{"id":128093,"date":"2026-10-16T10:34:32","date_gmt":"2026-10-16T08:34:32","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=128093"},"modified":"2026-10-16T10:34:33","modified_gmt":"2026-10-16T08:34:33","slug":"hoehle-der-loewen-carsten-maschmeyer-gruender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/hoehle-der-loewen-carsten-maschmeyer-gruender\/","title":{"rendered":"Zehn Jahre Die H\u00f6hle der L\u00f6wen: Carsten Maschmeyer \u00fcber Exits, Erfolge und seine Investment-Strategie"},"content":{"rendered":"\n

Im exklusiven Interview spricht Investor Carsten Maschmeyer \u00fcber zehn Jahre H\u00f6hle der L\u00f6wen und verr\u00e4t, was einen erfolgreichen Gr\u00fcnder ausmacht.<\/h2>\n\n\n\n

Herr Maschmeyer, Sie sind seit 2016 Teil von \u201eDie H\u00f6hle der L\u00f6wen\u201c. Wenn Sie heute auf zehn Jahre zur\u00fcckblicken: Was hat diese Zeit mit Ihnen pers\u00f6nlich als Investor gemacht?<\/h3>\n\n\n\n

Carsten Maschmeyer: Durch die H\u00f6hle habe ich Gr\u00fcnder, Produkte und ganze Branchen kennengelernt, mit denen ich sonst wahrscheinlich nie in Ber\u00fchrung gekommen w\u00e4re. Man kann noch so viel Investmenterfahrung haben, am Ende \u00fcberraschen einen die Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder immer wieder mit fantastischen Ideen und L\u00f6sungen f\u00fcr allt\u00e4gliche Probleme.<\/p>\n\n\n\n

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Drehtag und daran, mit welchen Erwartungen Sie damals in \u201eDie H\u00f6hle der L\u00f6wen\u201c gestartet sind?<\/h3>\n\n\n\n

Ich war vor meinem Start in der H\u00f6hle der L\u00f6wen ja schon viele Jahre als Investoir t\u00e4tig. Ich wollte also vor allem auf einem neuen Weg spannende Gr\u00fcnder kennenlernen, ihnen mit Kapital, Vertrieb und Netzwerk helfen und dabei selbst Spa\u00df haben. Dass daraus zehn Jahre werden, h\u00e4tte ich damals nicht gedacht.<\/p>\n\n\n\n

Sie sagen: \u201eIch investiere in Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder. Nicht in Businesspl\u00e4ne.\u201c Hat sich Ihr Blick auf Menschen und Gr\u00fcnderpers\u00f6nlichkeiten durch zehn Jahre \u201eDie H\u00f6hle der L\u00f6wen\u201c ver\u00e4ndert?<\/h3>\n\n\n\n

Carsten Maschmeyer: Mein Grundsatz hat sich nicht ver\u00e4ndert, sondern eher best\u00e4tigt: Wer vor Was. Person vor Produkt! Gerade bei sehr fr\u00fchphasigen Startups ist die Gr\u00fcnderpers\u00f6nlichkeit entscheidend. Ein Gesch\u00e4ftsmodell kann man ver\u00e4ndern, ein Produkt weiterentwickeln, eine Strategie korrigieren. Aber Charakter, mentale St\u00e4rke, Lernf\u00e4higkeit und dieser unbedingte Hunger sind sehr viel schwerer auszutauschen. Lieber habe ich ein First-Class-Team mit einem Second-Class-Produkt als umgekehrt.<\/p>\n\n\n\n

Rund 280 Arbeitspl\u00e4tze sind nach Ihrer Bilanz durch DHDL-Startups mit Ihrer Unterst\u00fctzung entstanden. Was bedeutet Ihnen diese Zahl im Vergleich zu Renditen, Exits und Unternehmensbewertungen?<\/h3>\n\n\n\n

In Wahrheit sind es wohl weit mehr, aber: Nicht ich, sondern die Gr\u00fcnder schaffen die Arbeitspl\u00e4tze, das ist mir wichtig. Und das ist nat\u00fcrlich gro\u00dfartig, denn an einem Arbeitsplatz h\u00e4ngt nicht nur die M\u00f6glichkeit, sich und der eigenen Familie das Leben finanzieren zu k\u00f6nnen, sondern oft auch Selbstwert und das Gef\u00fchl, etwas beizutragen.<\/p>\n\n\n\n

Mit Presize gelang Ihnen eine besondere Erfolgsgeschichte, die schlie\u00dflich in der \u00dcbernahme durch Meta m\u00fcndete. Wann haben Sie erkannt, dass aus diesem DHDL-Investment etwas au\u00dfergew\u00f6hnlich Gro\u00dfes werden k\u00f6nnte?<\/h3>\n\n\n\n

