{"id":128552,"date":"2026-11-05T08:12:25","date_gmt":"2026-11-05T07:12:25","guid":{"rendered":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/?p=128552"},"modified":"2026-11-05T08:12:27","modified_gmt":"2026-11-05T07:12:27","slug":"happy-hours-kurse-plattform","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/happy-hours-kurse-plattform\/","title":{"rendered":"Gegen Einsamkeit: Plattform happy hours verbindet Kurse mit Freundschaftssuche"},"content":{"rendered":"\n
Wir sind zu dritt. Anna-Luisa ist 24, kommt aus Bonn, hat ihren Bachelor abgeschlossen und macht gerade ihren Master. Ich bin 27, komme aus Euskirchen und habe meinen Bachelor und Master abgeschlossen. Unser dritter Mitgr\u00fcnder ist 24, kommt aus dem Emsland und hat nach einer Ausbildung seinen Bachelor gemacht. Anna-Luisa und ich sind schon seit vielen Jahren befreundet. Unseren dritten Mitgr\u00fcnder habe ich auf einer Hochschulfeier kennengelernt, und es hat sofort gepasst.<\/p>\n\n\n\n
Die Idee ist ganz unspektakul\u00e4r beim Kochen entstanden. Wir standen mit einem Freund in der K\u00fcche, und ich habe tunesisch gekocht, das sind meine Wurzeln. Anna-Luisa hat irgendwann gefragt, warum ich das nicht mal als Kurs anbiete. Dar\u00fcber haben wir weitergesprochen und gemerkt: Es gibt so viele Menschen, die etwas k\u00f6nnen und teilen wollen, und so viele, die Lust auf genau so einen Abend h\u00e4tten, aber nicht wissen, wo sie ihn finden oder mit wem sie hingehen sollen. Aus dieser Frage ist happy hours entstanden.<\/p>\n\n\n\n
Wir sind alle drei f\u00fcrs Studium in neue St\u00e4dte gezogen. An der Uni haben wir einige Freunde gefunden, au\u00dferhalb aber kaum. Es war schwer, Menschen mit denselben Interessen zu finden, und wir hatten noch Gl\u00fcck: Viele junge Erwachsene haben gar keine Uni oder Hochschule, \u00fcber die sie Leute kennenlernen. Sie arbeiten den ganzen Tag und haben kaum eine Gelegenheit, auf nat\u00fcrliche Weise neue Menschen zu treffen. Laut Bertelsmann Stiftung f\u00fchlen sich 46 Prozent der 16- bis 30-J\u00e4hrigen in Deutschland zumindest teilweise einsam.<\/p>\n\n\n\n
Was mich am meisten besch\u00e4ftigt hat: Fast niemand spricht dar\u00fcber, obwohl so viele betroffen sind. Einsamkeit klingt nach etwas, das man sich nicht eingestehen will. Wir wollten deshalb kein weiteres Hilfsangebot bauen, sondern etwas, worauf man einfach Lust hat. Niemand muss sagen \u201eIch bin einsam\u201c, um bei uns einen Kochkurs zu buchen. Die neuen Kontakte entstehen dann ganz nebenbei, dadurch, dass wir fremde Menschen mit gleichen Interessen zusammenbringen.<\/p>\n\n\n\n
Teilnehmende finden auf der Webseite Kurse und Erlebnisse in ihrer Stadt und buchen in drei Schritten: registrieren, Kurs finden, Platz buchen. Nachdem ein Kurs stattgefunden hat, er\u00f6ffnen wir automatisch eine Gruppe, in der sich die Teilnehmenden weiter austauschen k\u00f6nnen. Ist man spontan verhindert, kann man seinen Platz an eine andere Person \u00fcbertragen oder bis 48 Stunden vor Kursbeginn auf einen anderen Termin umbuchen.<\/p>\n\n\n\n
