{"id":73512,"date":"2020-11-19T08:49:50","date_gmt":"2020-11-19T07:49:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.startupvalley.news\/de\/?p=73512"},"modified":"2026-06-13T12:37:17","modified_gmt":"2026-06-13T10:37:17","slug":"plusx-freitzeitgutscheine-freizeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/startupvalley.news\/de\/plusx-freitzeitgutscheine-freizeit\/","title":{"rendered":"Bleibe authentisch und verfolge die Themen, die dir wichtig sind!"},"content":{"rendered":"\n
Ich bin Felix und habe im April 2020 mit plusX mein zweites Startup gegr\u00fcndet. Neu ist, dass es diesmal ein Social-Startup ist und dass ich zun\u00e4chst allein gegr\u00fcndet habe. Zum Gl\u00fcck werde ich mittlerweile von Anuschaa, Olga und Daniel unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n
Mit den Freizeitgutscheinen von plusX erm\u00f6glichen wir Menschen, die finanziell benachteiligt sind, den Zugang zu Freizeitaktivit\u00e4ten. Wir sind der \u00dcberzeugung, dass die Teilhabe an Freizeitaktivit\u00e4ten gerade f\u00fcr Kinder- und Jugendliche ein zentraler Bestandteil des Aufwachsens ist und einen Beitrag zur Chancengleichheit – auch in anderen Bereichen – leistet. Deswegen haben wir mit plusX eine Plattform geschaffen, auf der finanziell benachteiligte Menschen die Freiheit bekommen, ihre Freizeit selbst zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n
\u201eMenschen, die finanziell benachteiligt sind\u201c mag f\u00fcr viele sehr abstrakt klingen, aber tats\u00e4chlich w\u00e4chst in Deutschland jedes f\u00fcnfte Kind in Armut auf. Man muss also nicht in die weite Welt schauen, Armut gibt es auch direkt vor der eigenen Haust\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n
In meinem vorherigen Job in einem deutschen Gro\u00dfkonzern habe ich zun\u00e4chst viele positive Lernerfahrungen sammeln k\u00f6nnen. Nach einer gewissen Zeit und mit zunehmender Verantwortung wuchs in mir die Unzufriedenheit mit den Gegebenheiten des Umfelds und ich entschied mich dazu zu k\u00fcndigen. So begann eine Phase gepr\u00e4gt von vielen Fragen:<\/p>\n\n\n\n
Wof\u00fcr mache ich meine Arbeit hier eigentlich? Wof\u00fcr setze ich meine F\u00e4higkeiten ein, die ich \u00fcber die Jahre gesammelt habe? Was m\u00f6chte ich erreichen und welchen Zweck soll meine Arbeit erf\u00fcllen? Warum bist du auf dieser Welt?<\/p>\n\n\n\n
Mir ist klar geworden, dass ich einen gesellschaftlichen Mehrwert mit meiner Arbeit leisten will. Klar, streng volkswirtschaftlich genommen liefert jede Arbeit einen gesellschaftlichen Mehrwert, aber ich m\u00f6chte einen kleinen Beitrag zu dieser Welt leisten, der in meinem Einflussbereich liegt.<\/p>\n\n\n\n
Es macht mir Spa\u00df Dinge zu bauen, die Probleme l\u00f6sen und die anderen oder auch mir selbst eine Freude machen. Ich habe in meinem ersten Startup gemerkt, dass es gro\u00dfartig ist zu sehen wie die eigene Idee zum Leben erweckt wird und von Nutzern angenommen wird.<\/p>\n\n\n\n
Wie ich aufgewachsen bin, welche Erfahrungen ich gemacht habe, unsere Wertegemeinschaft und die Chance alle m\u00f6glichen Dinge auszuprobieren haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin. Daf\u00fcr bin ich sehr dankbar und ich bin der \u00dcberzeugung, dass jeder diese M\u00f6glichkeiten haben sollte!<\/p>\n\n\n\n
Mit plusX m\u00f6chte ich genau dort ansetzen und jedem die M\u00f6glichkeit geben sich als Teil der Gesellschaft zu f\u00fchlen und Dinge auszuprobieren.<\/p>\n\n\n\n
Unsere Vision ist es einen Beitrag dazu zu leisten, die Schere zwischen Arm und Reich zu verkleinern.<\/p>\n\n\n\n
Wir sind der \u00dcberzeugung, dass die Teilhabe an Freizeitaktivit\u00e4ten gerade f\u00fcr Kinder- und Jugendliche ein zentraler Bestandteil des Aufwachsens ist und einen Beitrag zur Chancengleichheit – auch in anderen Bereichen \u2013 leistet. Wer beim Freibadbesuch im Sommer mit den Klassenkameraden dabei sein kann, hat auch bessere Chancen erfolgreich in der Schule zu sein, weitere soziale Kontakte zu kn\u00fcpfen und sich selbst als Teil einer Gemeinschaft zu sehen. Nicht an solchen Aktivit\u00e4ten teilzunehmen hat erhebliche Folgen f\u00fcr Aufwachsen, Wohlbefinden, Bildung und Zukunftschancen der Kinder.<\/p>\n\n\n\n
Jeder sollte die M\u00f6glichkeit haben seine Freizeit aktiv und selbstbestimmt zu gestalten. Bei plusX legen wir Wert darauf, dass finanziell benachteiligte Menschen sich selbst aussuchen k\u00f6nnen, welche Gutscheine sie in Anspruch nehmen \u2013 so wie es auch derjenige tut, der es sich leisten kann.<\/p>\n\n\n\n
