{"id":127805,"date":"2026-10-12T08:51:00","date_gmt":"2026-10-12T06:51:00","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=127805"},"modified":"2026-10-12T08:51:01","modified_gmt":"2026-10-12T06:51:01","slug":"fobissie-kakao-schokolade-kamerun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/fobissie-kakao-schokolade-kamerun\/","title":{"rendered":"Vom Profifu\u00dfball zur Kakaomarke: Wie Saagon Fobissie faire Schokolade aus Kamerun etablieren will"},"content":{"rendered":"\n
Ich bin Saagon Fobissie, 21 Jahre alt, Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Fobissie. Einen gro\u00dfen Teil meiner Jugend hat zun\u00e4chst der Fu\u00dfball gepr\u00e4gt. Mit sechs Jahren habe ich angefangen zu spielen, ab etwa 13 war ich bei Werder Bremen im Leistungsbereich. Mit 16 bin ich nach Kiel gezogen und habe dort zwei Jahre gelebt und bei Holstein Kiel unter anderem in der U17- und U19-Bundesliga gespielt.<\/p>\n\n\n\n
Parallel dazu hatte ich schon fr\u00fch Einblicke in das Unternehmen meines Vaters. Mit UTAMTSI besch\u00e4ftigt er sich seit vielen Jahren mit Spezialit\u00e4tenkaffee und weiteren hochwertigen Rohstoffen aus verschiedenen Anbauregionen, unter anderem aus Kamerun und Uganda. Ich war auf Messen dabei, habe im Unternehmen mitgearbeitet und dadurch fr\u00fch gesehen, was hinter Herkunft, Verarbeitung und direktem Handel steckt.<\/p>\n\n\n\n
Als ich 2023 mit dem Leistungsfu\u00dfball aufgeh\u00f6rt habe, habe ich deutlich intensiver im Familienunternehmen gearbeitet \u2013 in Produktion, Marketing und verschiedenen operativen Bereichen. Dort bin ich auch st\u00e4rker mit Kakao in Kontakt gekommen. Mich hat die Frage besch\u00e4ftigt, warum ein hochwertiger Rohstoff aus Kamerun exportiert wird, aber ein gro\u00dfer Teil der Verarbeitung und Wertsch\u00f6pfung anschlie\u00dfend woanders stattfindet.<\/p>\n\n\n\n
Ich wollte selbst verstehen, wie aus der Bohne ein hochwertiges Kakaoprodukt entsteht. Daraus haben sich zun\u00e4chst Experimente und sp\u00e4ter Fobissie entwickelt. Ein besonderer Moment war f\u00fcr mich, als ich meinem Onkel in Kamerun eine Schokoladentafel aus Kakao aus seinem eigenen Umfeld geben konnte. Er konnte zum ersten Mal erleben, wie dieser Kakao als fertige Schokolade schmeckt.<\/p>\n\n\n\n
Genau darum geht es mir: Kakao aus Kamerun nicht nur als Exportrohstoff zu betrachten, sondern als hochwertigen Rohstoff, aus dem eigenst\u00e4ndige Premiumprodukte und langfristig mehr Wertsch\u00f6pfung entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n
Der Fu\u00dfball hat mir vor allem Disziplin, Ehrgeiz, Konsequenz und den Umgang mit R\u00fcckschl\u00e4gen beigebracht. Mein Alltag war \u00fcber viele Jahre sehr klar strukturiert. Man trainiert auch dann, wenn man nicht jeden Tag motiviert ist. Man arbeitet zus\u00e4tzlich an sich, \u00fcbernimmt Verantwortung f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Regeneration und beginnt am n\u00e4chsten Morgen wieder von vorne.<\/p>\n\n\n\n
Besonders wichtig war f\u00fcr mich der Umgang mit Niederlagen. Man verliert ein Spiel, verletzt sich oder erreicht ein pers\u00f6nliches Ziel nicht \u2013 und trotzdem muss man entscheiden, wie man am n\u00e4chsten Tag damit umgeht. Diese F\u00e4higkeit, R\u00fcckschl\u00e4ge aufzunehmen, daraus zu lernen und weiterzumachen, pr\u00e4gt mich bis heute.<\/p>\n\n\n\n
