Mittwoch, Januar 21, 2026
StartFinanzierungOrbem erhält 55,5 Mio. Euro für KI-gestützte MRT

Orbem erhält 55,5 Mio. Euro für KI-gestützte MRT

Key Takeaways

  • Das Münchner Deeptech-Unternehmen Orbem hat eine Series-B-Finanzierungsrunde über 55,5 Millionen Euro abgeschlossen, um seine KI-gestützte MRT-Technologie international zu skalieren.
  • Die Finanzierung soll vor allem für den Markteintritt in den USA und eine Expansion in der Lebensmittelproduktion eingesetzt werden.
  • Orbems Technologie kombiniert Magnetresonanztomographie mit KI-Modellen zur nicht-invasiven Analyse biologischer Materialien.
  • Das Unternehmen bietet bereits Produkte in der Geflügelindustrie an, darunter Genus Focus zur Geschlechtsbestimmung von Embryonen und Genus Scale zum Erkennen unbefruchteter Eier.
  • Langfristig plant Orbem, ähnliche Verfahren auch auf pflanzliche Agrarprodukte zu übertragen und den US-Markt kommerziell anzugehen.

Das Münchner Deeptech-Unternehmen Orbem hat eine Series-B-Finanzierungsrunde über 55,5 Millionen Euro abgeschlossen. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine KI-gestützte MRT-Technologie international skalieren, insbesondere für Anwendungen in der Lebensmittelproduktion. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Markteintritt in den USA sowie auf neuen Einsatzfeldern in Agrar- und perspektivisch im Gesundheitssektor.

Series-B-Finanzierung als Grundlage für internationale Skalierung

Orbem hat eine Finanzierungsrunde über 55,5 Millionen Euro abgeschlossen, angeführt vom europäischen Deeptech-Investor Innovation Industries. Zudem beteiligen sich Supernova Invest sowie mehrere bestehende Investoren, darunter General Catalyst und 83North.

Vorgesehen ist, das Kapital für die internationale Expansion zu nutzen. Neben dem Aufbau des US-Geschäfts plant Orbem, seine bestehenden Lösungen in der Geflügelindustrie weiter auszurollen. Gleichzeitig soll die Technologie auf zusätzliche Bereiche der Lebensmittelproduktion übertragen werden. Auch eine spätere Anwendung im Gesundheitswesen ist Teil der langfristigen Planung.

KI-gestützte MRT für den industriellen Einsatz

Kern der Technologie ist die Kombination aus Magnetresonanztomographie und eigens entwickelten KI-Modellen. Die Systeme ermöglichen es, biologische Materialien nicht-invasiv und automatisiert zu analysieren. Anders als klassische MRT-Anwendungen sind die Systeme für den industriellen Dauerbetrieb ausgelegt und auf hohe Durchsatzraten optimiert.

Parallel baut Orbem einen umfangreichen biologischen Datensatz auf, der als Grundlage für das Training der KI dient. Ziel ist es, wiederkehrende biologische Muster zu erkennen und in Echtzeit auszuwerten. Nach Angaben des Unternehmens soll die Plattform so auf unterschiedliche Anwendungsfelder übertragbar sein, ohne jeweils neue Hardware entwickeln zu müssen.

Anwendungen von KI-gestützte MRT in der Geflügelindustrie als erstes Einsatzfeld

In der Geflügelindustrie ist Orbem bereits mit mehreren Produkten im Einsatz. Das bekannteste System, Genus Focus, dient der Geschlechtsbestimmung von Embryonen im Ei. Die Analyse erfolgt nicht-invasiv und in sehr kurzer Zeit. Damit bietet das System eine Alternative zu Verfahren, bei denen männliche Küken nach dem Schlüpfen getötet werden – eine Praxis, die in mehreren Ländern aus ethischen Gründen eingeschränkt oder verboten ist.

Ein weiteres Produkt, Genus Scale, erkennt unbefruchtete Eier vor der Bebrütung. Diese können frühzeitig aussortiert und anderweitig genutzt werden. Für Brütereien bedeutet das eine effizientere Nutzung von Kapazitäten und eine Reduzierung von Lebensmittelabfällen.

