{"id":128287,"date":"2026-10-27T09:08:47","date_gmt":"2026-10-27T08:08:47","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=128287"},"modified":"2026-10-27T09:08:49","modified_gmt":"2026-10-27T08:08:49","slug":"schaltwerk-software-handwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/schaltwerk-software-handwerk\/","title":{"rendered":"Prozessoptimierung im Handwerk: Wie das Startup Schaltwerk die L\u00fccke zwischen Baustelle und B\u00fcro schlie\u00dft"},"content":{"rendered":"\n

Das Startup Schaltwerk entwickelt eine Software f\u00fcr das Handwerk, die Baustelle und B\u00fcro digital verbindet, Arbeitsabl\u00e4ufe vereinfacht und Handwerksbetrieben im Alltag Zeit sparen soll.<\/h2>\n\n\n\n

Wer steht hinter Schaltwerk, und welche Erfahrungen aus Handwerk und Digitalisierung bringen Sie in das Unternehmen ein?<\/h3>\n\n\n\n

Hinter Schaltwerk stehen Silvio Wloka und Benjamin Karsten. Benjamin kommt als Malermeister direkt aus dem Handwerk, Silvio bringt seine Erfahrungen aus der Aufma\u00dftechnik und der Entwicklung digitaler Arbeitsabl\u00e4ufe mit ein.<\/p>\n\n\n\n

Was uns verbindet, ist der praktische Blick auf die Dinge. Wir kennen die Situationen auf der Baustelle und im B\u00fcro und wissen, dass eine Software nur dann wirklich hilft, wenn sie im Alltag auch unkompliziert funktioniert.<\/p>\n\n\n\n

Bei der Entwicklung geht es uns deshalb nicht darum, m\u00f6glichst viele Funktionen unterzubringen, sondern L\u00f6sungen zu schaffen, die den Betrieben tats\u00e4chlich Arbeit abnehmen.<\/p>\n\n\n\n

Bei Ihnen stand nicht die Produktidee, sondern ein t\u00e4glich erlebtes Problem am Anfang. Wie hat dieser Ausgangspunkt Ihre Produktentwicklung gepr\u00e4gt?<\/h3>\n\n\n\n

Das hat unsere Entwicklung eigentlich von Anfang an bestimmt. Wir haben nicht \u00fcberlegt, welche Funktionen eine moderne Handwerkersoftware unbedingt haben m\u00fcsste, sondern geschaut, wo im t\u00e4glichen Ablauf Probleme entstehen.<\/p>\n\n\n\n

Wenn Informationen fehlten, etwas doppelt eingetragen werden musste oder die Abstimmung zwischen Baustelle und B\u00fcro unn\u00f6tig Zeit gekostet hat, haben wir versucht, daf\u00fcr eine einfachere L\u00f6sung zu finden.<\/p>\n\n\n\n

So ist Schaltwerk St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck gewachsen. F\u00fcr uns war immer entscheidend, ob eine Funktion im Arbeitsalltag wirklich einen Nutzen bringt und nicht nur auf dem Bildschirm gut aussieht.<\/p>\n\n\n\n

Trotz verschiedener Programme blieb in Ihrem Handwerksbetrieb viel Arbeit manuell. Wo lagen die gr\u00f6\u00dften Br\u00fcche zwischen Baustelle und B\u00fcro?<\/h3>\n\n\n\n

Ein gro\u00dfes Problem war, dass Informationen oft an unterschiedlichen Stellen lagen. Auf der Baustelle wurden Zeiten notiert, Fotos gemacht oder Aufma\u00dfe erstellt. Im B\u00fcro wurden diese Informationen sp\u00e4ter f\u00fcr die weitere Bearbeitung ben\u00f6tigt.<\/p>\n\n\n\n

Das bedeutete h\u00e4ufig Nachfragen, Suchen oder erneutes \u00dcbertragen. Dazu kamen die Einsatzplanung, Termine und die Abstimmung mit den Mitarbeitern.<\/p>\n\n\n\n

Unser Gedanke war deshalb, m\u00f6glichst viele dieser Informationen direkt einem Auftrag zuzuordnen, sodass sowohl die Mitarbeiter auf der Baustelle als auch das B\u00fcro auf denselben aktuellen Stand zugreifen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Jede neue Funktion musste sich zun\u00e4chst im eigenen Betrieb bew\u00e4hren. Welche Vorteile hat dieser konsequente Praxistest gegen\u00fcber einer klassischen Softwareentwicklung?<\/h3>\n\n\n\n

Der gr\u00f6\u00dfte Vorteil ist, dass man sehr schnell merkt, ob etwas wirklich funktioniert.<\/p>\n\n\n\n

