Mittwoch, Februar 28, 2024
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Mein Tipp ist, sich nicht von der eigenen Vision einschüchtern zu lassen

Orbem revolutioniert die Magnetresonanztherapie durch Deep Learning und verbessert damit Lebensmittelsicherheit, Wirtschaftsnachhaltigkeit und Krankheitsfrüherkennung

Stellen Sie sich und das Startup Orbem doch kurz unseren Lesern vor!

Hi, ich bin Dr. Pedro Gómez und habe Orbem mit Dr. Miguel Molina Romero und Dr. Maria Laparidou als Spin-off der Technischen Universität München ausgegründet. Gemeinsam mit einem internationalen und sehr diversen Team industrialisieren wir die Magnetresonanztherapie (MRT) durch den Einsatz von Deep Learning. Damit können wir zukünftig die Lebensmittelsicherheit erhöhen, den Weg hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft beschleunigen und die Krankheitsfrüherkennung verbessern. 

Mit unserer Lösung ist es möglich, eine Vielzahl biologischer Materialien zu scannen und zu analysieren, darunter Lebensmittel wie Eier und Nüsse, jegliche Pflanzen und Saaten, Baustoffe wie Holz und sogar den menschlichen Körper. Die KI übernimmt dabei die Rolle des Technikers und die des Radiologen, die in der klassischen Anwendung von MRT notwendig sind. MRT-Verfahren werden so um das Hundertfache kosteneffizienter und schneller, was sie für bisher unerschlossene Märkte einsetzbar macht. 

In der Geflügelindustrie haben wir bereits erfolgreich das erste Produkt gelauncht. Mit dem Orbem Genus Focus können Brütereien das biologische Geschlecht von Eiern in nur einer Sekunde pro Ei völlig kontaktlos und nicht-invasiv bestimmen. Damit bieten wir eine moderne und tierfreundliche Alternative zur umstrittenen Praxis des Kükentötens, die seit 2022 immerhin schon in Deutschland und Frankreich verboten ist. Wir hoffen, dass sich noch weitere Länder anschließen. Denn jedes Jahr werden in der EU fast 330 Millionen männliche Küken innerhalb weniger Stunden nach dem Schlüpfen in den Brütereien getötet. 

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Bereits 2012, als die KI-Welle begann, habe ich mich gefragt, wie diese Technologie auch in meinem damaligen Forschungsfeld, der klinischen Bildgebung, eingesetzt werden könnte. Das hat mich nicht mehr losgelassen. Als ich dann fünf Jahre später gemeinsam mit Miguel und Maria an der TU in München geforscht habe, sind wir dieser Frage gemeinsam nachgegangen und haben gemerkt, dass wir mit so einer Lösung viele Branchen gesünder und nachhaltiger gestalten können. Uns eint, dass wir alle sehr impact-driven sind, weshalb wir uns dann auch entschieden haben, die Forschung zu verlassen und da anzusetzen, wo wir den größten Hebel zur Veränderung haben. So kam es zur Unternehmensgründung 2019.

Welche Vision steckt hinter Orbem?

Wir möchten das KI-gesteuerte Bildgebungsverfahren für alle Branchen und jeden Menschen zugänglich machen, um Antworten auf die größten Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Prognosen sagen voraus, dass die Weltbevölkerung bis 2050 voraussichtlich fast 10 Milliarden betragen wird, weshalb auch die Nachfrage nach Lebensmitteln entsprechend steigt. Gleichzeitig sind lebenswichtige Ressourcen, wie sauberes Wasser und Ackerland, begrenzt und bereits heute stark durch die zunehmenden Auswirkungen der Klimakrise in Form von Überschwemmungen, Waldbränden und Wirbelstürmen bedroht.

Mit Orbem möchten wir uns diesem Blick in die Zukunft mutig und konstruktiv stellen, indem wir an einer Lösung arbeiten, die es Lebensmittelproduzenten ermöglicht, Pflanzensorten zu entwickeln, die weniger Ressourcen benötigen und widerstandsfähiger gegen den Klimawandel sind. Außerdem wird die KI-gesteuerte MRT-Technologie es zukünftig ermöglichen, Parasiten und Infektionen, die die Sicherheit unserer Lebensmittelkette gefährden könnten, frühzeitig via Scan zu erkennen und so umfangreiche Schäden zu verhindern. 

In der Bauwirtschaft streben wir mit dem Einsatz von KI-gesteuerter MRT-Technologie an, die strukturelle Belastbarkeit von biologischen und abbaubaren Materialien zu prüfen und die Trendwende zu mehr Nachhaltigkeit zu beschleunigen. 

Mit schnellen und kostengünstigen MRT-Lösungen möchten wir außerdem das Gesundheitswesen revolutionieren. Heute dauert ein typischer MRT-Scan des menschlichen Körpers mindestens 15 bis 20 Minuten und erfordert eine klinische Umgebung, Techniker und Radiologen. Mit KI-gesteuerten MRT-Scans entwickeln wir eine Lösung, mit der wir die benötigte Zeit pro Scan auf nur wenige Minuten reduzieren, ohne dass Techniker und Radiologen erforderlich sind. Das wird auch den Weg für autonome Testzentren ebnen, die sehr effizient Biomarker für Erkrankungen wie Alzheimer oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen identifizieren, Krankheiten in einem frühen Stadium erkennen und so die Behandlungschancen und die Lebensqualität der Patienten verbessern.