Von klassischen Buchungsportalen unterscheiden wir uns vor allem durch den sozialen Gedanken: Bei uns geht es darum, Alleinsein zu bek\u00e4mpfen, Gleichgesinnte zu finden und sein Hobby mit anderen zu teilen. Markierungen wie \u201eGirls only\u201c oder \u201eLGBTQIA+ friendly\u201c helfen dabei, das passende Umfeld zu finden. Wir wollen eine Plattform sein, auf der alle Menschen willkommen sind, unabh\u00e4ngig von Kultur, Herkunft oder sexueller Orientierung. Von Kennenlern-Apps unterscheiden wir uns dadurch, dass man sich nicht zum Kennenlernen verabredet, sondern \u00fcber eine gemeinsame Aktivit\u00e4t ganz nat\u00fcrlich ins Gespr\u00e4ch kommt.<\/p>\n\n\n\n
Auch f\u00fcr Kursanbieter:innen ist unser Modell anders. Wir verstehen uns als B2B2C-Plattform: Die Registrierung ist kostenlos, es gibt keine Fixkosten, und Geb\u00fchren fallen nur an, wenn tats\u00e4chlich gebucht wird. Au\u00dferdem optimieren wir die Kursseiten automatisch f\u00fcr Suchmaschinen, damit die Angebote bei Google besser gefunden werden. Auf Wunsch pflegen wir die Inserate auch f\u00fcr die Anbieter:innen ein. Damit nehmen wir kleinen Anbieter:innen einen gro\u00dfen Teil der Arbeit f\u00fcr ihre Sichtbarkeit ab.<\/p>\n\n\n\n
Weil Freundschaften selten entstehen, wenn man sie sucht, sondern meistens nebenbei. Wenn zwei Leute zusammen an einer T\u00f6pferscheibe scheitern, haben sie sofort ein Gespr\u00e4chsthema und lachen \u00fcber dasselbe. Die gemeinsame Aktivit\u00e4t dient als Eisbrecher zwischen Menschen, die sich vorher nicht kannten. Der Druck ist raus, weil niemand \u201eauf Freundessuche\u201c ist, sondern einfach etwas Sch\u00f6nes macht. Ein zweiter Vorteil: Selbst wenn an einem Abend keine neue Freundschaft entsteht, hatte man trotzdem eine gute Zeit und hat etwas Neues gelernt.<\/p>\n\n\n\n
Die Markierungen sind aus Gespr\u00e4chen mit unserer Zielgruppe entstanden. Viele haben uns gesagt, dass sie nicht wissen, was sie bei einem Kurs erwartet, und deshalb lieber gar nicht hingehen. Die Anbieter:innen w\u00e4hlen die Markierungen beim Anlegen eines Kurses aus, und wir passen die Liste laufend an, wenn neue W\u00fcnsche aufkommen. Unsere Markierung \u201eRuhige Atmosph\u00e4re\u201c bedeutet zum Beispiel kleinere Gruppen, ein ruhiges Umfeld und keinen Zwang, sich vor allen vorzustellen. Bei unseren eigenen Events achten wir darauf, dass es klare Abl\u00e4ufe und Gespr\u00e4chsimpulse gibt, damit niemand allein am Rand steht.<\/p>\n\n\n\n
Der Chat ist f\u00fcr uns das Herzst\u00fcck. Nach einem guten Abend nach der Nummer zu fragen, kostet \u00dcberwindung. Im Gruppenchat passiert das ganz nat\u00fcrlich: Jemand schickt ein Foto vom fertigen Teller, jemand fragt, wer n\u00e4chste Woche wieder mitkommt. Ob daraus l\u00e4ngerfristige Kontakte werden, sehen wir zum Beispiel daran, wie aktiv ein Chat nach einigen Wochen noch ist und wie viele Teilnehmende gemeinsam einen weiteren Kurs buchen. Au\u00dferdem stehen wir mit unserer Community regelm\u00e4\u00dfig im direkten Austausch.<\/p>\n\n\n\n
F\u00fcr diese Formate arbeiten wir mit Caf\u00e9s in K\u00f6ln und Umgebung zusammen. Die Caf\u00e9s stellen uns ihre R\u00e4ume f\u00fcr unsere Events zur Verf\u00fcgung und profitieren im Gegenzug von zus\u00e4tzlichen G\u00e4sten, dem Verzehr vor Ort und Social-Media-Content.<\/p>\n\n\n\n
Beim Speed Friending treffen wir uns in einem Caf\u00e9, zuletzt zum Beispiel bei Underdog Espresso in K\u00f6ln. Man sitzt sich zu zweit oder in kleinen Gruppen gegen\u00fcber, zieht Karten mit Gespr\u00e4chsfragen und hat ein paar Minuten Zeit, dann wird gewechselt. Wichtig ist uns: Es geht nicht ums Dating, sondern ums Kennenlernen. Die Fragekarten nehmen den Druck raus, weil niemand \u00fcberlegen muss, was er sagen soll. Vor dem Launch haben wir auch schon andere Formate getestet, etwa einen Walk & Talk im Caf\u00e9 Daisy. Wir sind gespannt, welche Formate als N\u00e4chstes dazukommen.<\/p>\n\n\n\n