Carsten Maschmeyer: Schon beim Pitch war klar, dass da au\u00dfergew\u00f6hnlich starke Gr\u00fcnder mit einer technologisch anspruchsvollen L\u00f6sung vor mir stehen. Sie kannten ihre Zahlen, ihre Technologie und ihren Markt und konnten gleichzeitig erkl\u00e4ren, warum ihr Produkt ein echtes Problem l\u00f6st. Dass daraus einmal ein Verkauf an Meta werden w\u00fcrde, konnte nat\u00fcrlich niemand vorhersehen. Aber bei Presize hatte ich sehr fr\u00fch dieses Gef\u00fchl: Wenn die beiden liefern, kann das international richtig gro\u00df werden.<\/p>\n\n\n\n

Bei Finanzguru haben Sie damals eine Million Euro investiert und damit ein au\u00dfergew\u00f6hnlich gro\u00dfes Einzelinvestment gewagt. Welche Eigenschaften der Gr\u00fcnder haben Sie \u00fcberzeugt, dieses Risiko einzugehen?<\/h3>\n\n\n\n

Alexander und Benjamin hatten etwas, das ich bei Gr\u00fcndern suche: fachliche Kompetenz, Ehrgeiz und absolute \u00dcberzeugung von ihrer Idee, ohne dabei beratungsresistent zu sein. Sie hatten au\u00dferdem nicht irgendeine App gebaut, sondern ein echtes Problem erkannt: Viele Menschen haben keinen vern\u00fcnftigen \u00dcberblick \u00fcber ihre Finanzen. Ich war also von Gesch\u00e4ftsmodell und Gr\u00fcndern gleicherma\u00dfen \u00fcberzeugt.<\/p>\n\n\n\n

Zu zehn Jahren als Investor geh\u00f6ren neben Erfolgen zwangsl\u00e4ufig auch Entscheidungen, die man sp\u00e4ter anders beurteilt. Bei welchem DHDL-Deal oder Nicht-Deal haben Sie sich im Nachhinein am meisten ge\u00e4rgert?<\/h3>\n\n\n\n

Carsten Maschmeyer: Bei keinem einzelnen DHDL-Deal so sehr, dass ich heute sagen w\u00fcrde: Das war ein riesiger Fehler. Hinten habe ich keine Augen. Eine Investmententscheidung muss mit den Informationen richtig sein, die man zu diesem Zeitpunkt hat, nicht mit dem Wissen f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter. Nat\u00fcrlich sieht man Unternehmen, die sich hervorragend entwickeln, obwohl man nicht investiert hat, aber das geh\u00f6rt zum Gesch\u00e4ft.<\/p>\n\n\n\n

In zehn Jahren haben Sie zahlreiche Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder kommen sehen. Woran erkennen Sie heute schneller als fr\u00fcher, ob jemand tats\u00e4chlich das Potenzial hat, ein gro\u00dfes Unternehmen aufzubauen?<\/h3>\n\n\n\n

Gute Gr\u00fcnder kennen ihre Zahlen, brennen f\u00fcr ihr Startup, haben sich auf alle Fragen vorbereitet und wollen nicht nur Geld, sondern unsere Expertise. Vor allem haben sie diesen Hunger: Sie wollen ihr Unternehmen unbedingt erfolgreich machen und nicht nur m\u00f6glichst schnell Geld einsammeln. Und sie m\u00fcssen Menschen begeistern k\u00f6nnen: Kunden, Mitarbeiter und Investoren.<\/p>\n\n\n\n

Die Startup-Welt des Jahres 2026 unterscheidet sich deutlich von der des Jahres 2016. Sind Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder heute professioneller geworden \u2013 oder vielleicht auch vorsichtiger und weniger risikobereit?<\/h3>\n\n\n\n

Carsten Maschmeyer: Die Qualit\u00e4t ist deutlich gestiegen. Gr\u00fcnder besch\u00e4ftigen sich heute fr\u00fcher mit Finanzierung, Vertrieb und Internationalisierung. Gleichzeitig w\u00fcnsche ich mir in Deutschland wieder etwas mehr Mut zum Risiko. Wer erst gr\u00fcnden m\u00f6chte, wenn s\u00e4mtliche Risiken ausgeschlossen sind, wird nie gr\u00fcnden. Allerdings erleben wir gerade einen regelrechten Gr\u00fcnderboom. Rund 690.000 Menschen haben 2025 in Deutschland gegr\u00fcndet, nach rund 585.000 im Jahr davor. Das freut mich nat\u00fcrlich.<\/p>\n\n\n

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Fotograf Thomas von Aagh<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n

