{"id":128533,"date":"2026-11-04T09:11:54","date_gmt":"2026-11-04T08:11:54","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=128533"},"modified":"2026-11-04T09:11:56","modified_gmt":"2026-11-04T08:11:56","slug":"fideno-software-unternehmen-zugangsdaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/fideno-software-unternehmen-zugangsdaten\/","title":{"rendered":"Zero-Knowledge aus Deutschland: Fideno entwickelt Passwortmanager f\u00fcr den Mittelstand"},"content":{"rendered":"\n
Fideno sitzt in Euskirchen und baut Software, in der Unternehmen ihre Zugangsdaten verwahren. Also die Schl\u00fcssel zum Gesch\u00e4ftskonto, zur eigenen Domain, zur Kundendatenbank und zu allem anderen, was eine Firma am Laufen h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n
Die Idee kam aus einer Frage, die mir niemand zufriedenstellend beantworten konnte: Wer kann das alles eigentlich lesen? Bei den meisten Anbietern lautet die Antwort, dass sie es technisch k\u00f6nnten und vertraglich zusichern, es nicht zu tun. Mir war das zu wenig.<\/p>\n\n\n\n
Ich bin Marcel Blettner, Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, und es ist mein erstes Unternehmen. Mein Mitgr\u00fcnder ist Stefan Kistner, seit \u00fcber zwanzig Jahren in der IT-Sicherheit und selbst Unternehmer in diesem Feld.<\/p>\n\n\n\n
Kennengelernt haben wir uns \u00fcber sein Unternehmen. Aus einem fachlichen Kontakt wurde ein langes Gespr\u00e4ch, in dem wir bei derselben Frage landeten: Warum liegt die Hoheit \u00fcber die sensibelsten Daten europ\u00e4ischer Firmen so selbstverst\u00e4ndlich au\u00dferhalb Europas? Er hielt die Idee sofort f\u00fcr richtig und ist seit dem ersten Tag dabei.<\/p>\n\n\n\n
Die Entscheidungen treffe ich, auch die unbequemen. Die unbequemste war, dass wir selbst keinen Zugriff auf die Daten unserer Kunden haben. Das erschwert unseren Support und bringt uns Arbeit, die andere Anbieter ihren Kunden abnehmen. Ich habe es trotzdem so festgelegt, weil ein Versprechen, das man brechen kann, nichts wert ist.<\/p>\n\n\n\n
Stefan liefert dazu etwas, das man sich nicht anlesen kann. Er wei\u00df, welche Einw\u00e4nde kommen, bevor sie kommen. Das hat uns Monate erspart.<\/p>\n\n\n\n
Der Bedarf an Zugangsverwaltung steigt seit Jahren, das Angebot aus Deutschland ist in derselben Zeit kleiner geworden. Netwrix Password Secure, fr\u00fcher MATESO aus Augsburg, geh\u00f6rt seit 2022 einem US-Konzern. S-Trust der Sparkassen-Finanzgruppe wurde im M\u00e4rz 2026 eingestellt. \u00dcbrig bleiben vor allem gro\u00dfe internationale Anbieter, die direkt an technisch versierte Kunden verkaufen.<\/p>\n\n\n\n
Damit stehen ausgerechnet die Unternehmen allein da, die keine eigene IT-Sicherheitsabteilung haben. Das ist unsere L\u00fccke: der Mittelstand, der \u00f6ffentliche Sektor und regulierte Betriebe, erreicht \u00fcber die Systemh\u00e4user, die sie ohnehin betreuen.<\/p>\n\n\n\n
So einfach wie m\u00f6glich gesagt: Der Schl\u00fcssel entsteht auf dem Ger\u00e4t des Nutzers und verl\u00e4sst es nie. Alles wird dort verschl\u00fcsselt, bevor es zu uns kommt, und erst dort wieder lesbar. Auf unseren Servern liegen Zeichenfolgen, mit denen niemand etwas anfangen kann, auch wir nicht.<\/p>\n\n\n\n
Einen Generalschl\u00fcssel gibt es nicht. Falls jemand sein Passwort verliert, wird ein Schl\u00fcssel in Teile zerlegt und auf mehrere Personen im Unternehmen verteilt. Erst gemeinsam ergeben sie ihn wieder.<\/p>\n\n\n\n
Weil wir sonst die H\u00e4lfte der Kunden verlieren, bevor das Gespr\u00e4ch \u00fcberhaupt beginnt. Die meisten wollen sich um Technik nicht k\u00fcmmern, f\u00fcr die ist das deutsche Rechenzentrum die richtige Wahl.<\/p>\n\n\n\n
Daneben gibt es Organisationen, die aus Prinzip oder wegen interner Vorgaben nichts au\u00dfer Haus geben. F\u00fcr die l\u00e4uft dieselbe Software vollst\u00e4ndig bei ihnen. Zwei Modelle bedeuten doppelten Aufwand, und sie haben uns mehr Entwicklungszeit gekostet als jede andere Entscheidung.<\/p>\n\n\n\n
Die Regulierung ver\u00e4ndert unseren Markt, ohne dass wir etwas daf\u00fcr tun m\u00fcssen. Seit Dezember 2025 m\u00fcssen deutlich mehr Unternehmen nachweisen, wie sie ihre Zug\u00e4nge verwalten, und die Verantwortung daf\u00fcr liegt bei der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung pers\u00f6nlich.<\/p>\n\n\n\n