Ganz am Anfang war die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung sich dauerhaft allein zu motivieren. In einem Team schafft man es sich gegenseitig zu motivieren und mit zu ziehen. Dar\u00fcber hinaus war es schwierig alle Schritte allein durchzudenken und niemanden dabei zu haben, der im Thema steckt und als Sparrings-Partner dient. Gl\u00fccklicherweise habe ich jetzt ein gro\u00dfartiges Team, mit dem ich mich zu allen Fragestellungen austauschen kann und in dem viele Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Ohne finanzielle Mittel war es gar nicht leicht, ein Team aufzubauen, was uns zum n\u00e4chsten Problem bringt: die Finanzierung<\/p>\n\n\n\n
plusX ist eine gemeinn\u00fctzige Organisation und damit f\u00fcr klassische Investoren relativ uninteressant. So blieb uns nichts anderes \u00fcbrig, als uns aus der eigenen Tasche zu finanzieren. plusX ist komplett aus Eigenleistung entstanden. Aus meiner Sicht ist das Thema Finanzierung ein besonderes Problem f\u00fcr Social-Startups und ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass die Politik die gute Idee von Social Impact Bonds weniger b\u00fcrokratisch gestaltet, Einstiegsh\u00fcrden beseitigt und damit auch Social-Startups f\u00fcr Investoren interessant macht.<\/p>\n\n\n\n
Aktuell ist die Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung f\u00fcr uns. Unsere Freizeitanbieter k\u00e4mpfen zum Teil ums \u00dcberleben, potenzielle neue Anbieter haben anderen Sorgen als Teil eines gemeinn\u00fctzigen Projektes zu werden und wiederum andere sind aufgrund der Auflagen und der einhergehenden beschr\u00e4nkten Kapazit\u00e4t bis Ende n\u00e4chsten Jahres ausgebucht. Da aktuell keine Freizeitgutscheine eingel\u00f6st werden k\u00f6nnen, arbeiten wir mit Hochdruck daran Online\u2011Angebote auf unserer Plattform zu integrieren.<\/p>\n\n\n\n
Grunds\u00e4tzlich richtet sich plusX an alle finanziell benachteiligten Menschen. Noch sind wir nur in K\u00f6ln aktiv, aber planen unser Angebot auf weitere St\u00e4dte auszuweiten.<\/p>\n\n\n\n
Unser Angebot wird bisher vor allem von alleinerziehenden M\u00fcttern angenommen. Oftmals sind diese berufst\u00e4tig, aber verdienen nicht gen\u00fcgend Geld, um ihren Kindern beispielsweise den Besuch in der Kletterhalle zu erm\u00f6glichen. Wir freuen uns mit den Familien und unseren Spendern gemeinsam \u00fcber jeden Gutschein, der genau solche Erlebnisse erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n
plusX funktioniert besonders einfach in drei Schritten:<\/p>\n\n\n\n
Bezogen auf den Spender unterscheiden wir uns von anderen Spendenorganisationen in drei Punkten. Der pr\u00e4gnanteste ist vermutlich das Live-Feedback \u00fcber die Wirkung der eigenen Spende, denn ich bekomme als Spender sofort mit, wenn meine Spende genutzt wird. plusX ist zudem so transparent wie keine andere Organisation. Im pers\u00f6nlichen Dashboard kann jederzeit exakt nachverfolgt werden welche Gutscheine von einer Spende gekauft und eingel\u00f6st wurden. Eine weitere Besonderheit liegt darin, dass wir unsere Verwaltungskosten nicht \u00fcber den Spender finanzieren. 100% der Spende kommen dem Zweck zugute. Ob man einem Kind 10\u20ac f\u00fcr das Kino in die Hand dr\u00fcckt oder online auf plusX einen Gutschein f\u00fcr 10\u20ac spendet, kommt auf das Gleiche hinaus.<\/p>\n\n\n\n
F\u00fcr Bed\u00fcrftige ist plusX ebenfalls eine Neuheit. Im Gegensatz zu bisherigen Verg\u00fcnstigungen durch Sozialp\u00e4sse, sind die Gutscheine von plusX kostenlos. Das ist wichtig, denn oftmals kann sich die Zielgruppe nicht einmal den Bus zur Veranstaltungsst\u00e4tte leisten. Abgesehen davon ist die Zielgruppe nicht darauf angewiesen, dass eine Organisation etwas f\u00fcr sie organisiert und anbietet, sondern kann auf der Plattform selbstbestimmt entscheiden wie die pers\u00f6nliche Freizeitgestaltung aussehen soll. Das Einl\u00f6sen der Gutscheine erfolgt dabei anonym, so dass Bed\u00fcrftige nicht wie Bittsteller wirken. Das bedeutet, dass der Empf\u00e4nger vor Ort nicht nochmal seinen Sozialpass zeigen muss, in dem viele pers\u00f6nliche Angaben stehen wie, der Wohnort, Dauer der Bed\u00fcrftigkeit oder Alter.<\/p>\n\n\n\n
Im Unterschied zu anderen Startups w\u00e4re es f\u00fcr uns eigentlich am besten, wenn es uns in 5 Jahren nicht mehr geben m\u00fcsste, weil das Problem von Armut beseitigt ist. Da diese Entwicklung weder abzusehen noch innerhalb von 5 Jahren realistisch zu erreichen ist, w\u00fcnschen wir uns bis zu diesem Zeitpunkt in vielen deutschen und vielleicht auch weiteren europ\u00e4ischen St\u00e4dten einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit zu leisten.<\/p>\n\n\n\n
Wir bedanken uns bei Felix Jakob Meuer f\u00fcr das Interview<\/p>\n\n\n\n
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder<\/p>\n\n\n\n