{"id":128116,"date":"2026-10-20T08:17:28","date_gmt":"2026-10-20T06:17:28","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=128116"},"modified":"2026-10-20T08:17:30","modified_gmt":"2026-10-20T06:17:30","slug":"clockin-software-zeiterfassung-ki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/clockin-software-zeiterfassung-ki\/","title":{"rendered":"Niemand ist Handwerker oder Pflegekraft geworden, um Zettel auszuf\u00fcllen"},"content":{"rendered":"\n

clockin entwickelt Software f\u00fcr die Digitalisierung kleiner Betriebe und verbindet Zeiterfassung, KI-gest\u00fctzte Dokumentation und automatisierte Arbeitsabl\u00e4ufe in einer L\u00f6sung, die besonders Besch\u00e4ftigte ohne festen Schreibtisch entlasten soll.<\/h2>\n\n\n\n

Frederik, wer bist du und wie f\u00fchrte dein Weg vom Silicon Valley zur\u00fcck nach M\u00fcnster und schlie\u00dflich zur Gr\u00fcndung von clockin?<\/h3>\n\n\n\n

Ich bin CEO und Mitgr\u00fcnder von clockin. Aufgewachsen bin ich in M\u00fcnster, angefangen habe ich ganz klassisch mit einer Bankausbildung und danach in Deutschland studiert. F\u00fcr mich war aber immer klar, dass ich danach in die USA will. In Berkeley im Silicon Valley habe ich dann unter anderem studiert. Parallel dazu habe ich immer schon meine erste Firma im Bereich Softwareentwicklung und Digitalmarketing aufgebaut. Aus diesem Unternehmen heraus sind sp\u00e4ter auch die Idee und die Umsetzung von clockin entstanden.<\/p>\n\n\n\n

Die Idee zu clockin entstand durch die Begegnung mit einem Handwerksmeister, dessen Arbeitsalltag stark von Zetteln und manueller Organisation gepr\u00e4gt war. Was hast du damals beobachtet und wann wurde daraus eine konkrete Gesch\u00e4ftsidee?<\/h3>\n\n\n\n

Das war damals ein interessanter Zufall, wie so oft im Leben. Ich war damals parallel noch Trainer im Profi-Handball und habe dort Thomas kennengelernt, einen Sponsor des Vereins. Eines Tages sprach er mich an: \u201eMensch Freddi, du machst doch was mit Computern. Meine Mitarbeiter erfassen alles auf Zetteln.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Thomas f\u00fchrte einen klassischen mittelst\u00e4ndischen Handwerksbetrieb mit 40 Mitarbeitenden. Er erz\u00e4hlte mir, dass seine Leute auf der Baustelle, in der Produktionshalle oder wo auch immer sie unterwegs waren, alles auf Papier festhielten: Arbeitszeiten, Urlaubsantr\u00e4ge, die Dokumentation auf der Baustelle. Jeder Mitarbeiter f\u00fcllte jeden Tag rund zehn Zettel aus, also 400 am Tag und 2.000 in der Woche. Am Ende der Woche wurden sie eingereicht, und zwei Personen mussten alles komplett in Excel abtippen, damit es \u00fcberhaupt weiterverarbeitet werden konnte.<\/p>\n\n\n\n

Das konnte ich im ersten Moment kaum glauben. Man kommt aus dem Silicon Valley, in unserer Generation ist alles durchdigitalisiert, und dann steht ein erfolgreicher Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer vor dir und sagt: \u201eNee, wir machen das alles auf Zetteln.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Daraus entstand der Gedanke: Das muss man besser l\u00f6sen k\u00f6nnen. Wir haben uns den Markt angeschaut, aber nichts Vern\u00fcnftiges gefunden. Also haben wir gesagt: Dann entwickeln wir es selbst. Das war die Geburtsstunde von clockin.<\/p>\n\n\n\n

Erfolgreich war das aber nur, weil wir sehr eng mit Thomas und seinen Mitarbeitern zusammengearbeitet haben und sp\u00e4ter auch mit weiteren Unternehmern aus seinem Umfeld als ersten Kunden. Mit ihnen haben wir die L\u00f6sung ganz nah am tats\u00e4chlichen Bedarf in der Praxis entwickelt. Das ist bis heute das Geheimrezept von clockin.<\/p>\n\n\n\n

