{"id":128119,"date":"2026-10-22T07:46:34","date_gmt":"2026-10-22T05:46:34","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=128119"},"modified":"2026-10-22T07:46:35","modified_gmt":"2026-10-22T05:46:35","slug":"arveum-tilda-ki-recruiting","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/arveum-tilda-ki-recruiting\/","title":{"rendered":"KI im Bewerbungsprozess: Wie das Startup Arveum das Recruiting ver\u00e4nderts"},"content":{"rendered":"\n

Tilda ist die KI-Recruiterin des M\u00fcnchner Startups Arveum, das mit KI den Bewerbungsprozess verbessern, Personalverantwortliche entlasten und nachvollziehbare Entscheidungen im Recruiting erm\u00f6glichen m\u00f6chte.<\/h2>\n\n\n\n

Philipp und Albrecht, k\u00f6nnt ihr euch und Arveum kurz vorstellen und erz\u00e4hlen, warum ihr euch nach euren Erfahrungen bei Unternehmen wie lastminute.com, Readly, Tipico und gutefrage.net entschieden habt, gemeinsam ein Startup im Recruiting-Bereich zu gr\u00fcnden?<\/h3>\n\n\n\n

Albrecht: Wir sind Philipp Montgelas und Albrecht Senden, die Gr\u00fcnder von Arveum in M\u00fcnchen. Ich war 13 Jahre Group CTO bei Tipico, Philipp \u00fcber 25 Jahre als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer in schnell wachsenden Unternehmen wie lastminute.com, Readly oder gutefrage. In all diesen Unternehmen haben wir gesehen, wie viel Zeit und Geld schlechte Besetzungen kosten und wie wenig Technik bisher im eigentlichen Auswahlgespr\u00e4ch steckt. Bewerbungen werden in Sekunden \u00fcberflogen, gute Leute fallen durchs Raster, und Bewerber h\u00f6ren oft nie wieder etwas. Das wollen wir \u00e4ndern. Arveum baut KI-Agenten f\u00fcr das Recruiting: Die KI bereitet vor, Menschen entscheiden.<\/p>\n\n\n\n

Ihr kennt euch seit \u00fcber 25 Jahren und habt bereits digitale Plattformen aufgebaut und skaliert. Was macht euch als Gr\u00fcnderteam aus und welche Erfahrungen helfen euch heute beim Aufbau von Arveum?<\/h3>\n\n\n\n

Philipp: Wir kennen uns seit \u00fcber 25 Jahren und haben beide Plattformen gebaut, die unter Last funktionieren m\u00fcssen. Genauso wichtig ist unsere operative Erfahrung. Albrecht war bei Tipico nicht nur CTO, sondern hat als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Organisationsstrukturen aufgebaut. Die Menschen und die Frage, wie eine Organisation gebaut sein muss, damit sie gut arbeitet, standen dabei immer im Mittelpunkt. Ich habe bei Readly als Group-CMO ein interdisziplin\u00e4res Marketing Team in Europa aufgebaut und gef\u00fchrt. Genau daher wissen wir, wie entscheidend die richtige Besetzung ist und wie viel eine Fehlbesetzung kostet. Die Aufteilung ist klar: Albrecht: Produkt, Technik und Organisation, Ich: Markt, Partner, Vertrieb. Wir m\u00fcssen einander nichts mehr beweisen. Das macht uns schnell.<\/p>\n\n\n\n

Mit Arveum m\u00f6chtet ihr das Recruiting grundlegend ver\u00e4ndern. Welche Probleme im heutigen Bewerbungsprozess haben euch dazu bewogen, eine KI-gest\u00fctzte L\u00f6sung zu entwickeln?<\/h3>\n\n\n\n

Philipp: Recruiter k\u00f6nnen sich heute nicht auf das Wesentliche konzentrieren. Sie gehen Hunderte Lebensl\u00e4ufe durch, die ohnehin nicht passen, und f\u00fcr die wenigen, die passen, bleibt kaum Zeit. Unser Motto dazu: LinkedIn is broken. Ein Klick auf \u201eBewerben\u201c kostet nichts, also landen Bewerbungen massenhaft bei Stellen, f\u00fcr die sie nicht gedacht sind. Dazu kommt, dass Gespr\u00e4che schwer vergleichbar sind und Bewerber den Prozess als Black Box erleben. Unsere Antwort ist keine Maschine, die aussortiert, sondern eine gr\u00fcndliche Vorbereitung f\u00fcr jede einzelne Bewerbung. So hat das Team wieder Zeit f\u00fcr die Menschen, die wirklich passen.<\/p>\n\n\n\n