Künftig will Orbem ähnliche Analyseverfahren auf pflanzliche Agrarprodukte übertragen. Vorgesehen ist, innere Schäden oder Qualitätsmängel bei Obst und Gemüse zu erkennen, bevor die Ware den Handel erreicht.

Marktcheck: Tiefenanalyse mit KI-gestützte MRT gegen etablierte Prüfsysteme

In der Lebensmittelindustrie kommen bislang vor allem optische Inspektionssysteme, Röntgentechnik oder Stichprobenanalysen zum Einsatz. Orbems Ansatz hebt sich durch die Nutzung von MRT ab, die deutlich tiefere Einblicke in biologische Strukturen erlaubt.

Der Vorteil liegt in der präzisen, zerstörungsfreien Analyse. Gleichzeitig ist MRT-Technologie technisch anspruchsvoll und kostenintensiv. Ob sich der Ansatz breit durchsetzt, dürfte davon abhängen, wie gut sich die Systeme in bestehende Produktionslinien integrieren lassen und wie wirtschaftlich der Betrieb im Vergleich zu etablierten Prüfverfahren ist.

Im Wettbewerb positioniert sich Orbem damit nicht als klassische Softwarelösung, sondern als spezialisierter Technologieanbieter für klar definierte industrielle Anwendungsfälle.

USA-Expansion zwischen Marktpotenzial und freiwilligen Standards

Mit dem Eintritt in den US-Markt adressiert Orbem einen der weltweit größten Agrarmärkte. Anders als in Teilen Europas existieren dort bislang keine flächendeckenden gesetzlichen Verbote für das Töten männlicher Küken. Stattdessen wird der Markt stärker durch freiwillige Standards, Zertifizierungen und Handelsanforderungen geprägt.

Für Orbem bedeutet das: Der Markteintritt dürfte weniger regulatorisch, dafür stärker kommerziell getrieben sein. Entscheidend wird sein, ob große Produzenten und Handelsketten bereit sind, in zusätzliche Technologie zu investieren, um ethische oder qualitative Standards nachzuweisen.

Aussagen des Managements und der Investoren

CEO und Mitgründer Dr. Pedro Gómez betont, dass Orbem MRT erstmals vollautomatisiert und in sehr kurzer Zeit einsetze. Die neue Finanzierung solle helfen, die Expansion in den USA zu beschleunigen und weitere Branchen für die KI-gestützte MRT zu erschließen.

Von Investorenseite wird hervorgehoben, dass es Orbem gelungen sei, eine komplexe physikalische Technologie in industrielle Prozesse zu überführen. Die Plattform eigne sich aus Sicht der Geldgeber für mehrere Sektoren, bleibe aber stark von der erfolgreichen Skalierung abhängig.

Skalierung entscheidet über den nächsten Entwicklungsschritt

Mit der Series-B-Finanzierung hat Orbem die finanziellen Voraussetzungen geschaffen, um seine Technologie international auszurollen. Der nächste entscheidende Schritt wird sein, ob sich der MRT-basierte Ansatz auch außerhalb der Geflügelindustrie wirtschaftlich etablieren lässt.

Der Markteintritt in den USA dürfte dabei als Belastungstest dienen. Langfristig hängt der Erfolg des Unternehmens davon ab, ob es gelingt, neue Anwendungen zügig zur Marktreife zu bringen und die technologische Komplexität in stabile industrielle Prozesse zu übersetzen.

Foto/Quelle: Orbem

Markus Elsässer
Markus Elsässer
Markus Elsässer ist Gründer und Herausgeber des StartupValley Magazins und unterstützt mit seiner langjährigen Erfahrung Gründer und Start-ups mit praxisnahen Strategien und innovativen Lösungsansätzen. Neben der Organisation von Start-up-Events und Investitionen in zukunftsweisende Projekte begleitet er nun mit seinem Team den Umstieg von Verbrenner auf Elektromobilität im neuen Elektroauto-Magazin eAUTO Einsteiger – sowohl redaktionell als auch auf YouTube.
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