Viele digitale L\u00f6sungen werden von Menschen entwickelt, die selbst \u00fcberwiegend am Schreibtisch arbeiten. Warum wurden Besch\u00e4ftigte auf Baustellen, in Werkst\u00e4tten oder im Au\u00dfendienst bei der Digitalisierung aus deiner Sicht lange nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt?<\/h3>\n\n\n\n

Ich sehe daf\u00fcr im Wesentlichen drei Gr\u00fcnde.<\/p>\n\n\n\n

Erstens: Die Menschen, die digitale L\u00f6sungen entwickeln und das entsprechende Mindset mitbringen, sitzen in aller Regel selbst am Schreibtisch. Sie leben in ihrer eigenen Bubble und haben kaum Ber\u00fchrungspunkte mit diesen Arbeitswelten. Da liegt es nat\u00fcrlich nahe, Software f\u00fcr Leute zu bauen, die ebenfalls am Computer sitzen und bei denen man ein gewisses Grundverst\u00e4ndnis voraussetzen kann, also Software f\u00fcr Menschen wie einen selbst. Mir ging es ja ganz genauso: Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Unternehmen wie das von Thomas \u00fcberhaupt noch auf Papier arbeiten, weil in meiner Bubble alles durchdigitalisiert war.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens, und das leitet sich direkt daraus ab: Wer Software f\u00fcr Menschen baut, die auf der Baustelle, beim Patienten oder in der Produktionshalle arbeiten, also f\u00fcr Deskless Worker, muss Software komplett anders denken. Viele Dinge kann man schlicht nicht voraussetzen. Diese Menschen haben keine Lust, sich mit Software auseinanderzusetzen, und wollen auch gar nicht lernen, wie sie funktioniert. Sie sind ja nicht Handwerker oder Pflegekraft geworden, um Software zu bedienen. Das erfordert eine v\u00f6llig andere Produktentwicklung als f\u00fcr Schreibtischarbeiter, die es gewohnt sind, sich in komplexe Systeme einzuarbeiten.<\/p>\n\n\n\n

Drittens: Diese Menschen machen rund die H\u00e4lfte der Wirtschaft in Deutschland aus, arbeiten aber \u00fcberwiegend in kleinen und Kleinstunternehmen. 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland haben weniger als 50 Mitarbeiter. Das ist ein extrem fragmentierter Markt \u00fcber unz\u00e4hlige Branchen hinweg. Es ist nat\u00fcrlich viel einfacher, Software an wenige Gro\u00dfkonzerne zu verkaufen, die mehrere hunderttausend Euro im Jahr zahlen, als an Tausende Kleinstbetriebe, die vielleicht ein paar hundert Euro im Jahr zahlen. Daf\u00fcr braucht es ein deutlich komplexeres Vertriebs- und Produktsystem. Und anders als bei Enterprise-Software, die seit 20 Jahren perfektioniert wird, gibt es daf\u00fcr keine Blaupause. Lange fehlten auch schlicht die technischen M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n\n\n\n

Wir mussten deshalb immer wieder neue Wege gehen, und viele haben uns davon abgeraten. Heute sind wir sehr froh, dass wir es trotzdem gemacht haben.<\/p>\n\n\n\n

Ein Investor hat mir einmal gesagt, dass in den vergangenen 20 Jahren rund 95 Prozent des Venture Capitals in Enterprise-Software geflossen sind. Ob die Zahl exakt stimmt, wei\u00df ich nicht, aber die Richtung stimmt auf jeden Fall. Wir haben die H\u00e4lfte der Wirtschaft, die dieses Land wirklich am Laufen h\u00e4lt, bei der Softwareentwicklung jahrelang schlicht ignoriert.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Software f\u00fcr Menschen entwickelt wird, die m\u00f6glichst wenig Zeit mit Software verbringen m\u00f6chten: Welche Anforderungen stellt das an Benutzerf\u00fchrung, Funktionen und Produktentwicklung?<\/h3>\n\n\n\n