Euer erstes Produkt ist die KI-Recruiterin Tilda. Wie funktioniert sie konkret und welche Aufgaben \u00fcbernimmt sie im Auswahlprozess f\u00fcr Unternehmen?<\/h3>\n\n\n\n

Albrecht: Tilda liest jede Bewerbung vollst\u00e4ndig und gleicht den Lebenslauf mit den Anforderungen der Stelle ab. F\u00fcr jede Anforderung zeigt sie, ob sie belegt ist, und zitiert die passende Stelle im Lebenslauf. Ihr Herzst\u00fcck sind hochpersonalisierte Fragen. Tilda stellt keine Fragen, die auf jeden passen, sondern Fragen, die nur auf diese eine Person passen: genau dort, wo der Lebenslauf schweigt, vage bleibt oder eine L\u00fccke zur Stelle hat. Diese Fragen kommen in einen Interview-Leitfaden f\u00fcr das Gespr\u00e4ch. Auf Wunsch f\u00fchrt Tilda selbst ein kurzes Sprachinterview im Browser, telefonisch oder per Whatsapp kommt bald dazu. Am Ende bekommt das Hiring-Team ein Entscheidungsdossier. Die Entscheidung trifft immer ein Mensch.<\/p>\n\n\n\n

Tilda f\u00fchrt eigenst\u00e4ndig erste Bewerbungsgespr\u00e4che und bewertet anschlie\u00dfend die Kandidaten. Nach welchen Kriterien erfolgt diese Einsch\u00e4tzung und wie stellt ihr sicher, dass die Entscheidungen nachvollziehbar und fair bleiben?<\/h3>\n\n\n\n

Philipp: Eine kleine Korrektur vorweg: Wie Albrecht eben sagte: Tilda bewertet, aber sie entscheidet nicht. Ma\u00dfstab sind ausschlie\u00dflich die Anforderungen, die das Unternehmen f\u00fcr die Stelle festgelegt hat. Jede Einsch\u00e4tzung ist mit einem w\u00f6rtlichen Zitat aus dem Lebenslauf oder dem Gespr\u00e4ch belegt, sodass jeder sie \u00fcberpr\u00fcfen kann. Wird ein Muss-Kriterium nicht belegt, ist das ein Hinweis f\u00fcr das Team und keine automatische Absage. Bewertet wird nur, was jemand sagt. Stimme, Tonfall oder Emotionen werten wir nicht aus.<\/p>\n\n\n\n

Der Einsatz k\u00fcnstlicher Intelligenz bei Personalentscheidungen wird auch kritisch diskutiert. Wie verhindert ihr m\u00f6gliche Diskriminierung und welche Verantwortung bleibt bei den Unternehmen selbst?<\/h3>\n\n\n\n

Albrecht: Wir halten Diskriminierung gezielt aus dem Prozess heraus. Die Bewertung des Gespr\u00e4chs l\u00e4uft ohne Namen, Merkmale wie Alter, Herkunft oder Geschlecht fragen wir nicht ab und lassen sie nicht in die Bewertung einflie\u00dfen. Bewertet wird nur gegen die Anforderungen der Stelle, jeweils mit Beleg. Tilda pr\u00fcft au\u00dferdem die Stellenanzeige selbst und weist auf Kriterien hin, die nichts \u00fcber die Eignung aussagen. Die Verantwortung bleibt beim Unternehmen, es legt die Anforderungen fest, f\u00fchrt das Gespr\u00e4ch und trifft die Entscheidung. Tilda macht diese Entscheidung besser vorbereitet und nachvollziehbarer, aber sie ersetzt sie nicht.<\/p>\n\n\n\n

Mit Theo plant ihr eine zweite Anwendung, die Bewerber kostenlos unterst\u00fctzen soll. Welche Funktionen wird Theo bieten und wie sollen Tilda und Theo langfristig zusammenspielen?<\/h3>\n\n\n\n