Als mein Weg im Leistungsfu\u00dfball 2023 endete, habe ich diesen Ehrgeiz nicht verloren. Ich habe ihn auf das Unternehmertum \u00fcbertragen. Viele Eigenschaften, die ich heute beim Aufbau eines Unternehmens brauche \u2013 Belastbarkeit, Selbstst\u00e4ndigkeit, Teamf\u00e4higkeit und l\u00f6sungsorientiertes Denken \u2013 habe ich im Fu\u00dfball gelernt.<\/p>\n\n\n\n
Ein zentraler Gedanke ist f\u00fcr mich Bean-to-Bar. Ich m\u00f6chte nicht nur ein fertiges Produkt verkaufen, sondern verstehen und transparent machen, welche Schritte notwendig sind, bevor eine Schokolade \u00fcberhaupt im Regal steht.<\/p>\n\n\n\n
Zwischen dem Produzenten und dem fertigen Produkt liegen Anbau, Ernte, Fermentation, Trocknung, Sortierung, Transport, R\u00f6stung, Mahlen, Conchieren, Temperieren und viele weitere Schritte. Mir ist aufgefallen, dass dar\u00fcber h\u00e4ufig nur wenig gesprochen wird. Diese Wissensl\u00fccke m\u00f6chte ich verkleinern.<\/p>\n\n\n\n
Gleichzeitig ist vertikale Integration f\u00fcr mich eine Qualit\u00e4tsfrage. Je besser ich Herkunft, Verarbeitung und einzelne Zutaten kenne, desto besser kann ich verstehen, wodurch Qualit\u00e4t entsteht und wie ich sie langfristig m\u00f6glichst konstant halten kann. Das betrifft sowohl Qualit\u00e4t als auch Kosten und Abh\u00e4ngigkeiten.<\/p>\n\n\n\n
Au\u00dferdem m\u00f6chte ich zeigen, dass Kakao viel vielseitiger ist als das klassische Bild einer stark ges\u00fc\u00dften Schokoladentafel. Kakao kann als Schokolade, Trinkkakao, Kakaopulver, Kakaodrops, Kakaoschale oder Kakaobutter verarbeitet werden. Der Rohstoff bietet sehr viel mehr M\u00f6glichkeiten, als viele Menschen zun\u00e4chst vermuten.<\/p>\n\n\n\n
Die direkte Kontrolle erm\u00f6glicht mir, Herkunft, Qualit\u00e4t, Kosten und die Beziehungen zu unseren Partnern besser zu verstehen. Gerade bei Kakao entsteht Qualit\u00e4t nicht erst in Deutschland. Wann geerntet wird, wie fermentiert und getrocknet wird, wie die Bohnen gelagert und transportiert werden \u2013 all das entscheidet sp\u00e4ter mit \u00fcber das Endprodukt.<\/p>\n\n\n\n
Wenn in einem fr\u00fchen Verarbeitungsschritt etwas grundlegend falsch l\u00e4uft, kann ich das am Ende der Kette nicht einfach wieder korrigieren. Gleichzeitig k\u00f6nnen sich durch Klimaeinfl\u00fcsse Erntezeiten und Rohstoffeigenschaften ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n
Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung ist deshalb die Koordination. Ich muss verstehen, wann Rohstoffe verf\u00fcgbar sind, wann eingekauft werden muss, wie gelagert wird, welche Produktionsschritte wann stattfinden und wie die Qualit\u00e4t \u00fcber die gesamte Kette erhalten bleibt.<\/p>\n\n\n\n
Dazu kommt eine enorme Kompetenzaneignung. Man muss nicht nur Schokolade herstellen k\u00f6nnen, sondern Produktionsprozesse, Logistik, Qualit\u00e4tssicherung und die unterschiedlichen Interessen der Beteiligten verstehen. Mein Ziel ist eine Struktur, in der der Produzent fair entlohnt wird und der Kunde gleichzeitig ein hochwertiges Produkt bekommt.<\/p>\n\n\n\n
Der Kakao aus Westkamerun besitzt f\u00fcr mich einen sehr eigenen Geschmackskomplex. Dieses Potenzial entsteht aber nicht automatisch. Entscheidend ist, wie der Kakao geerntet, fermentiert, getrocknet, sortiert, transportiert, ger\u00f6stet und sp\u00e4ter verarbeitet wird.<\/p>\n\n\n\n
Ich sehe Qualit\u00e4t deshalb als durchgehenden Prozess. Vom Pfl\u00fccken bis zu dem Moment, in dem jemand in die fertige Schokolade bei\u00dft, gibt es viele Stellen, an denen Qualit\u00e4t entweder erhalten oder verloren werden kann.<\/p>\n\n\n\n