Man muss Software v\u00f6llig anders denken und sich komplett von den gewohnten Mustern l\u00f6sen. Unsere allererste App-Version haben wir genau so gebaut, wie wir es aus unserer Bubble kannten: viel Sliden, Wischen, Animationen, alles drum und dran. Dann haben wir sie den Mitarbeitern von Thomas gezeigt und schnell gemerkt: Die wissen \u00fcberhaupt nicht, was sie machen sollen. Was f\u00fcr uns logisch war, weil wir es \u00fcber Jahre im Umgang mit Software gelernt haben, kann man bei Menschen nicht voraussetzen, die so eine App noch nie benutzt haben oder sich damit gar nicht besch\u00e4ftigen wollen.<\/p>\n\n\n\n

Daraus ist unser Motto entstanden: dicke Tasten f\u00fcr dicke Finger. Gerade auf der Baustelle muss eine App intuitiv, schnell und einfach sein. Man muss sofort verstehen, was man tut, ohne sich eindenken zu m\u00fcssen, und sie auch mit Handschuhen, dreckigen Fingern oder vollen H\u00e4nden bedienen k\u00f6nnen. Dieses Prinzip ziehen wir bis heute durch.<\/p>\n\n\n\n

Grunds\u00e4tzlich hei\u00dft das: Die Nutzerf\u00fchrung muss mit so wenigen Klicks wie m\u00f6glich auskommen und sofort verst\u00e4ndlich sein. Niemand hat Lust, sich 20 Minuten in eine Software einzuarbeiten. Innerhalb einer Minute m\u00fcssen die Leute verstehen, wie es funktioniert und wie es ihnen hilft, sonst sind sie raus.<\/p>\n\n\n\n

Heute geht die Entwicklung noch einen Schritt weiter, und genau das machen wir bei clockin: Man kann alles per Sprache, Foto oder Video steuern. Man nimmt Dinge einfach auf, clockin versteht den Zusammenhang und f\u00fchrt die entsprechenden Aktionen aus. Die manuelle Bedienung reduzieren wir immer weiter. Man kann sie nat\u00fcrlich weiterhin nutzen, muss es aber nicht.<\/p>\n\n\n\n

Das entspricht genau unserer Grundidee: Das beste clockin ist das, das man gar nicht bedienen muss. Heute sind wir so weit, dass man clockin auf v\u00f6llig nat\u00fcrliche Weise nutzen kann. Mit clocki, unserem KI-Assistenten, ist das so, als w\u00fcrde man mit einem pers\u00f6nlichen Assistenten sprechen, der alles f\u00fcr einen erledigt. Fr\u00fcher hatte so einen Assistenten nur der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Wir bringen ihn jetzt einfach, schnell und bezahlbar zu jedem Mitarbeiter in jedem kleinen Betrieb, sodass jeder deutlich effizienter wird und gar nicht mehr lernen muss, wie man Software bedient.<\/p>\n\n\n\n

Bei clockin sitzen beispielsweise Kanalsanierer und Softwareentwickler gemeinsam am Tisch. Wie bindet ihr Kunden konkret in die Produktentwicklung ein und wie entscheidet ihr, welche W\u00fcnsche tats\u00e4chlich in die Software einflie\u00dfen?<\/h3>\n\n\n\n

Wir treiben die Produktentwicklung \u00fcber drei Bereiche voran.<\/p>\n\n\n\n

Da ist zum einen das Feedback aus dem Markt: Wunschtickets, Bugtickets, alles, was von unseren Kunden reinkommt. Das hat f\u00fcr uns eine sehr hohe Relevanz.<\/p>\n\n\n\n

Dazu kommen intensive Gespr\u00e4che. Wir f\u00fchren sehr viele Kundeninterviews, schauen uns den Markt an und sprechen nicht nur mit Kunden, sondern auch mit Unternehmen, die noch keine Kunden sind. Dazu kommt unser Customer Advisory Board, das wir schon seit l\u00e4ngerer Zeit haben. Das sind besonders engagierte Kunden, oft sehr digitalaffin, die gro\u00dfe Lust haben, Neues auszuprobieren und anzusto\u00dfen, und uns immer wieder zeigen, was man noch oder anders machen k\u00f6nnte. Das Board trifft sich regelm\u00e4\u00dfig, wird eng in die Produktentwicklung eingebunden und \u00fcbernimmt auch Validierungsschritte.<\/p>\n\n\n\n