Albrecht: Theo ist der pers\u00f6nliche Karriere-Coach f\u00fcr Bewerber, kostenlos und ohne Abo. Er pr\u00fcft den Lebenslauf, zeigt, was ihn st\u00e4rker macht und baut auf Wunsch einen neuen. Er sucht passende Stellen und erkl\u00e4rt bei jeder, was daf\u00fcr spricht und wo die L\u00fccken liegen. F\u00fcr jede Bewerbung schreibt er ein Anschreiben, das auf das Unternehmen recherchiert ist und beh\u00e4lt alle laufenden Bewerbungen im Blick. Im Sprachtraining kann man Vorstellungsgespr\u00e4che f\u00fcr eine konkrete Stelle \u00fcben und bekommt Feedback zu Aufbau, Pr\u00e4gnanz und Sprechtempo. Dazu kommen Assessment-Center-\u00dcbungen, Case Interviews, ein Pers\u00f6nlichkeitstest, Karriereberatung mit passenden Zielrollen und Texte f\u00fcr das LinkedIn-Profil.<\/p>\n\n\n\n

Viele Bewerber stehen KI-gest\u00fctzten Auswahlverfahren skeptisch gegen\u00fcber. Wie m\u00f6chtet ihr Vertrauen schaffen und sicherstellen, dass pers\u00f6nliche F\u00e4higkeiten und individuelle Lebensl\u00e4ufe ausreichend ber\u00fccksichtigt werden?<\/h3>\n\n\n\n

Albrecht: Durch Offenheit und echtes Interesse. Bewerber wissen immer, dass sie mit einer KI sprechen. Tilda stellt keine Fangfragen und keine Standardfragen, sondern gibt Raum, L\u00fccken und Wechsel selbst zu erkl\u00e4ren. Die Person merkt: Hier hat sich jemand wirklich mit mir besch\u00e4ftigt. Wir h\u00f6ren sehr oft S\u00e4tze wie \u201eEndlich stellt mir mal jemand vern\u00fcnftige und relevante Fragen\u201c. Und auch wenn es einmal nicht klappt, bekommt die Person eine wertsch\u00e4tzende Antwort statt Schweigen. Gerade ungew\u00f6hnliche Lebensl\u00e4ufe profitieren davon: Tilda fragt nach, statt aus L\u00fccken Schl\u00fcsse zu ziehen. Die Daten verarbeiten wir in der EU und nach DSGVO.<\/p>\n\n\n\n

Der Recruiting-Markt ist bereits von etablierten Plattformen und neuen KI-Anbietern gepr\u00e4gt. Was unterscheidet Arveum von bestehenden L\u00f6sungen und welche Unternehmen m\u00f6chtet ihr besonders ansprechen?<\/h3>\n\n\n\n

Philipp: Die L\u00f6sungen, die wir kennen, stellen Standardfragen, die jeder Recruiter unter Zeitdruck auch stellen k\u00f6nnte. Dann kann man dem Kandidaten auch gleich einen Fragebogen schicken. Bei uns bekommt jede Person Fragen, die aus ihrem eigenen Lebenslauf und den Anforderungen der Stelle entstehen. Das ist der Unterschied zwischen einem Formular und einem Gespr\u00e4ch. Dazu kommt, dass sich viele Anbieter \u201eKI\u201c als Label aufkleben und in Wirklichkeit einen einfachen Chatbot ohne jedes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Bewerbung liefern. Tilda versteht, was im Lebenslauf steht und was fehlt und belegt jede Aussage. Wir ersetzen keine Bewerbermanagement-Systeme oder Jobb\u00f6rsen, sondern docken \u00fcber eine Schnittstelle an sie an. Wir sprechen vor allem mittelst\u00e4ndische Arbeitgeber und Personaldienstleister im DACH-Raum an, die viele Bewerbungen bekommen und wenig Zeit haben.<\/p>\n\n\n\n

Mit der WESTPRESS Agency Group habt ihr bereits einen ersten Partner gewonnen. Welche Bedeutung hat diese Zusammenarbeit f\u00fcr euren Markteintritt und welche Erkenntnisse erhofft ihr euch aus dem praktischen Einsatz von Tilda?<\/h3>\n\n\n\n

Philipp: Eine sehr gro\u00dfe. Wir erg\u00e4nzen uns fantastisch: WESTPRESS kennt den Markt f\u00fcr Personalmarketing und seine Kunden wie kaum jemand, wir bringen die Technologie f\u00fcr die Auswahl. Die Kunden von WESTPRESS sind sehr vielf\u00e4ltig, von unterschiedlichen Branchen \u00fcber verschiedene Berufsbilder bis zu ganz eigenen Anforderungen an den Auswahlprozess. Mit einem solchen Partner zu starten, bedeutet uns viel und wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit.<\/p>\n\n\n\n