Der Kakao w\u00e4chst in unserer Region zudem nicht isoliert in einer reinen Monokultur, sondern in einer vielf\u00e4ltigeren Umgebung gemeinsam mit anderen Pflanzen. Dieses Terroir und die lokalen Bedingungen pr\u00e4gen auch den Charakter des Rohstoffs.<\/p>\n\n\n\n
Bei der Zusammenarbeit mit den Produzenten ist mir wichtig, ihre Interessen zu verstehen. Die Menschen vor Ort m\u00fcssen von ihrer Arbeit leben k\u00f6nnen und einen wirtschaftlichen Anreiz daf\u00fcr haben, langfristig hohe Qualit\u00e4t zu liefern und ihre Anbaufl\u00e4chen zu erhalten. Daf\u00fcr braucht es faire Preise, enge Beziehungen, regelm\u00e4\u00dfigen Austausch und Transparenz.<\/p>\n\n\n\n
Mein Ziel ist letztlich eine Win-win-Situation entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette. Es sollte nicht notwendig sein, dass jemand schlechter gestellt wird, damit am Ende eine gute Schokolade entsteht.<\/p>\n\n\n\n
Ein wichtiger Bestandteil sind direkte Handelsbeziehungen und eine Verg\u00fctung, die \u00fcber dem \u00fcblichen Weltmarktniveau liegt. Dadurch soll Landwirtschaft langfristig ein Einkommen erm\u00f6glichen, von dem Menschen tats\u00e4chlich leben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n
Gleichzeitig geht es darum, die nat\u00fcrlichen Anbaubedingungen zu erhalten. Ich m\u00f6chte einen m\u00f6glichst naturnahen und \u00f6kologisch vertr\u00e4glichen Anbau unterst\u00fctzen, der ohne unn\u00f6tige chemische Belastung des Bodens auskommt und das Terroir langfristig sch\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n
\u00d6konomische und \u00f6kologische Nachhaltigkeit geh\u00f6ren f\u00fcr mich zusammen. Wenn Produzenten vern\u00fcnftig von ihrer Arbeit leben k\u00f6nnen, entsteht auch ein anderer Anreiz, B\u00f6den, Pflanzen und Anbaustrukturen langfristig zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n
Auf der anderen Seite m\u00f6chte ich Kunden in Deutschland st\u00e4rker vermitteln, woher ein Produkt kommt, welche Menschen daran beteiligt sind und warum hochwertige Rohstoffe ihren Preis haben. Langfristig m\u00f6chte ich au\u00dferdem immer mehr Verarbeitungskompetenz und Wertsch\u00f6pfung rund um den Ursprung aufbauen.<\/p>\n\n\n\n
F\u00fcr mich beginnt der Unterschied beim Rohstoff. Wir arbeiten mit Kakao aus einer klar definierten Region in Westkamerun und besch\u00e4ftigen uns intensiv damit, wie Herkunft, Fermentation, Trocknung und Verarbeitung das sp\u00e4tere Produkt beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n
Danach kommt unsere eigene Verarbeitung. Wir besch\u00e4ftigen uns selbst mit R\u00f6sten, Mahlen, Conchieren, Temperieren und Rezepturen und arbeiten bewusst mit wenigen Zutaten und ohne unn\u00f6tige Zus\u00e4tze oder Emulgatoren.<\/p>\n\n\n\n
Ein weiterer Unterschied ist die sensorische Ausrichtung. Unser Kakao wird von Kunden h\u00e4ufig als charaktervoll und teilweise nussig wahrgenommen und besitzt ein eigenes Schmelz- und Geschmacksprofil. Mir geht es nicht darum, den Geschmack industriell zu standardisieren, sondern das Potenzial des Rohstoffs m\u00f6glichst sauber herauszuarbeiten.<\/p>\n\n\n\n
Gleichzeitig denken wir Kakao nicht nur als klassische Schokolade. Derselbe Rohstoff kann beispielsweise als Schokoladentafel, 100-Prozent-Kakaodrops oder Trinkkakao angeboten werden.<\/p>\n\n\n\n
Damit richten wir uns an Menschen, die sich st\u00e4rker f\u00fcr Herkunft, Geschmack, Verarbeitung und Qualit\u00e4t interessieren, aber auch an professionelle Kunden, die hochwertige Kakaoprodukte weiterverarbeiten m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n