Viele Anbieter:innen machen gro\u00dfartige Kurse, aber ihnen fehlt Zeit und Budget f\u00fcr Marketing. Social Media kostet Stunden, Werbung kostet Geld, und gerade junge Menschen erreicht man \u00fcber klassische Wege kaum noch. Das Ergebnis sind freie Pl\u00e4tze, die eigentlich jemand gerne gebucht h\u00e4tte. Bei uns legen sie ihren Kurs einmal an, und wir k\u00fcmmern uns um Sichtbarkeit, Buchung, Bezahlung und Rechnung. Sie konzentrieren sich auf das, was sie am besten k\u00f6nnen: ihren Kurs.<\/p>\n\n\n\n
Weil wir nur dann verdienen wollen, wenn unsere Partner auch verdienen. Gerade kleine Betriebe k\u00f6nnen sich kein Abo f\u00fcr eine Plattform leisten, bei der sie nicht wissen, ob sie etwas bringt. Bei uns tragen sie kein Risiko. Die Provision ist gestaffelt: Je h\u00f6her der Umsatz pro Termin, desto geringer der Prozentsatz. So profitieren Anbieter:innen davon, wenn ihre Kurse voll werden. F\u00fcr uns funktioniert das Modell \u00fcber die Menge: viele Kurse, viele Buchungen, gute Auslastung. Und Buchungen sind bei uns verbindlich, sodass Anbieter:innen sicher planen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n
Unser KI-Assistent hei\u00dft Hoppy. Er hilft Anbieter:innen dabei, ihr Angebot anzulegen, zum Beispiel beim Formulieren einer ansprechenden Kursbeschreibung, und beantwortet Fragen rund um die Plattform. So ist ein Kurs in wenigen Minuten online. Einfache Bedienung ist f\u00fcr uns entscheidend: Eine T\u00f6pferin, die seit zwanzig Jahren Kurse gibt, soll nicht erst Online-Marketing lernen m\u00fcssen, um neue Teilnehmende zu finden. Wenn das Anlegen l\u00e4nger dauert als eine Kaffeepause, haben wir etwas falsch gemacht.<\/p>\n\n\n\n
Die klassische Herausforderung jedes Marktplatzes ist das Henne-Ei-Problem: Ohne Kurse kommen keine Teilnehmenden, und ohne Teilnehmende melden sich keine Anbieter:innen an. Wir haben deshalb zuerst Anbieter:innen gewonnen und sie pers\u00f6nlich beim Start begleitet. Gleichzeitig bauen wir \u00fcber eigene Events wie Speed Friending eine Community auf, die dann auch die Kurse bucht. Bevor wir in weitere Bundesl\u00e4nder gehen, wollen wir in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass das Modell funktioniert. Danach kommen St\u00e4dte mit vielen jungen Menschen und Zugezogenen in Frage, zum Beispiel Universit\u00e4tsst\u00e4dte.<\/p>\n\n\n\n
Unsere Vision ist, dass niemand mehr allein zu Hause sitzt, weil er nicht wei\u00df, wohin oder mit wem. Wenn jemand in eine neue Stadt zieht, soll happy hours der erste Ort sein, an dem er Anschluss findet. Langfristig wollen wir die Plattform werden, die echte Begegnungen in ganz Deutschland und unseren Nachbarl\u00e4ndern m\u00f6glich macht.<\/p>\n\n\n\n
Anderen Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcndern, die mit ihrem Produkt ein gesellschaftliches Problem l\u00f6sen wollen, w\u00fcrden wir drei Dinge mitgeben:<\/p>\n\n\n\n
Fotocredits: happy hours<\/p>\n\n\n\n
Wir bedanken uns bei\u00a0Hamdi Krichi<\/a>\u00a0f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.<\/p>\n\n\n\n