Und dann gibt es den sogenannten iPhone-Moment. Als Steve Jobs das iPhone vorgestellt hat, wusste der Markt auch noch nicht, dass er es braucht. Genauso m\u00fcssen wir innovative Ideen einbringen, von denen unsere Kunden noch gar nicht wissen, dass sie sie brauchen, von denen wir aber \u00fcberzeugt sind. Dabei m\u00fcssen wir aufpassen, unserem Grundprinzip treu zu bleiben und nicht aus dem Elfenbeinturm heraus zu sagen: So sieht es jetzt aus, das braucht ihr. Wir fragen uns immer ganz konkret, wie wir unseren Kunden die Arbeit im Alltag wirklich erleichtern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

So ist etwa unsere KI-Videodokumentation entstanden. Man filmt und spricht einfach, und clocki erkennt automatisch die Inhalte und leitet daraus die n\u00e4chsten Schritte ab: Materialverbr\u00e4uche etwa, oder Aufgaben f\u00fcr andere Mitarbeiter. Sage ich zum Beispiel \u201ePeter, du musst hier morgen noch die Lampen anschlie\u00dfen\u201c, wei\u00df clocki automatisch, auf welcher Baustelle ich gerade bin, informiert Peter und ber\u00fccksichtigt das direkt in der Schicht- und Einsatzplanung. So bringen wir Innovationen ein, von denen unsere Kunden heute vielleicht noch nicht einmal tr\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n

Bei der Entscheidung, was tats\u00e4chlich umgesetzt wird, schauen wir vor allem auf zwei Dinge: Wie stark hilft es unseren Kunden im Alltag? Und wie gro\u00df ist der Nutzen \u00fcber viele Betriebe hinweg? Einzelne Sonderw\u00fcnsche k\u00f6nnen wir nicht alle umsetzen. Aber wenn wir sehen, dass ein Thema viele Kunden betrifft und ihnen wirklich Arbeit abnimmt, hat es eine hohe Priorit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n

Welche Rolle spielt k\u00fcnstliche Intelligenz bei clockin und wie ver\u00e4ndert sie die Art, wie Mitarbeitende ihre t\u00e4glichen Aufgaben dokumentieren und organisieren?<\/h3>\n\n\n\n

K\u00fcnstliche Intelligenz ist f\u00fcr uns der Schl\u00fcssel, um Software noch einfacher zu machen. Mit clocki haben wir einen KI-Assistenten entwickelt, der Mitarbeitenden administrative Aufgaben abnimmt. Statt komplizierte Formulare auszuf\u00fcllen, k\u00f6nnen sie einfach sprechen, Fotos machen oder Videos aufnehmen. clocki versteht die Inhalte, ordnet sie dem richtigen Projekt zu und leitet daraus Aktionen ab.<\/p>\n\n\n\n

Das ver\u00e4ndert den Arbeitsalltag enorm. Ein Mitarbeiter kann beispielsweise auf der Baustelle ein Video aufnehmen und erkl\u00e4ren, was erledigt wurde und was noch zu tun ist. Die KI erkennt die Informationen und erstellt automatisch die passende Dokumentation oder Aufgaben f\u00fcr Kollegen. So wird aus einer klassischen Software ein pers\u00f6nlicher Assistent, der im Hintergrund mitarbeitet.<\/p>\n\n\n\n

Die Digitalisierung scheitert in vielen kleinen Betrieben nicht an der Technik, sondern an Gewohnheiten. Wie schafft man Akzeptanz f\u00fcr eine Software bei Mitarbeitern, die bislang mit Stundenzetteln, Papier und Zuruf gearbeitet haben?<\/h3>\n\n\n\n

Das ist absolut so. \u00dcber Jahre eingefahrene Prozesse von heute auf morgen zu \u00e4ndern, ist extrem schwer.<\/p>\n\n\n\n