Eine Funktion kann auf dem Papier noch so sinnvoll erscheinen. Wenn ein Mitarbeiter auf der Baustelle daf\u00fcr erst lange suchen oder sich durch mehrere Men\u00fcs klicken muss, wird sie im Alltag wahrscheinlich wenig genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Durch den direkten Bezug zur Praxis konnten wir viele Dinge hinterfragen und vereinfachen. Wir haben dabei auch gelernt, dass manchmal eine kleine Verbesserung im Ablauf mehr bringt als eine besonders umfangreiche Funktion.<\/p>\n\n\n\n

Viele Handwerksunternehmen arbeiten mit gewachsenen Abl\u00e4ufen und unterschiedlichen digitalen Werkzeugen. Wie \u00fcberzeugen Sie Betriebe davon, ihre Prozesse mit Schaltwerk neu zu organisieren?<\/h3>\n\n\n\n

Wir m\u00f6chten niemandem erz\u00e4hlen, dass er von heute auf morgen seine komplette Arbeitsweise \u00e4ndern oder s\u00e4mtliche bisherigen Programme ersetzen muss.<\/p>\n\n\n\n

Viele Betriebe haben L\u00f6sungen, mit denen sie gut zurechtkommen. Deshalb finden wir es sinnvoller, zun\u00e4chst gemeinsam zu schauen, wo Schaltwerk tats\u00e4chlich helfen kann.<\/p>\n\n\n\n

Ein Betrieb kann beispielsweise erst einmal mit der digitalen Bauakte, der Einsatzplanung oder der Zeiterfassung beginnen und andere Bereiche sp\u00e4ter hinzunehmen. Auch ein bestehendes Rechnungsprogramm muss nicht zwangsl\u00e4ufig sofort ersetzt werden.<\/p>\n\n\n\n

Uns ist wichtig, dass die Digitalisierung zum Betrieb passt und nicht umgekehrt.<\/p>\n\n\n\n

Aus einzelnen Werkzeugen wurde Schritt f\u00fcr Schritt ein zusammenh\u00e4ngendes System. Was unterscheidet Schaltwerk heute von klassischen Einzell\u00f6sungen f\u00fcr das Handwerk?<\/h3>\n\n\n\n

Unser Ansatz ist, die verschiedenen Schritte eines Auftrags m\u00f6glichst eng miteinander zu verbinden.<\/p>\n\n\n\n

Von der Kundenanfrage \u00fcber die Planung und Durchf\u00fchrung bis zur Dokumentation und Aufma\u00dferfassung sollen Informationen nicht immer wieder neu eingegeben werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

Ein Beispiel ist die digitale Bauakte. Dort k\u00f6nnen wichtige Informationen, Fotos und Dokumentationen direkt dem jeweiligen Auftrag zugeordnet werden. So muss sp\u00e4ter niemand lange suchen, wo bestimmte Unterlagen abgelegt wurden.<\/p>\n\n\n\n

Es geht uns dabei weniger darum, jede einzelne Spezialsoftware zu ersetzen, sondern die allt\u00e4gliche Organisation eines Handwerksbetriebs \u00fcbersichtlicher zu machen.<\/p>\n\n\n\n

Eine Software aus dem eigenen Betrieb zu entwickeln ist das eine, sie auf andere Unternehmen zu \u00fcbertragen das andere. Welche Herausforderung war bei diesem Schritt besonders gro\u00df?<\/h3>\n\n\n\n

Eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen war die Erkenntnis, dass nicht jeder Handwerksbetrieb genauso arbeitet, wie wir es gewohnt waren.<\/p>\n\n\n\n

Was f\u00fcr einen Malerbetrieb gut funktioniert, muss nicht automatisch f\u00fcr einen Tischler, Elektriker oder Trockenbauer genauso passen. Selbst innerhalb eines Gewerks gibt es unterschiedliche Arbeitsweisen.<\/p>\n\n\n\n

Deshalb m\u00fcssen wir bei der Weiterentwicklung immer wieder hinterfragen, welche Abl\u00e4ufe allgemein funktionieren und wo zus\u00e4tzliche Anforderungen bestehen.<\/p>\n\n\n\n

Gerade der Austausch mit anderen Betrieben ist daf\u00fcr enorm wichtig. Wir m\u00f6chten nicht einfach davon ausgehen, dass unsere L\u00f6sung \u00fcberall passt, sondern gemeinsam mit den Anwendern herausfinden, was ben\u00f6tigt wird.<\/p>\n\n\n\n

Handwerksbetriebe k\u00f6nnen sich in ihren Abl\u00e4ufen deutlich unterscheiden. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen einer einheitlichen Software und unterschiedlichen Anforderungen?<\/h3>\n\n\n\n

Wir versuchen zun\u00e4chst, die Gemeinsamkeiten zu betrachten. Unabh\u00e4ngig vom Gewerk m\u00fcssen Auftr\u00e4ge organisiert, Mitarbeiter eingeplant, Zeiten erfasst und Informationen dokumentiert werden.<\/p>\n\n\n\n