Von der Idee bis zum Start: Was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Es war natürlich sehr herausfordernd, ein Unternehmen während der Pandemie zu gründen. Neben vielen Faktoren, waren es vor allem die Lieferkettenprobleme, die uns zu schaffen gemacht haben. Zeitweise konnten wir keine Prototypen an unsere Kunden liefern. Stattdessen haben wir die Softwareentwicklung priorisiert, was uns im Rückblick sogar geholfen hat, schneller ein marktreifes Produkt zu entwickeln. Aber das konnten wir damals noch nicht so sehen, weshalb es eine sehr aufreibende Zeit war.

Grundsätzlich haben wir uns mit der Idee, die MRT-Technologie mit KI zu kombinieren, sehr viel vorgenommen und an etwas gearbeitet, von dem wir nicht wussten, ob es auch in der Praxis funktionieren wird. Einfach weil es vor uns noch niemand gemacht hat. Entsprechend gab es in der Produktentwicklung viele Hürden, die wir als Team genommen haben. 

Eine Herausforderung, die uns auch noch weiter begleiten wird, ist die richtige Kommunikationsstruktur für die jeweilige Unternehmensphase zu finden. Aktuell wachsen wir stark und da ist es entscheidend, alle mitzunehmen, aber eben auch dafür zu sorgen, dass wir nicht zu bürokratisch werden. Um jeweils die richtige Form dafür zu finden, ist das Thema fester Bestandteil unserer OKR-Planung. 

Wir sind VC-finanziert und haben gerade eine Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 30 Millionen EUR abgeschlossen. Angeführt wurde die Runde von 83North. Der neue Investor La Famiglia und die bestehenden Investoren The Venture Collective und Possible Ventures sowie Dr. Rüdiger Schmidt haben die Runde ergänzt. Zu unseren Investoren gehören ebenso einige der prominentesten deutschen Unternehmer: Personio Mitgründer Hanno Renner, Roman Schumacher sowie Chief Operating Officer Jonas Rieke, der ehemalige CEO von Zalando Rubin Ritter, die Forto Mitgründer Michael Wax, Erik Muttersbach und Chief Operating Officer Dr. Michael Ardelt, die Kinexon Mitgründer Dr. Alexander Hüttenbrink und Dr. Oliver Trinchera sowie Bastian Nominacher, Co-CEO und Mitgründer von Celonis.

Was die Finanzierung betrifft, sind wir entsprechend bestens aufgestellt und arbeiten außerdem bereits profitabel.

Wer ist die Zielgruppe von Orbem?

Unsere aktuell marktreife Lösung bietet einen Mehrwert für die gesamte Geflügel-Wertschöpfungskette: Legebrütereien, Mastbrütereien und Zuchthühnerbrütereien können davon profitieren, sogar die Produktion von Impfstoffen mit Eiern kann effizienter gestaltet werden. 

Wie funktioniert das Produkt von Orbem? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Unser KI-gesteuerte MRT-System arbeitet vollständig kontaktlos, nicht-invasiv und ist außerdem die kostengünstigste und effizienteste Option auf dem Markt. Bis heute haben wir bereits mehr als 22 Millionen Eier gescannt und analysiert. Einen direkten Wettbewerber haben wir nicht, denn wir bieten die einzige nicht-invasive Lösung an, die für alle Hühnerrassen funktioniert.
Die Eier durchlaufen einen Tunnel, werden gescannt und als männlich, weiblich oder nicht befruchtet bestimmt. Am Ende des Prozesses werden die als weiblich bestimmten Eier auf Tabletts gesammelt, während die als männlich und nicht befruchtet bestimmten Eier für die Produktion von Biogas, Tierfutter oder Impfstoffen verwendet werden. So werden die männlichen Küken vor dem Inkubieren und Töten am ersten Lebenstag geschützt. 

Orbem, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

In fünf Jahren möchten wir der Lebensmittel-, Bau-, und Gesundheitsbranche mit KI-gesteuerter MRT-Technologie bereits zu mehr Nachhaltigkeit verholfen haben. Außerdem arbeiten wir gerade an einer Plug-and-Play-Lösung für die Geflügelindustrie.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Mein Tipp ist, sich nicht von der eigenen Vision einschüchtern zu lassen, sondern weiter daran zu glauben und zu arbeiten. Insbesondere wenn es schwierig wird, wie bei uns im ersten Gründungsjahr.. 

Was uns zu Beginn sehr geholfen hat, waren öffentliche Fördertöpfe. Das kommt nicht für jedes Start-up in Frage, aber viele vergessen auch, dass es neben VC-Finanzierung eine gute Möglichkeit ist, die eigene Vision umzusetzen.

Dann kann ich empfehlen nicht dem Gründerkult zu verfallen. Natürlich hatten Miguel, Maria und ich gemeinsam die Vision für Orbem und damit den Stein ins Rollen gebracht, aber ohne unser Team wären wir nicht weit gekommen. Mit dem Bewusstsein dafür und der Wertschätzung für alle, die sich uns angeschlossen haben, mit uns an einer gesünderen und nachhaltigeren Zukunft zu arbeiten, starten wir jeden Arbeitstag. Darauf zu achten, kann ich angehenden Gründer:innen sehr empfehlen.

Wir bedanken uns bei Dr. Pedro Gómez für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: Orbem

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer
Sabine Elsaesser is an experienced entrepreneur and media/startup expert. Since 2016, she has served as the Chief Editor and CEO of StartupValley Media & Publishing. In this role, she is responsible for managing the company and providing strategic direction for its media and publishing activities. Sabine Elsaesser takes great pleasure in assisting individuals and businesses in reaching their full potential. Her expertise in establishing sales organizations and her passion for innovation make her a valuable advocate for startups and entrepreneurs.

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