Das Wichtigste ist: Die Software muss in der ersten Sekunde \u00fcberzeugen. Die Idee muss sofort z\u00fcnden, also dass ich etwas einfach per Sprache oder mit zwei Klicks erledigen kann, was mich sonst 20 Minuten nervige Zettelarbeit gekostet h\u00e4tte. Darauf hat ja niemand Lust. Niemand ist Handwerker oder Pflegekraft geworden, um Zettel auszuf\u00fcllen und die H\u00e4lfte seines Tages mit manueller Dokumentation zu verbringen. Wenn man diesen Menschen einen Weg zeigt, der super einfach ist, sofort funktioniert und direkt Ergebnisse bringt, ist das eine unglaublich gute Erfahrung. Sp\u00e4testens wenn sie ein paar Tage in ihrem echten Arbeitsalltag erleben, wie viel Zeit sie sparen, wie bequem das ist und wie viel mehr Zeit sie wieder f\u00fcr ihre eigentliche Arbeit haben, sind alle \u00fcberzeugt.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens empfehlen wir, mit ein oder zwei Funktionen zu starten und dann schrittweise zu erweitern. Kunden, die das so umsetzen, haben riesige Erfolge.<\/p>\n\n\n\n

Genau das erleben wir jeden Tag, und deshalb freuen wir uns so sehr, dass clockin so gro\u00dfen Anklang findet.<\/p>\n\n\n\n

Mit dem Wachstum auf mehr als 70 Mitarbeiter ver\u00e4ndert sich auch das eigene Unternehmen. Welche Herausforderungen bringt es mit sich, aus einer urspr\u00fcnglichen Startup-Idee eine gr\u00f6\u00dfere Softwareorganisation aufzubauen?<\/h3>\n\n\n\n

Absolut. Die clockin-Organisation von heute ist mit unseren Anf\u00e4ngen nicht mehr vergleichbar. Wir haben aber immer die Kultur an erste Stelle gestellt: unsere Vision, unsere Idee davon, wie wir arbeiten und zusammenarbeiten wollen und wie wir Unternehmen und Produkt weiterentwickeln. Das muss Hand in Hand gehen. Au\u00dferdem haben wir Prozesse und Strukturen immer vorausgedacht, bevor wir den n\u00e4chsten gro\u00dfen Wachstumsschritt gegangen sind. Deshalb funktioniert es trotz der schnellen Ver\u00e4nderungen bei uns nach wie vor sehr gut, und wir arbeiten weiter zielgerichtet daran, jeden Tag ein wenig besser zu werden.<\/p>\n\n\n\n

Wir sind bewusst bei dem geblieben, was uns von Anfang an getragen hat: f\u00fcr unsere Kunden zu entwickeln. Wir haben uns auch sehr genau \u00fcberlegt, welche Investoren wir an Bord holen. Die Art, wie wir clockin bauen, funktioniert nicht mit jedem; man muss sehr gut verstehen, was wir tun. Und wir haben bis heute an unseren Grundprinzipien festgehalten: f\u00fcr unsere Kunden zu entwickeln und nicht einfach irgendetwas, nur um m\u00f6glichst viel Geld zu verdienen. Ich bin \u00fcberzeugt, dass man mit diesem Kundenfokus am Ende beides erreicht. Auch wenn es mal ein, zwei Jahre l\u00e4nger dauert, entstehen so Produkte und Prozesse, die am Markt unfassbar gut funktionieren. Das ist uns auch in der Organisation sehr gut gelungen.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr mich pers\u00f6nlich hat sich mein Arbeitsfeld komplett ver\u00e4ndert. Am Anfang habe ich eigentlich jeden Job im Unternehmen selbst einmal gemacht. Das ist ein riesiger Vorteil, weil man versteht, was passiert, und die Kunden kennt, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Heute liegt mein Fokus weniger im operativen Tagesgesch\u00e4ft und viel mehr auf gro\u00dfen Partnern, Investoren, B\u00fchnen und der strategischen Weiterentwicklung. Daf\u00fcr haben wir ein super starkes Team, das die einzelnen Bereiche richtig gut nach vorne treibt. Es macht einfach gro\u00dfen Spa\u00df, jeden Tag daran zu arbeiten, dieses Unternehmen weiterzubringen.<\/p>\n\n\n\n

Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung ist, dass viel mehr gleichzeitig passiert und trotzdem alles auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet bleiben muss. Die Kommunikation untereinander muss so gut funktionieren, dass alle wissen, was im Unternehmen gerade passiert, auch wenn man selbst nicht mehr bei jedem Detail dabei sein kann. Daf\u00fcr ist clockin schlicht zu gro\u00df geworden. Entscheidend ist eine Kultur, die innovativ und offen ist und in der Probleme angesprochen werden k\u00f6nnen, damit sie gel\u00f6st werden. Niemand sollte Angst haben, Themen anzusprechen. Und es braucht eine dynamische Kultur, die bereit ist, sich jedes Jahr neu zu erfinden. Wenn man so schnell w\u00e4chst, sieht das Unternehmen in einem Jahr schon wieder v\u00f6llig anders aus. Daf\u00fcr braucht man das richtige Mindset: Der eigene Job, der eigene Bereich und das ganze Unternehmen ver\u00e4ndern sich jedes Jahr aufs Neue.<\/p>\n\n\n\n