Ich habe sehr schnell gemerkt, wie viel technisches Wissen hinter einer guten Schokolade steckt. Am Anfang habe ich viel \u00fcber Fachliteratur und Schokoladenhandb\u00fccher gelernt, sp\u00e4ter Seminare besucht, mich auch in den USA weitergebildet und praktische Erfahrungen mit Fachleuten in S\u00fcddeutschland gesammelt.<\/p>\n\n\n\n
Trotzdem lerne ich bis heute st\u00e4ndig weiter. Von Fermentation und Trocknung \u00fcber R\u00f6sten, Mahlen und Conchieren bis hin zu Temperierung, Lagerung und Haltbarkeit muss man viele chemische und physikalische Zusammenh\u00e4nge verstehen.<\/p>\n\n\n\n
Bei meinen Rezepturen habe ich deshalb sehr systematisch gearbeitet. Ich habe einzelne Schritte dokumentiert, Rezepturen ver\u00e4ndert, erneut produziert, Ergebnisse ausgewertet und wieder angepasst. Teilweise bedeutet Produktentwicklung, denselben Prozess immer wieder neu durchzugehen.<\/p>\n\n\n\n
Geschmack ist f\u00fcr mich dabei ein wesentlicher Bestandteil von Qualit\u00e4t. Deshalb spielt Kundenfeedback ebenfalls eine gro\u00dfe Rolle. Wie wird die Sensorik wahrgenommen? Wie ist der Schmelz? Was gef\u00e4llt und was muss ver\u00e4ndert werden? Innovation entsteht f\u00fcr mich aus dieser Verbindung zwischen Rohstoffwissen, technischem Lernen und echtem Feedback aus dem Markt.<\/p>\n\n\n\n
Meine Bachelorarbeit hat mir geholfen, Dinge wissenschaftlich einzuordnen, die ich vorher bereits praktisch erlebt hatte.<\/p>\n\n\n\n
Ich habe mich mit physischen und temporalen Restriktionen in der Produktentwicklung besch\u00e4ftigt und dabei insbesondere hinterfragt, wie gut klassische Lean-Startup-Logiken aus der Tech-Welt auf physische Produkte \u00fcbertragbar sind.<\/p>\n\n\n\n
Bei Software kann eine \u00c4nderung teilweise innerhalb weniger Stunden umgesetzt und wieder zur\u00fcckgenommen werden. Bei einem Lebensmittel funktioniert das anders. Rohstoffe besitzen nat\u00fcrliche Schwankungen. Rezepturen m\u00fcssen produziert werden. Haltbarkeit, K\u00fchlung, Lagerung und Qualit\u00e4tsstabilit\u00e4t brauchen Zeit. Ein Fehler kostet Rohstoffe, Produktionskapazit\u00e4t und Kapital.<\/p>\n\n\n\n
Dadurch laufen Lern- und Entwicklungszyklen wesentlich langsamer und sind weniger reversibel. Auch beim Skalieren reicht es nicht, einfach mehr Kunden zu gewinnen. Man braucht Produktionskapazit\u00e4ten, Maschinen, Lieferketten und Qualit\u00e4tssicherung.<\/p>\n\n\n\n
F\u00fcr mich war besonders interessant, dass ich gleichzeitig Gr\u00fcnder und Forscher war. Die praktische Arbeit hat mir die Forschungsfragen gegeben, und die wissenschaftliche Arbeit hat mir anschlie\u00dfend geholfen, meine eigenen unternehmerischen Probleme strukturierter zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n
Die Herausforderung liegt f\u00fcr mich weniger in der Zahl 21 als in der Verantwortung, die sehr fr\u00fch damit verbunden ist.<\/p>\n\n\n\n
Ich habe Fobissie parallel zum Studium aufgebaut. Man sitzt in einer Vorlesung und kurz danach muss ein Kundenproblem gel\u00f6st werden. Danach geht es vielleicht in die Produktion, anschlie\u00dfend zur Buchhaltung und sp\u00e4ter muss noch mit Partnern in Kamerun gesprochen werden. Man muss sehr fr\u00fch lernen, unterschiedliche Rollen gleichzeitig zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n
Mein Vater war dabei ein wichtiger Mentor. Durch seine unternehmerische Erfahrung konnte ich schon fr\u00fch beobachten, was Unternehmertum in der Realit\u00e4t bedeutet, und hatte jemanden, den ich bei bestimmten Fragen um Rat bitten konnte.<\/p>\n\n\n\n