Arveum startet offiziell am 22. Oktober 2026. Welche Herausforderungen habt ihr in der Gr\u00fcndungsphase erlebt und wie wollt ihr euer Gesch\u00e4ftsmodell aus Abonnements und k\u00fcnftigen Vermittlungsprovisionen weiterentwickeln?<\/h3>\n\n\n\n

Philipp: Positiv \u00fcberrascht hat uns, wie unb\u00fcrokratisch die Gr\u00fcndung selbst war. In Bayern und in Deutschland ging das sehr viel schneller und einfacher, als wir erwartet hatten. Die eigentliche Herausforderung war, Vertrauen aufzubauen, bevor es ein fertiges Produkt gab. Bei Personaldaten fragt jeder Einkauf und jede Rechtsabteilung richtigerweise nach Datenschutz, Auftragsverarbeitung oder EU AI Act. Diese Hausaufgaben haben wir fr\u00fch gemacht. Technisch anspruchsvoll war es, mit sehr unterschiedlichen Stellenanzeigen fair umzugehen. Beim Gesch\u00e4ftsmodell starten wir mit Abonnements f\u00fcr Unternehmen, klassisch SaaS. Sp\u00e4ter kommen Vermittlungsprovisionen dazu, wenn \u00fcber Theo passende Menschen und Stellen zusammenfinden.<\/p>\n\n\n\n

Welche Vision verfolgt ihr mit Arveum f\u00fcr die kommenden Jahre und welche drei Ratschl\u00e4ge w\u00fcrdet ihr anderen Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcndern geben, die mit k\u00fcnstlicher Intelligenz ein Unternehmen aufbauen m\u00f6chten?<\/h3>\n\n\n\n

Albrecht: Wir wollen, dass jede Bewerbung eine faire, gr\u00fcndliche Pr\u00fcfung bekommt, nicht nur ein paar Sekunden Aufmerksamkeit und dass jede Einstellungsentscheidung begr\u00fcndet ist. Jeder Mensch findet so schneller den Job, der zu ihm passt. Jede Firma findet schneller die Leute, die sie braucht.<\/p>\n\n\n\n

Komm Philipp, lass uns gemeinsam Ratschl\u00e4ge geben:<\/p>\n\n\n\n

1. Sucht euch fr\u00fch die richtigen Partner. Ein Partner, der den Markt kennt und euch in die Praxis bringt, ist mehr wert als jede Demo.<\/p>\n\n\n\n

2. Nutzt die F\u00f6rderprogramme. Es gibt fantastische Programme f\u00fcr Gr\u00fcnder und f\u00fcr KI, von staatlicher F\u00f6rderung bis zu Startup-Programmen der gro\u00dfen Technologieanbieter. Viele lassen dieses Geld liegen.<\/p>\n\n\n\n

3. Baut Nachvollziehbarkeit von Anfang an ein. Wenn eine KI \u00fcber Menschen urteilt, muss jede Aussage belegbar sein. DSGVO und AI Act sind dann kein Hindernis, sondern ein Grund, warum Kunden euch vertrauen.<\/p>\n\n\n\n

4. Nutzt KI f\u00fcr alles, von der Produktentwicklung bis zur Budgetplanung, aber vergesst dabei Euren gesunden Menschenverstand nicht.<\/p>\n\n\n\n

5. Raus aus dem B\u00fcro und reden. Jedes Gespr\u00e4ch bringt euch weiter, auch das, aus dem kein Deal wird. Tolle Ideen f\u00fcr unser Produkt kamen bspw. von unseren Pilotkunden.<\/p>\n\n\n\n

6. Schaut nicht st\u00e4ndig auf den Wettbewerb. Es gibt immer jemanden, der gr\u00f6\u00dfer ist oder mehr Geld hat. Das bringt euch nichts. Macht euer Ding, und zwar schnell. Machen, machen, machen.<\/p>\n\n\n\n

Bildcredits Arveum<\/p>\n\n\n\n

Wir bedanken uns bei Philipp Montgelas<\/a> und Albrecht Senden<\/a> f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n