Der Markt f\u00fcr Zeiterfassung und Unternehmenssoftware ist stark umk\u00e4mpft. Wodurch wollt ihr euch langfristig vom Wettbewerb unterscheiden und welche Rolle spielt dabei eure Spezialisierung auf Betriebe mit mobilen Mitarbeitern?<\/h3>\n\n\n\n

Wir bauen heute das Betriebssystem f\u00fcr Anpacker. Anpacker sind all diejenigen, die dieses Land jeden Tag am Laufen halten und wirklich etwas nach vorne bringen. Sehr h\u00e4ufig sind das Mitarbeitende, die nicht am Schreibtisch sitzen, sondern mobil unterwegs sind und dort ihre Arbeit verrichten. F\u00fcr sie ist bisher kaum etwas gebaut worden, in gr\u00f6\u00dferen Unternehmen vielleicht, in kleinen Betrieben aber nicht. Entsprechend gro\u00df ist der Markt f\u00fcr uns noch.<\/p>\n\n\n\n

Zeiterfassung ist dabei ein wichtiger Schwerpunkt, aber eben nicht alles. Sie ist nur noch eine von rund 50 Funktionalit\u00e4ten, die clockin abbildet. Wir sind also l\u00e4ngst nicht mehr nur im Zeiterfassungsmarkt unterwegs, auch wenn wir gerade wieder Testsieger bei trusted.de geworden sind. In der Zeiterfassung sind wir richtig stark, aber sie ist eben nur eine Kernfunktion aus einem sehr viel gr\u00f6\u00dferen Bereich.<\/p>\n\n\n\n

Unser Unterschied ist, dass wir die komplette Wertsch\u00f6pfungskette in einem einzigen Tool abbilden. Nutzer m\u00fcssen sich nicht in f\u00fcnf oder zehn verschiedene Tools einarbeiten und im Alltag st\u00e4ndig zwischen ihnen hin- und herspringen. Das kann clockin schon heute.<\/p>\n\n\n\n

Wir sind \u00fcberzeugt, dass dieser Weg der richtige ist: alles in einem Tool abzubilden und jedem Mitarbeiter einen pers\u00f6nlichen Assistenten an die Seite zu stellen, sodass man die Software eigentlich gar nicht mehr bedienen muss. Diesen Weg gehen wir konsequent, denn so, wie wir es bauen, kenne ich es im Markt bislang nicht.<\/p>\n\n\n\n

Welche unternehmerischen Entscheidungen haben sich r\u00fcckblickend als besonders wichtig f\u00fcr die Entwicklung von clockin erwiesen und welche Fehler w\u00fcrdest du heute vermeiden?<\/h3>\n\n\n\n

Richtig war auf jeden Fall die Entscheidung, clockin immer gemeinsam mit unseren Kunden zu entwickeln, und zwar von Anfang an. Wir wollten verstehen, wie die Software wirklich genutzt wird und wie man sie so einfach baut, dass sie wirklich jeder versteht. Genauso richtig war es, clockin von Beginn an als selbstlernendes System aufzubauen, das kontinuierlich besser wird. Diese beiden Grundprinzipien waren entscheidend, haben aber auch Zeit gekostet. Die ersten zwei, drei, vier Jahre braucht man, um wirklich zu verstehen, wie alles funktioniert. Das muss man verinnerlichen, und das l\u00e4sst sich von au\u00dfen kaum beschleunigen.<\/p>\n\n\n\n