Trotzdem muss man die Verantwortung f\u00fcr das eigene Unternehmen irgendwann selbst \u00fcbernehmen und sich sehr viel Wissen w\u00e4hrend des Machens aneignen.<\/p>\n\n\n\n
Auch hier hat mir der Fu\u00dfball geholfen. Druck, lange Tage, R\u00fcckschl\u00e4ge und hohe Erwartungen waren mir nicht v\u00f6llig fremd. Der Ehrgeiz und die Disziplin aus dieser Zeit helfen mir bis heute sehr.<\/p>\n\n\n\n
Fobissie befindet sich gerade an einem wichtigen \u00dcbergang. Die vergangenen Jahre waren stark von Produktentwicklung, Tests und Marktfeedback gepr\u00e4gt. Mittlerweile sehe ich, dass wir uns einem Product-Market-Fit deutlich angen\u00e4hert haben. Die Produkte sind im Markt angekommen, Kunden nehmen sie an und jetzt geht es st\u00e4rker um gezielte Optimierung und Professionalisierung.<\/p>\n\n\n\n
Der n\u00e4chste Schritt besteht f\u00fcr mich deshalb nicht darin, einfach m\u00f6glichst schnell gr\u00f6\u00dfer zu werden. Zuerst muss klar sein, wie Produktion, Beschaffung, Verarbeitung und Vertrieb langfristig strukturiert werden sollen \u2013 sowohl in Deutschland als auch perspektivisch in Kamerun.<\/p>\n\n\n\n
Anschlie\u00dfend kann Schritt f\u00fcr Schritt entschieden werden, welche Produktionskapazit\u00e4ten aufgebaut und welche Vertriebskan\u00e4le st\u00e4rker skaliert werden. Dabei werden E-Commerce, Gesch\u00e4ftskunden und neue Vertriebspartnerschaften unterschiedliche Rollen spielen. Welche Kan\u00e4le besonders stark ausgebaut werden, m\u00f6chte ich anhand der tats\u00e4chlichen Nachfrage und Marktreaktionen entscheiden.<\/p>\n\n\n\n
Bei der Finanzierung halte ich mir bewusst verschiedene Optionen offen. Je nachdem, welcher konkrete Investitionsschritt ansteht, k\u00f6nnen unterschiedliche Finanzierungsinstrumente sinnvoll sein. Entscheidend ist f\u00fcr mich weniger die Finanzierungsform selbst als die Frage, ob sie langfristig zur jeweiligen Entwicklungsstufe des Unternehmens passt.<\/p>\n\n\n\n
In f\u00fcnf Jahren m\u00f6chte ich, dass Fobissie einen deutlich h\u00f6heren Bekanntheitsgrad besitzt und Menschen sehr klar wissen, wof\u00fcr die Marke steht.<\/p>\n\n\n\n
Wenn jemand Fobissie sieht, soll er wissen: Hier entstehen hochwertige Produkte unter Bedingungen, die Produzenten, Rohstoff und Umwelt respektieren. Kunden sollen mit gutem Gewissen einkaufen k\u00f6nnen, weil sie verstehen, woher das Produkt kommt und wie die Wertsch\u00f6pfung organisiert ist.<\/p>\n\n\n\n
Mit wachsender Bekanntheit soll nat\u00fcrlich auch die Produktion professioneller und gr\u00f6\u00dfer werden. Gleichzeitig m\u00f6chte ich die Verbindung zwischen Afrika und Deutschland weiterentwickeln und langfristig mehr Kompetenzen und Wertsch\u00f6pfung rund um den Ursprung der Rohstoffe aufbauen.<\/p>\n\n\n\n
Grunds\u00e4tzlich w\u00fcnsche ich mir auch ein anderes Bewusstsein f\u00fcr Konsum. Wir leben in einer sehr schnelllebigen Konsumgesellschaft und wissen h\u00e4ufig kaum noch, wer unsere Produkte herstellt, woher die Rohstoffe kommen und welche Folgen unsere Kaufentscheidungen haben.<\/p>\n\n\n\n
Wenn ich jungen Menschen etwas mitgeben w\u00fcrde, dann w\u00e4re es, bestehende Wege nicht automatisch als alternativlos zu betrachten. Man kann Gesch\u00e4ftsmodelle anders denken. Man kann wirtschaftlich arbeiten und gleichzeitig versuchen, f\u00fcr mehrere Beteiligte echten Mehrwert zu schaffen. Genau das m\u00f6chte ich mit Fobissie zeigen.<\/p>\n\n\n\n
Bildrechte:\u00a0Saagon Fobissie \/ privat<\/p>\n\n\n\n
Wir bedanken uns bei\u00a0Saagon Fobissie<\/a> f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n