KI hat innerhalb k\u00fcrzester Zeit ganze Gesch\u00e4ftsmodelle ver\u00e4ndert und ist f\u00fcr viele Startups zum zentralen Thema geworden. Was muss ein KI-Startup heute mitbringen, damit Sie noch wirklich neugierig werden?<\/h3>\n\n\n\n

Nur irgendwo KI draufzuschreiben, ist heute kein Gesch\u00e4ftsmodell mehr. Mich interessiert, welches konkrete Problem gel\u00f6st wird und ob der Nutzen messbar ist: Spart die L\u00f6sung Zeit, Kosten oder Energie, verbessert sie Qualit\u00e4t oder schafft sie etwas, das vorher gar nicht m\u00f6glich war? Dazu braucht es eigene Daten, technologischen Vorsprung oder tiefes Branchenwissen, damit nicht morgen jeder dasselbe bauen kann. F\u00fcr mich gilt: AI or bye-bye, aber eben mit echtem Mehrwert und nicht als Etikett.<\/p>\n\n\n\n

Nach zehn Jahren \u201eDie H\u00f6hle der L\u00f6wen\u201c: Gibt es einen Deal, eine Begegnung oder einen Moment abseits der gro\u00dfen Erfolgsgeschichten, der Ihnen besonders im Ged\u00e4chtnis geblieben ist?<\/h3>\n\n\n\n

Carsten Maschmeyer: Was mich tats\u00e4chlich immer wieder ber\u00fchrt, sind Nachrichten von Eltern, die erz\u00e4hlen, dass ihre Kinder durch die Sendung pl\u00f6tzlich verstehen wollen, was Unternehmensanteile, Bewertungen oder Prozentrechnung bedeuten. Da sitzen Familien zusammen und diskutieren dar\u00fcber, ob zehn Prozent f\u00fcr 200.000 Euro ein guter Deal sind. Das h\u00e4tte ich vor zehn Jahren nie erwartet. Unternehmertum in die Wohnzimmer zu bringen, ist f\u00fcr mich eine der gr\u00f6\u00dften Leistungen dieser Sendung.<\/p>\n\n\n\n

Sie haben inzwischen weit \u00fcber 160 Technologie-Startups in Europa und Nordamerika im Portfolio. Was kann \u201eDie H\u00f6hle der L\u00f6wen\u201c Ihnen als Investor heute noch bieten, das Sie au\u00dferhalb der Sendung nicht finden?<\/h3>\n\n\n\n

\u00dcber unsere Fonds in M\u00fcnchen, Berlin und San Francisco landen jeden Monat sehr viele gute Pitchdecks auf dem Schreibtisch. Aber die H\u00f6hle bringt mich immer wieder mit Gr\u00fcndern, Produkten und Branchen zusammen, nach denen ich selbst wahrscheinlich nie gesucht h\u00e4tte. Leonie von ivyclip ist daf\u00fcr ein gutes Beispiel: Eine Einzelgr\u00fcnderin mit einer Haarklammer w\u00e4re in meinem Alltag als Tech-Investor wahrscheinlich nicht in Frage gekommen. Aber sie war fokussiert, ehrgeizig, kannte ihre Zielgruppe genau und wollte aus ivyclip nicht nur ein Produkt, sondern eine gro\u00dfe Marke bauen. Da habe ich gerne investiert! Heute stehen ihre Produkte Deutschlandweit im dm-Regal.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Sie noch einmal zehn Jahre vorausblicken: Welche Entwicklung w\u00fcrden Sie sich f\u00fcr \u201eDie H\u00f6hle der L\u00f6wen\u201c, die deutsche Startup-Szene und Ihren eigenen Weg als Investor w\u00fcnschen?<\/h3>\n\n\n\n

Carsten Maschmeyer: F\u00fcr die H\u00f6hle w\u00fcnsche ich mir, dass sie weiterhin Lust auf Unternehmertum macht und noch mehr Zukunftsthemen zeigt – KI, Robotik, HealthTech, Energie und neue industrielle Technologien. F\u00fcr Deutschland w\u00fcnsche ich mir weniger Angst vor dem Scheitern, weniger B\u00fcrokratie und sehr viel mehr Geschwindigkeit, damit aus unseren Ideen auch hier Weltmarktf\u00fchrer entstehen. Und f\u00fcr mich pers\u00f6nlich? Solange ich neugierig bin, starke Gr\u00fcnder treffe und ihnen wirklich helfen kann, m\u00f6chte ich weiter investieren.<\/p>\n\n\n\n

Fotocredits\/ Fotograf: Thomas von Aagh<\/p>\n\n\n\n

Wir bedanken uns bei\u00a0Carsten Maschmeyer<\/a>\u00a0f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n