{"id":128108,"date":"2026-10-20T08:17:30","date_gmt":"2026-10-20T06:17:30","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=128108"},"modified":"2026-10-20T08:17:32","modified_gmt":"2026-10-20T06:17:32","slug":"raimund-brichta-geld-boerse-startups","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/raimund-brichta-geld-boerse-startups\/","title":{"rendered":"Raimund Brichta: \u201eDeutschland fehlt nicht der Mut, sondern das Kapital\u201c"},"content":{"rendered":"\n
Warum tun sich deutsche Start-ups bei der Finanzierung und beim B\u00f6rsengang schwerer als ihre amerikanischen Konkurrenten? Raimund Brichta, langj\u00e4hriger ntv-Finanzjournalist und Kenner der Kapitalm\u00e4rkte, sieht das Problem vor allem beim Zugang zu Risikokapital. Im Interview erkl\u00e4rt er, warum Geld dar\u00fcber entscheidet, welche Unternehmen wachsen k\u00f6nnen, woran sich tragf\u00e4hige Gesch\u00e4ftsmodelle hinter dem KI-Hype erkennen lassen und weshalb hohe Bewertungen allein wenig \u00fcber die Zukunft eines Start-ups aussagen.<\/p>\n\n\n\n
Au\u00dferdem spricht Raimund Brichta \u00fcber die Bedeutung von Risiko und unternehmerischem Zweifel, die Faszination spekulativer Investments und die Frage, was Gr\u00fcnder mitbringen m\u00fcssen, damit aus einer guten Idee ein dauerhaft erfolgreiches Unternehmen wird.<\/p>\n\n\n\n
Raimund Brichta: Meine Zur\u00fcckhaltung bei Einzelaktien hat ausschlie\u00dflich einen Grund: Ich m\u00f6chte jeden Anschein von Interessenkonflikten vermeiden. Wenn man eine Aktie besitzt und gleichzeitig dar\u00fcber berichtet, kommt schnell der Verdacht auf, dass man nicht v\u00f6llig objektiv ist \u2013 selbst wenn dieser Verdacht unbegr\u00fcndet ist. Am Aktienmarkt investiert bin ich nat\u00fcrlich trotzdem, vor allem \u00fcber ETFs.<\/p>\n\n\n\n
Erst einmal informieren \u2013 bei ntv, in guten B\u00fcchern, Blogs und Podcasts. Meine eigenen Ver\u00f6ffentlichungen und unseren Podcast \u201eBrichta & Bell\u201c z\u00e4hle ich dazu. Aber das Wichtigste ist: anfangen. Nicht darauf warten, bis man glaubt, alles verstanden zu haben. Das wird an der B\u00f6rse ohnehin nie passieren.<\/p>\n\n\n\n
Raimund Brichta: An der B\u00f6rse spiegelt sich wie kaum irgendwo sonst das wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Geschehen wider. Dazu kommt eine geh\u00f6rige Portion Psychologie \u2013 und fertig ist ein Gemisch, das eigentlich nie langweilig wird.<\/p>\n\n\n\n
Demut. Gerade wenn es gut l\u00e4uft, darf man nicht \u00fcberm\u00fctig werden. An der B\u00f6rse gilt das ganz besonders: Wer glaubt, er habe sie endg\u00fcltig verstanden, bekommt meistens ziemlich schnell eine Lektion erteilt.<\/p>\n\n\n\n
Raimund Brichta: Den einen Moment gab es nicht. Aber im Laufe der Jahre ist mir immer klarer geworden, wie entscheidend das Geld f\u00fcr die B\u00f6rse ist. Am Ende k\u00f6nnen noch so viele gute Geschichten erz\u00e4hlt werden: Aktienkurse brauchen Geld, das sie antreibt. Das ist f\u00fcr mich der wichtigste Faktor \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n
Weil der amerikanische Kapitalmarkt alles \u00fcberschattet. Dort gibt es viel mehr Kapital, das bereit ist, ins Risiko zu gehen. F\u00fcr ein wachsendes Unternehmen ist es deshalb in den USA wesentlich leichter, an frisches Geldes zu kommen als in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n
Das wird mir zu schnell behauptet. Das Hauptproblem sind aus meiner Sicht die Finanzierungsm\u00f6glichkeiten. Wo weniger Risikokapital zur Verf\u00fcgung steht, k\u00f6nnen zwangsl\u00e4ufig auch weniger Unternehmen gro\u00df werden. Das ist nicht nur eine Frage der Mentalit\u00e4t, sondern vor allem eine Frage des Geldes.<\/p>\n\n\n\n
Raimund Brichta: Das erkennt man leider nicht an ein paar Kennzahlen. Man muss die Materie verstehen und tief in das Unternehmen eintauchen: Was kann das Produkt wirklich? Wer braucht es? L\u00e4sst sich damit dauerhaft Geld verdienen? Und vor allem: Ist die Bewertung durch das Gesch\u00e4ft gerechtfertigt \u2013 oder nur durch die Hoffnung darauf?<\/p>\n\n\n\n
Weil die Lust am Gl\u00fccksspiel enorm zugenommen hat. Und weil heute alles jederzeit verf\u00fcgbar ist: ein paar Klicks auf dem Smartphone \u2013 und man ist dabei. Dazu kommen soziale Medien, in denen vor allem die spektakul\u00e4ren Gewinne herumgereicht werden. Wer langsam reich wird, geht eben selten viral.<\/p>\n\n\n\n
Raimund Brichta: Wo kommt unser Geld eigentlich her \u2013 und wie wird es gemacht? Erstaunlich viele Menschen besch\u00e4ftigen sich ihr ganzes Leben mit Geld, ohne sich jemals diese Frage zu stellen.<\/p>\n\n\n\n
Dass Geld und Schulden zwei Seiten derselben Medaille sind. Vereinfacht gesagt: Ohne Schulden g\u00e4be es fast kein Geld. W\u00fcrden auf einen Schlag alle Schulden zur\u00fcckgezahlt, w\u00fcrde die Wirtschaft an Geldmangel zu Grunde gehen gehen. Das klingt verr\u00fcckt \u2013 ist aber so.<\/p>\n\n\n\n
Raimund Brichta: Mach dein Hobby zum Beruf! Wenn du morgens gerne anf\u00e4ngst und abends nicht st\u00e4ndig auf die Uhr schaust, hast du ziemlich viel richtig gemacht. Das Geld kommt dann oft zwangsl\u00e4ufig hinterher.<\/p>\n\n\n\n
Raimund Brichta: Verliebe dich in deine Idee \u2013 aber nicht so sehr, dass du ihre Schw\u00e4chen nicht mehr siehst. Begeisterung brauchst du, um etwas aufzubauen. Zweifel brauchst du, damit es \u00fcberlebt.<\/p>\n\n\n\n
Bildcredits\/Fotograf: Philip Madl<\/p>\n\n\n\n
Wir bedanken uns bei\u00a0Raimund Brichta<\/a> f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n