F\u00fcr ein junges Unternehmen ist das eine komfortable Lage, weil die Nachfrage von selbst entsteht. Was ich trotzdem nicht behaupte: dass unsere Software eine Firma regelkonform macht. Das tut keine Software. Diese Arbeit bleibt im Haus.<\/p>\n\n\n\n
Drei Dinge. Dass wir nichts lesen k\u00f6nnen, ist bei uns gebaut und nicht nur versprochen. Beide Betriebsformen kommen aus derselben Entwicklung. Und Entwicklung, Betrieb und Haftung liegen hier.<\/p>\n\n\n\n
Den Standort f\u00fchre ich dabei nicht als Verkaufsargument. Er wird erst in dem Moment zur harten W\u00e4hrung, in dem ein Unternehmen fragt, nach welchem Recht entschieden wird, falls eine Beh\u00f6rde Zugriff auf seine Daten verlangt. Diese Frage beantworten wir eindeutig: Entwicklung, Betrieb und Verantwortung liegen in Deutschland, und sie bleiben hier.<\/p>\n\n\n\n
Die Plattform ist fertig entwickelt und l\u00e4uft. In der deutschen Cloud ebenso wie vollst\u00e4ndig im Rechenzentrum des Kunden, dazu Erweiterungen f\u00fcr alle verbreiteten Browser und eigene Anwendungen f\u00fcr Smartphone und Tablet. Entwickelt wird daran nicht mehr. Was jetzt l\u00e4uft, ist die Phase, die \u00fcber die G\u00fcte eines Sicherheitsprodukts entscheidet: H\u00e4rtung, unabh\u00e4ngige Pr\u00fcfung, Betriebsreife.<\/p>\n\n\n\n
Die eigentliche Aufgabe bis zum Markteintritt ist keine technische. Sie besteht darin, den Channel aufzubauen, \u00fcber den dieses Produkt in die Breite geht: Systemh\u00e4user, Reseller und Rechenzentrumsbetreiber, die den Mittelstand und den \u00f6ffentlichen Sektor seit Jahren betreuen. Daran arbeiten wir seit Monaten, und dort entscheidet sich das Tempo.<\/p>\n\n\n\n
Wir ersetzen Vertrauen durch Technik, \u00fcberall dort, wo es m\u00f6glich ist. Was wir nicht lesen k\u00f6nnen, muss uns niemand glauben. Das ist der Kern unserer Architektur, und wir haben uns diese Entscheidung im eigenen Betrieb bewusst nicht bequem gemacht.<\/p>\n\n\n\n
Dazu kommt Nachpr\u00fcfbarkeit auf jeder Ebene. Die gesamte Plattform wurde intern gepr\u00fcft und jeder Befund dokumentiert, eine unabh\u00e4ngige externe Sicherheitspr\u00fcfung steht vor dem Markteintritt. Der Cloud-Betrieb liegt in einem nach ISO 27001 zertifizierten Rechenzentrum in Deutschland. Und wer seine Zug\u00e4nge \u00fcberhaupt nicht aus der Hand geben will, betreibt dieselbe Software vollst\u00e4ndig in der eigenen Infrastruktur, unter eigener Kontrolle.<\/p>\n\n\n\n
Wir gehen \u00fcber den Channel in den Markt. Systemh\u00e4user, Reseller und Distributoren betreuen unsere Zielkunden seit Jahren und werden gefragt, wenn es um Sicherheit geht. F\u00fcr sie steht ein Partnerprogramm mit festen Stufen, eigenem Partnerportal und technischer Konsole bereit. Das ist der Weg, auf dem ein Sicherheitsprodukt in Deutschland Fl\u00e4che gewinnt.<\/p>\n\n\n\n
Der zweite Weg ist die Breite. Es wird dauerhaft einen kostenfreien Tarif f\u00fcr Privatpersonen geben. Wer ein Werkzeug privat sch\u00e4tzt, bringt es in seinem Unternehmen zur Sprache. Das Ziel f\u00fcr die kommenden Jahre ist klar umrissen: Wenn ein deutsches Unternehmen gefragt wird, wo seine Zug\u00e4nge liegen, soll die Antwort unser Name sein.<\/p>\n\n\n\n
Erstens: Sucht die Stelle, an der die Nachfrage w\u00e4chst und das Angebot gleichzeitig d\u00fcnner wird. Solche L\u00fccken entstehen leise und stehen in keiner Marktstudie.<\/p>\n\n\n\n
Zweitens: Schreibt Entscheidungen auf, gerade wenn Alter und Erfahrung im Team weit auseinanderliegen. Erfahrung \u00fcbertr\u00e4gt sich nicht durch Zuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n
Drittens: Behauptet nichts, was ihr nicht belegen k\u00f6nnt. Als junges Unternehmen ist die Versuchung gro\u00df, gr\u00f6\u00dfer zu wirken. Eine \u00fcberzogene Aussage kostet am Ende die Glaubw\u00fcrdigkeit, und die tr\u00e4gt das ganze Gesch\u00e4ft.<\/p>\n\n\n\n
Bildrechte: Fideno GmbH (i. G.)<\/p>\n\n\n\n
Wir bedanken uns bei\u00a0Marcel Blettner<\/a>\u00a0f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n