Auf dieser Grundlage l\u00e4sst sich bereits vieles abbilden.<\/p>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich gibt es auch gewerkespezifische Anforderungen, etwa beim Aufma\u00df oder bei bestimmten Dokumentationsabl\u00e4ufen. Diese Bereiche m\u00f6chten wir Schritt f\u00fcr Schritt gemeinsam mit Betrieben aus den jeweiligen Gewerken weiterentwickeln.<\/p>\n\n\n\n

Unser Ziel ist nicht, f\u00fcr jedes Gewerk eine komplett andere Software zu schaffen, sondern eine gemeinsame Grundlage, die sinnvoll erweitert werden kann.<\/p>\n\n\n\n

Digitalisierung soll im Handwerk Arbeit reduzieren und nicht zus\u00e4tzliche B\u00fcrokratie schaffen. Woran messen Sie, ob Schaltwerk dieses Versprechen im Alltag tats\u00e4chlich erf\u00fcllt?<\/h3>\n\n\n\n

F\u00fcr uns ist die wichtigste Frage, ob ein Arbeitsschritt hinterher einfacher ist als vorher.<\/p>\n\n\n\n

Muss eine Information nur noch einmal erfasst werden? Findet das B\u00fcro schneller die ben\u00f6tigten Unterlagen? K\u00f6nnen Mitarbeiter auf der Baustelle etwas dokumentieren, ohne daf\u00fcr viel zus\u00e4tzliche Zeit aufzuwenden?<\/p>\n\n\n\n

Solche Dinge sind f\u00fcr uns entscheidend.<\/p>\n\n\n\n

Besonders wichtig ist uns dabei die R\u00fcckmeldung der Anwender. Wenn eine Funktion zu kompliziert ist oder im Alltag nicht genutzt wird, m\u00fcssen wir uns fragen, was wir besser machen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Welche Vision verfolgen Sie mit Schaltwerk, und welche n\u00e4chsten Entwicklungen m\u00f6chten Sie f\u00fcr die Software vorantreiben?<\/h3>\n\n\n\n

Wir m\u00f6chten mit Schaltwerk dazu beitragen, dass Digitalisierung gerade f\u00fcr kleinere und mittlere Handwerksbetriebe einfacher zug\u00e4nglich wird.<\/p>\n\n\n\n

Ein Betrieb sollte nicht erst mehrere Programme einf\u00fchren und aufwendig miteinander verbinden m\u00fcssen, um seine t\u00e4glichen Abl\u00e4ufe vern\u00fcnftig organisieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n

Aktuell arbeiten wir daran, Schaltwerk weiterzuentwickeln und die Anforderungen weiterer Gewerke besser kennenzulernen. Auch die digitale Aufma\u00dferfassung und deren Weiterverarbeitung spielen dabei eine wichtige Rolle.<\/p>\n\n\n\n

Langfristig w\u00fcnschen wir uns eine L\u00f6sung, die sich mit den Betrieben weiterentwickelt und ihnen im Arbeitsalltag wirklich Zeit spart.<\/p>\n\n\n\n

Welche drei Ratschl\u00e4ge w\u00fcrden Sie anderen Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcndern geben, die aus einem Problem im eigenen Unternehmen ein eigenst\u00e4ndiges Produkt entwickeln m\u00f6chten?<\/h3>\n\n\n\n

Als Erstes w\u00fcrde ich sagen: Besch\u00e4ftigt euch wirklich mit dem Problem, bevor ihr euch zu sehr auf eine bestimmte L\u00f6sung festlegt. Nur weil man selbst etwas f\u00fcr sinnvoll h\u00e4lt, bedeutet das nicht, dass andere es genauso ben\u00f6tigen.<\/p>\n\n\n\n

Zweitens: Holt euch m\u00f6glichst fr\u00fch ehrliches Feedback. Gerade kritische R\u00fcckmeldungen helfen oft mehr als ein einfaches Lob. Man muss bereit sein, eigene Ideen noch einmal zu \u00fcberdenken.<\/p>\n\n\n\n

Und drittens: Habt Geduld und bleibt offen f\u00fcr Ver\u00e4nderungen. Aus einer ersten Idee wird nicht automatisch ein fertiges Produkt. Vieles entwickelt sich erst mit der Zeit, und manchmal f\u00fchrt der Weg auch in eine andere Richtung als urspr\u00fcnglich geplant.<\/p>\n\n\n\n

Bild: Silvio Wloka und Benjamin Karsten Bildcreidts Benjamin Karsten \/ Schaltwerk<\/p>\n\n\n\n

Wir bedanken uns bei\u00a0Silvio Wloka und Benjamin Karsten\u00a0f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n