Das gilt bis heute. Ich spreche nach wie vor mit Nutzern unserer Software und versuche zu verstehen, wo die Themen liegen, auch wenn das l\u00e4ngst nicht mehr mein Schwerpunkt ist. Und ich glaube, es ist Gold wert, sich ein St\u00fcck Naivit\u00e4t zu bewahren, auch wenn einem alle sagen, dass etwas nicht funktioniert. Wenn man selbst \u00fcberzeugt ist und sich regelm\u00e4\u00dfig reflektiert, entstehen genau daraus gro\u00dfe Gesch\u00e4ftsideen und Erfolge: indem man M\u00e4rkte und Wege einschl\u00e4gt, die bisher niemand sieht und an die keiner glaubt. R\u00fcckblickend ist das unsere gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke.<\/p>\n\n\n\n

Was ich heute anders machen w\u00fcrde: Man kann sehr viel von erfahreneren Gr\u00fcndern lernen und von Menschen, die so etwas schon zigmal gesehen haben, gerade bei Unternehmensstrukturen, Entwicklungsschritten, Teamzusammensetzung und Investoren. Mit dem Wissen von heute h\u00e4tten wir in manchen Bereichen schneller Entscheidungen getroffen, f\u00fcr die wir uns vielleicht etwas zu viel Zeit gelassen haben. Damit h\u00e4tten wir unser Wachstum noch etwas beschleunigen k\u00f6nnen. Aber das sind Learnings, die man als Unternehmer eben macht. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich mit dem Wissen von heute manches anders machen, aber wenn das nicht so w\u00e4re, h\u00e4tte ich ja nichts gelernt.<\/p>\n\n\n\n

Euer Ziel geht inzwischen \u00fcber die reine Zeiterfassung hinaus. Welche Vision verfolgt ihr mit clockin und wie k\u00f6nnte das digitale \u201eBetriebssystem\u201c f\u00fcr Unternehmen ohne klassische Schreibtischarbeitspl\u00e4tze in einigen Jahren aussehen?<\/h3>\n\n\n\n

Unsere Idee ist, jedem Betrieb den unsichtbaren Betriebsleiter zu geben, den er nie hatte und sich auch nie leisten konnte. Oft wusste der Inhaber gar nicht, dass er ihn eigentlich braucht, weil es ja immer so lief, wie man es schon immer gemacht hat.<\/p>\n\n\n\n

Unser Ziel ist, den gesamten administrativen und b\u00fcrokratischen Overhead hochautomatisiert f\u00fcr unsere Kunden zu \u00fcbernehmen, inklusive der kompletten Einsatzplanung und allem, was dazugeh\u00f6rt. So kann sich der Kunde voll auf sein Kerngesch\u00e4ft konzentrieren, also dort, wo die eigentliche Wertsch\u00f6pfung stattfindet. Und das Ganze soll so einfach und nat\u00fcrlich sein, als w\u00fcrde man mit seinem Betriebsleiter sprechen, der dann alles organisiert.<\/p>\n\n\n\n

Auf diesem Weg sind wir bereits einen riesigen Schritt vorangekommen, und jeden Tag kommen weitere hinzu. Wir haben heute ein System, das ich mir vor drei, vier Jahren in dieser Form kaum h\u00e4tte vorstellen k\u00f6nnen. Getr\u00e4umt habe ich davon, aber ich h\u00e4tte nie erwartet, dass wir schon heute so weit sind. Ich dachte, daf\u00fcr w\u00fcrden wir deutlich l\u00e4nger brauchen. Entsprechend froh und stolz bin ich, dass wir so ein System heute schon am Markt anbieten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Gerade in Zeiten des Fachkr\u00e4ftemangels, in denen immer mehr erfahrene Mitarbeiter in Rente gehen und gerade in unseren Branchen immer weniger Nachwuchs nachkommt, m\u00fcssen wir auch gesellschaftlich daf\u00fcr sorgen, dass Betriebe viel st\u00e4rker automatisiert, digitalisiert und mit KI optimiert werden und deutlich effizienter arbeiten. Genau daf\u00fcr steht clockin. Da wollen wir hin, und dort sind wir heute schon ein gutes St\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die ganz gro\u00dfe Idee hinter clockin ist, jeden Betrieb zu einem selbstfahrenden Unternehmen zu machen, in dem sich jeder Mitarbeiter auf das wirkliche Kerngesch\u00e4ft konzentrieren kann.<\/p>\n\n\n\n

Bildcredits Foto Copyright: Maren Kuiter<\/p>\n\n\n\n

Wir bedanken uns bei\u00a0Frederik Neuhaus<\/a> f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n