uns schneller. Gemeinsam entscheiden wir \u00fcber alles, was die Richtung von MicroHarvest pr\u00e4gt: Strategie, Finanzierung, Schl\u00fcsselpositionen und gro\u00dfe Partnerschaften. Die strategische Ausrichtung legen wir zusammen mit unserer CTO Lu\u00edsa Cruz fest.<\/p>\n\n\n\n

Welche Herausforderungen bringt diese klare Aufgabenteilung mit sich?<\/h3>\n\n\n\n

Die Doppelspitze verlangt vor allem Klarheit dar\u00fcber, wer was entscheidet. Diese Linien haben Kate und ich fr\u00fch und sauber gezogen, so laufen kommerzielle Expansion und Produktionsaufbau parallel mit vollem Tempo. Dass das Modell tr\u00e4gt, zeigt die Praxis: Netflix wird seit Jahren erfolgreich von einer Doppelspitze gef\u00fchrt. Laut einer Analyse der Harvard Business Review erzielen Unternehmen mit Co-CEOs im Schnitt eine h\u00f6here Rendite f\u00fcr ihre Anteilseigner. Entscheidend ist, dass das Team funktioniert. Das tut es, zwischen Kate und mir und im gesamten Leadership-Team.<\/p>\n\n\n\n

Im Chemiepark Leuna entsteht Ihre erste gro\u00dfskalige Produktionsanlage mit einer geplanten Jahreskapazit\u00e4t von 15.000 Tonnen. Warum haben Sie sich f\u00fcr diesen Standort entschieden?<\/h3>\n\n\n\n

Aus zwei Gr\u00fcnden. Erstens liegt Leuna mitten in einer starken Agrarregion. In direkter Umgebung produzieren Pfeifer & Langen, Nordzucker und S\u00fcdzucker, dazu viele weitere Agrarbetriebe. Dort fallen genau die Neben- und Reststr\u00f6me an, die unser Rohstoff sind. Zweitens stellt InfraLeuna als Chemieparkbetreiber alles au\u00dferhalb unserer Anlage bereit, im Engineering \u201eOutside Battery Limits\u201c genannt. Wir m\u00fcssen uns nicht um Versorgungseinrichtungen k\u00fcmmern und k\u00f6nnen uns voll auf unseren Kernprozess konzentrieren.<\/p>\n\n\n\n

Die Anlage soll bis Ende 2028 aufgebaut werden. Welche entscheidenden Meilensteine m\u00fcssen Sie auf dem Weg zur gro\u00dfskaligen Produktion noch erreichen?<\/h3>\n\n\n\n

Wir \u00fcbersetzen jetzt alles, was wir gelernt haben, in eine eigene Anlage. Die wichtigsten Meilensteine sind der Abschluss der Finanzierung mit der finalen Investitionsentscheidung sowie langfristige Abnahmevertr\u00e4ge mit Kunden. Dazu kommen Genehmigung und Engineering sowie Bau, Inbetriebnahme und Hochfahren auf volle Kapazit\u00e4t. Jeder Schritt ist anspruchsvoll. Ich bin \u00fcberzeugt, dass wir sie alle meistern.<\/p>\n\n\n\n

MicroHarvest stellt Proteine mithilfe von Fermentation und unter Nutzung von Agrar-Nebenstr\u00f6men her. Wie funktioniert das Verfahren und welche Vorteile bietet es gegen\u00fcber herk\u00f6mmlichen Proteinquellen?<\/h3>\n\n\n\n

Im Prinzip ganz einfach. Wir nutzen Mikroorganismen aus der Natur, wie man sie aus der Herstellung von Joghurt oder Kimchi kennt. In einem Prozess \u00e4hnlich einer Brauerei verwerten sie die Energie aus Agrar-Nebenstr\u00f6men und wachsen exponentiell. Die entstehende Biomasse ist das MicroHarvest-Protein. Anders als eine Brauerei ist unser Prozess um ein Vielfaches produktiver, darin liegt unsere Kernexpertise.<\/p>\n\n\n\n

Das Ergebnis ist ein Protein ohne Kompromisse: exzellenter N\u00e4hrwert, sehr guter Geschmack, hervorragende Verdaulichkeit und viele Mikron\u00e4hrstoffe. Produziert in Europa, unabh\u00e4ngig von Anbaufl\u00e4chen, Wetter und globalen Lieferketten.<\/p>\n\n\n\n

Produkte mit Ihren Proteinen sind bereits in mehr als 1.800 Verkaufsstellen in Deutschland erh\u00e4ltlich. Was haben Sie aus der bisherigen Markteinf\u00fchrung \u00fcber die Akzeptanz bei Herstellern, Handel und Verbrauchern gelernt?<\/h3>\n\n\n\n

Die Markteinf\u00fchrung lief sehr gut. Die wichtigste Erkenntnis: Der Bedarf ist gr\u00f6\u00dfer, als wir ihn heute bedienen k\u00f6nnen. Hersteller suchen Proteine, die funktional \u00fcberzeugen und verl\u00e4sslich verf\u00fcgbar sind. Bei Handel und Verbrauchern z\u00e4hlen am Ende Geschmack und Qualit\u00e4t. Diese Nachfrage gibt uns Sicherheit: Wir legen schon heute die Basis f\u00fcr den Ramp-up in Leuna und vertiefen unsere Kundenbeziehungen. So k\u00f6nnen wir die Produktion nach der Inbetriebnahme sehr schnell hochfahren.<\/p>\n\n\n\n

Europa ist bei verschiedenen Proteinquellen auf Importe angewiesen. Welchen Beitrag kann eine europ\u00e4ische Produktion wie die von MicroHarvest langfristig zu einer unabh\u00e4ngigeren Versorgung leisten?<\/h3>\n\n\n\n

Einen entscheidenden. Wir machen Protein dort verf\u00fcgbar, wo es fehlt, aus Rohstoffen, die in Europa ohnehin anfallen. Die ersten 15.000 Tonnen aus Leuna sind nur der erste Schritt, wir werden weiter wachsen. F\u00fcr M\u00e4rkte au\u00dferhalb Europas bauen wir deshalb auch dort Standorte auf. Der Anspruch bleibt \u00fcberall gleich: hochwertiges Protein verl\u00e4sslich dort liefern, wo es gebraucht wird. Daran wollen wir uns messen lassen.<\/p>\n\n\n\n

Mit dem Bau einer eigenen Gro\u00dfanlage steigen Kapitalbedarf, operative Komplexit\u00e4t und wirtschaftliches Risiko erheblich. Wie bereiten Sie MicroHarvest organisatorisch und finanziell auf diese n\u00e4chste Gr\u00f6\u00dfenordnung vor?<\/h3>\n\n\n\n

Organisatorisch investieren wir gezielt in unser Team. Wir binden erfahrene Menschen an uns, bei MicroHarvest selbst und \u00fcber Partnerschaften, und wachsen gemeinsam mit ihnen. Finanziell setzen wir auf starke Partner: Unsere Seed-Runde finanzierte FoodLabs, einer der bekanntesten Food-Tech-Investoren Europas. Die Series A f\u00fchrte Astanor an, einer der f\u00fchrenden Agrifood-Investoren Europas. Zuletzt haben wir mit ABN AMRO eine der drei gr\u00f6\u00dften Banken der Niederlande gewonnen. Dazu kommen strategische Partner, die Kompetenz und Zugang zu Rohstoffen und M\u00e4rkten mitbringen.<\/p>\n\n\n\n

Mit COO Jan-Philipp Birke und CFO Justus Reich haben Sie zwei F\u00fchrungspositionen aus dem eigenen Team besetzt. Warum war es Ihnen wichtig, diese n\u00e4chste Wachstumsphase mit F\u00fchrungskr\u00e4ften aus den eigenen Reihen zu gestalten?<\/h3>\n\n\n\n

Als wir Jan-Philipp und Justus eingestellt haben, war mir sofort klar: Die beiden sind in ihren Bereichen deutlich besser als ich. Genau das ist mein Anspruch bei jeder Einstellung. Wenn jeder Bereich mit jemandem besetzt ist, der wirklich exzellent ist, k\u00f6nnen wir aus den eigenen Reihen wachsen. Beide arbeiten l\u00e4ngst auf diesem Niveau, jetzt machen wir es offiziell. Das motiviert das ganze Team und macht MicroHarvest st\u00e4rker.<\/p>\n\n\n\n

Was waren bislang die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen beim Aufbau von MicroHarvest und welche Entscheidungen w\u00fcrden Sie mit Ihrer heutigen Erfahrung anders treffen?<\/h3>\n\n\n\n

Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung war, Technologie, Produktion und Finanzierung gleichzeitig voranzutreiben, in einem f\u00fcr Deep-Tech schwierigen Kapitalmarkt. Wir arbeiten extrem datengetrieben und entscheiden auf Basis von Fakten. R\u00fcckblickend h\u00e4tte ich manche Entscheidung gern fr\u00fcher getroffen. Einen Vorwurf mache ich uns nicht: Ohne die Daten von heute fehlte damals die Klarheit. Unterm Strich bin ich sehr zufrieden, wo wir stehen und wie wir dahin gekommen sind.<\/p>\n\n\n\n

Wo soll MicroHarvest nach der Inbetriebnahme der Anlage in Leuna stehen und welche weiteren M\u00e4rkte oder Anwendungen m\u00f6chten Sie anschlie\u00dfend erschlie\u00dfen?<\/h3>\n\n\n\n

Wir haben Leuna so geplant, dass wir am Standort weiter ausbauen k\u00f6nnen. Damit allein geben wir uns nicht zufrieden. Wir werden zus\u00e4tzliche Anlagen bauen, um die Proteinversorgung global zu sichern. Und wir \u00fcbertragen unsere Technologie auf weitere M\u00e4rkte und Anwendungen, damit die Effizienzgewinne unseres Prozesses auch in anderen Bereichen wirken.<\/p>\n\n\n\n

Welche drei Tipps w\u00fcrden Sie anderen Gr\u00fcndern mit auf den Weg geben, die ihr Unternehmen vom Startup zum industriell produzierenden Scale-up entwickeln m\u00f6chten?<\/h3>\n\n\n\n
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  1. Seid mutig und geht voran: Respekt vor dem gro\u00dfen Schritt ist richtig. Wer auf den perfekten Moment wartet, kommt nie an.<\/li>\n\n\n\n
  2. Denkt den Ma\u00dfstab von Anfang an mit: Eine Technologie, die nur im Labor funktioniert, hilft niemandem.<\/li>\n\n\n\n
  3. Umgebt euch mit guten Leuten: Holt Menschen an Bord, die in ihrem Bereich besser sind als ihr, und bindet starke Partner an euch.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n

    Bildrechte MicroHarvest<\/p>\n\n\n\n

    Wir bedanken uns bei Jonathan Roberz<\/a> f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n

    Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n